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DFB-Team: Die gescheiterte Generation Kimmich - wer hat sich überhaupt eine erneute Chance verdient?

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

:newstime

WM-Aus: DFB berät über Nagelsmann

Videoclip • 05:04 Min • Ab 12


Deutschland schwebte nach dem WM-Titel 2014 auf Wolke sieben. Eine nächste goldene Generation spielte sich in den Mittelpunkt. Im Jahr 2026 wird klar: Sie ist gescheitert. Wer hat noch eine Chance verdient?

Im Jahr 2014 erlebte der deutsche Fußball seinen letzten ganz großen Höhepunkt. Mit dem Weltmeistertitel krönte sich eine goldene Generation rund um Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Philipp Lahm mit dem größten Titel, den der Fußball zu bieten hat.

Vor allem aber räumten sie mit der Kritik auf, sie würden trotz ihres Talents nichts gewinnen können. Deutschland wähnte sich wieder an der Weltspitze – und das nicht nur wegen der herausragenden Leistungen der A-Nationalmannschaft.

Fast parallel dazu spielte sich eine weitere Nationalmannschaft des DFB-Teams in die Herzen der Fans. Die U19 absolvierte wenige Tage nach der WM in Brasilien die Europameisterschaft. In einer Gruppe mit Bulgarien, Serbien und Ukraine und über das Halbfinale gegen Österreich (4:0) spielte sich diese talentierte Generation ins Finale, wo gegen Portugal (1:0) der Coup gelang.

Teil der damaligen Startelf: Unter anderem Joshua Kimmich. Der damals 19-Jährige stand nach dem Auftaktspiel gegen Bulgarien in jeder Partie auf dem Platz. Nicht viel später wurde klar: Kimmich würde das Gesicht der Generation 95/96 werden. Ein Anführer, der bestimmt dazu war, nahtlos an die Generation Lahmsteiger anzuknüpfen.

Zwölf Jahre später ist klar: Diese Generation ist historisch gescheitert und wird als eine der schwächsten deutschen Nationalmannschaften in die Geschichte eingehen. Und es stellt sich die Frage, wer überhaupt noch in den kommenden Monaten und Jahren Teil des DFB-Teams sein sollte, das sich nach der abermaligen Blamage bei der WM 2026 neu aufstellen muss.

Deutschlands nächste goldene Generation kündigte sich an

Ebenfalls im Kader der U19, die damals den EM-Titel holte, waren unter anderem Davie Selke (Torschützenkönig mit sechs Treffern), Levin Öztunali, Kevin Akpoguma, Marc-Oliver Kempf, Handy Mukhtar und ein gewisser Julian Brandt. Größtenteils Spieler, die aus heutiger Sicht keine große Karriere hingelegt haben. Doch die Hoffnung war groß.

Nicht dabei waren andere Spieler aus dieser Generation, die größere Karrieren hingelegt haben oder bei denen es zu einem gewissen Zeitpunkt zumindest gut aussah: Serge Gnabry, Leon Goretzka, Julian Weigl, Niklas Süle (alle 1995), Timo Werner, Leroy Sane, Mahmoud Dahoud, Nadiem Amiri (alle 1996) und andere.

Die Retrospektive täuscht ein wenig, wenn einem bei dieser Liste an Spielern eher ein müdes Lächeln über die Lippen rutscht. 2017 waren einige von ihnen dabei, als die Nationalmannschaft den Confed-Cup gewinnen konnte. 2016 erreichten Brandt, Süle, Gnabry, Goretzka und Co. das Finale bei Olympia.

Und 2017 gewannen Gnabry, Dahoud, Öztunali und unter anderem Waldemar Anton die U21-Europameisterschaft gegen Spanien im Finale. Die Zukunft sah ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Russland rosig aus.

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Eine Enttäuschung nach der anderen

Was dann folgte, ist schwer zu ergründen. Eine Mischung aus absurdem Abschlusspech und großem Unvermögen führte zum Aus in der Gruppenphase bei der WM 2018 – erstmals überhaupt in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft.

Auch bei der Europameisterschaft im Jahr 2021 war der Erfolg eher überschaubar. Die aufstrebende Generation Kimmich schien sich zu sehr mit der alternden Generation rund um Thomas Müller zu beißen, Harmonie kam jedenfalls kaum auf. Gegen England war nach trostlosen Auftritten bereits im Achtelfinale Schluss.

Die WM in Katar wurde zum weiteren Desaster – wieder schied Deutschland in der Gruppenphase aus. Mit Julian Nagelsmann übernahm vor der Heim-EM 2024 nun ein Trainer, dem man zutraute, das Maximum aus der vermeintlich goldenen Generation zu holen, die zu scheitern drohte.

Tatsächlich gab es bei der folgenden Europameisterschaft dann so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Wenngleich die sportlichen Leistungen rückblickend zu gut bewertet werden. Zwischen einem guten Auftakt und einer kämpferischen Leistung gegen Spanien war wenig Fußball. Die jüngste Geschichte ist nun bekannt. Zehn Jahre seit der EM 2016, fünf erfolglose Turniere und viele frustrierende Momente.

