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Schwimm-EM

Schwimm-EM: "Sprachloser" Wellbrock hat Vierfach-Triumph "im Hinterkopf"

Aktualisiert:

von SID

Vierfach-Weltmeister Florian Wellbrock

Bild: AFP/SID/MANAN VATSYAYANA


Nach seinem Erfolg über die zehn Kilometer triumphierte Wellbrock auch über die fünf Kilometer. Nach einer eher durchwachsenen Saison hat er nun den Vierfach-Triumph von 2025 in Singapur erneut im Visier.

Florian Wellbrock triumphiert bei der EM in Paris auch über fünf Kilometer - und wundert sich über sich selbst.

Florian Wellbrock zog sich langsam aus der Seine, setzte sich auf den Ponton und sortierte seine Gedanken. Erst dann stand der erneute Freiwasser-Europameister auf, ballte die Fäuste und breitete für die Fotografen die Arme aus.

"Das macht mich alles ein bisschen sprachlos", sagte der 28-Jährige nach seinem zweiten Triumph bei der EM in Paris, "ich habe absolut keine Erklärung, wo dieser Leistungssprung jetzt herkommt. Ich habe mit nichts gerechnet - und bin mit der zweiten Goldmedaille rausgekommen."

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Wellbrock will historisches wiederholen

Noch mehr als beim Sieg tags zuvor über die olympischen zehn Kilometer bestimmte der Freiwasser-Dominator das Rennen über die halbe Distanz vom Start bis zum Ziel - und ließ seinen Konkurrenten um David Betlehem aus Ungarn und dem italienischen Titelverteidiger Gregorio Paltrinieri nicht den Hauch einer Chance. Auch sein Trainingskollege Oliver Klemet, am Dienstag noch Dritter, kam als Zehnter nicht mit.

Das zweite Freiwasser-Gold in 24 Stunden weckte Erinnerungen an den historischen Vierfach-Triumph bei der WM vor einem Jahr - auch bei Wellbrock. "Ich habe gerade im Hinterkopf, dass ich das eventuell aus Singapur wiederholen könnte - mit vier Goldmedaillen", sagte der Magdeburger, fügte aber schnell an: "Erstmal den Ball flach halten."

Das hatte er schon vor der EM getan, als er nach einer schwachen Saison mit mehreren Krankheitspausen und schlechten Weltcup-Ergebnissen die "Medaillenhoffnungen auf ein Minimum" zurückgeschraubt hatte. Aus gutem Grund, wie er selbst glaubte. "Teilweise musste ich mit den Mädels trainieren, weil ich für die Jungs einfach zu langsam war", berichtete er.

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Trotz schwacher Saison will er jetzt die Bude einreißen

Bundestrainer Bernd Berkhahn fuhr die Trainingsumfänge in Magdeburg deutlich zurück, setzte statt auf intensive Belastungen auf Ausdauer. "Immer wenn ich versucht habe, mehr zu machen, ist er wieder zusammengebrochen", berichtete er. Auch vor den Wettkämpfen in Paris, wo Wellbrock vor zwei Jahren bei Olympia noch ein Debakel erlebt hatte, begann er früher mit der Entlastung als sonst.

"Das war der richtige Weg", meinte Berkhahn und fügte mit Blick auf die weiteren Starts am Freitag (11.15 Uhr) im Knockout-Sprint und am Samstag (10.00 Uhr) in der Staffel an: "Er will jetzt hier die Bude einreißen."

Der Sieg zum Auftakt über zehn Kilometer, als er zwischenzeitlich auf Rang drei zurückgefallen war, habe seinem Schützling "mental einen Wahnsinnsschub" gegeben, meinte der Coach. Und auch Wellbrock selbst kam bei der Suche nach Gründen für das eigentlich Unerklärliche auf die Psychologie: "Im Endeffekt ist es nur Sport, es ist ein Hobby, auch wenn wir damit unser Geld verdienen. Man sollte es nicht zu wichtig im Leben nehmen. Das ist meine Erkenntnis aus den letzten zwei, drei Jahren."

Fast Food als Belohnung

Der Druck, den er sich als zwischenzeitlicher "Retter" des deutschen Schwimmsports vor ein paar Jahren auch selbst machte, ist einer neuen Lockerheit gewichen. Nach seinem Olympiasieg 2021 in Tokio, dem ersten eines deutschen Schwimmers nach mehr als drei Jahrzehnten, hatte er "das Gefühl, dass ich einen Job zu erledigen hatte, auf den ich teilweise keine Lust hatte".

Jetzt gönnt er sich auch zwischen den Rennen Auszeiten. Nach Kaffee und Kuchen am Dienstag fiel die Belohnung nach dem zweiten EM-Gold etwas deftiger aus: "Vielleicht gibt's heute einen Burger mit Pommes." Damit rückte er auch außerhalb des Wassers immer näher an Rekordweltmeister Thomas Lurz heran, der seine zwölf WM- und fünf EM-Siege im Freiwasser regelmäßig mit Fast Food gefeiert hatte. Je drei Titel fehlen Wellbrock noch, um auch sportlich mit ihm gleichzuziehen.

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