WM
Jürgen Klopp: Seine größte Aufgabe beim DFB-Team ist Joshua Kimmich
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
WM 2026: Ausrichtung beim DFB? So würde Klopp es angehen
Videoclip • 03:31 Min
Nach dem WM-Debakel ist vor der Übernahme von Jürgen Klopp beim DFB-Team. Und der designierte Bundestrainer steht neben zig Fragen vor einem Schlüsselthema: Was wird aus Joshua Kimmich?
Joshua Kimmich lässt Niederlagen besonders nah an sich heran. In einer Dokumentation mit der "ARD" wurde das mehrfach deutlich. In einer Szene diskutiert er emotional mit seiner Frau Lina darüber, dass Bayer Leverkusen bei einem 1:1 in München das klar schwächere Team war.
"Hä? In welchem Stadion warst du?", fragt er fast schon entsetzt, als sie sagt, dass die erste Halbzeit nicht so schlecht von der Werkself gewesen sei. 2022 bündelte er die Enttäuschung Deutschlands nach dem frühem WM-Aus auf sich: "Ich werde mit dem Misserfolg in Verbindung gebracht. Das ist nichts, wofür man stehen möchte. Ich habe Angst, dass ich in ein Loch falle."
Und auch bei der WM 2026 beschäftigte ihn das Ausscheiden offenbar länger als andere Spieler. Wie der "Spiegel" berichtete, sei er noch deutlich länger in der Unterkunft geblieben, habe sich mehrfach bei den Verbandsverantwortlichen entschuldigt.
Kimmich ist in den Augen vieler ein Anführer. Einer, der Verantwortung übernimmt und sich immer der Öffentlichkeit stellt. Ehrgeiz und Wille werden mit ihm in Verbindung gebracht und damit verbunden auch die Einstellung, die Fans von einer Nationalmannschaft erwarten.
Es gibt aber auch viele, die das anders sehen. Die an ihm ein Problem festmachen. Verbissen und zu sehr darauf fokussiert, für alles die Verantwortung übernehmen zu wollen, statt sich mehr auf seinen eigenen Job zu fokussieren. Einer, der fast schon zwanghaft ehrgeizig wirkt. Und der im DFB-Team gescheitert ist. Aber wie wird Jürgen Klopp darüber denken? Bekommt Kimmich eine weitere Chance? Muss er das sogar?
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Jürgen Klopp: Radikaler Umbruch beim DFB?
Klopp ist designierter Bundestrainer. Nicht wenige erwarten von ihm einen radikalen Umbruch. Die Generation rund um Kimmich hat fertig – so der Tenor. Für Maßnahmen, nur um Maßnahmen zu ergreifen, ist der ehemalige Trainer des FC Liverpool nicht bekannt.
Fußball-WM: Gemeinsame Ausrichtung von Frankreich und Deutschland 2038 oder 2042?
Es gilt zu differenzieren. Gerade bei Kimmich stellt sich die Frage, ob die Forderungen nach einer Ausbootung nicht vollkommen übertrieben sind. Mit dem FC Bayern hat er eine äußerst erfolgreiche Saison hinter sich. Gern wird behauptet, die deutschen Spieler würden dort nur mitschwimmen mit den internationalen Superstars.
Es stimmt, dass die Münchner zuletzt weniger erfolgreich waren, als der Kern des Teams noch aus mehr deutschen Spielern bestand. Auch Kimmich hatte eine Schwächephase beim FCB. Aber schaut man auf die vergangene Saison, dann war der 31-Jährige keiner, der mitgeschwommen ist, sondern einer, der gestaltet hat, der angeführt hat und der von Vincent Kompany viel Anerkennung bekommt und einen hohen Stellenwert genießt.
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Kimmich ist zu gut, um fallen gelassen zu werden
In der Nationalmannschaft war das schon immer anders. Hier hat Kimmich bisher nichts erreicht. Ein entscheidender Faktor dafür ist, dass er dort immer noch als Rechtsverteidiger gesehen wird. Wahr ist auch: Von den 45 Länderspielen, die er im Mittelfeldzentrum absolviert hat, sind nicht viele nachhaltig in Erinnerung geblieben.
