Tennis
Alexander Zverev: Wimbledon-Finalist mit Diabetes - was bedeutet die Erkrankung für den Tennis-Star?
Veröffentlicht:
von Dominik Hager:newstime
Alexander Zverev spricht über Familienpläne
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Alexander Zverev beweist, dass sich Spitzensport und eine Diabetes-Erkrankung nicht ausschließen. Doch worum handelt es sich dabei genau und auf was muss das Tennis-Ass achten?
Alexander Zverev ist seit Jahren der beste deutsche Tennis-Spieler und hat sich mit seinem Grand-Slam-Erfolg bei den French Open in die Geschichtsbücher des Sports eingetragen.
Seine Erfolgsstorry könnte sich nun in Wimbledon fortsetzen, wo er im großen Finale auf Dauerrivale Jannik Sinner trifft.
Wimbledon-Finale heute live & kostenlos: Alexander Zverev vs. Jannik Sinner im Stream, TV und Ticker
Die Leistungen des 29-Jährigen sind noch höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass Zverev an Diabetes Typ 1 erkrankt ist.
Doch was bedeutet die Erkrankung eigentlich für einen Spitzensportler wie Zverev und auf was muss der gebürtige Hamburger explizit achten?
Die nächsten Sport-Übertragungen auf Joyn:
Was ist Diabetes Typ 1?
Diabetes Typ 1 ist anders als Diabetes Typ 2, welches häufig auf mangelnde Bewegung und schlechte Ernährung zurückzuführen ist, eine Autoimmunerkrankung.
Bei dieser greift das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört diese. Aus diesem Grund kann der Körper kein oder kaum Insulin herstellen.
Dieses Hormon ist jedoch nötig, um den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportiert, wo er als Energie genutzt werden kann. Fehlt Insulin, steigt der Blutzuckerspiegel stark an, was sowohl kurz- als auch langfristige Gefahren mit sich bringt.
Alexander Zverev: Wie sieht die Behandlung bei Betroffenen aus?
Diabetes Typ 1 ist zwar nicht heilbar, lässt sich jedoch inzwischen gut behandeln. Die Behandlung besteht darin, das fehlende Insulin lebenslang zu ersetzen, anders ist der Patient nicht überlebensfähig.
Der Blutzucker wird regelmäßig mit einem Blutzuckermessgerät oder einem kontinuierlichen Glukosemesssystem kontrolliert. Die gemessenen Werte helfen dabei, die Insulindosis anzupassen und den Blutzucker möglichst im Zielbereich zu halten.
Das Insulin wird mehrmals täglich gespritzt oder über eine Insulinpumpe abgegeben.
Seit wann ist Alexander Zverev an Diabetes erkrankt?
Typ-1-Diabetes tritt häufig im Kindes- oder Jugendalter auf, kann aber auch Erwachsene betreffen. Alexander Zverev hat bereits seit seinem vierten Lebensjahr Typ-1-Diabetes. Die Diagnose erhielt er im Jahr 2001.
Zverev hielt die Erkrankung aus Sorge vor Vorurteilen im Profisport lange privat und ging erst im August 2022 an die Öffentlichkeit.
Alexander Zverev: Wie behandelt er seine Erkrankung während der Matches?
Alexander Zverev nutzt Berichten zufolge zwar eine Insulinpumpe im Alltag, jedoch nicht während seiner Matches. Stattdessen nutzt er ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung, dessen Sensor er am Körper trägt und injiziert sich das benötigte Insulin bei Bedarf manuell mit einem Insulin-Pen
Für Zverev ist es Alltag, sich während der Tennis-Matches Insulin zu spritzen.
Warum schaut Alexander Zverev zwischen den Sätzen auf sein Handy?
Als Typ-1-Diabetiker darf Zverev sein Handy zur Kontrolle seiner Glukosewerte nutzen. Der All England Club bestätigte "BBC Sport", dass die Grand-Slam-Turniere eine Liste diabetischer Spieler führen – und diese Spieler ihr Handy zur Überwachung sowie für nötige Insulin-Injektionen verwenden dürfen.
Zverev kann den Verlauf seiner Zuckerwerte mit der Hilfe einer App tracken. Das Gerät befindet sich allerdings im Flugmodus, was bedeutet, dass ihn keine Nachrichten erreichen können.
