WM 2026
WM 2026: Wie die Trinkpausen den Fußball verändern
Veröffentlicht:
von Tobias Hlusiakran Fußball
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Bei der Weltmeisterschaft in den USA gibt es in jedem Spiel eine Trinkpause für die Spieler. Die dreiminütige Unterbrechung ist aber viel mehr als das. Sie verändert den Sport kolossal.
Aus Houston berichtet Tobias Hlusiak
Kai Havertz redete gar nicht erst um den heißen Brei herum.
"Wir haben ein paar Dinge geändert. Und das hat ja auch ganz gut funktioniert", sagte der deutsche Nationalspieler kurz nach dem deutlichen Auftaktsieg der DFB-Elf über Curacao.
Der Stürmer beschrieb allerdings keine Trainer-Ansprache in der Halbzeitpause, es ging ihm um die Unterbrechung nach knapp 22 Minuten.
Kurz zuvor hatte Deutschland den überraschenden Ausgleich hinnehmen müssen. Die Partie war nach überlegenem Start etwas in Schieflage geraten.
"Die Trinkpause hat dann tatsächlich geholfen", erklärte auch Julian Nagelsmann. Mit dem Griff zur Taktiktafel habe er den Spieler verdeutlichen können, "was wir schon vorher angepasst haben".
Der Plan ging auf und die Partie endete bekanntlich 7:1.
WM 2026: Trinkpausen vierteln das Spiel
Der Bundestrainer und sein "Neuner" sind nicht die ersten Beteiligten, die die Signifikanz der neuen Regel herausstellen.
Dass die Spiele bei dieser WM de facto in vier Vierteln und nicht mehr in zwei Halbzeiten ausgetragen werden, eröffnet ganz neue Möglichkeiten und verändert das Spiel.
"Jetzt hast du zweimal im Spiel zusätzlich die Chance", sagte Deniz Undav, "taktisch etwas zu verändern".
So sehen es auch andere Nationalteams. . "Ich finde das gut, weil wir dann im Trainerstab noch mal die Möglichkeit haben, ein paar Dinge anzusprechen, vielleicht auch ein paar Dinge zu korrigieren und anzupassen", sagte etwa der österreichische Teamchef Ralf Rangnick.
Ob das der Plan war, als die FIFA im vergangenen Winter die sogenannten "Hydration-Breaks" für das Weltturnier im amerikanischen Sommer mit dem Hinweis auf "die Gesundheit der Spieler" beschloss, darf bezweifelt werden.
Gleichermaßen aber auch, dass man die nun auftretenden Auswirkungen nicht hätte erwarten können.
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Trinkpause: Massive Gewinn der TV-Sender
Wahrscheinlich ist, dass andere Argumente bei der Entscheidungsfindung deutlich höhere Relevanz genossen. Denn die zusätzlichen Pausen bringen bares Geld, jede einzelne ist im TV vermarktbar.
So soll der US-Sender "Fox" laut "Wall Street Journal" mindestens 250.000 US-Dollar durch die Werbung in den Trinkpausen verdienen.
Es ist davon auszugehen, dass andere TV-Sendern ähnlich hohe Gewinne verzeichnen. So rechnet "ITV" in Großbritannien mit der kommerziell erfolgreichsten Fußballübertragung seiner Geschichte.
Ein Hinweis auf diese Denkweise ist, dass alle Partien gleichermaßen unterbrochen werden.
Die FIFA argumentiert an dieser Stelle zwar mit der leidenden Chancengleichheit, sollten nicht alle Spiele unterbrochen werden. Auch die, die gar nicht in extremen Hitzebedingungen gespielt werden.
Bastian Schweinsteiger bezeichnete die Regelung beim Spiel zwischen Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina in seiner Rolle als "ARD"-Experte als "fragwürdig". In Toronto wurde bei 26 Grad gespielt.
Und der niederländische Kapitän Virgil van Dijk meinte: "Man sollte jedes Spiel unterschiedlich betrachten."
Auch beim DFB-Auftakt hätten es zweimal 45 Minuten getan. Das Spiel gegen Curacao fand im geschlossenen und voll klimatisierten Stadion von Houston statt.
WM 2026: Havertz empfindet Pausen nicht als notwendig
Kai Havertz befand nicht ohne Grund: "Die Trinkpause war jetzt nicht so notwendig", es sei in der Arena "relativ kühl" gewesen. Dagegen habe er trotzdem "nichts".
Unterm Strich sind die zusätzlichen Pausen aber ein Eingriff ins Spiel, weshalb sichUS-Cheftrainer Mauricio Pochettino auch klar dagegen aussprach:
"Trinkpausen sollte es nur geben, wenn die Bedingungen extrem sind. Aber so hat der Gegner die Chance, etwas an seinem Spiel zu ändern, wenn es nicht so läuft für ihn."
Bleibt die Frage ob sich die Uhr auch im Blick auf kommende Turniere zurückdrehen lässt?
Zumindest bei FIFA-Events waren etwaige Änderungen zuletzt nach einer für den Ausrichter erfolgreichen Testphase eigentlich nie revidiert worden.
Es sieht also danach aus, als müsse sich der Fan für die Zukunft auf Fußballspiele in vier Vierteln einstellen.
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