Bundesliga
FC Bayern München: Joshua Kimmich gibt eine eindeutige Sechser-Antwort
Veröffentlicht:
von Andreas Reinersran Fußball Bundesliga
"Kane wartet immer noch am Flughafen": Netz reagiert auf Bayern-Sieg
Videoclip • 02:29 Min
Die Sechser-Diskussion hat den FC Bayern wochenlang begleitet. Das Deadline-Desaster hat sie vorerst verstummen lassen. Und eine eigene Antwort gab Joshua Kimmich gleich mit.
Von Andreas Reiners
Joshua Kimmich hatte alle Zeit, um sich auf die Antwort vorzubereiten.
Er entschied sich für die lockere Variante und konterte die x-te Frage zum Dauerthema "Sechser" diesmal mit Humor.
"Ich habe die Diskussion gar nicht mitbekommen", sagte er. Und lachte.
Vielleicht, weil das Thema erst einmal erledigt ist. Verbal wohl nicht, denn die Diskussionen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer wieder aufflammen, je nach Leistung des FC Bayern, je nach Problemlage auf dem Platz. Doch personell ist die Tür nach dem desaströsen Deadline Day zu, erst im Winter kann der Rekordmeister für die Position des defensiven Sechsers nachlegen.
Das Wichtigste in Kürze
Vielleicht war es aber auch ein wenig Erleichterung, weil das letzte Wort in der Diskussion nach dem 2:1-Sieg des FC Bayern bei Borussia Mönchengladbach vorerst Kimmich gehörte. "Ihr kennt meine Meinung. Es ist alles dazu gesagt", schob er dann nach.
Joshua Kimmich kann beides
Um dann doch nochmal klarzustellen, dass er alles kann, was von ihm verlangt wird. Dass er doch eigentlich der Sechser ist, nach dem die Bayern die ganze Zeit gesucht haben.
"Ich bin der Meinung, dass ich beides kann. Ich kann sowohl den defensiveren Partner als auch den offensiveren Part spielen. Dementsprechend bin ich da relativ flexibel. So, wie wir es brauchen, so spiele ich es", so Kimmich.
In Gladbach machte er es überwiegend auf der etwas defensiveren Sechser-Position neben dem etwas offensiveren Leon Goretzka stark, zog die Fäden und bereitete die beiden Treffer vor. Das Siegtor sogar durch eine seiner "gefürchteten" Ecken.
Kimmich hat die Sechser-Antwort auf dem Platz gegeben. Nachdrücklich.
Effenberg und Freund hoffen auf Ende der Diskussionen
Zwei Ex-Nationalspieler hoffen nun, dass das Thema erledigt ist, dass Kimmichs Rolle nicht zerredet oder totdiskutiert wird. "Kritisiert wird er ja eigentlich nur von Mario Basler. Er ist ein herausragender Spieler, ein zentraler Spieler. Er kann die Doppelsechs spielen, er kann auch die Holding Six spielen", sagte Stefan Effenberg im Sport1-Doppelpass.
Und Steffen Freund ergänzte: "Er ist einer unserer besten Spieler, er ist einer der Führungsspieler, die wir brauchen und nicht noch kaputt machen müssen."
Das hatte Bayern-Trainer Thomas Tuchel nicht vor, wie er vor dem Spiel in Gladbach bei Sky nochmals erläuterte. "Jo kann Jo bleiben", stellte er klar. "Die Idee war, dass er sein kreatives Potenzial entfalten kann." Nicht nur er, sondern auch Goretzka und Konrad Laimer.
"Ich hätte den dreien gerne jemanden ins Kreuz gestellt, der ihnen hilft, ihr ganzes Offensiv-Potenzial zu entfalten", so Tuchel: "Ich sehe, wie viele Assists Jo im Training macht, ich sehe seine Lust aufs Toreschießen, ich sehe sein ganzes kreatives Potenzial. Das muss er jetzt zügeln, weil wir es jetzt mit der Doppel-Sechs mit dem Profil der Spieler machen müssen."
FC Bayern gewinnt bei Angstgegner Gladbach: Die Noten zum Spiel

Der FC Bayern gewinnt in Gladbach: Die Noten zum Spiel
Die Mannschaft des FC Bayern hat nach dem Transfer-Debakel am Deadline Day auf dem Platz einen Rückschlag knapp verhindert. Im Topspiel des 3. Spieltages kam der Rekordmeister bei Angstgegner Borussia Mönchengladbach zu einem hart erkämpften 2:1. Wir haben die Noten für die Bayern.2023 Getty Images

