WM 2026
WM 2026: Heftige Experten-Kritik an Thomas Tuchel nach England-Aus - "eine Coaching-Katastrophe"
Aktualisiert:
von Dominik Hagerran Fußball
WM 2026 - Tuchel wehrt sich mit Galgenhumor: "Natürlich ist Trainer schuld"
Videoclip • 03:36 Min
Thomas Tuchel steht nach dem Aus der Engländer im Fokus der Kritik. Zahlreiche Experten ziehen den Coach in die Verantwortung.
Nach der 1:2-Pleite im WM-Halbfinale gegen Argentinien wird es für England-Coach Thomas Tuchel ungemütlich. Insbesondere die destruktive Spielweise der "Three Lions" und die defensiven Wechsel des Trainers sorgten für reichlich Kritik.
In den englischen Medien war der Hauptverantwortliche schnell gefunden. "Tuchels Wechsel gehen nach hinten los!", stand beispielsweise in der Zeitung "The Mirror" geschrieben. "Die Vorwürfe werden noch Jahre anhalten", prophezeite "The Telegraph".
Besser kam Tuchel allerdings auch bei den meisten Experten nicht weg.
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Wayne Rooney knöpft sich Tuchel vor: "Man provoziert das Unheil"
Ex-England-Stürmer Wayne Rooney sprach in seiner Rolle als "BBC"-Experte Klartext. "Wenn man obenauf ist, muss man das auch bleiben. Wir gehen mit 1:0 in Führung, ziehen uns dann zurück, nehmen Wechsel vor und stellen auf eine Fünfer- oder Sechserkette um. Wenn man Messi und Argentinien kommen lässt, provoziert man das Unheil geradezu", schimpfte dieser in Richtung Tuchel.
Rooney dürfte sich vor allem darauf beziehen, dass der Coach in der 72. Minute mit Ezri Konsa einen Innenverteidiger für Außenstürmer Anthony Gordon brachte. Später kamen mit Nico O‘Reilly und Dan Burn zwei weitere Verteidiger.
"Als Tuchel diese Wechsel vornahm, dürften die Spieler auf dem Platz gedacht haben: 'Oh nein.' Sie wussten, was auf sie zukam. Sie hätten schon eine Riesenportion Glück gebraucht, um das Spiel über die Zeit zu bringen", sieht Rooney in den Defensiv-Wechseln ein fatales Signal für die Mannschaft.
"Wir waren in so einer guten Position – und wussten nicht, was wir tun sollten. wir haben uns zurückgelehnt und ihnen erlaubt, zurückzukommen", trauert der 40-Jährige der verpassten Final-Chance nach.
"Tuchel hat aufgegeben und Englands WM-Traum ruiniert", legte er mit harten Worten nach.
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WM 2026: Weitere England-Legenden kritisieren Tuchel scharf
Michael Owen stimmte seinen früheren Sturm-Kollegen zu. "Beim Stand von 1:0 drei Verteidiger einzuwechseln – welche Botschaft sendet das aus? Solange wir nicht verstehen, dass Mut und Courage bedeuten, unter Druck den Ball in den eigenen Reihen zu halten und das Spiel zu kontrollieren – statt den Ball einfach 40 Meter nach vorne zu schlagen oder zu köpfen –, wird das Ergebnis immer dasselbe sein", machte er seine Wut auf "X" deutlich.
Der 46-Jährige zog zum Vergleich das Verhalten der Spanier beim 2:0-Sieg gegen Frankreich heran. "Das ist Mut. Das ist Courage. Und dann schaut euch England beim Stand von 1:0 an. Wo liegt der Unterschied?", legte er den Finger in die Wunde.
England-Ikone Alan Shearer zog ebenfalls den Coach in die Verantwortung. "Tuchel hat seine Karten sehr, sehr früh gespielt und es ist nach hinten losgegangen", monierte er in der "BBC".
Chris Sutton wurde sogar noch deutlicher. "Das war eine Coaching-Katastrophe von Thomas Tuchel", zeigte sich der Premier-League-Meister mit den Blackburn Rovers aus der Saison 1994/95 bei "BBC Radio 5 Live" entrüstet. "Es liegt alles am Trainer. Er hat die Änderungen vorgenommen. Es war schlecht, also werde ich die Frage stellen, wie können wir Thomas Tuchel vertrauen, dass er dieses Team voranbringen wird?", stellte er die Trainerfrage.
Ex-Nationalkeeper Joe Hart zog Parallelen zu den Zeiten vor Thomas Tuchel. "Gareth Southgate wurde viel kritisiert für die Momente mit England, in denen sie in großen Spielen in Führung waren und den Laden dicht machen wollten. Ich sehe nicht, dass sich in diesem großen Spiel etwas geändert hat", führte er aus.
Lineker noch deutlicher: "Thomas Tuchel ein deutscher Spion?"
Noch deutlicher wurde Gary Lineker. "Ich frage mich nur, ob Thomas Tuchel so etwas wie ein deutscher Spion ist – ob wir von Deutschland unterwandert wurden. Ich denke das, weil die Deutschen im Moment selbst nicht besonders gut sind, sie kommen nicht einmal über die Gruppenphase hinaus. Also haben sie vielleicht jemanden eingeschleust", witzelte der frühere Weltklasse-Stürmer in seiner Netflix-Show "The Rest is Football".
