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Real Madrid - Der Mann, der Florentino Perez stürzen will: Wer ist Enrique Riquelme?

Veröffentlicht:

von Kai Esser

ran Fußball

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Videoclip • 01:32 Min


Real Madrid steht vor einer möglicherweise richtungsweisenden Präsidentschaftswahl. Die verkommt jedoch mehrheitlich zu einem madrilenischen Basar. Doch wer ist der Herausforderer von Florentino Perez?

Erling Haaland, Rodri, Jürgen Klopp, Michael Olise - die Namen, die die beiden Präsidentschaftskandidaten bei Real Madrid vor der Wahl am Sonntag versprechen, überbieten sich wie bei einer Auktion.

Amtsinhaber Florentino Perez tritt gegen Enrique Riquelme an. ran beantwortet vor der Wahl der mehreren hunderttausend Real-Mitglieder die wichtigsten Fragen.

Real Madrid: Wer ist Enrique Riquelme genau?

Der 37 Jahre alte Milliardär ist Gründer und CEO der Grupo Cox, eines Energie- und Wasserunternehmens mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien, Entsalzung und Wasseraufbereitung.

Sein Unternehmen Cox Energy fokussiert sich auf Solar-Photovoltaik und ist unter anderem in Mexiko, Chile, Panama, Kolumbien und Spanien aktiv, was Perez zu seinem spöttischen Seitenhieb über den "Unternehmer mit mexikanischem Akzent" veranlasste.

Riquelme ist kein völliger Newcomer: Er tauchte bereits 2021 im Umfeld von Real Madrid auf, als Gerüchte aufkamen, er könnte Perez herausfordern. Damals entschied er sich aber gegen eine Kandidatur, was schließlich dazu führte, dass Perez ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurde.

Laut Medien hat er eine erforderliche Bankgarantie in Höhe von 194 Millionen Euro organisiert, die ihm die Tür zur offiziellen Kandidatur öffnet.

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Klopp, Haaland und mehr: Welche Versprechungen machen die Kandidaten?

Das Versprechen-Wettbieten ist beachtlich und mag etwas peinlich anmuten.

Perez lockt mit der Rückkehr von Trainer Jose Mourinho sowie der ablösefreien Verpflichtung von Ibrahima Konate nach dessen Abgang vom FC Liverpool.

Riquelme legt noch deutlich dicker auf: Er verkündete beim TV-Sender "Antena 3" die Transfers von Erling Haaland und Rodri von Manchester City - wobei Manchester City und das Spielerumfeld sofort dementierten und sogar mit Anwälten drohten.

Riquelme konterte die Dementis ungewöhnlich: Er erklärte, er werde sein persönliches Vermögen einsetzen und die Beiträge aller 100.000 Mitglieder zahlen, sollte er die Versprechen nicht einhalten - notariell beglaubigt.

Zuletzt legte er noch einen drauf: Er will auch Jürgen Klopp als Cheftrainer verpflichten und begründet das damit, dass allein "die Herausforderung bei Real Madrid" anders sei als alle Angebote, die Klopp bislang abgelehnt habe. Klopps Berater reagierte daraufhin genervt.

Inhaltlich gibt es aber auch einen echten Trennpunkt abseits der Transferversprechen: Riquelme positioniert sich klar gegen Perez' Vorhaben, Klubanteile an Investoren zu verkaufen, und setzt sich dafür ein, dass Real Madrid weiterhin zu 100 Prozent seinen Mitgliedern gehöre.

Gab es früher vergleichbare Transfer-Versprechen-Duelle bei anderen Klubs?

Der Ursprung liegt ironischerweise beim jungen Perez selbst. Im Jahr 2000 versprach Perez als Kandidat die Verpflichtung von Luis Figo vom Erzrivalen Barca. Zu dieser Zeit erschien das als unmöglich. Er wurde zum  Präsidenten und Figo ein "Blanco".

Drei Jahre später kopierte das Joan Laporta bei der Barca-Wahl: Als Höhepunkt seines Wahlkampfs gab Manchester United sogar auf der eigenen Website bekannt, ein Angebot von Barcelona für David Beckham akzeptiert zu haben - unter der Bedingung, dass Laporta die Wahl gewinnt und der Spieler zustimmt.

Beckham wechselte dann aber zum Erzrivalen Real Madrid. Barcelona verpflichtete stattdessen Ronaldinho, was sich als der bessere Deal herausstellte.

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Real Madrid: Musste sich Perez früher auch gegen Kontrahenten "verteidigen"?

In seiner jetzigen zweiten Amtszeit (seit 2009) eigentlich nie. Und das hat einen Grund: Perez hat die Hürden für Gegenkandidaturen über die Jahre systematisch erhöht. Er hat die Regularien für mögliche Herausforderer über die Jahre zu kaum noch überwindbaren Hürden gemacht.

Bei den Präsidentschaftswahlen 1994 gegen Ramon Mendoza hatte Perez noch verloren. Im Jahr 2000 war er dann der Sieger: Er gewann gegen Lorenzo Sanz mit 16.469 zu 13.302 Stimmen, nachdem Sanz sich von den Champions-League-Titeln 1998 und 2000 eine Wiederwahl erhofft hatte.

2004 lief es dann deutlich einfacher: Perez wurde mit 94,2 Prozent wiedergewählt. Von 2006 bis 2009 trat er kurz zurück, kam dann aber zurück und ist seitdem immer ohne ernsthafte Gegenkandidatur.

Real Madrid: Wie realistisch ist ein Wahlsieg Riquelmes?

Kurz gesagt: Unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen. Eine Riquelme-Überraschung sei theoretisch möglich, würde aber die spanische Hauptstadt erschüttern.

Strukturell hat Riquelme enorme Nachteile: kaum Zeit für Kampagnenarbeit, Perez' tiefe Verwurzelung in Medien, Politik und der Sportwelt, und ein Mitgliederkorpus, der jahrzehntelang an Erfolge unter Perez gewöhnt wurde.

Unweit des Bernabeu hat Perez zuletzt ein riesiges Banner befestigen lassen, auf dem sieben Champions-League-Finalorte unter seiner Führung aufgelistet sind mit drei Punkten darunter, die sagen: "Fortsetzung folgt."

Auf der anderen Seite gibt es echte Angriffsflächen für Riquelme: zwei titellose Saisons, sechs von sieben verlorene Clasicos zuletzt und die Sorge vieler Stimmberechtigter, dass eine Investoren-Öffnung dafür sorgen könnte, dass die aktuelle Wahl die letzte sein könnte.

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