Ex-Biathletin ist tot
Laura Dahlmeier: In den Bergen fühlte sie sich lebendig - ein Nachruf
Aktualisiert:
von Andreas ReinersLaura Dahlmeier gewinnt in der Verfolgung
Bild: AFPSIDFRANCK FIFE
Laura Dahlmeier ist tot. Sie starb dort, wo sie sich am freiesten fühlte, am lebendigsten. Und am glücklichsten. Ein Nachruf.
Laura Dahlmeier wusste immer, was passieren kann.
Die Warnungen, sie waren ja eindringlich. Vor zehn Jahren hatte sie sich beim Bergsteigen schwer verletzt. Ihr Ex-Freund Robert Grasegger war 2022 bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Und sie gab selbst zu, dass sie "das nötige Quäntchen Glück" bräuchte, "damit ich immer wieder heil nach Hause komme".
Es war ihr immer klar, dass es von einem Moment auf den anderen vorbei sein kann.
Und dieses Glück, dass sie immer benötigte - es hat sie jetzt verlassen. Die frühere Weltklasse-Biathletin ist nach einem Bergunfall in Pakistan ums Leben gekommen.
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Mit gerade einmal 31 Jahren.
Und wie immer in solchen Fällen drängt die Frage nach dem "Warum?". Treibt einen die unfassbare Sinnlosigkeit um, die heftige Wucht des Schicksals, das einen innehalten lässt. Wie so oft bei Topathleten. Oder Prominenten.
Laura Dahlmeier: Eine Karriere im Schnelldurchlauf
Denn auch wenn man Dahlmeier nicht persönlich kannte, kam man an ihrer erfolgreichen Karriere ebenso wenig vorbei wie an ihrer besonderen Ausstrahlung. Begleitete sie in einer Art Schnelldurchlauf durch sieben beeindruckende Jahre im Biathlon-Weltcup, bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.
Und kannte sie dadurch dann doch ein bisschen. Oder bildete es sich ein Stück weit ein, wenn man sich von ihrem ansteckenden Lachen mitreißen ließ. Das reichte längst, um Dahlmeier ins Herz zu schließen. Dass man mit ihr mitfieberte, rundete das Verhältnis zu Deutschlands Vorzeige-Biathletin ab.
Das passierte nicht nur durch die Erfolge, sondern auch durch ihre bodenständige Art, die ein wohltuender Gegenentwurf war zu einer hochfrequentierten medialen Hatz nach Helden, der selbstdarstellerischen Social-Media-Generation, der Inszenierungskultur im Spitzensport.
In Dahlmeier hatte die Nation eine Heldin, die nicht unerreichbar, sondern eher wie die Freundin von nebenan wirkte. Eine, die immer wusste, was sie wollte.
Laura Dahlmeier: Nicht immer nur bergauf
Weshalb sie mit nur 25 Jahren ihre Karriere schon wieder beendete. Nach zwei Olympiasiegen, sieben WM-Titeln und einem Gesamtweltcupsieg. Dass die Nation damals in Schockstarre verfiel - das war eben so.
Dahlmeier hatte andere Pläne. Viele.
"Mir wird es recht schnell langweilig, wenn ich immer wieder das Gleiche mache. Wenn sich Sachen wiederholen, haben sie keinen Reiz mehr für mich", sagte sie. Oder aber: "Wenn es immer nur bergauf geht, lernt man irgendwann nix mehr."
Dahlmeier wollte lernen. Wollte etwas anderes machen. Und dabei auch hoch hinaus. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Sie begann deshalb ein Studium der Sportwissenschaft, machte Trainerscheine im Biathlon oder arbeitete ehrenamtlich für die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen. Dazu machte sie eine Ausbildung zur Berg- und Skiführerin.
Laura Dahlmeier: Der Wert Freiheit war ihr heilig
Und stürzte sich leidenschaftlich in diese Berufung, die sie bereits während der Biathlon-Karriere gefesselt hatte.
"Der Wert Freiheit", sagte Dahlmeier einmal, "steht bei mir ganz weit oben. Der ist mir heilig." Und Freiheit fand sie nicht im Spitzensport, nicht beim Biathlon, wo sie sich fremdbestimmt fühlte, sondern in den Bergen. Sie waren ihre Rückzugsort und ihre Kraftquelle. Ein Geschenk, wie sie die Momente dort einmal nannte.
Berge üben auf viele Menschen eine spezielle Faszination aus, doch man muss wahrscheinlich selbst einmal in mehreren tausend Metern Höhe unter dem Sternenhimmel eins mit der Natur gewesen sein, um zu verstehen, warum man dafür freiwillig sein Leben aufs Spiel setzt.
Laura Dahlmeier: Rekordjagd im Himalaya
Dahlmeier fand ihre Freiheit bei ihren Bergtouren, sie stellte sich jährlich verschiedenen Missionen. Sie war dann in einer anderen Welt, in ihrer Welt. Ihren immer noch vielen Fans blieb sie als ZDF-Expertin erhalten.
Im vergangenen Jahr schaffte sie den Aufstieg auf den Himalaya-Gipfel Ama Dablam in Nepal in Rekordzeit. Sie war so schnell wie nie eine Frau zuvor.
"Es war in jeder Hinsicht ein unglaublicher Tag, ich konnte mich völlig dem Weg und der Schönheit der Landschaft hingeben", schrieb sie damals auf Instagram: "Aber es ging mir hier nicht um Rekorde, sondern um das, was ich am meisten liebe - klettern, beobachten und mich mit jedem Schritt lebendig fühlen."
Dass sie nun dort starb, wo sie sich lebendig fühlte, gehört zur schmerzhaften Wucht und unnachgiebigen Ironie des Schicksals. Dass sie immer wusste, was passieren kann, ist dabei in diesen Tagen leider kein Trost.
Aber möglicherweise ein leiser Hinweis darauf, warum sie so gelebt hat.
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