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Bundesliga

1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach – Heiko Herrlich exklusiv über Reitz-Wechsel: "Er gehört dem Verein nicht"

Veröffentlicht:

von Andreas Reiners

ran Fußball Bundesliga

1. FC Köln - Lukas Kwasniok völlig genervt von El-Mala-Fragen: "Pervers"

Videoclip • 02:34 Min


Am Samstag steigt das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Gegenüber ran äußert sich Heiko Herrlich zur Lage bei der Borussia und in Köln, Trainer unter Druck und Rocco Reitz.

Das Interview führte Andreas Reiners

Heiko Herrlich hat sie erlebt, die Derbys im Westen.

Borussia Dortmund gegen den FC Schalke, Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Köln. Und Borussia Mönchengladbach gegen den "Effzeh". Am Samstag (ab 15:30 Uhr im Liveticker) stehen sich die beiden Traditionsklubs gegenüber, beide stecken im Abstiegskampf.

Ein Sieg kann beiden Vereinen auf der Zielgeraden der Saison noch einmal Schwung verleihen, eine Niederlage kann schwerwiegende Folgen haben.

Wir haben mit dem früheren Gladbacher Herrlich über die Lage bei der Borussia und in Köln, Trainer unter Druck, Rocco Reitz und Fanhass gesprochen.

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Heiko Herrlich über Borussia Mönchengladbach: Immer wieder Siege in Köln

ran: Heiko Herrlich, Sie haben in den 90er Jahren viele Derbys im Westen selbst erlebt: Köln gegen Gladbach, Leverkusen gegen Köln und natürlich Schalke gegen Dortmund. Welches war für Sie das intensivste?

Herrlich: Jedes Derby hatte seinen eigenen Reiz. Am aggressivsten war mit Sicherheit immer Schalke gegen Dortmund, allein schon vom ganzen Drumherum her. Diese Wucht, diese Emotionen, das war besonders. Aber auch die Duelle mit Köln hatten es in sich. Ich erinnere mich an Anfang der 90er, als wir mit Leverkusen gegen den FC gespielt haben. Gefühlt war das ganze Stadion in Kölner Hand. Das waren Spiele, in denen von Anfang an klar war: Hier ist richtig Feuer drin.

ran: Und wie war es bei Gladbach gegen Köln?

Herrlich: Das hatte natürlich auch eine besondere Note. Ich war zwar nur zwei Jahre in Gladbach, aber wir haben in der Zeit jedes Spiel in Köln gewonnen.

ran: Das hat sich danach auch nicht groß geändert.

Herrlich: (lacht) Es war bemerkenswert: Egal, wie die Tabellensituation war, mit Gladbach hast du in Köln fast immer gewonnen. Und die Atmosphäre war ähnlich speziell wie bei den anderen Derbys. Gefühlt war das halbe Stadion voller Gladbacher Fans. Gerade im alten Müngersdorfer Stadion hatte das noch einmal einen ganz eigenen Charakter. Das war einfach eine andere Zeit, mit einer ganz besonderen Derby-Atmosphäre.

ran: Gibt es eine Erklärung dafür, dass Gladbach in Köln so oft erfolgreich ist?

Herrlich: Das hat viel mit der besonderen Bedeutung dieser Spiele zu tun. Wenn du weißt, dass viele Zuschauer kommen und das Spiel für Fans und Umfeld extrem wichtig ist, dann verändert das automatisch etwas. Das ist ein bisschen vergleichbar mit Spielen gegen Bayern München. Da weißt du: Heute ist ein besonderer Tag. Wenn du hier gewinnst, zählt das gefühlt doppelt, für die Fans, für das Umfeld, für die Wahrnehmung insgesamt. In solchen Spielen erreichst du einfach ein höheres Level.

Heiko Herrlich über Köln gegen Gladbach: Das macht ein Derby mit einem Spieler

ran: So ein Derby macht also etwas mit einem Spieler?

