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WM 2026 - Paredes-Ausraster nach Finale? Argentinien-Legende Rodolfo Esteban Cardoso exklusiv: "Nicht gut, aber ..."

Aktualisiert:

von Martin Jahns

ran Fußball

Spanien: Cucurella zelebriert WM-Titel - Millionen sehen zu

Videoclip • 01:03 Min


Der frühere argentinische Nationalspieler Rodolfo Esteban Cardoso spricht im ran-Interview über Argentiniens Auftritt im WM-Finale, Lionel Messi und Raubein Leandro Paredes.

Das Interview führte Martin Jahns

Fast vier Jahrzehnte lebt Rodolfo Esteban Cardoso bereits in Deutschland, doch seine Heimat wird immer Argentinien bleiben.

Entsprechend traurig ist der 57-Jährige, der in der Bundesliga für den FC Homburg, den SC Freiburg, Werder Bremen und den Hamburger SV spielte, über die Niederlage gegen Spanien im WM-Finale.

Mit ran sprach der achtmalige argentinische Nationalspieler, der aktuell die HSV-Frauen trainiert, über Frust und Stolz seiner Landsleute, die Leistung und die Zukunft von Lionel Messi und die harte Gangart des Teams.

Über das Verhalten von Leandro Paredes nach dem Finale will sich Cardoso ebenso nur kurz äußern wie zur massiven Kritik am Auftreten der argentinischen Mannschaft und dem Entrollen eines Transparents zu den Falkland-Inseln.

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Cardoso über verlorenes Finale gegen Spanien

ran: Argentinien hat eine erfolgreiche WM gespielt, aber das Finale gegen Spanien verloren. Wie groß ist der Final-Frust in Argentinien?

Rodolfo Esteban Cardoso: Die Leute sind stolz auf die Nationalmannschaft. Wir haben bei der WM vielleicht nicht so schön gespielt, aber wir haben viele Spiele mit viel Leidenschaft gedreht. Man identifiziert sich in Argentinien mit dieser Art und Weise, nicht nur im Fußball. Die Nationalmannschaft hat uns alle, das ganze Land, zusammengebracht. In letzter Zeit gab es in der argentinischen Politik unterschiedliche Seiten, die sich gegenüberstehen. Vieles wurde in Frage gestellt. Aber wenn die Nationalmannschaft spielt, ist sie der Grund, dass wir zumindest beim Fußball einer Meinung sind und zusammen feiern.

ran: Lionel Messi hat auch mit 39 Jahren das Turnier und die Spielweise der Mannschaft geprägt. Hätten Sie gedacht, dass er noch einmal so ein Turnier in sich hat?

Cardoso: Erwartet hatte ich es nicht unbedingt. Man weiß ganz genau, was für ein Spieler er ist, aber dass er in diesem Alter so aufgetreten ist, war für viele eine Überraschung. Deswegen hat er uns bei dieser WM sehr emotional mitgenommen. Man hat gesehen, wie uns ein Mann mit 39 Jahren so nach vorne gepusht hat. Das macht es besonders. Er hat seinen Kritikern mal wieder gezeigt, was für ein außergewöhnlicher Spieler er ist.

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Cardoso über Zukunft von Lionel Messi

ran: Glauben Sie, dass er vielleicht doch noch weitermacht?

Cardoso: Er hat offiziell noch nichts gesagt. Nach der Enttäuschung wird er wahrscheinlich etwas Zeit brauchen, um runterzukommen. Mit der Zeit werden wir wissen, ob er vielleicht in zwei Jahren wieder bei einem großen Turnier, der Copa America 2028, dabei ist. Aber das weiß im Moment keiner.

Cardoso: Wie gut wäre die argentinische Nationalmannschaft ohne Messi?

Cardoso: Schon mein ganzes Leben ist Argentinien immer eine große Fußballnation gewesen. Wir hatten Mario Kempes, auf ihn folgte Maradona und dann Messi. Im Fußball wird irgendwann wieder jemand Großes herauskommen. Ob er so gut wie Messi wird? Ich weiß es nicht. Aber die Geschichte geht weiter. Klar ist aber: Mit dem emotionalen Sieg gegen England hat sich Messi noch mehr in die Herzen aller Argentinier gespielt.

ran: Sie haben damals 1995 ihr Debüt in der argentinischen Nationalmannschaft gegeben. Kurz zuvor hatte Diego Maradona seine Karriere für die Albiceleste beendet. Ist die Situation damals vergleichbar mit heute, falls Messi zurücktritt?

Cardoso: Damals gab es auch Ortega, Saviola, Aimar – viele extrem gute Spieler, aber keiner hat die Aura von Maradona gehabt. Jetzt ist es die letzten 20 Jahre Messi gewesen. Für die Zukunft haben wir zum Beispiel Nico Paz, ein junger Spieler, der bei Como eine riesige Saison gespielt hat. Leider hat er bei der WM nicht gespielt, weil er noch so jung ist. Aber ich setze große Hoffnungen auf ihn.