Sven Ulreich
Beim 0:1 machtlos. Ansonsten nicht oft geprüft, ist aber zur Stelle, wenn es nötig ist, wie beim strammen Schuss von Weigl (32.). Muss in der zweiten Hälfte gar nicht mehr eingreifen. ran-Note: 3RHR-Foto

Noussair Mazraoui
Sehr engagiert und offensiv eingestellt, mit vielen Ausflügen nach vorne, mit denen er aber überwiegend glücklos bleibt. Dafür wird aber sehr früh verwarnt. Nach einem Handspiel muss er sich merklich zurückhalten. Bleibt in der Pause in der Kabine. ran-Note: 3RHR-Foto

Dayot Upamecano
Lässt nicht viel anbrennen, steht meistens gut und richtig, mit souveräner Übersicht. Wird gegen defensiv orientierte Gladbacher aber auch nicht oft gefordert. ran-Note: 2kolbert-press

Kim Min-jae
Geht in den Zweikämpfen robust und kompromisslos zu Werke, gibt den umsichtigen Abwehrchef. Und das über 90 Minuten. ran-Note: 2RHR-Foto

Alphonso Davies
Auf der linken Seite engagiert, aber glücklos. Bekommt in Halbzeit eins nicht die letzte Konsequenz in seine Läufe und Bälle. Auch danach ein eher mauer Auftritt ohne Esprit. ran-Note: 4RHR-Foto

Leon Goretzka
Wie präsentiert er sich nach Ausbootung bei der Nationalmannschaft? Arg durchwachsen. Viel gelingt ihm nicht, außerdem ist er beim Kopfballtor von Itakura nur staunender Beobachter, weil er zu weit weg steht. Kann dem Spiel keine Impulse und dringend benötigte Kreativität geben. Das setzt sich in Halbzeit zwei fort, in der Goretzka das Spiel nicht mitbestimmen und lenken kann. Unter dem Strich ein überraschend schwacher Auftritt. ran-Note: 5RHR-Foto

Joshua Kimmich
Ist weitaus aktiver als Nebenmann Goretzka, fordert immer wieder den Ball. Die durchschlagende Idee hat er in der ersten Halbzeit aber auch nicht. Dafür aber in der 58. Minute, als er einen Ball sehenswert auf Sane schaufelt, der den Ausgleich besorgt. Kann mit einer seiner "gefürchteten" Ecken sogar den Siegtreffer vorbereiten. ran-Note: 2RHR-Foto

Leroy Sane
Dribbelt sich oft fest. In der 39. Minute mit einem Lattentreffer, sonst zwar viel in Bewegung, aber ohne letzte Durchschlagskraft. Ist vom Duell mit dem unangenehmen Wöber sichtlich angenervt, in der 58. Minute nach einem Kimmich-Zuckerpass aber zur Stelle. Insgesamt stark verbessert, immer gefährlich. ran-Note: 22023 Getty Images

Thomas Müller
Erster Startelf-Einsatz für Müller. Wird anfangs oft von Kane gesucht, hat auch hin und wieder mal eine gute Szene, vor allem als Ballverteiler. So richtig ins Spiel findet er in den ersten 45 Minuten aber nicht. Bleibt wie gewohnt anspielbar zwischen den Linien, ist als falsche Neun aber nicht so zwingend und effektiv wie erhofft. ran-Note: 42023 Getty Images

Kingsley Coman
Versucht es auf links immer wieder mit seinen Dribblings und Vorstößen, bleibt aber so gut wie immer hängen. Auch ihm fehlt der kreative Geistesblitz. So bleibt es auch nach dem Seitenwechsel – aktiv, viel in Bewegung, aber zumeist ohne Fortune. ran-Note: 4RHR-Foto

Harry Kane
Lässt sich oft zurückfallen, um den Ball zu verteilen. Das klappt anfangs gut, weil er den einen oder anderen guten Ball spielt. Mit zunehmender Spieldauer hängt er aber mehr und mehr in der Luft, weil den Bayern gegen tief stehende und gut organisierte Gladbacher wenig einfällt. Bleibt trotz verbesserter Spielanlage der Bayern ohne echte Torchance in der zweiten Hälfte und damit erstmals in dieser Saison komplett blass. ran-Note: 52023 Getty Images

Konrad Laimer
Übernimmt nach der Pause die Rechtsverteidiger-Position von Mazraoui. Macht seine Sache gegen weiterhin auf Konter lauernde Gladbacher ordentlich. ran-Note: 3Eibner

