3. Liga
1860 München: Hasan Ismaik kündigt Darlehen - folgt jetzt der Absturz?
Aktualisiert:
von Luis Woppmannran Fußball
Fußball: "4. Liga wäre das Beste" Netzreaktionen zur Finanzkrise von 1860
Videoclip • 02:31 Min
Aktuell herrscht Chaos bei 1860 München: Investor Hasan Ismaik kündigt kurzfristig ein finanziell wichtiges Darlehen. Bis zum 3. Juni muss der Klub seine Liquidität beim Deutschen Fußball-Bund nachweisen, sonst droht der Absturz in die Regionalliga. ran beantwortet die wichtigsten Fragen.
Es sollte die Saison für 1860 München werden: Mit Kevin Volland und Florian Niederlechner kamen nicht nur zwei gestandene Bundesliga-Profis, sondern auch hohe Erwartungen an die Grünwalder Straße.
Schlussendlich beendete der Verein die Saison auf einem enttäuschenden achten Platz. Damit würden die Sechziger kommende Saison in ihre neunte Spielzeit in der 3. Liga gehen - kein anderer aktueller Drittligist ist länger dabei.
Allerdings gibt es plötzlich Bedenken, ob 1860 die Lizenz für das kommende Jahr erhält. Der Grund: Der langjährige Investor Hasan Ismaik hat kurzfristig ein finanziell wichtiges Darlehen gekündigt. Aber wie kam es überhaupt so weit?
ran beantwortet die wichtigsten Fragen.
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3. Liga: Wieso muss 1860 München um die Lizenz zittern?
In der 3. Liga müssen alle Vereine im Zulassungsverfahren für die nächste Saison nachweisen, dass sie finanziell die komplette Saison stemmen können. Wie die "Bild" am 26. Mai berichtete, müssen die Löwen bis zum 3. Juni mit einer Summe von 2,7 Millionen Euro den Beweis ihrer Liquidität beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erbringen.
Andernfalls droht dem Traditionsverein der Sturz in die Regionalliga. Die fehlende Planungssicherheit soll laut "Absolut Sechzig" auch der Grund für ausstehende Personalentscheidungen sein.
In der Vergangenheit hatte der umstrittene Investor Hasan Ismaik derartige Fehlbeträge stets ausgeglichen. Das scheint diesmal allerdings sehr fraglich zu sein. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" war das finanzielle Minus, vor allem durch gestiegene Kaderkosten, bereits im Mai 2025 bekannt und von Ismaik gebilligt worden. Im Februar stellte sein Vertreter in Aussicht, das Defizit wie üblich per Darlehen auszugleichen.
Am 21. Mai kündigte Ismaik diese Darlehen jedoch kurzfristig.
1860 München: Wie reagierte das Präsidium auf die Kündigung des Darlehens?
In einem Statement des Präsidiums der Sechziger, das der "AZ" vorliegt, hieß es: "Die Erbringung eines Liquiditätsnachweises gegenüber dem DFB im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur 3. Liga ist für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ein regelmäßig wiederkehrender Vorgang zu Beginn einer neuen Spielzeit."
Trotz der angespannten Situation zeigte man sich dabei zuversichtlich: "Wir gehen aktuell davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird. Die entsprechenden Gespräche hierzu dauern an."
Gleichzeitig bat der Klub seine Fans um Geduld: "Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir einzelne Sachverhalte der Berichterstattung zum aktuellen Zeitpunkt nicht öffentlich kommentieren."
Und weiter: "Das Präsidium des TSV München von 1860 e. V. ergreift jedoch alle erforderlichen und angemessenen Maßnahmen, um die Rechtsposition des Muttervereins und seiner Mitglieder zu wahren und den Spielbetrieb der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA zu sichern."
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1860 München: Was sagt Hasan Ismaik zur Kündigung des Darlehens?
