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WM 2026 - Markus Babbel zu den Problemen des DFB-Teams: Flo Wirtz? "Das ist so ein bisschen Kinder-Fußball"
Veröffentlicht:
von Martin Volkmarran Fußball
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Videoclip • 02:22 Min
Im ran-Interview spricht Experte Markus Babbel, Ex-Nationalspieler und -Trainer, über die Defizite der deutschen Nationalmannschaft und die Lehren aus der Pleite gegen Ecuador.
Das Interview führte Martin Volkmar
Die deutsche Nationalmannschaft hat die Vorrunde bei der WM 2026 mit einer 1:2-Pleite gegen Ecuador beendet.
Im Interview mit ran spricht Experte Markus Babbel über die Defizite der DFB-Elf nach der Niederlage gegen die Südamerikaner.
ran: Die Niederlage gegen Ecuador hat die leichte WM-Euphorie im Land massiv gedämpft. Waren Sie auch etwas ernüchtert über die schwache Leistung?
Markus Babbel: Ich hatte ein Stück weit damit gerechnet. Weil du einfach Spannung verlierst, wenn du schon vorher eine Runde weiter bist. Vielleicht zwei, drei Prozent pro Spieler - aber zusammen sind das als Mannschaft über 30 Prozent. Deswegen hat es mich gewundert, dass der Bundestrainer nicht mehr rotiert hat. Gerade Spieler wie Nmecha, Musiala oder Havertz, die länger verletzt waren, hätten einfach mal wieder eine Pause gebrauchen können. Und das hat man im Spiel dann auch gesehen, dass einfach bei jedem ein bisschen gefehlt hat.
ran: Fakt ist dennoch, dass die aktuelle A-Mannschaft enttäuscht hat. Kann man jetzt im Sechzehntelfinale einfach so den Schalter umlegen oder droht sogar ein frühes Ausscheiden?
Babbel: Dass Südamerikaner Fußball spielen können, hat Ecuador ja gezeigt. Da werden die Paraguayer genau hingesehen haben. Wenn man gegen die deutsche Mannschaft körperlich spielt, bekommt sie Probleme. Wo bei mir aber vor allem die Alarmglocken angehen: Wir können als Mannschaft nicht verteidigen. Das liegt aber nicht an den Abwehrspielern, sondern am Kollektiv. Uns fehlt leider die Spielkontrolle und ein besseres Defensivverhalten. Wenn du jedes Mal ein, zwei Gegentore bekommst, dann hast du keine Chance, weit zu kommen.
ran: Auffällig sind bislang die schwachen Leistungen von Aleksandar Pavlovic. Müsste man über einen Wechsel auf seiner Position nachdenken?
Babbel: Ja, er spielt definitiv unter seinem Niveau. Er ist noch überhaupt nicht ins Turnier reingekommen und spielt nicht so, wie man ihn von Bayern kennt. Er kriegt seine Stärken bei der WM noch gar nicht auf den Platz. Wir haben im Zentrum viel zu viele leichte Ballverluste, das gilt auch für Nmecha. Ich habe auch ein bisschen das Gefühl, dass die beiden nicht gut miteinander harmonieren. Deshalb ist ein Wechsel definitiv eine Überlegung wert – zumal man auch sieht, dass sich Jo Kimmich brutal schwer tut, ins Turnier zu finden. Daher muss man sich natürlich Gedanken machen, ob er nicht im Mittelfeld besser aufgehoben ist.
"Kimmich ist als Rechtsverteidiger aktuell verschenkt"
ran: Zumal Kimmich als Kapitän ja bisher im deutschen Spiel fast überhaupt kein Faktor ist…
Babbel: Eher ein Unsicherheitsfaktor. Und nach vorne unsichtbar. Dabei habe ich von Kimmich schon richtig starke Spiele auf der Außenposition gesehen, wo er praktisch der Spielmacher von rechts hinten war. Aber er kommt überhaupt nicht in diese Position. Im Zentrum könnte er mehr Einfluss aufs Spiel nehmen, während er als Rechtsverteidiger aktuell verschenkt ist.
ran: Gerade weil Kimmich nicht in Erscheinung tritt, monieren viele Experten, dass der Mannschaft Spieler fehlen, die dagegenhalten. Sehen Sie das genauso?
Babbel: Ja, das war natürlich sehr auffallend, sowohl gegen die Elfenbeinküste oder jetzt gegen Ecuador. Sobald der Gegner physisch wird, haben wir keine Möglichkeiten, uns durchzusetzen. Wir kommen in keinem Dribbling vorbei und in den Zweikämpfen ziehen wir sehr oft den Kürzeren. Die Gegner haben anscheinend gemerkt: Wenn wir den Deutschen gleich einmal am Anfang eine mitgeben, dann tun sie sich schwer, ins Spiel zu kommen. Gerade in der Offensive und auch im Mittelfeld ist mir da zu wenig Körperlichkeit, ganz klar.
ran: Wie sehen Sie die Leistung von Manuel Neuer, der wegen seiner "Aura" zurückgeholt wurde, dann aber die ersten drei Schüsse in den drei Partien passieren lassen musste - und beim 1:2 von Ecuador schlecht aussah?
