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Bundesliga: Deniz Aytekin erklärt seinen Schiri-Abschied auch mit Elfmeter-Szene um Dirk Nowitzki
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von ran.deran Fußball Bundesliga
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Videoclip • 01:10 Min
Nach der laufenden Saison beendet Bundesliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin nach fast 20 Jahren im deutschen Fußball-Oberhaus seine Karriere. Vorher verrät er einige Anekdoten und erklärt, was er sich für das aktuelle Jahr noch gewünscht hatte.
Mehr als 250 Bundesliga-Spiele pfiff Deniz Aytekin seit 2008, dreimal wurde er als Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet. Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine war der Franke als Additional Assistant Referee dabei, war bis 2022 international im Einsatz. Auch das DFB-Pokal-Finale 2017 zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt (2:1) pfiff er.
Bereits zu Beginn der aktuellen Spielzeit verkündete der 47-Jährige, dass für ihn im Sommer Schluss sein soll. Bevor es so weit ist, ließ er seine Karriere in einem großen "kicker"-Interview noch mal Revue passieren. Darin geht es auch um Dirk Nowitzki, seinen Gesichtsausdruck und einen Kilometerrekord.
ran zeigt die besten Aussagen.
Aytekin wird Dauerkarten-Fans vermissen
Deniz Aytekin über...
...ein Schlüsselereignis, das ihn zum Karriereende bewogen hat: "Dirk Nowitzki ist nur ein paar Wochen älter als ich. Vor einiger Zeit habe ich ein Benefizspiel in Frankfurt gepfiffen. Nowitzki steht da traditionell im Tor, und es war das absolut einzige Mal in meiner Karriere, dass man mir vor dem Spiel gesagt hat: Du musst einen Elfmeter geben."
"Und dann habe ich das auch trotz all meiner Unparteilichkeit geschafft, diesen Elfmeter zu geben, ich glaube, irgendeine Kraut-und-Rüben-Aktion von Sebastian Vettel. Und was mich wirklich tief berührt und sehr nachdenklich gestimmt hat, war der beschwerliche Weg von Dirk Nowitzki vom Tor bis zum Elfmeterpunkt. Mir war klar, selbst bei einem Ausnahmesportler wie ihm sieht man irgendwann, wie viele Jahre Hochleistungssport im Körper stecken. Da habe ich für mich gedacht: Ich möchte aufhören, solange ich mich noch wirklich gut bewege. Noch kann ich das."
...etwas, das er besonders vermissen wird: "Wenn du in manche Stadien reingehst, dort Dauerkarten-Fans seit 15 Jahren an derselben Stelle siehst und von so vielen Leuten persönlich begrüßt wirst, dann ist das wirklich etwas Besonderes."
"Es sind ja meistens die gleichen Zonen beim Warmmachen. Und dann sind da eben Leute, die seit Ewigkeiten dort ihre festen Plätze haben und einen immer freundlich begrüßen und verabschieden, oft sogar egal, wie die Ergebnisse für die eigene Mannschaft sind. Es ist ja nicht immer nur Hass und Ablehnung, sondern es gibt ganz tolle Momente, die einem viel Energie gegeben haben und auch das Gefühl: Hey, cool, ich gehöre irgendwie zu dieser Fußballfamilie dazu."
...Extrawünsche für seine letzte Saison: "Ich wollte zum Beispiel unbedingt noch mal nach Aachen, das alte Tivoli-Stadion war saucool, das neue kannte ich noch nicht. Also durfte ich ein Spiel der Alemannia leiten (3:1 gegen Verl am 21. Februar, d. Red.)."
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Aytekins besonderer Austausch mit Neymar
...Momente, die er während seiner Abschiedssaison besonders genossen hat: "Die Torhymne beim HSV zum Beispiel, 'Always hardcore' von Scooter, super! In meinem Alter kennt man die ja noch (lacht), die will ich bald auch mal in einem Konzert erleben."
...seine Mimik: "Ich habe leider das Problem, dass ich mit meinem ganz normalen Gesichtsausdruck oft wirke, als ob ich besonders böse schaue. Kürzlich hat ein Spieler sofort abwehrend die Hände gehoben und meinte: 'Ich hab' doch gar nix gemacht!' Ich hab' dann gesagt: 'Sorry, ich hab' dich doch nur ganz normal angeschaut.'"
...eine besondere Sprachbarriere: "Ich durfte mal ein Spiel Schweiz gegen Brasilien leiten und wusste, dass Neymar damals noch nicht gut Englisch sprach. Also habe ich ein paar Bruchstücke Portugiesisch gelernt, um ihn im Notfall damit zu erreichen. Dann gab es eine Szene, in der er minimal berührt wurde, und ich meinte dann zu ihm auf Portugiesisch, das sei viel zu wenig gewesen. Daraufhin hat er mich in seinem besten Portugiesisch zugetextet, ich habe natürlich kein Wort verstanden, habe nur gelacht und bin weitergelaufen. Meine Assistenten, die per Funk alles mithörten, haben sich natürlich kaputtgelacht."
...die Geschichte hinter seinem Kilometerrekord während eines Lizenzfußballspiels: "Im Sommerlehrgang 2017 erzählte Rainer Werthmann (aktuell Sportlicher Leiter der Zweitliga-Schiris in der DFB Schiri GmbH, d. Red.), dass Harm Osmers in einem Spiel wohl über zwölf Kilometer abgespult hatte. Rainer und ich tauschten Blicke, er meinte nur: 'Du wirst in deinem Leben keine zwölf Kilometer laufen.' Ich dachte: Da wette ich dagegen und habe bis zum letzten Spieltag gewartet: Duisburg gegen St. Pauli. 2. Bundesliga, 13. Mai 2018, es ging um nichts mehr."