Herrlich: Ja, das macht definitiv etwas mit den Spielern. Du bist automatisch ein Stück motivierter, ein Stück wacher, ein Stück heißer. Das gilt für Gladbach genauso wie für Köln. Jeder weiß, was dieses Spiel bedeutet. Und genau deshalb bewegen sich solche Spiele auch oft an der Grenze. In den Zweikämpfen, in der Intensität. Weil jeder unbedingt gewinnen will.

ran: Was kann so ein Derbysieg dann auslösen, gerade auch mental für den weiteren Saisonverlauf?

Herrlich: Aus Kölner Sicht wäre das extrem wichtig. Die sind eigentlich gut gestartet, dann wurde es unruhig, auch rund um den Trainer. Ein Derbysieg kann da sofort für Entlastung sorgen. So ein Erfolg stellt erst einmal alle zufrieden. Die Fans sind ruhig, das Umfeld beruhigt sich, und du hast wieder eine ganz andere Grundstimmung im Verein.

ran: Und wie ist es in Gladbach?

Herrlich: Sie haben sich zwischenzeitlich ein Stück weit stabilisiert, sich ein bisschen Luft verschafft. Aber auch da gab es zuletzt wieder Rückschläge. Und genau deshalb wäre so ein Derbysieg enorm wichtig. Es geht nicht nur um die drei Punkte, sondern auch um das Gefühl, beim alten Rivalen gewonnen zu haben. Das gibt dir ein Stück weit die Bestätigung: Wir gehören hierhin, wir haben die Qualität, die Klasse zu halten. So ein Sieg kann mental extrem viel freisetzen.

ran: Lukas Kwasniok steht zunehmend unter Druck, das Derby wird schon als Endspiel bezeichnet. Wie sehen Sie das als Trainer?

Herrlich: Man darf nicht vergessen: Köln hat phasenweise richtig gut gespielt, ist stark in die Saison gestartet. Aber dann steigen natürlich auch die Erwartungen sofort. Der Fan denkt dann schnell weiter, träumt vielleicht schon vom internationalen Geschäft. Und wenn diese Entwicklung dann nicht so weitergeht, kommt relativ schnell die Ernüchterung und damit auch die Kritik. Das ist ein Mechanismus, der heute im Fußball extrem schnell greift.

ran: In Köln auch schon mal schneller …

Herrlich: Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit 2017 in Leverkusen. Köln hatte sich damals unter Peter Stöger für die Europa League qualifiziert und plötzlich drehte sich in der Vorbereitung vieles darum, dass das Stadion eigentlich zu klein sei. Da wurde ernsthaft diskutiert, ob man nicht ein Stadion für 90.000 Zuschauer bauen müsste. Das war natürlich teilweise überspitzt, aber gleichzeitig auch Ausdruck dieses Selbstverständnisses. Der Kölner denkt groß und das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Das macht den Verein auch aus.

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Heiko Herrlich über Trainerwechsel: Bringt oft Unruhe

ran: Trotz dieser Erwartungshaltung: Sollte der FC die Saison mit dem Trainer durchziehen?

Herrlich: Grundsätzlich ja. Die entscheidende Frage ist doch: Wer wäre die bessere Alternative? Was ist überhaupt auf dem Markt verfügbar und wer garantiert dir, dass es besser läuft?

ran: Friedhelm Funkel war in Köln in den vergangenen Jahren öfter eine Lösung …

Herrlich: Aber wie willst du da eine Kontinuität bei einer Mannschaft erwarten? Solche Maßnahmen bringen oft zusätzliche Unruhe. Natürlich verstehe ich den Reflex eines Vereins. Man will zeigen, dass man handelt, dass man die Situation ernst nimmt und es hat mit Funkel auch geklappt. Aber wenn ich mich bewusst für einen Trainer entschieden habe, dann sollte ich auch dazu stehen, zumindest über einen gewissen Zeitraum. Das signalisiert auch der Mannschaft etwas.

ran: Bei Eugen Polanski war es ja ähnlich: Vertrag verlängert und nach ein paar sieglosen Spielen geht die Diskussion wieder los. Geht das heutzutage zu schnell?

