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WM 2026: Gianni Infantino nicht mehr tragbar? Dann müssen UEFA und DFB mehr tun als reden - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Chris Lugert

ran Fußball

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Videoclip • 01:13 Min


Die Kritik vor allem aus Europa an FIFA-Präsident Gianni Infantino ist unüberhörbar. Doch wenn UEFA und DFB es ernst meinen, müssen sie die demokratische Konfrontation suchen und einen Gegenkandidaten aufstellen. Alles andere ist nur Gerede. Ein Kommentar.

Hat es Gianni Infantino bei der WM 2026 zu weit getrieben? Spätestens mit dem Skandal um US-Stürmer Folarin Balogun geriet der FIFA-Präsident unter einen derart heftigen Beschuss wie nie zuvor in seiner Amtszeit.

Die Stimmen, die den Schweizer als nicht mehr tragbar für sein Amt erachten, werden immer lauter. Vor allem Europa und dort insbesondere der DFB gehen zunehmend auf Distanz zu Infantino. Der deutsche Verband verweigerte dem 56-Jährigen sogar offen die Unterstützung für die Wiederwahl.

UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin wiederum verzichtete demonstrativ auf eine Reise zum WM-Finale nach New York, britischen Medien zufolge als direkte Reaktion auf die "Causa Balogun". Bereits zuvor lagen die FIFA und der europäische Verband über Kreuz.

Norwegens Verbandspräsidentin kündigte unterdessen an, bei der FIFA eine formelle Beschwerde zur Balogun-Thematik einzureichen. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf stellte klar, "dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf".

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Infantino sitzt fest im Sattel - noch?

Doch so wirkungsstark diese Gesten auch sein sollen - sie sind es nicht. Innerhalb der FIFA kann sich Infantino der Unterstützung der allermeisten Verbände sicher sein: Angeblich stehen mehr als 200 Länder hinter ihm. Ob diese Zahl so stimmt, sei dahingestellt.

Aber das Gesamtbild ist unabhängig davon, ob es nun ein paar Länder mehr oder weniger sind. Infantino hat sich die Macht gesichert, auch aufgrund des Wahlprozederes. Jeder Verband im 211 Mitglieder starken FIFA-Kongress hat genau eine Stimme, unabhängig von seiner Größe.

Selbst wenn sich die 20 mitgliederstärksten Verbände der Welt geschlossen gegen Infantino stellen, bleiben immer noch über 190 Mitglieder des Kongresses - und die profitieren finanziell enorm von der Politik des Schweizers. Aus ihrer Sicht ist die Kritik an Infantino Ausdruck der alten, europäischen Dekadenz.

Wenn DFB und UEFA wirklich etwas an der Spitze der FIFA ändern wollen, müssen sie Infantino mit demokratischen Mitteln herausfordern. Und das geht nur mit einem Gegenkandidaten. Sowohl 2019 als auch 2023 wurde Infantino per Akklamation im Amt bestätigt, weil es keinen Widersacher gab.

Infantino: Symbolpolitik von UEFA und DFB reichen nicht

Die Zeiten, in denen es reicht, Infantinos Verfehlungen aufzuzählen, sind vorbei. Alternativen sind gefragt. Doch genau hier ist Europa ein zahnloser Tiger.

Wo ist der Kandidat, der einerseits die Traditionen des Sports bewahrt, andererseits aber auch bereit ist, den finanziellen Kuchen auch gegen Widerstände immer größer werden zu lassen?

Denn letztlich geht es gerade den Verbänden der südlichen Hemisphäre vor allem um Geld, und genau das sichert Infantino ihnen zu. Durch immer größere Turniere, immer mehr Spiele und dadurch immer weiter steigende Einnahmen. Genau diese Maßnahmen sind in der alten Welt des Fußballs, also in Europa, aber maximal unpopulär.

Wenn es Europa jedoch schafft, einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern, der die Notwendigkeit sprudelnder Finanzen mit einem glaubhaften Bekenntnis zu sportlicher und ethischer Integrität verbindet und gleichzeitig deutlich macht, dass die Einheit der Fußballwelt wichtiger ist als die Spaltung in die einzelnen Erdteile, bestünde eine Chance.

Denn wie felsenfest einige Verbände wirklich hinter Infantino stehen, ist offen. Oder ob sie nicht einfach genau auf diese Alternative warten.

Solange es UEFA und DFB aber bei Symbolpolitik belassen und lieber reden statt zu handeln, wird sich nichts ändern.

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Infantino: Europa muss sich entscheiden

Europa muss sich also entscheiden, wie ernst es ihnen mit der Kritik an Infantino wirklich ist und wie weit sie bereit sind zu gehen. Resignieren sie angesichts der vermeintlichen Übermacht des Schweizers oder besinnen sie sich auf ihre Stärken? Denn der europäische Fußball verfügt nach wie vor über die stärksten Ligen, die besten Spieler und eine herausragende Fankultur.

Doch der ewige Fehler, daraus eine Überlegenheit zu definieren, die Europa über die anderen Kontinente stellt, hat zur Spaltung des Fußballs erst beigetragen. Erst wenn Europa bereit ist, auch die Leistungen der anderen Kontinente anzuerkennen, hat ein etwaiger Gegenkandidat eine reelle Chance.

Und erst dann kann es für Infantino auch wirklich eng werden. So gravierend seine Verfehlungen auch sein mögen.

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