"Bin ich 98 Minuten ununterbrochen gelaufen, habe dabei drei Gelbe Karten verteilt. Bei der ersten wollte der Spieler mit mir reden, ich habe nur gesagt: 'Tut mir leid, ich muss weiterlaufen.' Beim MSV war Ivica Grlic Manager, er fragte mich in der Halbzeit: 'Sag mal, trainierst du für einen Marathon oder was machst du hier?' Am Ende betrug meine Laufdistanz 14,36 Kilometer."
...Werthmanns Reaktion auf den Rekord: "Er schuldet mir dafür noch ein Essen. Zu Grlic habe ich nur gesagt, ich wollte mal gucken, was in so einem Zweitligaspiel maximal machbar ist.“
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Aytekin hätte gerne Istanbuler Derby gepfiffen
...eine dunkle Stunde in seiner Karriere: "Ich pfiff Albanien gegen Israel, es gab ganz konkrete Attentatsdrohungen, das Stadion wurde drei Stunden vor dem Spiel gewechselt. Die israelische Mannschaft wurde mit mehreren Bussen zum Stadion gefahren, damit niemand wusste, wer in welchem Bus sitzt. Der Geheimdienst Israels, der Mossad, sagte mir: Pass auf, wenn irgendwas ist, komm zu uns, wir können eine Woche im Stadion überleben. Dann denkst du: Ist es das noch wert, was ich hier mache? Genauso bei Montenegro gegen Russland, als der russische Torhüter nach fünf Minuten von einer Leuchtrakete am Kopf getroffen wurde und am Boden lag."
...das einzige, das er in seiner Schiri-Vita vermisst: "Ich hätte gerne ein Istanbuler Derby geleitet. Ich bin zwar Deutscher, aber meine Eltern leben in der Türkei, deshalb war das für mich leider nicht möglich."
...den Umstand, dass er nie ein EM- oder WM-Spiel gepfiffen hat: "Ich war ja bei Wolfgang Stark immerhin Torrichter bei der EM 2012, wir hatten das Eröffnungsspiel Polen gegen Russland sowie Kroatien gegen Spanien. Als Sportler willst du viel erreichen, aber du musst auch anerkennen, dass du zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein, die richtige Performance abliefern musst. Und dass bestimmte Faktoren zusammenkommen müssen. Bei mir war es halt nicht so. Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch? Ich habe vor denen, die das geschafft haben, großen Respekt. Ich weiß, was ich alles in meinem Leben erreicht habe, und denke nicht, dass es das Allerschlimmste ist, dass eine WM oder EM auf meiner Visitenkarte fehlt."
Aytekin wurde von Chefarzt übel beleidigt
...eine besonders heftige Anfeindung: "Fünf Tage nach einem Spiel hat mir ein Chefarzt eine Mail geschrieben. Da war 'Arschloch' noch das Freundlichste. Und das nach einem Spiel, nach dem es im TV oder im 'kicker' keine Kritik gab. Da habe ich mich wirklich gefragt: Was passiert in diesem Menschen, der auch noch in hochverantwortlicher Position Menschen behandelt, dass er so mit mir umgeht?"
"Ich habe der Klinikleitung geschrieben und gefragt, ob das der normale Umgang ist, weil ich ja auch Patient dort sein könnte. Die haben sich gleich entschuldigt. Es ist eigentlich nicht meine Art, Leute zu bashen, aber irgendwann musst du auch mal so dagegenhalten. Grundsätzlich denken die Leute leider, das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Das ist gesamtgesellschaftlich leider eine sehr traurige Entwicklung."
...einen körperlichen Angriff: "Vor langer Zeit wurde ich nach einem Pokalspiel zwischen dem SV Napredak - den Verein gibt es inzwischen nicht mehr - und der SG Quelle Fürth nach einem 16:1 von einem Spieler der Verlierermannschaft auf dem Parkplatz in die Wade getreten. Danach habe ich mich gefragt: Ist es das überhaupt wert? Aber dann habe ich mir gedacht, es kann nicht ein einzelner Mensch daran schuld sein, dass ich mit dem aufhöre, was ich wirklich mit Leidenschaft und Herzblut mache. Dennoch habe ich nach körperlichen Angriffen natürlich volles Verständnis, wenn Schiris danach aufhören. Ich wüsste auch nicht, was ich meinem 18-jährigen Sohn raten würde, wenn er Schiri wäre und so etwas erleben würde."
...seine Zukunftspläne: "Ich habe keine Ambitionen in Richtung eines Jobs in der sportlichen Leitung der Schiedsrichter, sondern mein Fokus wird künftig auf meinen vielen unternehmerischen Tätigkeiten liegen. Ich habe einige Online-Firmen aufgebaut, bin als Speaker unterwegs und mache ganz viel im Bereich Coaching und Teamentwicklung. Daher könnte ich im Bereich Kommunikation und Umgang mit dem Ziel einer höheren Akzeptanz sicher punktuell mit einem Impuls-Vortrag oder Workshop einen Mehrwert für jüngere Schiedsrichter bieten. Das würde ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten gerne machen und stehe dazu mit der Schiri-Führung um Knut Kircher im Austausch."
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