Die Generation Kimmich ist gescheitert

Rein sportlich betrachtet, ist kaum eine andere Bewertung möglich: Kimmich, Sane, Goretzka, Gnabry und Co. sind jetzt 30 und älter. Sie sind gescheitert. Parallel zu ihrem Misserfolg in der Nationalmannschaft hatten sie auch beim FC Bayern einst gemeinsam große Probleme, die hohe Erwartungshaltung zu erfüllen, die es nach dem Ende von Lahmsteiger und Robbery gab.

Auch dort gab es diese Debatten um vermeintlich fehlende Mentalität und viel wichtiger: Fehlende Qualität im Vergleich zu den Vorgängern. Und womöglich ist das auch schon der Kern der Debatte. Im Schnitt ist diese Generation nicht so begabt wie die vorherige. Es fehlt ihr an echten Weltklasse-Spielern. Vergleichbar mit jener Phase Anfang und Mitte der 2000er Jahre, als Michael Ballack und vielleicht Oliver Kahn lange Zeit als die einzigen Weltklasse-Spieler im deutschen Trikot galten.

Nur einer aus dieser Generation kratzt wirklich an diesem Status – und selbst der ist umstritten. In Joshua Kimmich sehen die Einen jemanden, der das Pech hat, in einer weniger talentierten Generation spielen zu müssen als mancher Vorgänger. Die Anderen sehen in ihm ein unerfülltes Versprechen. Nah dran an den Großen, aber doch weit genug weg, um ihn nicht als Anführer oder Weltklassespieler zu betrachten.

Vor allem unterscheidet ihn von beispielsweise Kahn und Ballack, dass er bisher kein einziges großes Turnier gespielt hat, bei dem er seine Mannschaft zu Erfolgen tragen konnte. Kahn und Ballack erreichten immerhin das WM-Finale 2002 und Letzterer war wichtiger Stammspieler beim Sommermärchen 2006.

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Joshua Kimmich: Nur beim FC Bayern stark

Beim FC Bayern konnte er seine persönliche Krise längst ad acta legen. Dort ist er ein sehr wichtiger Bestandteil des Systems von Vincent Kompany. Er leitet Angriffe ein, gestaltet das Spiel und zieht die Fäden hinter der Weltklasse-Offensive, die dem DFB-Team aktuell fehlt.

Kimmichs Rolle in der Nationalmannschaft ist undankbar. Nicht nur wird von ihm deutlich mehr verlangt als von anderen, er muss es auch noch auf einer Position richten, die nicht seinen Stärken entspricht. Aus Mangel an Alternativen. Hinzu kommt, dass um ihn herum deutlich weniger Qualität auf dem Rasen steht als in München.

Und hier kommen seine Kritikerinnen und Kritiker wieder ins Spiel: Kimmich ist keiner, der ein ganzes Team auf die nächste Stufe heben kann. Er ist einer, der Weltklasse-Leistungen abrufen kann, wenn es in seinem Umfeld auf dem Feld gut läuft. Exakt an diesem Punkt spalten sich auch die Meinungen über ihn.

Wer sollte überhaupt noch eine Chance kriegen?

Wenn man nun aber die Frage stellt, wer aus dieser gescheiterten Generation noch Teil der Mannschaft sein sollte, dann ist das knifflig zu beantworten. Denn eines ist klar: Der beste Zeitpunkt für einen echten Umbruch war vermutlich schon nach der Katar-WM. Das hat man verpasst, weil man diesen Spielern nochmal Vertrauen schenkte.

Auch der Aufbruch 2024 war nur ein scheinbarer. Die Mannschaft damals war im Kern alt. Ein echter Umbruch wurde auch danach eher verpasst. Jetzt aber gibt es allerspätestens kein Zurück mehr. Die Generation Kimmich hat größtenteils fertig. Einige von ihnen sind längst nicht mehr da. Sane und Goretzka haben nichts gezeigt, was sie für zukünftige Aufgaben qualifizieren würde.

Amiri, Anton, Nübel, Tah und Undav sind weitere 96er im Team gewesen. Zumindest Letztgenannte zählten eher noch zu den besseren Deutschen und werden weiterhin – auch mangels Alternativen – ihre Chancen bekommen. Und dann ist da eben noch Kimmich.

Ein Spieler, auf den wohl kein Bundestrainer freiwillig verzichten wird, weil er trotz aller Kritik dafür zu gut ist. Klar ist dennoch: Die Diskussionen über das Scheitern seiner Generation werden ihn weiterhin verfolgen – und sie sind eng verknüpft mit seinem Namen. Das ist nicht immer fair, aber so tickt dieses Business.

Wer auch immer Bundestrainer sein wird, muss genau abwägen, wie viele von diesen Spielern er sich leisten kann und will. Es braucht frischen Wind.

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