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FC Bayern München vs. Paris St. Germain – Urs Meier zu Joao Pinheiro: "Eine klare Benachteiligung der Bayern"
Veröffentlicht:
von Andreas Reinersran Fußball
FC Bayern: Kane ratlos nach Schiri-Entscheidungen - "just crazy"
Videoclip • 04:33 Min
Referee Joao Pinheiro stand nach dem Halbfinal-Rückspiel zwischen dem FC Bayern München und Paris St. Germain im Fokus der Kritik. Wir haben mit Urs Meier über den Portugiesen gesprochen.
Von Andreas Reiners
Die Wut beim FC Bayern München war groß.
Im Zentrum der Kritik stand nach dem 1:1 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain Schiedsrichter Joao Pinheiro. Nein, das Aus nach dem wilden 4:5 im Hinspiel lag nicht in erster Linie am Referee, PSG war über beide Spiele gesehen den einen Tick besser und steht nicht unverdient im Finale gegen den FC Arsenal am 30. Mai in Budapest.
Trotzdem hat Pinheiro mehr Einfluss auf die enge und intensive Partie genommen, als er eigentlich sollte.
Insgesamt vier Szenen sorgten bei den Bayern für Unmut. Wie sieht der frühere Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier die strittigen Szenen? Wie bewertet er den Auftritt Pinheiros? Und warum häuften sich zuletzt international die schlechten Leistungen? Wir haben bei dem Schweizer nachgefragt.
Gelb-Rot gegen Nuno Mendes? Fehler liegt nicht beim Schiedsrichter
Urs Meier über…
…das Abseits von Harry Kane: "Es ist äußerst unglücklich, dass der Schiedsrichter in dieser Situation bereits pfeift, bevor der Assistent überhaupt die Fahne hebt. Das darf so nicht passieren. In der Position, in der er sich bei der Ballabgabe befindet, kann er gar nicht klar erkennen, ob es Abseits ist oder nicht. Möglicherweise hat er eine Information über das Headset bekommen – etwa vom Assistenten –, aber selbst dann gilt: In solchen Situationen sollte er nicht vorschnell entscheiden, sondern das Spiel zunächst weiterlaufen lassen. Kommt es zu einem Tor, kann die Szene im Nachgang überprüft werden. Das ist inzwischen gängige Praxis. Durch das frühe Abpfeifen entsteht zwangsläufig ein Angriffspunkt. Es bleibt ein gewisses 'Geschmäckle', weil die Entscheidung nicht sauber zu Ende gespielt wurde. Und genau das ist vermeidbar.“
…das Handspiel von Nuno Mendes oder Konrad Laimer: "Da muss man klar sagen: Das Handspiel von Nuno Mendes wäre aus meiner Sicht eine Gelbe Karte gewesen, weil damit ein aussichtsreicher Angriff unterbunden wurde. Stattdessen richtet sich der Fokus plötzlich auf ein vermeintliches Handspiel von Konrad Laimer, und das ist schlicht keines. Das eigentliche Problem liegt in der Wahrnehmung der Szene. Der Schiedsrichter selbst konnte das so, wie er positioniert war, gar nicht sauber erkennen. In solchen Momenten ist er auf die Unterstützung seines Teams angewiesen - und in diesem Fall auf den Vierten Offiziellen. Und das ist nicht irgendwer: Espen Eskas ist ein erfahrener FIFA-Schiedsrichter, der bei der WM dabei ist. In so einer Situation ist es absolut nachvollziehbar, diesem Hinweis zu vertrauen und entsprechend zu entscheiden. Ich hätte es genauso gemacht. Deshalb liegt der Fehler nicht beim Schiedsrichter auf dem Platz. Du musst dich auf irgendjemanden verlassen können. Und wenn nicht auf deinen vierten Mann, der dir in so einer Situation eine klare Ansage gibt und sagt: Ich habe das gesehen – auf wen dann? Ich habe den Eindruck, dass er sich selbst nicht zu hundert Prozent sicher war und trotzdem so eine Entscheidung trifft. Das ist erstaunlich. Das darf auf diesem Niveau nicht passieren – das ist schon ein dickes Brett."
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Handspiel? "Das war in 100 Jahren keine Absicht"
…die Einmischung eines Vierten Offiziellen: "In einem gut funktionierenden Team – und ich betone das bewusst – ist genau das entscheidend. Und der Vierte Offizielle gehört genauso zu diesem Team. Und gerade er hat oft einen guten Blick auf solche Situationen. Das sind in der Regel erfahrene FIFA-Schiedsrichter, die genau in solchen Momenten helfen können. Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist eher geworden, dass die Qualität auf dieser Position nicht mehr überall gleich hoch ist. Gerade in der Bundesliga fehlt es teilweise an Erfahrung."