Serge Gnabry (2. Einwechselspieler; Archivbild)
Wird in der 69. Minute für Coman eingewechselt und muss in der 70. die Führung besorgen. Doch die Mega-Chance aus vier Metern verwandelt er nicht, Nicolas kann den Kopfball entschärfen. ran-Note: 4Philippe Ruiz

Eric Maxim Choupo-Moting (3. Einwechselspieler; Archivbild)
Kommt ebenfalls in der 69. Minute und ersetzt Müller. Kann dem Spiel aber auch nicht mehr die entscheidende Wende geben. ran-Note: 4Jan Huebner

Mathys Tel (4. Einwechselspieler)
Kommt als letzte Offensivoption ins Spiel und erzielt nach Ecke den späten Siegtreffer. ran-Note: Ohne Bewertung2023 Getty Images

Matthijs de Ligt (5. Einwechselspieler; Archivbild)
Wird in der Nachspielzeit eingewechselt, um den Sieg über die Zeit zu bringen. ran-Note: Ohne Bewertung2023 Getty Images
Gute zwei Stunden später hatte er seinen Trainer ein Stück weit Lügen gestraft, denn Kimmich zügelte sich nicht, sondern zog die Fäden, war kreativ und effektiv. Auch offensiv. Und das als defensiver Sechser.
Kimmich glaubt nach dem Chaos am Deadline Day, als die von Tuchel so vehement geforderte "Holding Six" Joao Palhinha schon an der Säbener Straße weilte, dass man trotzdem einen guten Kader habe. "Man hat auch heute wieder gesehen, wer alles von der Bank kommt. Ich habe Vertrauen in unseren Kader und unsere Mannschaft", so Kimmich.
Wenn alle gesund bleiben, sei man nicht zu dünn besetzt, so Kimmich, auch in der Abwehr nicht, die nach den Abgängen von Josip Stanisic und Benjamin Pavard eine potenzielle Schwachstelle ist. Kimmich hofft deshalb, "dass wir alle gesund bleiben".
FC Bayern: Hainer schließt erneuten Palhinha-Versuch nicht aus
Trotzdem wollte Präsident Herbert Hainer im "Doppelpass" einen erneuten Versuch bei Palhinha nicht ausschließen. "Wir werden sehen. Wenn noch Bedarf besteht, würden wir es noch mal versuchen, natürlich. Dazu haben wir die Mittel und Möglichkeiten."
Auch die Palhinha-Seite hofft weiter auf den Wechsel. "Sie haben den Traum nicht getötet, sie haben ihn nur verschoben", schrieb Bruder und Berater Goncalo auf Instagram und versah den Post mit einem "Mia san mia!"
Kimmich selbst weiß auch, was passiert, wenn der Tanz auf den drei Hochzeiten zu ungelenk wird: "Dann haben wir ja noch eine Wintertransfer-Periode."
Zeit genug für ihn, um seine Sechser-Antwort auf dem Platz zu geben.
FC Bayern München: Dünner Kader als Chance für den Campus! Diese Talente dürfen hoffen

Der FC Bayern München hat sich am Deadline Day verzockt. Statt Joao Palhinha zu verpflichten, steht der Rekordmeister mit leeren Händen da. Thomas Tuchel kritisierte den "dünnen" Kader und FCB-CEO Jan-Christian Dreesen forderte Kreativität vom Trainer. Kreativität, die am Ende auch den Jugendspielern vom Campus eine echte Chance geben könnte.
Jan Huebner

"Wir wollen ja auch immer ein bisschen Durchlässigkeit von unten und die gibt es nur, wenn du oben mal eineinhalb Spots offen hast", erklärte Dreesen bei "Sky". Auch Tuchel erklärte, dass es keine Scheu davor gebe, junge Spieler einzusetzen. Doch welche Talente kommen überhaupt infrage und wer ist bereit für den großen Schritt nach oben? ran verschafft einen Überblick.
Sven Simon

Frans Krätzig (Linksverteidiger und Mittelfeld)
Einer war bereits in aller Munde: Frans Krätzig. Der 20-Jährige durfte in der Vorbereitung als Linksverteidiger ran, erzielte sogar einen schönen Treffer gegen den FC Liverpool. Ursprünglich ist Krätzig Mittelfeldspieler, verfügt deshalb auch über eine hohe Spielintelligenz. Zwar ist er keine "Holding Six", aber auf der Achterposition sammelte er in der Vergangenheit die eine oder andere Minute.Ulrich Wagner

