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FC Barcelona: Hansi Flick ist das Salz in der Champions-League-Suppe – und muss sich trotzdem hinterfragen - Kommentar

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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Videoclip • 02:06 Min


Der FC Barcelona scheitert spektakulär an Atletico Madrid. Hansi Flick ist weiter auf der Suche nach einem passenden Schlüssel für die Champions League. Ein Kommentar.

2020 feierte Hansi Flick seinen bisherigen Höhepunkt als Cheftrainer. Damals gewann der langjährige Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft sensationell die Champions League mit dem FC Bayern München.

Furchtlos, aggressiv, spektakulär – die Wucht, die der FCB damals auf den Rasen brachte, sorgten zu Recht für Begeisterung. Seitdem trat Flick noch drei weitere Male in der Champions League an. Einmal mit den Münchnern, zweimal mit dem FC Barcelona.

Wiederholen konnte er seinen Erfolg nicht, aber jedesmal kam er relativ weit im Wettbewerb. Mit den Bayern verlor er in zwei engen Spielen im Viertelfinale gegen PSG, mit Barca war in der vergangenen Saison erst im Halbfinale gegen Inter Mailand Schluss.

Und am Dienstagabend schaffte es sein Team nicht, einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel in Madrid zu drehen. Atletico schaltete die Flick-Elf mit einer 1:2-Niederlage im eigenen Stadion aus.

So knapp die Niederlagen für Flick jeweils waren, so sehr heizt das abermalige Aus die Diskussionen über seinen Spielstil an: Ist sein Fußball zu offensiv für diesen Wettbewerb?

Hansi Flicks Fußball: Ein Rausch im Casino

Die Antwort darauf ist kompliziert. Man kann Flick nicht davon freisprechen, dass sich in all seinen Niederlagen gewisse Muster erkennen lassen. Sein taktisches Konzept hat nur wenig Entwicklung hinter sich. Das hohe Pressing, das vor allem das Zentrum verschließt und den Gegner auf die Flügel zwingt und die enge Formation, in der Barca verschiebt – all das erinnert von den Abläufen her stark an Flicks Bayern.

Ebenso wie die vielen Verlagerungen, die dem Team defensiv um die Ohren fliegen. Oder die Kontersituationen, bei denen ein oder zwei lange Bälle dazu führen, dass die Innenverteidiger bloßgestellt werden. Für die ungeschickten Tacklings, die in beiden Spielen zu Roten Karten geführt haben, kann Flick nicht direkt etwas – aber indirekt.

Sein gnadenlos offensiver Fußball erzwingt solche Fehler, weil der Druck auf die Innenverteidiger enorm ist. Flick preist solche Fehler mit ein. Seine Überzeugung: Die Situationen, die der Gegner hat, kann man mit der eigenen Offensivwucht auffangen.

Flick-Fußball ist wie ein Besuch im Casino. Alles auf Rot. Immer und immer wieder. Der Unterschied zum reinen Glücksspiel ist das Wissen um die Qualität der Offensivspieler. Das Vertrauen darin, dass Spieler wie Lamine Yamal, Dani Olmo, Robert Lewandowski oder der aktuell verletzte Raphinha die Gegentore übertreffen.

Kontrolliertes Zocken, könnte man sagen. Oder zumindest der Versuch, etwas Kontrolle in das Zocken zu bringen. Ein einziger Rausch, der sich richtig gut anfühlt, solange der Erfolg da ist. Dessen Rückkehr in die Realität aber oft schmerzhaft ist.

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Die Champions League bringt Flick an Grenzen

Aber in der Champions League kommt Flick mit diesem Stil an seine Grenzen. Sieben Gegentore kassierte Barca in der vergangenen Saison im Halbfinale gegen Inter, drei waren es schon zuvor gegen den BVB. Drei Treffer kassierte seine Bayern-Mannschaft 2021 im Hinspiel des Viertelfinals gegen Paris im Heimspiel.

Und auch Atletico hatte in beiden Spielen wieder zu viele Offensivszenen, als dass man das immer mit der schieren Offensivwucht auffangen könnte. Ein Blick nach München ist dahingehend interessant: Vincent Kompany startete ähnlich offensiv wie einst Flick. In der Champions League kam er damit an seine Grenzen, weil die Qualität der Gegner gut genug ist, um das hohe Pressing zu umspielen.

Der Belgier passte das System etwas an, ließ sein Team konservativer spielen. Bei Flick hingegen scheint es weiterhin fast nur Vollgas zu geben. Anpassungen sind rar, die Fehler in den großen Spielen wiederholen sich.

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Zwischen Unterhaltung und Erfolgsmaximierung: Muss Flick sich hinterfragen?

Flick musste im Saisonverlauf und gegen Atletico auf wichtige Spieler verzichten. Und es stimmt, dass man ausreichend Chancen hatte, auch gegen Atletico weiterzukommen. Aber um die Champions League mit dieser Art Fußball zu gewinnen, braucht es schon auch viel Glück.

Glück, das Flick 2020 hatte. Durch die Corona-Pause, die dazu führte, dass sein Team aufgrund unterschiedlicher Bestimmungen in den einzelnen Ländern fitter war als jedes andere. Die außerdem die Verletzung von Robert Lewandowski nicht ins Gewicht fielen ließ.

Sowohl in der letzten Saison als auch in dieser Saison wirkt seine Mannschaft in der entscheidenden Phase aber etwas müde. In der Schlussphase in Madrid ging das Team auf dem Zahnfleisch. Fehler häuften sich. Tribut eines hochintensiven Fußballs?

Zu einer fairen Bewertung gehört auch, dass überhaupt nicht absehbar ist, ob ein defensiverer Stil zu dieser Mannschaft passen würde. Es gibt keinen Beweis dafür. Vielleicht holt Flick auch das Maximum aus dieser Mannschaft heraus. Vielleicht ist sein angstloser, beeindruckender und spektakulärer Fußball genau das, was dieses Team braucht.

Und trotzdem fehlt auf höchstem Niveau immer ein bisschen was. Aus neutraler Sicht muss man hoffen, dass Flick sich nicht ändert. Kein Trainer weiß mit seinen Mannschaften derart zu unterhalten. Aber – und das muss man nach vier Champions-League-Spielzeiten mit Flick festhalten – die Unterhaltung geht manchmal zu Lasten seines Erfolgs.

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