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NFL: Rebuild unmöglich? Wie die Cardinals, Dolphins und Jets das Gegenteil beweisen wollen

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

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NFL: Ist sie Tom Bradys Neue?

Videoclip • 01:02 Min


Mit jeder Menge Dead Cap und ohne Aussicht auf kurzfristigen Erfolg gehen die Miami Dolphins, die Arizona Cardinals und die New York Jets in die Saison 2026. Doch mit Blick auf die mittelfristige Zukunft könnte diese Strategie der Beweis sein, dass ein Rebuild auch in der NFL möglich sein kann.

Von Chris Lugert

Fast 180 Millionen Dollar an Gehältern für Spieler ausgeben, die gar nicht mehr Teil des Teams sind? Klingt aberwitzig, ist bei den Miami Dolphins aber Realität. Zumindest für die Saison 2026. Skurrilerweise ist diese Summe aktuell sogar höher als jene für den tatsächlichen Kader, der ab Herbst für die Dolphins auf dem Platz stehen wird.

Es ist eine Strategie, die es in der NFL in dieser Konsequenz selten gegeben hat. Nun ist Miami nicht der erste Ort in der NFL-Geschichte, an dem Altlasten aussortiert werden. Wie brachial die neue Führung der Franchise dieses Unterfangen angeht, ist jedoch bemerkenswert.

Allein die Entlassung von Quarterback Tua Tagovailoa hinterließ fast 100 Millionen Dollar totes Kapital in den Büchern, das jedoch auf zwei Spielzeiten aufgeteilt wird. Auch Tyreek Hill und Bradley Chubb mussten gehen, der Trade von Jaylen Waddle belastet die Dolphins ebenfalls finanziell.

Dass bei einigen der genannten Spieler die finanziellen Aufwendungen der sportlichen Qualität nicht mehr angemessen waren, ist offenkundig. Tagovailoa etwa erlebte in den vergangenen zwei Jahren einen deutlichen Niedergang seiner Leistungen, wurde jedoch wie ein Topspieler der NFL auf seiner Position bezahlt.

NFL: Dolphins sind die Anti-Saints

Mit der Alters- und Finanzstruktur des Kaders sowie den eklatanten Baustellen auf wichtigen Positionen wie der Offensive Line waren die Aussichten auf Erfolg in den kommenden Jahren gering. Doch in der jetzigen Zusammensetzung sind die Dolphins ein legitimer Anwärter auf den Nummer-1-Pick 2027. Warum geht man diesen Weg so vehement?

Es ist die Hoffnung auf einen echten und erfolgreichen Rebuild. Etwas, das beispielsweise die New Orleans Saints über Jahre nicht versucht haben. Die Saints agierten am absoluten Limit des Salary Caps und versanken mit einem Durchschnittskader im grauen Mittelmaß der Liga, wenn nicht sogar noch tiefer. Doch statt die Altlasten zu beseitigen, verschob man Cap Hits einfach in die Zukunft.

Die Dolphins gehen den anderen Weg. Ein radikaler, schmerzhafter Schnitt, der kurzfristig Misserfolg prognostiziert, aber bereits den Weg ebnet, um gezielt neu aufzubauen. Für 2027 verfügt Miami laut "Spotrac" derzeit über einen vorhergesagten Cap Space von über 147 Millionen Dollar. Kapital, das genutzt werden kann, um vor allem in der Free Agency das sportliche Niveau des Kaders anzuheben.

Zumal Miami keine Spieler im Kader hat, bei denen sich in naher Zukunft große Verträge abzeichnen. Superstars sucht man vergebens. Das schafft ebenfalls Flexibilität für das Front Office um den neuen General Manager Jon-Eric Sullivan. Viel Cap Space, um eine Basis im Kader zu schaffen, und dazu der Draft als Mittel, um junge Talente zu finden. Das soll der Plan für die Zukunft sein.

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NFL: Cardinals mit größtem Cap Space für 2027

So ähnlich gehen auch die Arizona Cardinals die kommenden Monate und Jahre in der NFL an. Nach aktuellem Stand verfügen die Cardinals in der Free Agency 2027 über einen prognostizierten Cap Space von mehr als 173 Millionen Dollar, der Höchstwert aller Teams. Doch auch Arizona hat sich für 2026 finanziell zu einem radikalen Schritt entschieden.

