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NIL und reiche Geldgeber: Wie Bezahlung im College Football die NFL kaputtmacht

Aktualisiert:

von Gianluca Fraccalvieri

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Videoclip • 02:17 Min


NIL hat den College Football komplett verändert, was auch weitreichende Folgen für die NFL hat. Im kommenden Draft zeigen sich diese erstmals deutlich.

Es ist nicht lange her, dass talentierte Spieler es gar nicht abwarten konnten, sich ihren Traum von der NFL zu erfüllen.

Sie gingen die vorgeschriebenen drei Jahre ans College, bis sie eligible für den Draft waren, und meldeten sich dann an, um endlich in der besten Football-Liga der Welt zu spielen.

2019 meldete sich noch eine Rekordzahl von 130 Underclassmen für den Draft an. Also jene Spieler, die vor Abschluss ihres Studiums deklarierten – typischerweise nach dem Junior-Jahr, statt das Senior-Jahr noch zu spielen. Dann kam aber NIL (Name, Image und Likeness) und veränderte alles.

Während Spieler vor 2021 nicht mal ein bezahltes Autogramm geben durften, ohne ihre College-Eligibility zu gefährden, konnten sie auf einmal Sponsoring-Deals, Social Media, Autogrammstunden etc. kommerzialisieren und damit richtig Geld verdienen.

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NIL: Top Prospects verdienen auf dem College bereits Millionen

So haben die besten Athleten seither schon in jungen Jahren richtig große Marken-Deals wie z. B. Top Prospect Dante Moore, der mit Nike, Beats by Dre und T-Mobile zusammenarbeitet. Davon profitieren jedoch vor allem schillernde Quarterbacks, während der Backup Linebacker daran kaum etwas verdient.

Hinzu kommen dann aber auch die "Collectives", die das NIL-System gnadenlos austricksen. Hier schließen sich reiche Fans oder anderweitige Geldgeber zusammen und gründen externe Organisationen, die dann Spieler für Social-Media-Posts oder Autogrammtermine fürstlich entlohnen. Es ist nicht unüblich, dass hier fünf-, sechs- oder siebenstellige Summen gegen minimalen Gegenleistungsanspruch fließen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Oregon mit Milliardär Phil Knight im Hintergrund.

Das war aber erst der Anfang. Richtig dick kam es dann am 6. Juni 2025, als Bundesrichterin Claudia Wilken dem House v. NCAA Settlement zustimmte. Durch dieses Urteil ist es Colleges in den Power-Five-Conferences seit dem 1. Juli 2025 erlaubt, Athleten erstmals in der Geschichte direkt zu bezahlen. Das läuft über eigene Einnahmen wie TV-Deals, Ticketverkauf und Sponsoring. Dafür gibt es wie in der NFL einen Cap Space (2025/26 waren es 20,5 Millionen Dollar), der jedes Jahr um rund vier Prozent ansteigen wird. Wie die Colleges das Geld verteilen, entscheiden sie dabei natürlich selbst.

Schaut man sich die genauen Zahlen mal an, wird auch klar, warum das für die NFL langsam aber sicher zu einem echten Problem wird.

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NFL Draft: College lohnt sich mehr als NFL

Von 2024 auf 2025 verdoppelten sich die Einnahmen der Football-Spieler am College laut "Opendorse" beinahe – von knapp einer Milliarde auf 1,9 Milliarden Dollar in der ersten Saison seit dem Urteil. Dieses Geld setzt sich aus dem Revenue Sharing der Universitäten (1,4 Mrd. Dollar), den klassischen NIL-Deals (rund 290 Mio. Dollar) und den Collectives (213 Mrd. Dollar) zusammen. Und die Tendenz ist steigend: In diesem Jahr soll die Zahl sogar auf 2,4 Mrd. Dollar klettern, 2027 dann auf 2,6 Mrd Dollar.

Die Folge ist, dass es talentierte Spieler auf einmal gar nicht mehr so eilig haben, in die NFL zu wechseln. Warum sollten sie auch? Shedeur Sanders verdiente 6,5 Mio. allein durch NIL in seinem letzten College-Jahr, ehe er im Draft fiel und erst in der fünften Runde über die Ladentheke ging. Bei den Cleveland Browns unterschrieb er dann einen Vierjahresvertrag über 4,6 Mio. Alleine in seinem letzten College-Jahr verdiente er also mehr Geld, als in seinen ersten vier NFL-Jahren zusammen kassieren wird.