…den vermeintlichen Handelfmeter von Joao Neves: "Wenn hier von einem absichtlichen Handspiel gesprochen wird – etwa wie von Manuel Gräfe –, dann frage ich mich schon: Welcher Spieler wäre so doof, einen gut geklärten Ball bewusst mit dem Arm zu stoppen? Das ergibt schlicht keinen Sinn. Das war in 100 Jahren keine Absicht. Er versucht auszuweichen, dreht sich weg, und in dieser Bewegung gehen die Arme nun einmal nach oben. Irgendwo müssen sie hin, sie sind in dem Moment nicht am Körper fixiert. Genau so entstehen solche Situationen. Und deshalb hat man sich ja auch im Regelwerk bewusst dafür entschieden, solche Szenen nicht automatisch zu bestrafen. Jeder, der selbst Fußball gespielt hat, weiß: Für so etwas will man keinen Elfmeter sehen. Und genau deshalb ist es richtig, dass die Regeln solche Situationen entsprechend berücksichtigen."
Urs Meier: "Nicht im Sinne des Fußballs"
…die Handspielregel generell: "Die Handspielregel wurde in den vergangenen Jahren so oft angepasst, dass inzwischen kaum noch jemand wirklich den Überblick hat. Für mich war immer klar: Geht zurück auf Feld eins. Geht der Ball zur Hand oder die Hand zum Ball? Ist es Absicht oder nicht? Und handelt es sich um eine natürliche oder eine unnatürliche Armhaltung? Wenn man diese drei Kriterien konsequent anlegt, wird vieles deutlich einfacher. Aktuell erleben wir aber zu viele Handspielentscheidungen, die direkt zu Elfmetern führen. Das ist nicht im Sinne des Fußballs."
…den Schlusspfiff: "Der Schlusspfiff war unnötig hektisch und brachte ihn (Schiedsrichter Joao Pinheiro, d. Red.) noch einmal in den Fokus. Da musste er dann auch noch eine Gelbe Karte zeigen. Bayern war noch im Angriff, etwa 25, 30 Meter vor dem Tor, und genau in diesem Moment abzupfeifen, nach allem, was zuvor passiert ist, war psychologisch keine gute Entscheidung. Der Schlusspfiff gehört genauso zum Spiel wie alles andere. Viele lachen darüber zunächst, aber man kann mit einem falsch gesetzten Schlusspfiff unglaublich viel kaputt machen. Genau das war hier der Punkt."
…die Ansetzung von Pinheiro als Portugiesen angesichts der portugiesischen PSG-Spieler: "Das spielt aus meiner Sicht keine Rolle. Wenn man jedes Mal prüfen wollte, ob ein Schiedsrichter völlig ohne Bezug zu den beteiligten Nationen eingesetzt wird, würde es schnell schwierig werden, überhaupt noch jemanden anzusetzen."
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Urs Meier: Pinheiro fehlt die Routine
…zur Leistung von Pinheiro: "Es war ohne Frage ein sehr schwieriges Spiel für ihn, aber ich würde nicht sagen, dass er überfordert war. Aber: In der Spielleitung und in der Kommunikation war das nicht durchgehend überzeugend. Er hat sich für eine Linie entschieden, die er am Ende nicht konsequent durchziehen konnte. Viele kleinere Fouls ließ er laufen, wodurch er sich selbst unter Druck setzte. Am Ende musste er zu viele Kompromisse eingehen, weil die Linie nicht klar genug war. Das sind Details, die auf diesem höchsten Niveau den Unterschied machen. Und da hatte ich den Eindruck, dass ihm in manchen Momenten noch ein Stück Routine fehlt."
…den Ärger der Bayern: "Das wäre eine eindeutige Gelb-Rote Karte für Mendes gewesen (beim Handspiel gegen Laimer, d. Red.). Dann hätte das Spiel einen anderen Verlauf genommen. Genau an diesem Punkt kann der FC Bayern München absolut verärgert sein. Denn solche Entscheidungen sind spielentscheidend. In diesem Fall war es eine klare Benachteiligung der Bayern."
…die Häufung der Schiedsrichter-Fehler: "Das hat mich überrascht. Gerade auch bei erfahrenen Schiedsrichtern, die in den Viertel- und Halbfinalspielen zum Einsatz kamen, gab es schlechte Leistungen. Ich hatte den Eindruck, dass das mit der anstehenden WM zusammenhängt. Viele dieser Schiedsrichter sind für das Turnier nominiert, und der Druck in dieser Phase ist enorm. Jeder weiß, dass er jetzt überzeugen muss. In solchen Situationen versucht man dann vielleicht, es besonders gut zu machen, und genau das kann zum Problem werden."
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