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NBA - Gewinner und Verlierer des Drafts: Kann dieses Guard-Talent den Kings-Fluch brechen?
Veröffentlicht:
von Ole Frerksran NBA Basketball
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Videoclip • 01:19 Min
Die erste Runde des NBA-Drafts 2026 ist Geschichte – und produzierte in diesem Jahr zwar wenige Trades, dafür aber trotzdem einige Gewinner und Verlierer. Unter ihnen: die Charlotte Hornets, wo nun gleich zwei deutsche Rookies auflaufen werden.
Gewinner: Die Top 2
Keine Überraschung an dieser Stelle – natürlich sind die Teams mit den Top-Picks in der Regel als Gewinner einzustufen, insbesondere aber gilt das dann, wenn die Qualität in der Spitze so hoch ist und es gleich vier Spieler gibt, die in vielen "normalen" Jahrgängen auch als die Nummer eins hätten durchgehen können.
Washington mit AJ Dybantsa und Utah mit Darryn Peterson sind aber noch aus einem anderen Grund sehr interessant und als Gewinner zu bewerten: Beide Teams fangen nicht bei Null an, vielmehr könnte dieser Draft den letzten Anschub darstellen, der einen jeweils ziemlich massiven Turnaround der Teams bedingen könnte.
Utah hat in den vergangenen drei Jahren 33, 17 und 22 Siege geholt, zum Teil selbst forciert – der Kader wäre gesund aber schon 25/26 gut genug für mehr gewesen. Mit Peterson kommt nun noch einmal massive Scoring-Upside hinzu, außerdem wird Jaren Jackson Jr., der nach seinem Trade im Februar bloß drei Spiele machte, nun endgültig "richtig" zum Team stoßen.
Eine Starting Five aus Keyonte George, Peterson, Ace Bailey, Lauri Markkanen und Jackson Jr. liest sich offensiv sehr interessant – mehr Balance und Defense käme herein, wenn Utah mit RFA Walker Kessler einig wird und diesen für Bailey oder Peterson starten lässt. So oder so findet sich hier genug Talent, um einen Sprung in die Play-In-Ränge möglich erscheinen zu lassen.
Bei Washington sieht es ähnlich aus, gerade dann, wenn Anthony Davis bleibt und mit dem jüngst (viel zu teuer!) verlängerten Trae Young die Veteranen-Star-Achse des Teams darstellt. Young, Kyshawn George (oder Tre Johnson), Dybantsa, Alex Sarr und Davis? Auch das klingt nach einer Fünf, die nach Jahren im Keller (15, 18 und 17 Siege) mindestens mal wieder für Spaß und Hoffnung in der US-Hauptstadt sorgen dürfte.
Gewinner: Memphis Grizzlies
Nach der Top 2 waren die Grizzlies die nächsten logischen Gewinner, nachdem sie mit Cam Boozer an 3 einen Spieler picken konnten, den viele Experten sogar als bestmöglichen Pick dieses Jahrgangs einschätzten. Und vor allem als sichersten, was in ihrer Situation als fast komplett neu aufbauendes Team besonders wertvoll erscheint.
Memphis hat zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht, was Franchise Player angeht – Ja Morant schlug zwar in der Liga ein wie ein Komet, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch ins Abseits und auf den Trade-Block manövriert, wo er auch in den kommenden Tagen bleiben dürfte.
Mit Boozer als seinem "Nachfolger" sollte die Fallhöhe deutlich niedriger sein, der Sohn von Ex-Profi Carlos Boozer gilt als äußerst reif und legte bei Duke eine der offensiv statistisch dominantesten College-Saisons der letzten Jahre hin. Gemeinsam mit Zach Edey und Cedric Coward könnte er das Fundament eines neuen Teams bilden, als zentraler Baustein.
Auch im hinteren Teil der ersten Runde blieb Memphis aktiv: GM Zach Kleiman tradete erst seinen Nr.-16-Pick für zwei Second-Rounder nach unten (auf Rang 17), um wenig später dann auch diesen Pick abzugeben: Für Nr. 21 sicherte er sich drei weitere Second-Rounder, insgesamt also fünf zusätzliche Picks für den Sprung von 16 auf 21.
Dort zog Memphis dann Karim Lopez, der als sehr talentierter Two-Way-Forward eingeschätzt wird und bei nicht wenigen Experten deutlich höher auf dem Board aufgetaucht war.
