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WM 2026 - Warum Japan sogar mehr als ein Geheimfavorit ist
Veröffentlicht:
von Kai Esserran Fußball
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Japan hat gegen Tunesien eine absolute Gala abgeliefert. Bereits gegen die Niederlande waren die Japaner stark. Das ist kein Zufall, sondern eine logische Entwicklung.
Wembley, Ende März, kurz vor 22 Uhr: Auf den Rängen verstummen die letzten Pfiffe, unten auf dem Rasen liegen sich japanische Spieler in den Armen.
England mit Trainer Thomas Tuchel, seit fast acht Jahren nicht mehr von einer asiatischen Mannschaft bezwungen, verliert mit 0:1 gegen Außenseiter Japan. England-Legionär Kaoru Mitoma trifft kurz vor der Pause, danach verteidigt Japan die knappe Führung über 90 Minuten clever und abgeklärt.
Es ist der erste Vorbote eines Turniers, das sich für die "Samurai Blue" zu etwas Besonderem entwickeln könnte: Auf das 1:0 in London folgten ein starkes 2:2 gegen die Niederlande zum WM-Auftakt und nun ein 4:0 gegen Tunesien - der höchste Sieg in der japanischen Geschichte bei einer Weltmeisterschaft.
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WM 2026 - Japans Trainer Moriyasu als langfristiger Architekt
Der wichtigste Baustein für diese Konstanz sitzt auf der Bank. Hajime Moriyasu ist seit 2018 japanischer Nationaltrainer, also fast acht Jahre im Amt. Im schnelllebigen Geschäft des internationalen Fußballs eine Ewigkeit.
Nach dem Achtelfinale bei der WM 2022 in Katar, bei dem Japan zuvor sensationell Deutschland und Spanien in der Gruppenphase bezwungen hatte, verlängerte der Verband seinen Vertrag bis 2026. Moriyasu wurde damit zum ersten japanischen Trainer, der nach einer Weltmeisterschaft im Amt blieb.
Der Kontrast beim zweiten Gruppenspiel gegen Tunesien hätte nicht größer sein können: Während die Nordafrikaner mitten im Turnier den Trainer wechselten und mit Herve Renard prompt 0:4 untergingen, baut Japan auf eingespielte Automatismen und eine klare taktische Linie.
Japan bei der WM 2026: Qualität in der Breite statt Einzelkönner
Auch personell zeigt sich die Weiterentwicklung in allen Mannschaftsteilen. In der Abwehr ist Hiroki Ito (FC Bayern) zum festen Bestandteil geworden, im Mittelfeld sorgen die Bundesliga-Stars Ritsu Doan (Eintracht Frankfurt) und Kaishu Sano (Mainz 05) für Struktur und Tempo.
Vorne liefert Ayase Ueda als Knipser der Mannschaft die nötige Durchschlagskraft. Gegen Tunesien war der Torschützenkönig der Eredivisie mit seinem Doppelpack der überragende Mann auf dem Platz.
Selbst von der Bank kommt Qualität: Gegen Tunesien brachte Moriyasu mit Yoichiro Suzuki einen weiteren Bundesliga-Legionär, der nahtlos ins System passt und nur vorerst zuschauen musste, weil der Europa-League-Finalist vom SC Freiburg sich im Saisonendspurt an der Schulter verletzte.
Diese Tiefe erlaubt es Japan, auch bei Rotation oder Ausfällen kaum an Substanz zu verlieren. ein Luxus, den sich nur wenige Nationen leisten können. Japan ist mittlerweile im Kreise der Top-Nationen der Welt angekommen. Vielleicht nicht was die Einzelkönner angeht, aber als Mannschaft.
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Japan 2026 wie Südkorea 2002? Individuelle Klasse gepaart mit unbedingtem Willen
Am deutlichsten zeigt sich der neue Anspruch der Japaner aber in ihrer Mentalität. Selbst beim komfortablen 4:0-Stand gegen Tunesien dachte die Mannschaft in der Nachspielzeit nicht ans Verwalten: Japan ging weiter ins Gegenpressing, ließ Tunesien keinen Meter geschenkt und attackierte hoch, obwohl die Partie längst entschieden war.
Genau diese Konsequenz macht den Unterschied zwischen einer guten und einer wirklich unangenehmen Mannschaft. Organisiert in der Defensive, zielstrebig im Umschaltspiel, kompromisslos im Pressing: kein Gegner geht aktuell gerne gegen diese Mannschaft auf den Platz.
Lange wurde Japan im Vorfeld der WM als Geheimfavorit gehandelt, ein Etikett, das eher nach freundlicher Randnotiz als nach echter Bedrohung klang.
Nach dem Coup in Wembley, der klasse Leistung gegen die Niederlande und dem souveränen Auftritt gegen Tunesien wirkt diese Einordnung inzwischen beinahe zu vorsichtig.
Mit vier Punkten und +4 Toren nach zwei Spieltagen hat "Samurai Blue" gute Karten auf den Gruppensieg.
Japan ist mittlerweile mehr als nur Fans, die das Stadion nach Abpfiff aufräumen. Sollte das Team diesen Weg fortsetzen, ist auch ein Lauf bis ins Halbfinale, wie ihn Südkorea 2002 beispielsweise hinlegte, keinesfalls mehr ausgeschlossen.
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