Auf links sind die Bayern mit Alphonso Davies und Raphael Guerreiro ohnehin gut besetzt. Rechts hinten wäre das Problem, dass Krätzig Linksfuß ist. In einer Rolle, die sich ausschließlich aufs Verteidigen und den Spielaufbau beschränkt, könnte er sich dennoch zurechtfinden. Teil des Profikaders ist er jetzt ohnehin und Tuchel kündigte schon an, dass wahrscheinlich Minuten zu verteilen sind. Hier erfahrt ihr mehr über Krätzig.
imago

Tarek Buchmann (Innenverteidiger)
Obwohl eigentlich rechts hinten der Schuh drückt, hat man sich beim FC Bayern auch mit Innenverteidigern auseinandergesetzt. Armel Bella-Kotchap sollte beispielsweise aus England verpflichtet werden. Der Last-Minute-Deal scheiterte. Die Chance für Tarek Buchmann? Der 18-Jährige gilt in seiner Altersklasse als einer der talentiertesten Spieler des Landes. Neben seiner Zweikampfstärke sticht er auch spielerisch heraus.Ulrich Wagner

Buchmann kann im Spielaufbau sowohl durch kurze Dribblings als auch durch präzise Vertikalpässe überzeugen. Allerdings war der Innenverteidiger auch immer mal wieder verletzt – so wie jetzt gerade. Eine genaue Diagnose gibt es noch nicht, von muskulären Problemen war die Rede. Bleibt er stabil, könnte er aber ein Profiteur der dünnen Besetzung in der Defensive werden.
Sven Simon

Aleksandar Pavlovic (Mittelfeld)
"Sonst machen wir es mit Alex von unserer U23", sagte Tuchel vor einigen Tagen, als es um die Möglichkeit ging, dass kein neuer Sechser kommt. Der Trainer soll sehr viel vom 19-Jährigen halten. Auch deshalb, weil Pavlovic beide Welten vereint: Einen guten Spielaufbau und starkes Zweikampfverhalten gegen den Ball. In der UEFA Youth League war er in der vergangenen Saison sehr stark und bei den Amateuren sammelte er erste Minuten auf Seniorenlevel.Lackovic

Die große Frage ist, ob Pavlovic bereits in der Lage ist, seine Fähigkeiten auf Bundesliga-Niveau zu zeigen. Teil des Profikaders ist er schon und in Gladbach saß er zumindest auf der Bank. Doch Tuchel entschied sich für Matthijs de Ligt als Einwechselspieler für die Sechserposition und nicht für ihn. Klar ist: Bekommt Pavlovic seine Chance, muss er sie nutzen, um sich weiter festspielen zu können.
ActionPictures

Jonathan Asp Jensen (Mittelfeld)
Über die drei bisher genannten Kandidaten hinaus müsste Tuchel bereits improvisieren. Vor allem auf der Rechtsverteidiger-Position gibt es am Campus niemanden, der sich sofort aufdrängen würde – und vor allem auch besser als Konrad Laimer wäre. Der Österreicher spielte in der zweiten Halbzeit in Gladbach rechts hinten. Macht er das häufiger, wird ein Platz auf der Acht frei – vielleicht für Jonathan Asp Jensen?Ulrich Wagner

Natürlich kann auch Guerreiro diese Position bekleiden, doch wenn Tuchel dazu tendiert, einem jungen Spieler eine Chance zu geben, könnte der 17-jährige Däne eine echte Alternative sein. Am Campus wird ausschließlich positiv über den U19-Spieler berichtet. Vor allem technisch und mit dem Ball am Fuß verfügt er über besondere Fähigkeiten. Doch er ist eben eher ein Spieler mit Offensivdrang als ein Defensivspieler.
Jan Huebner

Javier Fernandez (Mittelfeld)
Das gilt auch für Javier Fernandez, den die Münchner im vergangenen Jahr von Atletico Madrid verpflichteten. Seitdem überzeugt der Spanier am Campus mit physischen und technischen Attributen. Zwar tendiert der Achter mit seiner Spielweise ebenfalls eher zur Zehn als zur Sechs, doch sein aktives Freilaufverhalten sowie seine Proaktivität machen ihn zu einem interessanten Spieler.sportworld

Auch für Tuchel? Vermutlich nicht so schnell. Dafür müssten sich schon noch einige Lücken im Kader der Bayern öffnen. Aber: Fernandez ist definitiv einer, den man am Campus weiterhin eng verfolgen wird. Mit 16 Jahren hat er auch noch viel Zeit. In der U19 des FC Bayern weiß der Spanier aber schon jetzt zu überzeugen.
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