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FC Bayern München: Schließt Top-Talent eine Baustelle? Der Kader des Rekordmeisters im Check

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern: Karriereende? Manuel Neuer wird deutlich

Videoclip • 01:06 Min


Der FC Bayern agiert auf dem Transfermarkt derzeit durchdacht und wenig hektisch, auf der Zugangsseite scheinen die Planungen bereits abgeschlossen. Aber reicht der Kader für den letzten Schritt in der Champions League?

Noch mehr als einen Monat ist der Transfermarkt in Deutschland geöffnet, doch beim FC Bayern München scheinen die Besorgungen bereits lange vor dem Deadline Day erledigt zu sein.

Ismael Saibari und Nathaniel Brown für jeweils 50 Millionen Euro sollen den Kader punktuell verstärken, die kurz bevorstehende Festverpflichtung von Youngster Bara Sapoko Ndiaye könnte bereits für den letzten externen Neuzugang sorgen.

Drei Neue für den Profikader, denen drei Abgänge aus der letztjährigen Mannschaft gegenüberstehen. Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro erhielten keine neuen Verträge, die Leihe von Nicolas Jackson lief aus, der senegalesische WM-Fahrer ist zurück beim FC Chelsea.

Breiter geworden ist der Kader also nicht, aber reicht die aktuelle Kaderstruktur aus, um in der Champions League den letzten, finalen Schritt zu gehen?

FC Bayern München: Die Kaderteile im Check

"Wir können ja nicht wirklich glauben, dass wir jedes Jahr die Champions League gewinnen", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen zwar. "Aber es muss unser Anspruch sein. Das ist das, was der FC Bayern will, nämlich den Anspruch zu haben, jeden Titel zu gewinnen."

National dürften die Bayern erneut in einer eigenen Liga unterwegs sein, aber wie soll der internationale Angriff gelingen? ran blickt auf die Mannschaftsteile und nimmt mögliche Schwachstellen unter die Lupe, bei denen ein weiterer Neuzugang womöglich vonnöten ist.

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Tor: Mehr Urbig auch in den großen Spielen?

Auf immerhin 20 Pflichtspiele kam Jonas Urbig in der vergangenen Saison für den FC Bayern, darunter allerdings nur drei in der Champions League. In den wichtigen Spielen vertraute Trainer Vincent Kompany der Erfahrung von Kapitän Manuel Neuer, Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann würde es wohl "Aura" nennen.

Die erneute Vertragsverlängerung von Neuer verschiebt den kompletten Neuanfang im Bayern-Tor um eine weitere Saison, allerdings pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass das Jobsharing noch mehr Richtung Urbig kippen soll. Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert.

Urbig muss jetzt eigentlich auch in der Champions League auch gegen die namhaften Gegner seine Bewährungschancen bekommen, seine Unerfahrenheit auf diesem Level könnte aber im ungünstigsten Fall den einen oder anderen Fehler verursachen. Was wiederum Einfluss auf Urbigs generelle Perspektive haben könnte.

Oder würden die Diskussionen wirklich ausbleiben, sollte ein Patzer des 22-Jährigen im Champions-League-Halbfinale das Ausscheiden zur Folge haben? Hinter Neuer und Urbig steht weiterhin Sven Ulreich parat, der zuverlässig seinen Dienst verrichtet – im Training und im Notfall auch im Spiel.

Fazit: Im Tor gibt es personell keine Veränderungen, aber Urbig dürfte hierarchisch noch mehr Richtung Neuer aufrücken. Läuft es für die Bayern gut, kann der Rekordmeister ohne Bedenken seinen letzten verbliebenen Weltmeister von 2014 in den Ruhestand verabschieden. Läuft es schlecht, steht der Verein im kommenden Jahr vor einer neuen Torwartdiskussion.

Jonas Urbig (l.) will sowohl bei Bayern als auch im DFB-Team Manuel Neuers Erbe antreten.

Bild: Matthias Koch


Abwehr: Brown macht Davies Konkurrenz

In der Abwehr nimmt Neuzugang Nathaniel Brown die Planstelle von Raphaël Guerreiro ein, allerdings auf deutlich höherem Niveau. Was vorwiegend daran liegt, dass Guerreiro zwar nominell der Backup von Alphonso Davies war, seine Stärken aber vor allem im Mittelfeld zum Tragen kamen.

