Tennis
Alexander Zverevs langer Weg zur Nummer 1: Diabetes, Sportschule, Reisen auf der Tour - ein Leben für den Tennis-Erfolg
Aktualisiert:
von Franziska Wendler:newstime
Zverev wird erstmals Nummer eins der Tennis-Welt
Videoclip • 01:11 Min • Ab 12
Mehr als 13 Jahre nach seinem ersten Profimatch steht Alexander Zverev an der Spitze der Weltrangliste. Ein langer und steiniger Weg.
4.854 Tage nach seinem ersten Profimatch ist es vollbracht.
Beim ATP-Turnier in Wien hat Alexander Zverev das Viertelfinale erreicht. Die Runde der letzten Acht bei den Erste Bank Open in der österreichischen Hauptstadt ist aber nicht irgendein Viertelfinale bei irgendeinem Tennisturnier. Der Sieg gegen den Niederländer Tallon Griekspoor hat den großen Traum des 29-Jährigen endgültig Wirklichkeit werden lassen.
In zwei Sätzen konnte Zverev den Niederländer besiegen. Ein schnelles Break brachte den Deutschen früh auf die Siegerstraße im ersten Satz. Nach einem umkämpften zweiten Satz konnte Zverev allerdings ein Break zum 6:5 erzielen und schlug somit zum Sieg auf, den er sich per Ass mit dem ersten Matchball sicherte (6:4, 7:5).
Dass der Deutsche die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste werden würde, stand bereits seit einiger Zeit fest. Der verletzte Jannik Sinner kann seine Punkte bis zum Ende des Jahres nicht verteidigen, Carlos Alcaraz liegt im Ranking derweil viel zu weit zurück.
Es war also nur eine Frage der Zeit – und die ist dank des Achtelfinalsieges in Wien nun gekommen. Am kommenden Montag, dem 2. November 2026, wird Alexander Zverev erstmals in seiner Karriere als Nummer eins der Tennis-Weltrangliste geführt.
Es ist nach seinen zwei Grand-Slam-Titeln die vorläufige Krönung einer bemerkenswerten Laufbahn. Eine Laufbahn, für deren Erfolg der gebürtige Hamburger hart arbeiten musste.
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Zverevs Kindheit und Jugend: Diabetes hält ihn nicht auf
Sportlich wurde der Hamburger, der seinen Hauptwohnsitz inzwischen in Monaco hat, stets von seinen Eltern unterstützt. Papa Alexander Senior war selbst einst für die Sowjetunion im Davis Cup aktiv, später trainierte er die Söhne Mischa und Alexander Junior, genannt Sascha – den er noch heute coacht. Auch Zverevs Mutter Irina war Tennis-Profi und erreichte Platz 380 in der Weltrangliste.
Dass der Junior irgendwann überhaupt ein Tennisspiel auf Profiebene würde bestreiten können, schien zunächst nicht unbedingt wahrscheinlich. Bereits im Alter von vier Jahren wurde bei ihm Diabetes diagnostiziert. Eine professionelle Sportkarriere hielten die Ärzte seinerzeit für unrealistisch. Davon aufhalten ließ sich Zverev nie.
Im Kindesalter kämpfte vor allem seine Mutter Irina dafür, dass der inzwischen 29-Jährige seinen Traum vom Tennisprofi trotz Krankheit weiter verfolgen konnte. Nach dem Gewinn der US Open vor einigen Monaten bedankte sich Zverev bei seiner Siegeransprache emotional dafür.
Schon mit fünf Jahren hielt Zverev den Tennisschläger in der Hand. Seine Anfänge machte Zverev beim Uhlenhorster Hockey Club im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel, wo sein Vater als Trainer tätig war. Dort konzentrierte sich Alexander Senior jedoch zunächst auf die Karriere von Zverevs Bruder Mischa, der fast zehn Jahre älter als die neue Nummer eins ist.
Alexander Zverev verlässt die Schule für die Tennis-Karriere
Alex begleitete seinen großen Bruder schon in jungen Jahren auf dessen Weg in die Top 50 der ATP-Tour und lernte die Stars und Turniere der Tenniswelt so bereits früh aus nächster Nähe kennen.
Die Winter verbrachte Familie Zverev oft in Florida, wo Alex und sein ältere Bruder an der Saddlebrook Tennis Academy in Wesley Chapell trainierten. Das erste Mal stand er dort im Alter von sechs Jahren auf dem Court.
In Deutschland besuchte Alexander Zverev die Sportschule in Mannheim, wurde dort persönlich betreut und musste nur einmal im Monat vor Ort sein.
Schnell erkannte die Familie das Talent des jungen Zverev, der das Zeug dazu hatte, noch erfolgreicher als sein älterer Bruder zu werden. Um sich voll und ganz auf seine Tenniskarriere konzentrieren zu können, verließ er die Sportschule in Mannheim daher bereits nach der Mittleren Reife in der zehnten Klasse.
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Zverevs Karriere: Erste Erfolge im Juniorenbereich
Erfolge stellten sich dabei bereits in jungen Jahren ein. Sein allererstes Match auf ATP-Ebene bestritt er im Juli 2013 im Alter von 16 Jahren beim Rothenbaum-Turnier in Hamburg. Er erhielt dort eine Wildcard und verlor in der ersten Runde gegen den Spanier Roberto Bautista Agut.