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Verlierer: Chaos-Freunde
Die "Down"-Trades der Grizzlies zählten zu den wenigen Transaktionen der Nacht – nach dem Giannis-Feuerwerk am Vortag gab es im Zuge des Drafts gar keine Deals, in die aktuelle NBA-Spieler involviert wurden, lediglich Rauf- beziehungsweise Runter-Trades oder Manöver wie die der Knicks, die aus finanziellen Gründen komplett aus der ersten Runde raustradeten.
Auch vorne passierte wenig – die vier Top-Prospects galten von Anfang an als die Top-Prospects, und ein echter Upset ließ sich auch in der Reihenfolge nicht finden, wie diese von der Ladentheke gingen. Was in gewisser Weise sicherlich für ihr Potenzial sprach: Die Qualität in der Spitze war hoch genug, dass mehr oder weniger Einigkeit unter den Experten bestand.
Kommt selten vor! Und bietet nicht den besten Nährboden für chaotische Trades in der Draft-Nacht …
Gewinner: OKC Thunder
Wie nahezu in jedem Jahr kann der Meister von 2025 hier aufgeführt werden, der mit zwei Erstrundenpicks "bewaffnet" war und sich zwei Spieler sicherte, die der Tiefe des Teams mittel- und vielleicht sogar kurzfristig helfen sollten.
An Position 16 kam nach dem erwähnten Deal mit Memphis Bennett Stirtz, ein sehr smarter Guard mit exzellentem Wurf, der sowohl mit Ball in der Hand als Organisator als auch abseits des Balles eingesetzt werden kann.
Noch spannender war indes der Pick, den Sam Presti an Position 12 tätigte. Hier sicherten sich die Thunder in Aday Mara das vielleicht beste Center-Prospect des Jahrgangs; Mara misst 2,21 m, ist ein exzellenter Finisher und Rim-Protector, der überdies sehr gut passen kann und generell mit seiner Spielintelligenz glänzte.
Es wäre sicherlich übertrieben, ihn als Wemby-Stopper zu bezeichnen – es ist aber doch wahrscheinlich, dass OKC diesen Pick nicht zuletzt mit dem Gedanken im Hinterkopf tätigte, dass man im Duell gegen den Franzosen nicht zu viel Länge und Physis haben kann. Erst recht dann, wenn bei den etablierten Bigs im Kader noch etwas passieren sollte …
Tbd: Isaiah Hartenstein
Eigentlich war die Center-Position in OKC mit Chet Holmgren, Hartenstein und Jaylin Williams sowie dem letztjährigen Nr.-15-Pick Thomas Sorber, der bisher noch gar nicht in der NBA spielte, bereits gut gefüllt. OKC hat allerdings aufgrund des Second Aprons finanzielle Engpässe, die schon in den vergangenen Tagen Konsequenzen forderten, als sie Aaron Wiggins für zwei Second-Rounder nach Atlanta tradeten.
Es könnte sein, dass noch mehr solcher Sparmaßnahmen anstehen. Hartensteins Vertrag bietet eine offensichtliche Möglichkeit dafür, weil für kommende Saison eine Team-Option in Höhe von 28,5 Mio. Dollar für ihn vorliegt. Der Mara-Pick ließe sich so interpretieren, dass hier bereits der Nachfolger für den deutschen Center verpflichtet wurde.
Andererseits hieß es zuletzt, OKC plane mit Hartenstein; er war gegen Wemby essenziell, ist der beste Rebounder des Teams, und auf eine Art und Weise "bereit" für dieses Duell, wie es kein noch so talentierter Rookie sein kann. Gut möglich, dass der Pick für ihn vorerst keine Konsequenzen hat. Einen guten Markt hätte er so oder so. Der Pick ließ trotzdem aufhorchen.
Verlierer (und Gewinner?): Michigan University
Mara war einer von sage und schreibe drei Lottery-Picks, die vom College-Champion Michigan in die Liga kamen: An Nr. 9 ging außerdem Morez Johnson Jr. nach Dallas (überraschend früh), an Position 11 zogen die Golden State Warriors Yaxel Lendeborg, einen älteren Rookie (wird im September 24), der vom ersten Tag an als möglicher NBA-Starter eingeschätzt wird.