Mehr dazu: Wimbledon-Finale: Alexander Zverev bekommt Ausnahme-Regelung
Alexander Zverev: Was sagt er über seine Erkrankung im Zusammenhang mit Leistungssport?
"Man kann mit Diabetes alles erreichen", stellt Zverev klar, dem als Kind gesagt wurde, dass Leistungssport mit einer solchen Erkrankung praktisch unmöglich sei. "Das Wichtigste ist, dass man keine Angst haben darf und dass man sich keine Grenzen setzen darf", machte er deutlich.
Zverev ist es zudem wichtig, dass man kein Mitleid mit ihm habe und die "Krankheit als Ausrede benutzt, um Niederlagen zu erklären". Stattdessen wolle er zeigen, dass man" trotz dieser Krankheit vieles erreichen kann". Zudem könne und solle man auch als Diabetiker "ein normales Leben führen".
Allerdings sei die Erkrankung so etwas wie sein „zweites Spiel“ auf dem Platz, der er immer Aufmerksamkeit schenken müsse. "Die Kontrolle meines Zuckerwertes ist immer präsent", stellte er klar. Auf die Veränderungen der Werte zu reagieren, sei Teil seiner Aufgabe.
Zverev teilt alles in allem die Auffassung, dass Leistungssport trotz Typ-1-Diabetes möglich ist, aber nur mit konsequentem Selbstmanagement. Er betont, dass Diabetes tägliche Disziplin und Aufmerksamkeit verlangt, jedoch kein Grund ist, auf ambitionierte sportliche Ziele zu verzichten.
Alexander Zverev: Diese Probleme können im Spitzensport auftreten
Schwankungen im Zuckerspiegel können die Konzentration, Reaktionsfähigkeit, Ausdauer und Kraft beeinflussen. Bei Unterzuckerungen kommt es häufig zu Symptomen wie Zittern, Schwäche, Verwirrtheit oder Leistungseinbrüchen. Derartiges lässt sich durch die ständige Überprüfung des Wertes aber im Normalfall verhindern.
Diabetiker laufen außerdem größerer Gefahr, zu dehydrieren, was insbesondere bei heißen Temperaturen zum Problem werden kann. Zverev hatte beispielsweise bei den French Open mit einer Dehydrierung zu kämpfen, war dabei jedoch nicht der einzige Profi.
Zverev zufolge kann insbesondere der Stress und die Wettkampfsituation den Zuckerwert beeinflussen. Bei stabilen Werten spüre er keinen Unterschied zu anderen Profis; bei starken Schwankungen könne er sich langsamer fühlen oder schlechter reagieren.
Alexander Zverev: Gab es schon Zwischenfälle während der Matches
Ernsthafte Zwischenfälle auf dem Platz gab es im Zusammenhang mit seiner Diabetes-Erkrankung bislang nicht. Bei seinem diesjährigen Halbfinale in Halle gegen Taylor Fritz kam es jedoch zu einer unglücklichen Situation aufgrund eines defekten Sensors.
Dieser meldete laut Zverev falsche und zu hohe Zuckerwerte, obwohl sein Blutzucker tatsächlich niedrig war. Dadurch spritzte er nach eigener Aussage zu viel Insulin und geriet in eine Unterzuckerung. Daraufhin habe er 350 Gramm Zucker zu sich nehmen müssen.
Zu einem Kuriosem Vorfall kam es zudem im Jahr 2023 bei den French Open. Im Achtelfinale gegen Grigor Dimitrov wollte Zverev nach dem zweiten Satz sein Insulin verabreichen.
Dabei wurde er jedoch aufgefordert, den Platz zu verlassen, wohingegen er dies bei anderen ATP-Turnieren stets auf der Spielerbank machen durfte. Zverev übte Kritik und erhielt später auch von den Veranstaltern die Erlaubnis, sich sein Insulin auf dem Platz zu verabreichen.
Weitere Wimbledon-News lesen:

ATP
Wimbledon-Finale live & kostenfrei: Alexander Zverev vs. Jannik Sinner - im TV und Ticker

Tennis
Wimbledon-Finale: Überraschende Enthüllung um Alexander Zverev

Wimbledon
Tennis: Wimbledon 2026 heute live im TV, Stream und Ticker - wer zieht ins Frauen-Finale ein?

Wimbledon
Zverev vor historischer Krönung? "Ich bleibe hungrig"

ATP
Nachfolger Zverev? Michael Stich "ziemlich emotionslos"

Wimbledon
Noskova gewinnt tschechisches Finale gegen Muchova