2013 erreichte Alexander Zverev mit 16 Jahren das Junioren-Finale bei den French Open, Anfang 2014 wiederum gewann er die Junioren-Konkurrenz bei den Australian Open und spielte das erste Mal bei den BMW Open in München. Nur ein Jahr später nahm er erstmals an der Hauptrunde eines Grand-Slam-Turniers teil.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Im September 2016 gewann er mit 19 Jahren erstmals ein ATP-Turnier. Nach seinem Triumph im Finale von St. Petersburg folgte nur wenige Monate später, im Mai 2017, der erste Masters-Titel in Rom.
Zverev Olympiasieger in Tokio
Noch glorreicher wurde es Ende 2018, als er bei den ATP Finals, dem Turnier der besten acht Tennisspieler des Jahres, den Titel holte. Dafür schlug er unter anderem die Superstars Roger Federer und Novak Djokovic.
Die ganz großen Titel schienen nur noch eine Frage der Zeit – und doch sollte es ganz anders kommen. Bei den US Open 2020 erreichte Zverev erstmals ein Grand-Slam-Finale und stand kurz vor dem ganz großen Triumph.
Nur zwei Punkte fehlten zum Sieg, dann verließen ihn die Nerven. Gegner Dominic Thiem kam zurück und siegte in fünf Sätzen, Zverev war am Boden zerstört. Doch es sollte nicht lange dauern, ehe er einen Triumph der ganz anderen Art erleben durfte.
Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, für viele in Erinnerung als die Coronaspiele, versagten seine Nerven nicht. Nach einem Sieg gegen Djokovic im Halbfinale hatte im Finale auch der Russe Karen Chatschanow keine Chance.
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Schlimme Verletzung bei den French Open
Zverev krönte sich zum Olympiasieger, was beispielsweise Roger Federer nie gelang, und freut sich unbändig darüber, "für ganz Deutschland gespielt" zu haben. Der große Traum vom Grand-Slam-Sieg aber blieb – und sollte einen weiteren heftigen Dämpfer erhalten.
Im Jahr 2022 spielte Zverev exzellentes Tennis, hätte mit einem Sieg bei den French Open auch Platz eins in der Weltrangliste übernommen, doch es kam anders.
Im Halbfinale gegen Paris-Rekordsieger Rafael Nadal knickte Zverev um, sackte zu Boden und schrie. Eine schwere Knöchelverletzung wurde diagnostiziert, es folgten viele Monate voller Reha-Maßnahmen. Ein schwerer Einschnitt. Und eine Verletzung, die anderen Sportlern die Karriere gekostet hätte.
Doch Zverev ließ sich nicht entmutigen. Er trainierte unermüdlich, wieder und wieder. Vor allem aber bewahrte er den Glauben an sich selbst. Und das war auch bitter nötig. Denn nach den US Open 2020 sollten noch weitere Finalpleiten bei Grand-Slam-Turnieren folgen.
Stolz präsentiert Alexander Zverev die olympische Goldmedaille in Tokio
Bild: Paul Zimmer
Endlich Grand-Slam-Sieger
Im Januar 2024 unterlag er im Finale der French Open Carlos Alcaraz in fünf Sätzen, nachdem er bereits mit 2:1-Sätzen geführt hatte. Im darauffolgenden Januar musste er sich bei den Australian Open Jannik Sinner geschlagen geben.
Nach vier verlorenen Finals zweifelten viele bereits daran, dass es Zverev jemals schaffen würde. Er selbst zweifelte nicht. Und so kam es, dass bei den French Open 2026 endlich sein Grand-Slam-Fluch gebrochen wurde.
In einer fünf Sätze langen Nervenschlacht behielt er gegen den Italiener Flavio Cobolli die Oberhand. Mehr als 30 Jahre nach Boris Becker gewann wieder ein Deutscher einen Major-Titel.
"Danke an alle. Wir haben so viel durchgemacht. So viele Niederlagen, so viele Verletzungen. Wir waren Loser in den entscheidenden Momenten, aber jetzt sind wir Grand-Slam-Champions - und das zählt", jubelte Zverev bei der Siegerehrung auf dem Court Philippe-Chatrier.
Alcaraz mit Lob für Zverev
Dass er nur einige Wochen später gegen Sinner das Wimbledon-Finale verlor, verkraftete Zverev gut. So nutzte er bereits wieder bei den US Open seine Chance, legte nach einem miserablen Turnierstart einen Durchmarsch hin und schlug Lokalmatador Ben Shelton im Endspiel in vier Sätzen. Der zweite Grand-Slam-Titel für den Deutschen.
Dass dieser nun von Platz eins der Weltrangliste grüßen kann, verdankt er derweil – ganz im Gegensatz zur Meinung seiner Kritiker – nur bedingt den Verletzungen seiner Konkurrenten.
"Beim Tennis geht es nicht nur darum, den Platz zu betreten und an diesem einen Tag sein bestes Tennis zu spielen. Es geht auch um die Konstanz, die man während des gesamten Jahres zeigt“, lobte Konkurrenz Carlos Alcaraz Zverev nun am Rande des Turniers in Wien.
So habe der Deutsche das gesamte Jahr über konstant abgeliefert. "Ich freue mich für ihn, weil ich weiß, wie hart er gearbeitet und wie lange er dieses Ziel verfolgt hat. Er hat es sich vollkommen verdient."
Alexander Zverev, Nummer eins der Welt. Am Ende haben sich die 4.854 Tage Wartezeit gelohnt.
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