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Messi oder Maradona? Cardoso über die größte argentinische Legende

ran: Messi oder Maradona? Wer ist für Sie die größere Legende? Und wie werden beide in Argentinien gesehen?

Cardoso: Ich bin als Argentinier einfach stolz, dass wir einen Messi und einen Maradona haben. Ich glaube, wenn du die besten drei Spieler von der Fußballgeschichte nimmst, sind zwei Argentinier dabei. Zwischen den beiden ist es immer Geschmackssache. Diego hat eine Zeit geprägt, aber er war nicht so viele Jahre auf einem Top-Niveau wie Messi. Messi ist wahnsinnig, weil er seit 20 Jahren die Nummer eins ist, das hat noch nie ein Spieler geschafft. Er hat fast 50 Titel und Auszeichnungen gewonnen, deutlich mehr als Maradona. Aber Diego hatte eine andere Art, Fußball zu spielen und hat sich gegen England 1986 in die Herzen der Zuschauer gespielt. Für mich als Argentinier ist es unfair, wenn ich mich für den einen oder den anderen entscheide. Ich habe beide erlebt, sogar noch Mario Kempes, und bin einfach glücklich, dass ich in meiner Generation so viele gute Spieler gesehen habe.

ran: Gegen England im Halbfinale und im Finale gegen Spanien spielte die argentinische Mannschaft kompromisslos mit viel Härte in den Zweikämpfen. Wie sehen Sie diese oft eher destruktive Spielweise?

Cardoso: Was heißt destruktiv? Ich sehe es so: Ihr dürft nicht bei der deutschen Nationalmannschaft kritisieren, dass ihnen die Härte in der einen oder anderen Situation fehle, und euch dann beschweren, dass Argentinien so gespielt hat. Wir haben über den Kampf in dieser WM Erfolg gehabt. Außerdem hatten wir außergewöhnliche Spieler wie Julian Alvarez oder Enzo Fernandez. Wir haben nicht schön gespielt, das wissen wir auch. Aber das Team hat die Fans in Argentinien emotional aufgeladen, weil es die Spiele immer wieder am Ende gedreht hat. Das hat diese WM speziell gemacht.

ran: Zum Beispiel beim aufgeladenen Halbfinale gegen England …

Cardoso: Das Spiel gegen England war wie beim Nachtisch die Kirsche auf der Sahne. Das war für uns schon wie ein Finale, ein Spiel, das jeder gewinnen wollte. Dass die Mannschaft auf diese Art und Weise gewonnen hat, schmeckt noch besser. Mehr kann man sich nicht wünschen bei einer WM.

Cardoso: Das kann das DFB-Team von Argentinien lernen

ran: Sollte sich die deutsche Nationalmannschaft also eine Scheibe von Argentiniens Spielweise abschneiden?

Cardoso: Die Nationalmannschaft war dafür bekannt, dass sie nie aufgehört hat, dass sie immer marschiert ist. Aber nach 2014 haben sie nicht mehr zu dieser Identität zurückgefunden. Doch diese kämpferische Mentalität darf man nicht verlieren. Wenn du dazu noch Fußball spielen kannst, umso besser. Aber am Ende geht es immer darum, zu gewinnen.

ran: Härte im Spiel ist das eine, aber auch nach dem Schlusspfiff gab Leandro Paredes mit seinem Angriff auf Gavi nach dem WM-Finale das Bild eines schlechten Verlierers ab. Wie erklären Sie sich ein solches unfaires Verhalten?

Cardoso: Natürlich ist das nicht gut, aber ich verstehe, wie sauer und frustriert Spieler manchmal sein können.

ran: Finden Sie, dass das Verhalten der argentinischen Spieler hier in Europa zu negativ gesehen wird?

Cardoso: Ja, ich finde die Darstellung teilweise etwas übertrieben. Bei dieser WM gab es viel Kritik an Argentinien, aber am Ende hat Messi acht Tore geschossen, die ihm von niemandem geschenkt wurden.

ran: Auch bei der Geschichte um das Transparent zu den Falkland-Inseln, das argentinische Spieler nach dem Sieg gegen England gehalten haben?

Cardoso: Das Transparent hat einigen vielleicht nicht gefallen, aber dieses Thema beschäftigt die Menschen in Argentinien seit Jahren. Nach einem solchen Spiel können dann auch mal die Emotionen rauskommen.

ran: Bei der WM gab es einige neue Regeln wie die umstrittenen Trinkpausen, aber auch Regeln gegen Zeitspiel. Würden Sie sich einige davon auch im Klubfußball wünschen?

Cardoso: Die Regeln gegen das Zeitspiel sind nicht schlecht. Warum also nicht? Aber die Trinkpause finde ich nicht gut, das passt besser zum Basketball. Ich glaube nicht, dass wir bei den Wetterverhältnissen in Deutschland eine Trinkpause brauchen.

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