Herrlich: (lacht) Am Ende seid ihr Journalisten ja auch Teil davon. Die Seiten müssen gefüllt werden. Aber im Ernst: Durch soziale Medien und die permanente Öffentlichkeit beschleunigt sich alles. Negative Schlagzeilen, Unruhe, Kritik verkaufen sich einfach besser als Geduld oder Kontinuität. Am Ende liegt die Verantwortung aber bei den handelnden Personen im Verein. Und ich glaube, mit jemandem wie Rouven Schröder hat man da einen guten Mann. Er hat gezeigt, dass er ruhig arbeitet, klare Entscheidungen trifft und ein gutes Auge für Spieler hat. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass er in solchen Situationen die Nerven behält und nicht sofort in Aktionismus verfällt.

Rocco Reitz verlässt Borussia Mönchengladbach: Kaum Puls bei RB Leipzig

ran: Der Wechsel von Rocco Reitz ist aktuell ein großes Thema. Wie bewerten Sie den Wechsel grundsätzlich?

Herrlich: Er ist ein sehr talentierter, junger Spieler. Qualitativ bringt er viel mit. Aber ob er wirklich schon der Spieler ist, der den Unterschied auf höchstem Niveau macht, muss er erst noch zeigen. Leipzig ist natürlich ein Verein mit vielen Möglichkeiten, einer starken Mannschaft und einer klaren sportlichen Perspektive. Aber ganz persönlich würde ich sagen: Das ist jetzt kein Klub, bei dem sofort der Puls hochgeht, wenn man an den nächsten großen Karriereschritt denkt.

ran: Dafür geht bei den Fans der Puls hoch, gerade wegen des Ziels Leipzig. Kann das einen Spieler beeinflussen?

Herrlich: Ja, er ist ja ein echtes Eigengewächs, seit der Jugend im Verein. Aber trotzdem gehört er dem Verein nicht. Er hat das Recht, selbst zu entscheiden, welchen Weg er gehen will. Man darf auch nicht vergessen: Wie viele Spieler gehen jedes Jahr durch die Nachwuchsleistungszentren, nicht nur in Gladbach, sondern überall? Wie viele investieren ihre komplette Jugend in den Fußball, leben im Internat, ordnen alles dem Sport unter? Und wie viele schaffen es am Ende wirklich zum Profi? Das sind nur ganz wenige. Viele werden aussortiert, landen irgendwo in unteren Ligen oder hören ganz auf. Da gibt es selten jemanden, der sagt: Das ist aber auch eine harte Realität, die da entsteht.

ran: Er wird im Mai 24. Den Schritt muss er jetzt machen, oder?

Herrlich: Wenn du international spielen willst, wenn du dich für die Nationalmannschaft nachhaltig empfehlen möchtest, dann musst du diesen nächsten Schritt gehen. Und wenn er sich bei einem Verein wie Leipzig durchsetzt – mit starker Konkurrenz und hohem Anspruch – dann ist das genau der Schritt, der ihn weiterbringen kann.

Heiko Herrlich: "Faktisch war ich im Recht, moralisch aber nicht"

ran: Bei Ihnen waren es ganz andere Voraussetzungen, als Sie zum BVB gewechselt sind. Die Fan-Wut war aber trotzdem riesig. Wie haben Sie das damals erlebt?

Herrlich: Das war mit 23 einfach zu viel für mich. Ich bin damals wirklich durchs Dorf getrieben worden, wie der größte Verbrecher, wurde als Geldsau, als Lügner bezeichnet. Dabei war ich immer der Überzeugung, im Recht zu sein. Ich hatte eine Zusage für den Wechsel und habe mich gefragt: Warum hält man sich nicht daran? Am Ende wurde das niemandem gerecht: nicht dem damaligen Manager Rolf Rüssmann, nicht Borussia Mönchengladbach, nicht der Mannschaft und auch nicht mir. Es gab letztlich nur Verlierer. Man vergisst oft, wie jung man als Spieler ist. Ich war 23, heute bin ich 54. Mit dem Wissen von heute würde ich vieles anders machen. Deshalb tut mir das auch leid.

ran: Inwiefern?