Brown hingegen ist gelernter Linksverteidiger und damit nicht nur Ersatz, sondern direkter Herausforderer für den zuletzt so oft verletzungsgeplagten Kanadier. Bei Eintracht Frankfurt feierte Brown in der vergangenen Saison seinen Durchbruch und schaffte es auch in den WM-Kader. Mit ihm stellen sich die Bayern auf der linken Seite für verschiedene Eventualitäten auf. Sportvorstand Max Eberl sagt über den Neuzugang: "Er ist ein besonderer Spieler, weil er mit dem Druck umgehen kann. Das brauchst du auch bei Bayern, das hat uns sehr gut gefallen."

Womit Josip Stanisic sich dauerhaft auf die rechte Defensivseite konzentrieren kann. Der Kroate half in der vergangenen Saison immer wieder links aus, wenn Davies nicht einsatzfähig war. Gleichzeitig könnten seine Einsatzzeiten durch die Brown-Verpflichtung sinken, zumindest tritt das Eigengewächs in einen direkten Konkurrenzkampf mit Konrad Laimer. Rückkehrer Sacha Boey hat keinerlei Perspektive. Mit Davies hingegen wird laut Eberl fest geplant: "Bei Alphonso Davies kann ich einen Wechsel ausschließen."

Die Innenverteidigung ist identisch mit der Vorsaison. An Dayot Upamecano und Jonathan Tah führt kein Weg vorbei, Minjae Kim und Hiroki Ito stehen als Backups parat. Der Südkoreaner und der Japaner galten lange als Verkaufskandidaten, womöglich darf einer der beiden bei einem passenden Angebot auch noch gehen. Stanisic könnte in diesem Fall als Aushilfe auch innen aushelfen.

Fazit: Die Verpflichtung von Nathaniel Brown stärkt die Bayern in der Defensive sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Auf beiden Außenverteidigerpositionen sind die Münchner jetzt mit unterschiedlichen Spielern doppelt besetzt, auch in der Innenverteidigung stehen vier Akteure für zwei Positionen parat. Selbst bei einem Abgang von Kim oder Ito besteht hier kein Handlungsbedarf mehr.

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Mittelfeld: Riskantes Spiel mit der Jugend

Geht man davon aus, dass Leihrückkehrer Joao Palhinha den Klub noch verlassen wird, ist das zentrale Mittelfeld zumindest quantitativ die Schwachstelle. Der Abgang von Leon Goretzka soll durch mehr Einsatzminuten für Tom Bischof und durch eine feste Verpflichtung des 18-jährigen Bara Sapoko Ndiaye aufgefangen werden. Auf einen namhaften externen Neuzugang für diesen wichtigen Mannschaftsteil verzichteten die Bayern.

Ein gewagtes Spiel, schließlich verfügt(e) Goretzka über viel Erfahrung, die kein Bischof und schon gar kein Ndiaye mitbringen. Zwar sind ohnehin Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović als Stammduo in der Zentrale eingeplant, doch werden diese beiden nicht die komplette Saison bestreiten können. Für Bischof ist es zugleich aber auch eine große Chance, sich als Bayern-Spieler über regelmäßige Einsätze in den Vordergrund zu spielen.

Kimmich und Pavlovic wiederum bringen im Spiel gegen den Ball durchaus Fragezeichen mit, was ihre defensive Resilienz angeht. Einen Rodri, Declan Rice oder João Neves haben die Bayern vom Spielerprofil her nicht im Kader. Letztlich waren diese drei Spieler entscheidende Faktoren bei der WM und in der Champions League. Ob es für die Bayern für den großen Wurf reicht, entscheidet sich in diesem Mannschaftsteil.

Sollte das Verletzungspech in der Mittelfeldzentrale zuschlagen, stünden in Laimer und auch Brown noch zwei Außenverteidiger bereit, die ebenfalls in der Mitte aushelfen können.

Fazit: Beim vielleicht wichtigsten Mannschaftsteil agierten die Bayern auf dem Transfermarkt bislang sehr zurückhaltend. Die Hoffnungen liegen auf Kimmich und Pavlovic, die beide das Zeug zur Weltklasse haben. Ein anderes, mit mehr Fokus auf das Spiel gegen den Ball gerichtetes Profil für diese Position wäre aber womöglich nicht verkehrt, sollte Palhinha den Klub noch verlassen.

Tom Bischof (M.) könnte im Bayern-Kader seine große Chance erhalten.