Die Franchise trennte sich von Quarterback Kyler Murray, die Entlassung hinterließ immerhin stolze 55 Millionen Dollar Dead Cap in den Büchern, davon greifen 46,5 Millionen Dollar in diesem Jahr. Die finanzielle Situation ist nicht so krass wie in Miami, die generelle Ausrichtung aber folgt einem ähnlichen Modell.

Auch die Cardinals dümpeln seit Jahren im Niemandsland herum und sehnen sich nach Erfolgen, die in der alten Konstellation aber nicht mehr möglich schienen. Deshalb entschied man sich zu dem radikalen Schritt, seinen gut bezahlten Quarterback zu entlassen, das Dead Cap in Kauf zu nehmen und mit Blick auf die mittelfristige Zukunft ein neues, konkurrenzfähiges Team aufzubauen.

Gerade mit Blick auf eine - zumindest aktuellen Vorhersagen nach - breite und starke Quarterback-Klasse im Draft 2027 erscheint es sinnvoll, 2026 diesen Schritt zu gehen. So können in der Free Agency im kommenden Jahr dank des finanziellen Spielraums erfahrene Spieler geholt werden, die dem jungen Quarterback das Leben vereinfachen - ob gestandene Receiver, Offensive Linemen oder gerne auch Entlastung in der Defense.

Aaron Rodgers und Justin Fields belasten Jets-Cap

Das gilt auch für die New York Jets. Und weil die Jets halt die Jets sind, stehen für 2026 sogar noch zwei Quarterbacks mit massig Dead Cap in den Bilanzen, die nicht mehr zum Kader gehören. Aaron Rodgers belastet den Salary Cap der Franchise auch in der zweiten Saison nach seinem Abschied immer noch mit 28 Millionen Dollar, der kürzlich zu den Kansas City Chiefs getradete Justin Fields hinterlässt 20 Millionen Dollar.

Doch es sind nur die zwei teuersten und prominentesten Beispiele bei den Jets. Insgesamt beläuft sich der Dead Cap 2026 auf mehr als 100 Millionen Dollar. Dazu gehören auch die beiden Ex-Spieler Sauce Gardner und Quinnen Williams, die im Laufe der Vorsaison zu den Indianapolis Colts bzw. Dallas Cowboys getradet wurden.

Auf dem Papier ist die Situation bei den Jets die komfortabelste. Durch die Trades von Gardner und Williams verfügt die Franchise über fünf (!) Erstrundenpicks in den kommenden beiden Drafts, der Cap Space für die Free Agency 2027 liegt nach aktuellen Prognosen bei über 150 Millionen Dollar.

Ein wahres Schlaraffenland für jeden General Manager und eine Strategie, die den Fokus ganz klar auf die Zukunft legt. Doch anders als bei den Dolphins und den Cardinals stehen für die Jets 2026 bereits Jobs auf dem Spiel. Zu enttäuschend verlief das erste Jahr unter Head Coach Aaron Glenn.

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New York Jets trotz Rebuild bereits 2026 unter Druck

Während in Miami und Arizona die kommende Saison bereits mehr oder weniger abgeschrieben scheint, wird von den Jets mehr erwartet. Was auch daran liegt, dass der Kader der "Gang Green" Säulen besitzt, von denen die anderen beiden Teams nur träumen können.

Garrett Wilson ist einer der Top-Receiver der Liga, Running Back Breece Hall verfügt ebenfalls über viel Qualität. In Armand Membou und Olu Fashanu scheinen die Jets ihr Tackle-Duo für die kommenden Jahre gefunden zu haben. Was die Krux in New York noch einmal unterstreicht.

Denn mit dem bereits vorhandenen Kader und den dennoch enormen Möglichkeiten in Free Agency und Draft in den kommenden Jahren müssten die Jets eigentlich spätestens in drei, vier Jahren ein gesetztes Playoff-Team sein. Doch es sind die chronisch erfolglosen Jets.

Auch bei den Cardinals und den Dolphins liegen die großen Jahre bereits lange zurück. Doch sie wollen mit einer gewagten, aber durchdachten Strategie wieder eine Rolle in der NFL spielen. Wo Dead Cap lange verpönt war und tunlichst vermieden werden sollte, ist er nun ein zentrales Element zum Neuaufbau.

Als Vorbild dieser Entwicklung dienen offenbar die Denver Broncos. Diese trennten sich im März 2024 von Russell Wilson, nahmen damals unvorstellbare 85 Millionen Dollar Dead Cap in Kauf - und standen keine zwei Jahre später an der Schwelle zum Super Bowl ...

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