Babbel: Das sehe ich anders und bin da völlig Manuel Neuers Meinung: Er hatte beim zweiten Tor überhaupt keine Chance. Er geht ja zum Ball, nur der Stürmer ist einfach diesen Tick schneller. Das ist einfach vorher schlecht verteidigt von David Raum und vor allem von Jonathan Tah. Es läuft brutal unglücklich für ihn, weil gefühlt jeder Schuss aufs Tor ein Treffer ist. Aber ich bin mir sicher, dass er sich noch auszeichnen wird. Also über Manuel Neuer brauchen wir nicht zu diskutieren.
Babbel mit deutlicher Kritik an Wirtz
ran: Sie haben die Offensive schon kurz angesprochen. Große Namen, aber wenig davon war bislang auf dem Platz zu sehen. Müsste der Bundestrainer jetzt anderen Spielern eine Chance geben?
Babbel: Ich gehe stark davon aus, dass er an Wirtz, Musiala und Havertz festhält, denn das sind unsere herausragenden Spieler - wenn sie in Form sind. Dass sie sich alle aktuell so schwertun, das ist natürlich überraschend. Wobei mir persönlich Musiala noch am besten gefällt, denn da merke ich einfach, der will, ist engagiert und geht auch dahin, wo es weh tut. Das fehlt mir bei Florian Wirtz. Seine Auftritte fand ich bis jetzt ziemlich enttäuschend, so wie am Anfang in Liverpool. Das ist so ein bisschen Kinder-Fußball. Ganz nett anzuschauen, aber das reicht auf dem Niveau nicht. Zu wenig Kreativität und zu wenig Einflussnahme aufs Spiel. Genau wie bei seinem Pendant auf der anderen Seite.
ran: Sie meinen Leroy Sane?
Babbel: Ja, aber das ist für mich eine andere Geschichte. Der spielt seinen Stiefel, wie ich es von ihm die letzten Jahre gesehen habe. Da ist kein Ausreißer nach oben, da ist kein Ausreißer nach unten. Ich wundere mich nur, dass sich alle immer wieder darüber aufregen. Ich erwarte da gar nichts mehr.
ran: Was könnte Julian Nagelsmann jetzt machen: das System umstellen, einen größeren Umbau vornehmen oder was denken Sie?
Babbel: Gute Frage, ich verstehe den Bundestrainer ja selbst sehr oft nicht. Wie gesagt hatte ich vor dem Spiel gedacht, dass er dem ein oder anderen lange verletzten Spieler mal eine Verschnaufpause gibt. Und stattdessen spielen alle wieder, und dann heißt es hinterher: 'Die Jungs haben schwere Beine bekommen, deswegen musste ich wechseln.' Das ergibt für mich alles keinen Sinn. Hätte er rotiert, dann hätten die Nachrücker sicher 100 Prozent Gas gegeben, weil sie sich ja dem Trainer anbieten wollen. Aber das ist nicht das einzige, was ich nicht nachvollziehen kann.
"Es muss in allen Bereichen einfach eine Schippe draufgelegt werden"
ran: Was noch?
Babbel: Dass er am Ende des Spiels dann alles komplett umgestellt hat und die meisten auf Positionen gespielt haben, die sie im Verein relativ selten spielen. Ich bin ein Fan, dass gerade bei einer WM die Spezialisten auf ihren bestmöglichen Positionen spielen. Aber wir haben zum Beispiel keinen einzigen rechten Außenverteidiger im Kader. Das wirkt auf mich alles etwas improvisiert.
ran: Was man jetzt aber nicht mehr ändern kann…
Babbel: Genau, und deshalb müssen die Basics wieder in den Vordergrund rücken: Nagelsmann muss es schaffen, dass die Mannschaft wieder robuster spielt, besser verteidigt und auch technisch sauberer agiert, gerade das ist mir extrem negativ aufgefallen. Damit macht man sein Spiel kaputt und lädt den Gegner zu Gegenstößen ein. Also es muss in allen Bereichen einfach eine Schippe draufgelegt werden. Aber das habe ich schon nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste gesagt. Wenn die kaltschnäuziger gewesen wären, hätten wir höher zurückliegen können und ich weiß nicht, ob wir dann noch zurückgekommen wären. So hat der Sieg über vieles hinweggetäuscht, wie man gegen Ecuador gesehen hat. Vielleicht war das der Warnschuss zur rechten Zeit, denn jetzt darfst du dir diese Fehler nicht mehr erlauben, sonst fliegst du raus.
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