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Kansas City Chiefs: System ausgetrickst! Der Vertrag von Travis Kelce nutzt ein Schlupfloch
Veröffentlicht:
von Mike StiefelhagenNFL
NFL: Travis Kelce verkündet Verlängerung - und ruft Mahomes an
Videoclip • 01:05 Min
Travis Kelce hat bei den Kansas City Chiefs einen Dreijahresvertrag unterschrieben, der in Wirklichkeit ein Einjahresvertrag ist. General Manager Brett Veach zeigt dabei seine Raffinesse.
Travis Kelce hat seinen Vertrag bei den Kansas City Chiefs verlängert. Auf dem Papier bleibt der Tight End der Franchise sogar noch drei Jahre erhalten.
Doch der Kontrakt ist in Wahrheit nur ein Einjahresvertrag für den 36-Jährigen. Die Chiefs nutzen dafür eine Lücke im System. Besser gesagt General Manager Brett Veach.
Nach der Unterschrift kehrt Kelce für seine 14. und womöglich letzte Saison zurück. Angesichts hoher Salary Cap-Belastungen durch mehrere teuer bezahlte Spieler musste der GM kreativ werden.
Und nutzte dafür ein selten angewandtes Schlupfloch im Collective Bargaining Agreement zwischen NFL und NFL-Spielergewerkschaft. Dadurch bleibt Kelce für ein weiteres Jahr und kostet 12 Millionen US-Dollar.
Der Cap Hit für 2026 bleibt aber niedrig. Und die Dead Cap-Belastung für 2027 ist ebenfalls gering.
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NFL: Chiefs dribbeln das "Collective Bargaining Agreement" aus
Zur Erklärung: das "Collective Bargaining Agreement" zwischen NFL und der Spielergewerkschaft ist ein Tarifvertrag. Er regelt die Arbeitsbedingungen. Der aktuelle Deal hat bis 2030 bestand und klärt die Struktur der Arbeitspapiere. Wie dürfen diese aufgebaut sein, welche Regeln gibt es, welche Leistungen müssen erfüllt werden und mehr.
Zurück zum Fall Kelce und wie das "CBA" gedribbelt wurde. Laut "Sports Illustrated" sind Kelces 12 Millionen Dollar vollständig garantiert. Drei Millionen davon entfallen auf das Grundgehalt, weitere neun Millionen werden in Form einer Reihe von Kader-Boni ausgezahlt. Hinzu kommen weitere drei Millionen an Anreizzahlungen, die seine Gesamtvergütung auf bis zu 15 Millionen Dollar anheben könnten. Also das Erreichen gewisser statistischer Leistungen würde so belohnt werden.
Demnach soll Kelces Cap Hit im Jahr 2026 bei 4.896.667 Dollar liegen, während die Dead Cap-Belastung sowohl 2027 als auch 2028 jeweils 3.551.667 Dollar betragen soll. Der "Dead Cap" ist ein Abzug des Gehaltsbudgets eines Team, wenn ein Spieler vor Ende seines eigentlichen Vertrages entlassen oder getradet wird. Beziehungsweise wenn der Kontrakt früher endet als ursprünglich geplant.
Normalerweise würde ein Vertrag dieser Art - also ein Einjahresdeal - bei dem das Team den Cap Hit möglichst niedrig halten will, im darauffolgenden Jahr eine hohe Dead Cap-Belastung nach sich ziehen. In diesem Fall läge der Dead Cap 2027 bei 7.103.334 Dollar. Kansas City vermeidet dieses Szenario aber gekonnt.
NFL: Chiefs nutzen die "50-Prozent-Regel"
Denn es gibt die "50-Prozent-Regel", auch als "Deion Rule" bekannt. Diese ist nach Deion Sanders benannt. Und zurückgehend auf eine Vertragsstruktur, die die Dallas Cowboys vor Jahrzehnten bei ihm angewandt haben.
Die Regel besagt: Liegt die Summe aus Gehalt und Roster Boni eines Spielers im zweiten Jahr eines Mehrjahresvertrags unter 50 Prozent seiner Bezüge aus Gehalt und Roster Boni im ersten Jahr, dann wird die Differenz zwischen beiden Jahren für Salary Cap-Zwecke über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt.
Dem Bericht nach hat Kelce deswegen keinen Einjahresvertrag, sondern einen über drei Jahre unterschrieben.