Am 27. Mai äußerte sich Ismaik via Social Media ausführlich zur Lage des Drittligisten. Der Investor betonte, den Verein in den vergangenen 15 Jahren mit knapp 80 Millionen Euro unterstützt zu haben. Gleichzeitig räumte er ein, dass die sportlichen und wirtschaftlichen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Die Verantwortung dafür sieht er jedoch bei allen beteiligten Parteien.
Der Grund für die Kündigung der Darlehen: Ismaik erklärte, dass wichtige vertragliche Verpflichtungen seitens des Vereins nicht eingehalten worden seien. Er fordert eine grundlegende Neuaufstellung mit modernen Managementstandards, Finanzkontrollsystemen und mehr Transparenz.
Laut seinem Social-Media-Beitrag hat Ismaik zwei zinslose Finanzierungsangebote vorgelegt, die den Verbleib in der 3. Liga sichern und eine Insolvenz abwenden sollen. Beide Alternativen sind jedoch an "strikte finanzielle Disziplin" geknüpft und warten noch auf die Zustimmung des Vereins.
Der Investor plädiert zudem dafür, das finanzielle Problem nicht länger von Saison zu Saison durch neue Kredite zu vertagen. Notfalls müsse man einen Schritt zurückgehen, um den Verein solide neu aufzubauen - die aktuelle Ligazugehörigkeit sei dabei "zweitrangig".
"Stabilität ist wichtiger als lose Versprechen, und Nachhaltigkeit ist wichtiger als Übergangslösungen", heißt es weiter in dem Statement.
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Wie reagierte 1860 München auf den Post von Hasan Ismaik?
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wies Geschäftsführer Manfred Paula die "erklärte Kündigung als unwirksam zurück".
Weiter sagte er: "Wir können aufgrund Ihrer Kündigung und der aufgestellten Forderung nicht mehr von einer Durchfinanzierung ausgehen (...) und wechseln vorsorglich in die Notgeschäftsführung."
1860 München: Was sind die Folgen für die Spieler?
Die Notgeschäftsführung habe demnach unmittelbare Folgen für die Spieler: "Dies bedeutet, dass wir bis auf Weiteres keine Zahlungen leisten können, auch keine Gehaltszahlungen", so Paula.
Laut der "Bild" würden nur acht Spieler im Falle eines Zwangsabstiegs einen Vertrag für die Regionalliga besitzen - der Großteil des Kaders könnte hingegen ablösefrei gehen. Trainer Markus Kauczinski wäre demnach wohl auch nicht zu halten.
1860 München: Wie reagiert Ismaik auf die aktuelle Situation?
Ismaik äußerte sich daraufhin ein weiteres Mal via Social Media. Dabei betonte er, dass er die Anteile des Vereins 2011 nicht gekauft habe, da er sich daraus einen finanziellen Gewinn erhofft hatte, sondern weil er geglaubt habe, die Löwen seien "eine Idee, eine Identität und eine gemeinsame Erinnerung, die sich nicht allein in Geld messen lässt".
Dabei schrieb er: "Deshalb habe ich den Verein mit nahezu achtzig Millionen Euro unterstützt - nicht, weil irgendein Return of Investition garantiert war, sondern weil der Glaube und die Begeisterung für einer Sache manchmal mehr zählt als monetäre Überlegungen."
Zudem gäbe es von Ismaik keine Schuldzuweisungen an die Geschäftsführung, Fans, dem Partner und sich selbst. Demnach hätte jeder, der für den Verein gearbeitet hat, dies mit dem Ziel getan, dass die Löwen überleben. Allerdings würden "gute Absichten nicht ausreichen, um die Zukunft zu bauen".
Der Verein brauche stattdessen "ein klares System, finanzielle und sportliche Disziplin und einen Entscheidungsfindungsprozess, in dem die Entscheider vereint wissen, was sie wollen, und bereit sind, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen."
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1860 München: Was schlägt Ismaik als Hilfsangebot vor?
Bis zum 3. Juni haben die Löwen noch Zeit, die notwendigen finanziellen Mittel aufzutreiben, um die Liquidität beim DFB nachweisen zu können. Der Verein könnte darauf hoffen, dass Ismaik die benötigten Gelder doch noch bereitstellt.