Bei der Schnelllebigkeit der Liga überlegen die Top Prospects sich somit zweimal, ob sie wirklich schnell in die NFL kommen oder sich erstmal noch auf dem College die Taschen voll machen wollen.

Weitere Beispiele gefällig? Quarterback Quinn Ewers hatte NIL-Angebote über acht Mio. Dollar bei Texas auf dem Tisch. Er lehnte aber ab und unterschrieb als Siebtrunden-Pick bei den Miami Dolphins für vier Jahre und 4,3 Mio Dollar.

Etwas anders ist die Situation für Dante Moore, der lange als 2. Pick gehandelt wurde, dann aber doch noch ein Jahr in Oregon blieb. Wenn er an zweiter Stelle ausgewählt werden sollte, würde er rund 55 Mio. über vier Jahre machen, was sich finanziell für ihn rentieren würde. Anders ist es aber schon beim 32. Pick, der noch etwa 16 Mio. über vier Jahre verdient. Geht es dann in die späteren Runden, wird es noch deutlicher: Ab Runde vier gewinnt das College finanziell immer.

"Das größte Thema ist, dass zum ersten Mal in der Geschichte der National Football League Spieler Gehaltskürzungen hinnehmen", adressierte auch Eagles-GM Howie Roseman beim Draft Combine. Konkret zeigt sich das auch in der Anzahl der Underclassmen. 2022 waren es nur noch 73, in diesem Jahr sogar nur 63.

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NFL Draft: Überschwemmen alte Spieler die Liga?

Gute Spieler, allen voran Quarterbacks, die auf dem College Stars sind, in der NFL aber erst spät an Tag zwei oder Tag drei gezogen werden würden, nutzen ihre Jahre auf dem College lieber aus und wechseln von einem Team zum anderen – für viel Geld natürlich. Brendan Sorsby soll alleine für seinen Wechsel zu Texas Tech fünf Mio. bekommen haben.

Mittlerweile hat sich das College zu einer echten semi-professionellen Liga mit Einjahresverträgen entwickelt. Es ist nicht unüblich, dass Spieler in ihrer Laufbahn ein- oder sogar zweimal das College wechseln. Loyalität zu ihren Hochschulen ist unter NIL-Bedingungen schlichtweg nicht mehr gegeben. Von den 17 Quarterbacks, die "ESPN" 2024 in ihrer Auflistung der 300 besten Spieler des Landes aufführte, haben 13 mindestens einmal das College gewechselt, vier sogar dreimal in drei Jahren.

Die Spieler gehen dahin, wo ihnen das meiste Geld winkt. Top-Quarterbacks im Transfer Portal verlangten zuletzt stattliche drei bis fünf Mio. Dollar jährlich. Das nutzen sie natürlich aus und maximieren durch das Transfer Portal + Redshirt-Jahre + COVID-Bonus ihre Eligibility problemlos auf fünf oder sogar sechs Jahre. Der letztjährige Top Pick Cam Ward war fünf Jahre am College und spielte in dieser Zeit für drei verschiedene Unis.

Dadurch sinkt die Qualität des Drafts merklich und zusätzlich werden die Spieler, die in die Liga kommen, immer älter. Defensive End Akheem Mesidor, der Mitte der ersten Runde gezogen werden dürfte, ist beispielsweise schon 25 Jahre alt und damit in dem Alter, in dem "normale" Rookies schon in ihrem zweiten Vertrag sind. Paart man das mit dem natürlichen Decline, der in der NFL in einem Alter von rund 30 Jahren einsetzt, hat ein Spieler wie Mesidor nur noch fünf bis sechs Jahre auf absolutem Top-Niveau.

So wird die NFL bald überschwemmt werden von Spielern in den Mitte-Zwanzigern, die schon gestandene Profis sind, schwerer zu entwickeln und am Ende ihres Rookie-Vertrags schon deutlich näher am Ende ihrer Karriere stehen. Dazu haben sie oft schon so viel Geld verdient, dass sie vor ihrem ersten NFL Snap quasi ausgesorgt haben und nicht mehr zwingend alles geben müssen. Und dafür soll man dann einen Erstrunden-Pick investieren?

Es wird spannend zu sehen sein, wie sich dies in den kommenden Jahren entwickelt. Es hat das Potenzial, der Liga langfristig zu schaden.

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