Preisgelder im Tennis
Tennis-Profis zwischen Rekordprämien und Geldproblemen
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von Oliver Jensenran Mehr Sport
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Videoclip • 01:15 Min
Tennis ist der lukrativste Einzelsport der Welt. Trotzdem fordern die Profis mehr Geld. Dahinter steckt nicht nur die Gier einiger Superstars. Was häufig vergessen wird: Hinter den Millionären an der Spitze gibt es zahlreiche Profis, die um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen.
Alexander Zverev hat sich mit dem Sieg bei den French Open einen Lebenstraum erfüllt – und finanziell ordentlich abgesahnt. 2,8 Millionen Euro betrug das Preisgeld. Dies entspricht einer Steigerung von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Carlos Alcaraz und Coco Gauff hatten im vergangenen Jahr jeweils 2,55 Millionen Euro erhalten.
Insgesamt schüttete der französische Tennisverband FFT 61,7 Millionen Euro an Preisgeldern aus. Die Entwicklung ist enorm. Im Jahre 2000 betrug die Gesamtsumme bei den French Open noch zehn Millionen Euro.
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Tennis ist bemessen an den Preisgeldern die lukrativste Einzelsportart, zumal es in Wimbledon (4 Millionen Euro) und bei den US Open (4,3 Millionen) noch mehr zu verdienen gibt. Selbst der Golfsport kommt nicht an diese Summe heran. Rory McIlroy gewann beim US Masters eine Rekordsumme von etwa 3,9 Millionen Euro.
Andere Sportarten hängen noch weiter zurück: Der Sieger bei der Tour de France oder der Weltmeisterschaft im Darts kommt jeweils auf etwa 500.000 Euro. Und doch sind es ausgerechnet die Tennis-Stars, die sich in den vergangenen Wochen über zu wenig Preisgelder beschwerten.
Tennis-Stars drohten mit Boykott
Aryna Sabalenka drohte vor den French Open sogar: "Ich glaube, irgendwann wird es einen Boykott geben." Soweit kam es bislang nicht. Im Vorfeld der French Open gab es lediglich einen Mini-Medienboykott, indem die Tennisprofis nur 15 Minuten für Interviews zur Verfügung standen.
Die Zahl 15 hat einen Hintergrund: 15 Prozent betrug bei den French Open ungefähr der Anteil, der vom Gesamtumsatz an die Tennisprofis ausgeschüttet wird. Zum Vergleich: In der NFL gehen rund 48 Prozent des Gesamtumsatzes an die Spieler.
Die Stars der Tennis-Szene kassieren trotzdem sehr viel Geld. Alexander Zverev und Jannik Sinner haben bislang jeweils rund 65 Millionen Dollar an Preisgeldern verdient, Novak Djokovic kommt auf mehr als 193 Millionen Dollar, Sabalenka auf über 45 Millionen Dollar.
Allerdings machen die Top-Stars nur einen sehr kleinen Teil der Tennis-Szene aus, wie Sabalenka in Bezug auf die Preisgeld-Debatte erklärte: "Hier geht es nicht um mich. Es geht um die Spieler, die in der Rangliste weiter unten stehen, die finanziell zu kämpfen haben."
Was viele vermutlich nicht ahnen: Tennisprofis mit finanziellen Sorgen sind keine Seltenheit, auch in Deutschland nicht.
Eine Tennis-Saison kostet mindestens 100.000 Euro
Veronika Rücker, die im Vorstand des Deutschen Tennis Bunds (DTB) u.a. für die Nachwuchsarbeit zuständig ist, erklärte im Mai bei einem Termin des DTB, bei dem auch ran anwesend war: "Aus meiner Perspektive benötigen Nachwuchsspielerinnen und -spieler in der Übergangsphase vom Jugend- in den Profibereich ein jährliches Volumen von grob 100.000 bis 120.000 Euro. Die Unterstützung und Förderung, die wir leisten können, liegt maximal bei einem Drittel bis einem Viertel dieser Kosten."
Das restliche Geld müssen die Spieler selber aufbringen. Tennis ist somit vielfach ein Zuschussgeschäft, weil die Kosten für Reisen, Trainer und Physiotherapeut auch dann anfallen, wenn man (noch) nicht vorne mitmischt.
Um als Tennis-Talent überhaupt eine Chance zu haben, müsste laut Rücker eine von zwei Voraussetzungen erfüllt sein: "Entweder hat man Eltern, die einen selbst trainieren und dadurch viele Kosten reduzieren können, oder man hat Eltern, die finanziell sehr gut aufgestellt sind."
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Tennis-Talent Schönhaus gibt zu: "Es ist schwer zu stemmen"
Ansonsten könnte es schwierig werden, wie auch Max Schönhaus feststellen musste. Der 18-Jährige gehört zu den größten Talenten Deutschlands und steht auf Platz 332 der Weltrangliste, hat aber bislang erst 78.213 US-Dollar an Preisgeld verdient.
"Es ist nicht einfach. Meine Familie hat am Anfang die Kosten alle selber übernommen. Als ich dann in die internationale Kategorie kam, hat natürlich der DTB sehr geholfen. Aber trotzdem ist es schwer zu stemmen", sagte er kürzlich gegenüber "Web.de".
Für junge Spieler wie ihn wäre es ein Traum, bei einem Grand-Slam-Turnier zu spielen – auch in finanzieller Hinsicht. Selbst ein Erstrunden-Aus bei den French Open wurde mit 87.000 Euro honoriert. Doch der Weg dorthin ist lang.
Eine Faustregel für Grand-Slam-Turniere besagt: Wer in den Top-100 der Weltrangliste steht, darf direkt teilnehmen. Wer zwischen Platz 100 und 250 rangiert, darf auf die Quali hoffen und müsste drei Spiele gewinnen, um im Hauptfeld zu stehen. Spieler, die noch weiter hinten stehen, können bestenfalls auf eine Wildcard für die Quali hoffen.
French-Open-Finalistin Chwalinska: Problem mit Hotelrechnung
In seltenen Fällen kann ein Qualifikant beim Hauptturnier überraschen. Emma Raducanu gewann 2021 als Qualifikantin die US Open. Bei den French Open in diesem Jahr meisterte die polnische Maja Chwalinska die Qualifikation und gelangte bis in das Finale. Stolze 1,4 Millionen Euro Preisgeld hat sie dafür bekommen.
Zuvor aber war sie knapp bei Kasse. Als sie unerwartet die zweite Turnierwoche von Paris erreichte und weitere Hotelnächte buchen musste, war sich die 24-Jährige nicht sicher, ob sie "genug Geld" habe. "Ich weiß, dass ich viel verdient habe hier, aber es kommt nicht sofort an, wisst ihr? Lasst uns sehen, betet für mich", sagte sie gegenüber der Presse.
Nun dürfte sich ihre finanzielle Situation deutlich verbessert haben. Allerdings landet nur ein Teil des Preisgeldes tatsächlich auf dem Konto – und das nicht allein wegen der Reise- und Personalkosten. Tennisprofis müssen ihre Einnahmen in dem Land versteuern, in dem sie erzielt wurden. In Frankreich können dafür Steuern von bis zu 45 Prozent fällig werden
Chwalinska wird das verschmerzen können, ein Top-Spieler wie Zverev sowieso. Doch für viele Tennisprofis, die jenseits der Top-100 stehen, ist Tennissport ein echter Existenzkampf.
Völlig unverständlich ist die Forderung nach höheren Preisgeldern daher nicht.
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