Herrlich: Ich habe Rolf Rüssmann viel zu verdanken. Er hat mir damals das Gefühl gegeben, dass ich wichtig bin, dass ich meinen Weg gehen werde und dass er froh ist, mich im Verein zu haben. Das vergisst man als junger Mensch schnell. Ich war damals enttäuscht und gekränkt, weil ich das Gefühl hatte, dass ein Versprechen nicht eingehalten wurde. Ich habe bockig reagiert. Heute würde ich sagen: "Rolf, du hast dich vielleicht nicht an Abmachungen gehalten, aber ich habe dir trotzdem viel zu verdanken." Ich wäre geblieben, hätte meinen Vertrag erfüllt und dann in Ruhe entschieden, wie es weitergeht. Faktisch war ich im Recht, moralisch aber nicht.

ran: Wie sehen Sie die Lage bei der Borussia heute?

Herrlich: Ich habe mich bei der 125-Jahr-Feier gewundert, wie ambitionslos das teilweise wirkte. Wenn ein Verein so eine Geschichte und so eine Fanszene hat, die danach hungert, wieder etwas zu erreichen, dann muss man auch hohe Ziele formulieren. Selbst wenn man sie nicht sofort erreicht oder Rückschläge einsteckt, muss man zumindest den Anspruch haben, wieder nach oben zu kommen. Wenn man nur sagt: "Wir sind zufrieden, wenn wir die Klasse halten", wird das der Vergangenheit und den Fans nicht gerecht. Träumen gehört dazu. Visionen auch. Jeder weiß, wie schwer es ist, aber die Fans wollen daran glauben.

ran: Was fehlt Ihrer Meinung nach?

Herrlich: Ich bin überzeugt: Mit der richtigen Führungspersönlichkeit kannst du so einen Verein wieder nach oben bringen. Ein Trainer, der eine Aura hat, der Menschen mitnimmt, der eine besondere Energie reinbringt, kann einen riesigen Unterschied machen.

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Heiko Herrlich: So können Gladbach und Köln wieder nach oben kommen

ran: Was hätte das für Auswirkungen?

Herrlich: So jemand stößt einen Dominoeffekt an: Die Fans glauben wieder, die Sponsoren glauben wieder, alle ziehen mit. Das ist für mich die entscheidende Qualität von Führung – dieses Leadership, von dem zum Beispiel Vincent Kompany spricht. Du brauchst jemanden, der andere ansteckt, der überzeugt ist und diesen Glauben vorlebt. Denn genau das ist es, was Fans und Spieler antreibt: der Glaube daran, wieder etwas zu gewinnen, etwas zu erreichen, etwas Bleibendes zu schaffen. Das ist fast wie eine Sucht. Vielleicht entwickelt sich der aktuelle Trainer in diese Richtung. Rüssmann zum Beispiel hatte damals die Vision, an die 70er Jahre anzuknüpfen und hat es jedem Spieler vorgelebt.

ran: Sehen Sie die Situation in Köln ähnlich?

Herrlich: Absolut. Das ist meine persönliche Meinung: Die Fankultur ist da, die Nachfrage ist da. Wenn man dort strukturell weiter wachsen würde, etwa beim Stadion, dann könnte man auch wirtschaftlich noch einmal ganz andere Möglichkeiten schaffen über Zuschauereinnahmen, Sponsoren und die gesamte Strahlkraft des Klubs. Man kann sich nur vorstellen, was passieren würde, wenn Köln wieder ganz oben angreift. Was dann in dieser Stadt los wäre, das wäre außergewöhnlich. Ich hoffe, dass ich das noch erlebe. Köln ist für mich so etwas wie ein heimlicher Lieblingsverein.

ran: Steht sich der FC manchmal selbst im Weg?

Herrlich: Klar ist: Köln ist ein Traditionsverein mit einer extrem emotionalen Fanbasis. Wenn es läuft, entsteht sofort eine riesige Euphorie, was grundsätzlich positiv ist. Aber diese Euphorie bringt eben auch Druck mit sich. Und der kann schnell sehr groß werden. Die entscheidende Frage ist, ob man es schafft, diesen Druck zu kanalisieren und in Energie umzuwandeln.

ran: Was erwarten Sie vom Derby mit Blick darauf, wie es danach für beide Klubs weitergeht?

Herrlich: Ich gehe davon aus, dass am Ende beide über dem Strich bleiben werden. Beide haben die Qualität, die nötigen Punkte zu holen. Und ehrlich gesagt hoffe ich das auch für die Bundesliga insgesamt. Alles andere wäre schade.

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