Jetzt wird es mathematisch: Kelce hat für 2027 vermutlich ein Gehalt in Höhe des Liga-Minimums von 1.345.000 Dollar erhalten.
Dazu ein garantiertes "Poison Pill"-Gehalt von 40 Millionen Dollar für 2028, das bereits 2027 fällig wird. "Poison Pill" bedeutet: es ist eine bewusst hohe Summe, die greift, wenn es bis zum Datum "XY" keine Neuverhandlungen gibt. Kurz: die Chiefs müssen vor 2027 den Kelce-Vertrag anpassen oder auflösen, da sie sonst die horrende Summe von 40 Millionen zahlen müssten.
Das Gehalt für 2027 liegt zudem deutlich unter den 12 Millionen Dollar, die er 2026 verdient. Und genau dadurch greift die "Deion Rule", sodass die Differenz von 10.655.000 Dollar auf alle drei Vertragsjahre verteilt wird.
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Veach ist ein gewiefter Buchhalter
Das bedeutet im Klartext: 2026 schlägt lediglich ein Betrag von 1.345.000 Dollar aus seinem Grundgehalt von drei Millionen Dollar auf das Gehaltsbudget des Teams. Der exakt derselbe Wert wie sein Gehalt für 2027 (zuzüglich eines Drittels der über drei Jahre verteilten Differenz von 10.655.000 Dollar). In Summe ergibt das den gemeldeten Cap Hit von 4.896.667 Dollar für das Jahr 2026.
Dieses Konstrukt hilft Veach und den Chiefs außerdem dabei, 2027 keinen großen Dead Cap-Hit schultern zu müssen. Nach den üblichen Regeln für "Void Years" würde der in den Jahren 2027 und 2028 geplante Dead Cap mit Ablauf der kommenden Saison vollständig auf 2027 vorgezogen werden. Was eine Belastung von 7.103.333 Dollar erzeugen würde. Da Kansas City jedoch mit "voidable years" und nicht mit "void years" arbeitet, bleibt der Vertrag mit Beginn des Ligajahres 2027 weiterhin aktiv.
Nächste Erklärung: "Void Years" und "Voidable Years" sind künstliche Vertragsjahre, mit denen NFL-Teams Cap Hits strecken können. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie und wann der Vertrag endet. Kurz: "Void Years" sind zusätzliche Jahre am Ende eines Deals, die nur für die Buchhaltung eingebaut wurden. Wenn der Vertrag am vorgesehenen Punkt automatisch ausläuft, dann belasten die noch offenen, bisher nicht verbuchten Bonus-Anteile den Salary Cap. Das wird dann zu Dead Cap.
"Voidable Years" hingegen sind Jahre, die unter bestimmten Bedingungen aufgehoben werden können oder bei denen das Team bzw. der Vertragsmechanismus noch eine aktivere Steuerung zulässt. Dadurch kann das Team manchmal vermeiden, dass alles sofort als ein großer Dead-Cap-Brocken in ein einziges Jahr knallt.
Chiefs nutzen nächsten Trick
Dadurch kann das Team Kelce mit einer "Post-June-1-Designation" entlassen, sodass der Dead Cap für 2027 auch tatsächlich im Jahr 2027 verbucht wird, während der restliche Betrag erst 2028 fällig wird. Eine "Post-June-1-Designation" ist in der NFL eine spezielle Entlassungsform, mit der ein Team einen Spieler schon im Frühjahr entlassen kann, der Move für den Salary Cap aber so behandelt wird, als wäre er erst nach dem 1. Juni passiert. Dadurch kann das Team die verbleibenden Signing-Bonus-Anteile auf zwei Jahre verteilen, statt alles sofort in einem Jahr als Dead Cap schlucken zu müssen.
Da die Dead-Cap-Werte in beiden Jahren (2027 und 2028) identisch sind, wird diese Belastung faktisch in zwei gleiche Teile aufgesplittet. Jetzt kommt die "Poison Pill"-Idee zum Tragen. Denn die Höhe von 40 Millionen Dollar für das Jahr 2028, die im Juni 2027 wirksam wird, hat nur einen Sinn.
Und zwar dass Kelce entweder in diesem Zeitraum seine Karriere beendet oder einen neuen Vertrag aushandelt, sofern er und die Chiefs das möchten.
Es ist eine komplizierte, aber kreative Konstruktion, um handlungsfähig zu bleiben. Sie dribbelt den eigentlichen Sinn des Dead Caps aus.
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