Bild: Kirchner-Media


Offensive: Kommt noch ein Kane-Backup?

Polyvalent einsetzbare Spieler werden im Fußball immer beliebter und wichtiger, insofern überraschte die Verpflichtung von Ismael Saibari nicht. Der Marokkaner, der sowohl bei der WM als auch in der Klubsaison mit der PSV Eindhoven groß aufspielte, kann in der Offensive nahezu alle Positionen bekleiden. Besonders wohl fühlt er sich aber in der Zentrale, als Zehner oder als Neuner.

Damit steht den Bayern hier fast schon ein Überangebot an Spielermaterial zur Verfügung. Saibari, Jamal Musiala, Serge Gnabry, Michael Olise und Lennart Karl können alle als Zehner spielen. Olise, Karl und Gnabry sind zudem rechts eingeplant, während Letztgenannter auch im Sturmzentrum agieren kann. Kompany hat hier zahlreiche Optionen, wie er seine Offensive zusammenbauen will.

Die Gerüchte, Olise könnte zu Real Madrid abwandern, lassen Eberl kalt: "Die Spekulationen wurden immer wieder befeuert, aber da ist nichts dran und er wird nach seinem Urlaub ganz normal zurückkommen." Bei dem einst verletzten Musiala hofft Eberl, dass sich die Leistungen stabilisieren: "Er hat so ein bisschen seine Leichtigkeit verloren, obwohl seine Statistiken nicht schlecht sind. Es fehlen so ein bisschen seine magischen Momente, aber wir sind sehr sicher, dass das zurückkommen wird."

Einzig der hochwertige Backup für Luis Diaz auf der linken Seite fehlt weiterhin. Der erhoffte Transfer von Anthony Gordon zerschlug sich bekanntlich, doch weitere Transfers sind wohl nicht geplant. Stattdessen soll es ein Eigengewächs mit einem großen Namen richten. Arijon Ibrahimovic ist nach seiner Leihe zum 1. FC Heidenheim zurück in München und soll seine Chance als fester Bestandteil des Profikaders erhalten, er nimmt auf Linksaußen den Part als Diaz-Backup ein.

Eberl sieht die Mannschaft gut aufgestellt: "Mit Luis Díaz, Arijon Ibrahimović, Nene (Nathaniel Brown, Anm.d.Red.) und Davies haben wir die linke Seite stark besetzt. Wir wollten ursprünglich links vorne etwas machen, aber das haben wir dann nicht gemacht. Wir sind mit Ismael Saibari und Brown noch flexibler geworden."

Dass der 20-jährige Ibrahimovic im Fall der Fälle in einem Champions-League-Viertelfinale Diaz vertreten darf, ist aber eher unwahrscheinlich. Vermutlich würden dann eher Musiala oder Saibari nach links rücken, auch Gnabry wäre hier eine Option. Fehlt in der Betrachtung nur noch eine Position, und zwar die des Mittelstürmers. Hier ist Harry Kane natürlich der Superstar, an dem es kein Vorbeikommen gibt. Kane in der Form der vergangenen Monate ist eine Waffe, die kaum ein anderer Klub hat.

Den Abgang seines Backups Nicolas Jackson fingen die Bayern nicht durch einen neuen Stürmer auf, auch hier sind Saibari oder Gnabry die ersten Optionen. Auf lange Strecke, im Fall einer langwierigen Verletzung, könnten sie die Qualität des englischen Starstürmers nicht ersetzen, aber das könnte wohl kein bezahlbarer Backup auf dem Transfermarkt. Weshalb ein neuer, zusätzlicher Stürmer unwahrscheinlich ist.

Fazit: Die Bayern-Offensive ist das Prunkstück des Kaders, hier sammelt sich Qualität in Hülle und Fülle. Sind alle Spieler fit, muss Kompany schwierige Entscheidungen finden und das richtige Maß an Rotation finden, um alle Stars bei Laune zu halten. Gleichzeitig ist der Konkurrenzkampf so enorm, dass sich die Spieler gegenseitig zu Höchstleistungen treiben werden. Der Transfer von Saibari stärkt das Angebot in der Breite und sorgt auch für einen Kane-Backup, zumindest im Fall eines kurzen Ausfalls.

Auch interessant: Matthäus nimmt Musiala in die Pflicht: "Es gibt jetzt keine Ausreden mehr"

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