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NFL - Lamar Jackson: Baltimore Ravens sind eine tickende Zeitbombe - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Gianluca Fraccalvieri

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Videoclip • 01:16 Min


Die Baltimore Ravens haben sich mit der ausbleibenden Verlängerung von Lamar Jackson selbst in eine unmögliche Position bugsiert, aus der sie sich jetzt endlich befreien müssen, bevor es zu spät ist – ein Kommentar.

Es wirkt schon ein wenig merkwürdig, was da gerade in Baltimore los ist. Auf der einen Seite steht der ordentliche Draft und die gute Offseason mit der wichtigen Verpflichtung von Trey Hendrickson, auf der anderen Seite steht die undurchsichtige Situation um den wohl besten Spieler der Liga.

Lamar Jackson steckt mit 29 Jahren mitten in seiner Prime, wurde vor zwei Jahren MVP und geht nach seiner verletzungsgeplagten Saison 2025 komplett fit in die neue Spielzeit. Gleichzeitig steht er nach seiner Verlängerung über fünf Jahre und 260 Millionen Dollar 2023 nur noch bis Ende der Saison 2027 unter Vertrag.

Weil die Ravens in Jacksons Fall aber die Grauzone der Vertragsumstrukturierung völlig überreizt haben, müssen sie faktisch schon nach dieser Saison eine Entscheidung über die Zukunft ihres Superstars treffen.

NFL: Ravens haben Lamar Jacksons komplettes Gehalt umgewandelt

Der Grund dafür ist finanziell bedingt: Im März haben die Ravens Jacksons Grundgehalt von 51,25 Millionen Dollar komplett in einen Signing Bonus umgewandelt und sein Gehalt für diese Saison auf das Routinier-Minimum von 1,3 Millionen Dollar gedrückt.

Das hat ihnen in dieser Saison den Spielraum verschafft, um Hendrickson und Top-Pick Olaivavega Ioane unter Vertrag zu nehmen, ihre Zukunft haben sie sich damit aber ordentlich verbaut.

Das Geld verschwindet ja schließlich nicht, sondern wird einfach auf die kommenden Vertragsjahre gestreckt und führt zu einem riesigen Cap-Hit-Berg. Konkret beläuft sich dieser für die kommende Saison auf 84,9 Millionen Dollar, was rund 27 Prozent des gesamten Cap Space entspricht.

Berechnet man mit ein, dass die Ravens schon bei anderen Spielern Umstrukturierungen vorgenommen haben und die Verträge von Roquan Smith, Nnamdi Madubuike, Kyle Hamilton, Mark Andrews, Derrick Henry und Travis Jones zusammen weitere 145 Millionen Dollar kosten, haben die sie dann noch rund 100 Millionen Dollar für die restlichen 47 (!) Roster-Plätze zur Verfügung.

Eine tickende Zeitbombe.

Und das Schlimmste daran: Die Ravens haben sich selbst in diese Situation gebracht. Durch die Maximalumstrukturierung haben sie ohne Not alle verfügbaren Vertragsjahre ausgeschöpft, um Jacksons Gehalt zu strecken. Eine zweite Umstrukturierung 2027 zur Cap-Entlastung wäre zwar theoretisch noch möglich, würde aber deutlich weniger Cap Space bringen als die erste, weil schlichtweg keine Jahre mehr übrig sind, auf die man die Last verteilen könnte. Der Werkzeugkasten ist also jetzt schon fast leer.

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Baltimore Ravens haben drei Optionen bei Jackson

Schaut man sich die Situation ganz objektiv an, haben die Ravens daher nun drei Optionen:

  1. Sie einigen sich mit Jackson so bald wie möglich auf einen neuen Vertrag.

  2. Sie schauen sich nach einem Trade-Partner für ihren Franchise-Spieler um.

  3. Sie machen nichts und verlieren Jackson 2028 ohne Gegenwert.

Da die Optionen 2 und 3 nicht besonders erstrebenswert wirken, schauen wir uns mal Option 1 genauer an.