Das ist eine Ehre für die Universität, zweifellos. Es ist aber auch ein Aderlass, der nicht bloß den Kader betrifft: Erst am Vortag machten die Mavs die Verpflichtung von Dusty May offiziell, der die Uni im April zum Titel gecoacht hatte. May war sicherlich auch daran beteiligt, Johnson Jr. zu draften … und die Wolverines müssen sich in mehr als nur einer Hinsicht wieder neu erfinden.
Gewinner: Charlotte Hornets
Gleich zwei deutsche Talente wurden in der ersten Runde gezogen, und beide gingen an Charlotte: An Position 14 war Hannes Steinbach an der Reihe, an Nummer 18 Christian Anderson. Beide erfüllen Needs im Hornets-Kader und dürften relativ direkt die Chance erhalten, signifikante Rollen in der Rotation einzunehmen.
Insbesondere gilt das bei Steinbach. Der Würzburger ist ein großer, sehr guter Rebounder und Play-Finisher mit starker Fußarbeit und Athletik. Teil der erfolgreichen Neuerfindung der Hornets war ein Fokus auf Offensiv-Rebounding, und gerade in dieser Disziplin bringt Steinbach exzellente Fähigkeiten mit.
Der Hornets-Frontcourt ist überdies sehr dünn, zumindest vor Beginn der Free Agency, weshalb ihm schnell Minuten winken dürften. Im Backcourt ist Charlotte wesentlich hochkarätiger besetzt, trotzdem wird auch Anderson seine Möglichkeiten als Backup-Creator bekommen.
Mit seinem großartigen Wurf passt der 20-Jährige offensiv gut zum schusswütigen Kern des Teams um LaMelo Ball, Kon Knueppel und Brandon Miller – Fragen dürften bei ihm (und eingeschränkt auch bei Steinbach) am ehesten darin bestehen, wie er sich langfristig defensiv zurechtfindet.
tbd: Darius Acuff Jr.
Nicht wenige Experten schätzten Acuff als bestes Point-Guard-Talent dieses tiefen Jahrgangs ein, darunter interessanterweise auch Draymond Green; offensiv wird ihm die Upside eines Damian Lillard bescheinigt, defensiv gibt es zwar Fragezeichen, das ist bei 1,88 m großen Guards allerdings eben ein eingepreister Teil des Pakets.
Der Nr.-7-Pick erfüllt bei den Kings einen Need, dürfte direkt eine große Rolle spielen und vielleicht der beste Kandidat außerhalb der Top 4 sein, um statistisch aufzufallen und um den Rookie-des-Jahres-Award mitzuspielen. So weit, so positiv.
Gleichzeitig sind die Kings ein Team, das talentierte Spieler und insbesondere Guards verschleißt wie niemand sonst, und sich in der Vergangenheit nicht gerade durch seine Stabilität hervorgetan hat.
Zur Erinnerung: Seit 2017 zogen die Kings Guard De’Aaron Fox, Tyrese Haliburton, Davion Mitchell und Devin Carter allesamt in der Lottery – mit Ausnahme von Carter, der sich bisher nicht gerade für Höheres empfehlen konnte, spielt keiner von ihnen noch in Sacramento. Abwarten, ob Acuff diesen Trend umkehren kann.
Gewinner: Chicago Bulls
Die Bulls haben ein neues Front Office, und es kristallisiert sich bereits Stück für Stück heraus, was der neue Boss Bryson Graham für ein Team bauen möchte. Am Montag beteiligten sich die Bulls bereits am Julius-Randle-Trade und nutzten ihren Cap-Space, um sich Nets-Center Nic Claxton für de facto nichts ins Team zu holen.
In der ersten Runde zogen sie dann an 4 Caleb Wilson und an 15 Dailyn Swain. Wilson galt als No-Brainer, war nach der Top 3 der logische nächste Pick; der Forward mag etwas mehr Lücken im Spiel haben als die Top 3 und hat einige positionelle Überschneidungen mit Matas Buzelis, hat jedoch aufgrund seiner Athletik und Physis eine enorme Upside.
Swain an 15 galt manchen Experten zwar als kleiner Reach, auch er wirkt mit seiner Dynamik und Länge aber wie ein guter Fit für ein junges Team, das viel rennen und defensiv Länge und Vielseitigkeit anbieten möchte. Mit Josh Giddey als Point Guard könnten die Bulls perspektivisch eine gigantische Starting Five ins Rennen schicken – und so etwas wie eine Identität etablieren, woran das vorherige Front Office jahrelang gescheitert ist.
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