Lineker räumte ein, der Spion-Spruch sei "natürlich nur Spaß", erinnerte jedoch an Aussagen von Tuchel nach dem WM-Auftakt in der Vorrunde gegen Kroatien (4:2). "Nach dem Kroatien-Spiel hat er doch gesagt: 'Wenn wir verlieren, dann verlieren wir, weil wir aggressiven, offensiven Fußball spielen.' Und dann hat er genau das Gegenteil gemacht, oder nicht?", monierte Lineker.
Die Taktik, gegen Lionel Messi und seine Argentinier mit einem tiefen Block zu verteidigen, sei "absolut unbegreiflich". Ferner fragte Lineker seine Studiogäste nach der Zukunft Tuchels, der seinen Vertrag Anfang des Jahres bis nach der Heim-EM 2028 verlängert hatte. Ex-Nationalspieler Joe Cole sagte, er habe sich "nie mit einem deutschen Trainer für England wohlgefühlt".
Der Weltmeister von 1966 sollte "in der Lage sein, dass ein englischer Trainer England trainiert". Zwar schätze er Tuchel, er bezeichnete es jedoch als "verrückt, ihm die Vertragsverlängerung zu geben, wenn er noch nicht das geliefert hat, weshalb er geholt wurde".
Patrick Vieira, 1998 Weltmeister mit Frankreich und lange beim FC Arsenal aktiv, sprach sich dagegen für Tuchel aus. "Ich finde, es wäre irre, ihn zu feuern und den Trainer zu wechseln. Das war sein erstes großes Turnier", sagte der 50-Jährige. Er verstehe die Frustration nach einem solchen Ausscheiden, "aber man muss ihm zumindest die EM geben, um zu sehen, wie weit es gehen kann."
WM 2026: Müller zeigt sich fassungslos
Kritik gab es jedoch nicht nur auf der Insel. Selbst Thomas Müller äußerte sich in einem selbst aufgenommenen Video wenig angetan von der Tuchel-Taktik.
"Ich kann es nicht fassen und nicht verstehen, wie England dieses Spiel nach der Führung angegangen ist. Ich kann nicht begreifen, wie sie es zugelassen haben, dass Argentinien aus idealen Positionen eine Flanke nach der anderen schlagen konnte", wunderte er sich.
WM 2026: Hummels moniert im Strafraum geparkten Bus
Mats Hummels bewertete dies bei "MagentaTV" ähnlich. "Das war ein Bus reinstellen, genau – aber leider dann zu passiv, vor allem rund um den Sechzehner rum. Wenn man das verteidigt, muss man super aktiv bleiben. Wenn du nicht als ganze Mannschaft, bis auf vielleicht den Mittelstürmer, komplett aktiv und aggressiv weiter verteidigst, dann wirst du erdrückt, weil dann fliegen zu viele Bälle rein. Dann kommt genau das", führte er aus.
Und der einstige Verteidiger wurde noch deutlicher. "Aber sie haben leider nicht die Lehren rausgezogen. Deswegen: Dieses sich früh reinfallen lassen und passiv werden – das ist der Tod von Führungen", kritisierte er Tuchel und dessen Team.
Iker Casillas, Weltmeister mit Spanien von 2010, sah das ähnlich wie die anderen Ex-Profis und schrieb auf "X": "England schießt ein Tor und zieht sich zurück - ein feiger Ansatz. Sie haben ihren eigenen Strafraum nicht verlassen und Argentinien mehr Raum für Vorstöße gelassen. Es folgte die logische Konsequenz. England hat das Spiel mit dieser Spielweise ganz allein aus der Hand gegeben."
WM 2026: Tuchel rechtfertigt sich - und nimmt Verantwortung auf sich
Tuchel zeigte sich nach der Partie nur teilweise selbstkritisch. "Ich bereue nichts", beteuerte der Coach. "Das Team hat alles gegeben. Wir waren sehr nah dran, wir haben verdient geführt, haben vielleicht unter den Umständen das beste Spiel gespielt. Das Team war top, wir konnten es einfach nicht ins Ziel bringen", zählte er die aus seiner Sicht positiven Aspekte auf.
Gänzlich unkritisch war er mit sich und dem Team allerdings auch nicht.
"Wir waren so nah dran, aber wir sind nach unserem Tor zu passiv geworden. Wir haben viele Chancen zugelassen und konnten den Ball nicht mehr halten", führte er aus. Man habe entschieden, auf Fünferkette zu wechseln, "weil die Abstände defensiv viel zu groß" gewesen seien. Dann habe Argentinien jedoch jeden Kopfball gewonnen.
"Wir haben nichts nach dem Tor verändert, aber das Spiel hat sich völlig verändert. Ich verstehe es, dass es diese Diskussionen gibt. Nach dem Spiel gibt es Millionen Trainer, die es besser wissen. Ich muss es entscheiden und nehme die Verantwortung auf mich", machte Tuchel deutlich, wenngleich seine Aussagen eher einer Aneinanderreihung von Rechtfertigungen glichen.
Trotz all der Kritik muss Tuchel laut Angaben der "Times" wohl nicht um seinen Posten fürchten und erhält bei der EM 2028 nochmal die Chance auf einen großen Titel.
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