Bei Jackson ist die Besonderheit, dass er keinen Agenten hat und seine Verträge selbst aushandelt. Das hat 2023 aus seiner Sicht bereits hervorragend geklappt, als er mit einer Trade-Forderung nach langen Verhandlungen schließlich seinen Wunsch-Deal bekam.

Wie es um die aktuellen Verhandlungen steht, weiß man komischerweise aber nicht genau. Owner Steve Bisciotti hatte im Januar klargemacht, dass man Jackson zu denselben Konditionen wie vor drei Jahren verlängern möchte, nur mit noch größerem Gehalt. "Plug in your number and move on" war konkret sein Wunsch.

Seither ist aber nicht viel passiert. GM Eric DeCosta erklärte im März, dass man "keine Zeit mehr" für eine Verlängerung vor der Free Agency habe, weshalb die Umstrukturierung der Notfallplan war.

Was will Lamar Jackson?

Es ist demnach wahrscheinlich, dass die beiden Parteien bei den Gehaltsverhandlungen weit auseinanderliegen. Jackson wird mehr fordern als Dak Prescott (4 Jahre/240 Millionen Dollar) – wobei der Preis noch mehr steigen könnte.

Sollten die Ravens ihn nicht vor Saisonende verlängert bekommen, würde der Druck stetig größer werden. Neben dem ab März 2027 drohenden Cap Hit (85 Millionen Dollar) werden 2027 nämlich gleichzeitig Caleb Williams, Jayden Daniels, Drake Maye und Bo Nix verlängerungsberechtigt.

Da Quarterbacks ungern weniger verdienen als ihre Kollegen, dürften diese Verlängerungen die Gehaltsvorstellung von Jackson noch deutlich weiter in die Höhe treiben.

Hinzu kommt, dass Jackson sowohl eine No-Tag-Klausel als auch eine No-Trade-Klausel in seinem aktuellen Vertrag verankert hat. Selbst wenn die Ravens also wollen würden, könnten sie ihn nicht ohne seine Zustimmung zu einem anderen Team schicken.

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NFL: Ist ein Trade von Lamar Jackson realistisch?

Aber würden sie das überhaupt wollen? Ein anonymer GM zeigte sich gegenüber Insider Jason La Canfora von "Sports Illustrated" zumindest sehr verwundert von der Entscheidung der Ravens, Jacksons komplettes Gehalt umzuwandeln.

Um Hendrickson und Co. unter Vertrag zu nehmen, hätte es nämlich locker gereicht, nur 20 statt der 50 Millionen Dollar umzuwandeln. Das hätte die Situation für die kommende Saison entspannter und eine weitere Umstrukturierung sinnvoller gemacht.

"Sie hätten nicht den vollen Betrag umwandeln müssen. Wenn er raus will, hält ihn der Vertrag nicht zurück. Sie sind vorbereitet", führte der GM aus. Tatsächlich würden die Ravens durch Jacksons minimales Gehalt in dieser Saison sofort einen Trade-Partner finden, allerdings hätte dies 57,5 Millionen Dollar an Dead Money für diese Spielzeit zur Folge. Das kann und will Baltimore sich nicht leisten – zumal sie ja mit Jackson und ihrem neuen Head Coach Jesse Minter angreifen wollen.

Geht der Plan jedoch nicht auf und die Ravens legen die nächste enttäuschende Saison hin, wäre man kommende Offseason tatsächlich in einer realistischen Trade-Situation. Ein Trade nach dem 1. Juni 2027 würde das Dead Money auf zwei Cap-Jahre aufteilen und mit etwa 13 Millionen Dollar pro Jahr zu Buche schlagen. Das wäre schmerzhaft, aber machbar.

Ähnlich schmerzhaft wäre aber, wenn man mit Jackson nicht verlängern würde, er eine überragende Saison spielt und dann im Sommer 2027 alle Trümpfe in der Hand hält, um die Ravens finanziell richtig bluten zu lassen.

Die Ravens müssen also schleunigst zusehen, dass sie ihren Kopf aus der Schlinge bekommen und endlich mit Jackson verlängern. Andernfalls stecken sie bald in großen Schwierigkeiten – ganz unabhängig vom Ausgang der kommenden Saison.

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