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WM 2006 - FIFA-Rechtfertigung der Aberkennung des Tah-Tores: Nicht im Sinne des Fußballs - Kommentar

Veröffentlicht:

von Christian Stüwe

ran Fußball

WM-Aus nach Elfmeter-Drama: DFB-Team blamiert sich gegen Paraguay

Videoclip • 03:21 Min


Deutschland scheidet nach dem VAR-Zoff um Jonathan Tah gegen Paraguay aus der WM aus. Die Schuld liegt jedoch nicht nur beim Schiedsrichter, sondern auch an der Regelauslegung der FIFA. Das Vorgehen erinnert stark an die UEFA und den Fall von Marc Cucurella vor zwei Jahren. Ein Kommentar.

Am 5. Juli 2024 zog Jamal Musiala beim Stand von 1:1 in der Verlängerung von der Strafraumgrenze ab. Der Schuss des deutschen Nationalspielers traf Marc Cucurella an der Hand, der Spanier blockte den Torschuss.

Die deutschen Spieler forderten ebenso wie die Fans sofort Elfmeter, doch der Pfiff von Schiedsrichter Anthony Taylor blieb aus. Und zur Überraschung aller Beteiligten fand auch keine Intervention durch den VAR statt.

Mikel Merino traf spät im Spiel für Spanien und entschied die dramatische Partie, Deutschland schied bei der Heim-Europameisterschaft unglücklich im Viertelfinale aus.

Die UEFA rechtfertigte die Entscheidung Taylors und die ausgebliebene Intervention des VAR später mit einer neuen Richtlinie, die vor dem Turnier ausgegeben wurde. Laut dieser sollte ein Handspiel nicht als strafbar gewertet werden, wenn der Arm des Spielers vertikal nach unten hängt und sich leicht hinter der Linie des Körpers befindet.

Im September 2024 korrigierte sich die UEFA-Schiedsrichterkommission dann selbst und teilte in einem Analysebericht mit, dass es Elfmeter hätte geben müssen.

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Experten sind sich einig: Tah-Tor hätte zählen müssen

Nun ist Deutschland wieder aus einem Turnier ausgeschieden, diesmal im Sechzehntelfinale der WM gegen Paraguay. Und wieder wird über eine Szene in der Verlängerung diskutiert. Der vermeintliche Treffer von Jonathan Tah zum 2:1 zählte nach Eingriff des VAR nicht, weil Waldemar Anton zuvor Paraguays Torwart Orlando Gill geblockt haben soll.

"Das war absolut unglücklich vom VAR! Gerade vor dieser Weltmeisterschaft wurde von Pierluigi Collina gesagt, dass die Schwelle zum Einschreiten vom VAR sehr hoch sein soll. Und in dem Fall wurde sie sehr, sehr tief angesetzt", schätzte Ex-Schiedsrichter Urs Meier die Situation im ran-Interview ein.

Meiers Kollegen sahen es genauso. "Das ist ein völlig reguläres Tor", sagte Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer im "ZDF". "Das hätte ein Tor geben müssen", erklärte Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich bei "MagentaTV".

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Collina verweist auf neue Regelung

Nur der frühere Weltklasse-Schiedsrichter und aktuelle FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina sah es anders. Der Italiener verwies – wie die UEFA 2024 – auf eine neue Regelung, die vor der WM von der FIFA erlassen wurde.

Die Schiedsrichter sollten demnach eingreifen, "wenn ein Angreifer kein Interesse am Ball hat und sich absichtlich, selbst minimal, bewegt, um die Verteidigung des Gegners zu behindern", sagte Collina.

Doch hier gibt es ein wesentliches Problem: Wenn unmittelbar vor Turnieren die Regelauslegung so verändert und kompliziert wird, dass Trainer, Spieler, Fans, Expertinnen und Experten dies nicht mitbekommen und nachvollziehen können, ist es nicht nur schlechte Kommunikation der FIFA - es kann auch nicht im Sinne des Fußballs sein.

Es sollte einen nicht überraschen, wenn auch der Weltverband sich wie die UEFA 2024 in ein paar Monaten korrigiert und zu dem Schluss kommt, dass der Treffer von Tah doch hätte zählen müssen.

Der entscheidende Unterschied: Während Deutschland bei der Heim-EM höchst unglücklich ausschied, ist das Aus der DFB-Elf diesmal nach einer desaströsen Leistung verdient.

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