Aber wenn die WM eines endgültig gezeigt hat, dann, dass Kimmich kein Rechtsverteidiger (mehr) ist. Zu langsam, zu anfällig defensiv und letztlich auch nicht in der Lage, seinen gewohnten Einfluss aufs Spiel zu nehmen. So nachvollziehbar der Gedanke von Julian Nagelsmann war, ihn einrücken zu lassen, so problematisch wurde der Ansatz in der Abwehr.
Kimmich und Aleksandar Pavlovic haben beim FC Bayern gut harmoniert. Letzterer profitierte enorm von der Erfahrung seines Nebenmanns. Erfahrung und Stabilität, die Felix Nmecha nicht liefern konnte. Klopps Aufgabe wird es sein, das Mittelfeldzentrum zu stabilisieren.
Bei aller Kritik an Kimmich: Verzichten kann er auf ihn eigentlich noch nicht. Zu unerfahren und instabil sind die Alternativen, zu gut ist der Bayern-Star dafür. Es wurde viel darüber diskutiert, wer im deutschen Kader noch Weltklasse hat. Kimmich wäre im Moment die einzige legitime Antwort darauf.
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Wie kann Klopp für Entlastung sorgen?
So sehr er immer wieder im Fokus der Kritik steht, so sehr ist er auch oft der einzige Spieler gewesen, der die Dinge in die Hand nehmen wollte. Nur eben von einer Position aus, auf der das nicht so leicht ist.
Klopp wird Kimmichs Energie und seine Fähigkeiten zu schätzen wissen. Und er könnte auch der ideale Trainer sein, um das vielleicht größere Problem zu lösen: Wie gelingt es, den Champions-League-Sieger von 2020 mental und rein sportlich zu entlasten?
Kompany gelang es in München, sich exakt diesem Thema anzunehmen. Kimmich spielt dort disziplinierter, trägt auch Verantwortung, aber eben nicht für alles. Er hat Spieler um sich herum, die ihn entlasten. In seiner Führungstätigkeit auf und neben dem Platz, aber auch rein sportlich. Spieler wie Harry Kane, die Bälle fordern und Verantwortung übernehmen, statt sich zu verstecken.
Klopp könnte sich natürlich die Frage stellen, ob er weiter mit ihm als Kapitän arbeiten möchte oder ob es besser wäre, dass sich Kimmich auf sich selbst fokussiert. Aber wie groß das Problem der deutschen Nationalmannschaft ist, wird bei der Frage nach Alternativen deutlich: Wer wäre geeignet? Vielleicht Jonathan Tah. Würde das etwas verändern? Fraglich.
Klarer Auftrag: An Kimmich wird sich zeigen, wie erfolgreich Klopp ist
Daraus ergibt sich für Klopp ein ganz klarer Auftrag: Wie schafft er es, dass Kimmich im DFB-Team genauso scheinen kann wie beim FC Bayern? Ihn wieder im Mittelfeld aufzustellen wird ein Schlüssel sein. Der andere liegt darin, seine Mitspieler nicht nur gut auszuwählen, sondern sie auch darin zu bestärken, selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht darauf zu warten, dass Kimmich das schon tun wird.
Jamal Musiala, Florian Wirtz, Pavlovic – sie alle haben das Zeug dazu, ein Team auf unterschiedliche Art und Weise zu tragen. Sie alle wirkten bei der WM verunsichert und fahrig. Jeweils aus ganz verschiedenen Gründen.
Kimmich kann ein wichtiges Puzzleteil dafür sein. Aber eben auch nur das. Einer allein wird die Probleme nicht beheben können. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Deshalb aber seinen besten Spieler aus dem Kader zu werfen, nur um ein Zeichen zu setzen, wäre Harakiri. An Kimmich wird sich viel mehr zeigen, wie gut der neue Bundestrainer arbeitet.
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