Laut der "Süddeutschen Zeitung" habe der Investor ein Finanzierungsmodell mit "besseren Konditionen als zuvor, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung", vorgestellt. Diese finanzielle Unterstützung sei allerdings nur dann möglich, wenn sieben Anforderungen des Jordaniers erfüllt werden.
Der Investor fordert demnach eine "ordnungsgemäße Finanzberichterstattung und Aufbau eines Compliance- und Finanzsystems bis Ende September 2026", die "Beauftragung eines neutralen externen Finanzexperten bis zum 30. Juni 2026", eine "Ausgabebeschränkungen zur Gewährleistung einer strikten Zweckbindung neuer Mittel", eine "strikte Einhaltung des genehmigten Budgets", einen "Verzicht auf Herabwürdigung" und die "Umstrukturierung der KGaA bis zum 31. Oktober 2026 auf der Grundlage eines vereinbarten Umstrukturierungsplans, der bis zum 30. Juni 2026 fertiggestellt werden soll".
Der Punkt "Verzicht auf Herabwürdigung" ist dabei etwas unklar formuliert und es geht nicht genau hervor, was der Investor meint - möglicherweise geht es um die kontroverse Anti-Ismaik-Fahne aus der aktiven Fanszene.
Zuletzt fordert Ismaik noch eine "Exit-Unterstützung", was bedeutet, dass der 1860 München e.V. im Falle eines Verkaufs von Ismaiks Anteilen auf sein Vorkaufsrecht verzichtet - anders, als es beide Seiten damals im Kooperationsvertrag festgelegt hatten.
Dadurch hätte der Verein kein Vorkaufsrecht mehr, sollte der Investor einen Käufer für seine Anteile gefunden haben. Bisher hat er das Recht, Ismaiks Anteile an einen Interessenten zu verkaufen, der einen höheren Preis bietet als ein von Ismaik gewonnener Käufer. Dass der Verein diesem Punkt zustimmt, scheint äußerst unwahrscheinlich.
1860 München: Was sind die Alternativen zu Hasan Ismaik?
Ohne Ismaik gäbe es die Möglichkeit, dass sich 1860 München eigenständig nach Geldgebern umsieht. Gerüchten zufolge soll unter anderem eine Investoren-Gruppe um den ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger an einem Einstieg interessiert sein.
Eine andere Option wäre der Verkauf von weiteren Gesellschaftsanteilen. Derzeit besitzt der Verein 40 Prozent seiner Anteile, Ismaik 60. Allerdings müsste ein möglicher Anteilskauf erst von den 27.254 Mitgliedern genehmigt werden.
Zudem käme noch die Aufnahme eines Kredits infrage. Laut Kooperationsvertrag müsste Ismaiks den neuen Darlehen allerdings erst zustimmen. Darüber hinaus würde dieser Schritt das Problem nur verschieben: Spätestens im Herbst müsste der Verein eine positive Führungsprognose nachweisen, wobei das Eigenkapital laut DFB-Statuten nicht weiter sinken darf - genau das wäre allerdings die Folge von weiteren Darlehen.
Zuletzt bliebe noch der Verkauf von teuren Leistungsträgern. Vor allem Sean Dulic und Sigurd Haugen sollen dabei wohl bei vielen Vereinen auf der Liste stehen. Laut dem Portal "transfermarkt.de" kommen die beiden auf einen Marktwert von 1,8 Millionen Euro.
Sollte der Verein keine Zulassung für die 3. Liga erhalten, würde der Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern folgen - für diese hatte der Verein bereits erfolgreich am Zulassungsverfahren teilgenommen und alle Voraussetzungen erfüllt. Für die Lizenz bräuchten die Sechziger nur rund 50.000 Euro. Nutznießer wäre in diesem Fall der TSV Havelse, der dadurch auch im nächsten Jahr in der 3. Liga antreten würde.
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