Bundesliga
Borussia Dortmund: "Selbstliebe, statt Echte Liebe"! Schlotterbeck-Dementi lässt tief blicken - ein Kommentar
Veröffentlicht:
von Mike Stiefelhagenran Fußball
BVB: Schlotterbeck-Hammer! Verlängerung wohl in weiter Ferne
Videoclip • 04:17 Min
Nico Schlotterbeck dementiert eine zeitnahe Vertragsverlängerung bei Borussia Dortmund. Und verweist auf die Entlassung von Sebastian Kehl. Das ist mehr als vielsagend. Ein Kommentar.
"Ich habe lang mit Sebastian (Kehl, Anm. d. Red.) verhandelt. Sebastian ist jetzt nicht mehr da."
In rund zwei Minuten Interview-Zeit hat Nico Schlotterbeck diesen Satz ohne große Nachfrage mehrfach wiederholt. Das lässt tief blicken.
Mehrere Medien berichteten zuvor: "Schlotterbeck kurz vor Einigung mit dem BVB über eine Vertragsverlängerung". Das wurde seitens des Spielers überraschend scharf dementiert. Das ist das Eine.
Das Andere ist der mehrfache Verweis auf die Gespräche mit dem verabschiedeten Sebastian Kehl. Borussia Dortmund kommt durch das Interview nicht gut weg. Im Gegenteil.
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Borussia Dortmund: Kehl-Aus war vorprogrammiert
Ohnehin kam das Kehl-Aus für viele - zumindest zu diesem Zeitpunkt mitten in der Saison - überraschend. Dass Nils-Ole Book tags darauf bereits als Nachfolger klar war, war schon der Wink mit dem Zaunpfahl: die Übernahme war keineswegs ein spontaner Impuls.
Es rumorte schon länger. Die "Sport Bild" berichtete schon von "unüberbrückbaren Differenzen" zwischen Kehl und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken. Obwohl beide eine lange Vergangenheit als Spieler haben, soll es "nie wirklich gepasst" haben.
Laut "Spiegel" lagen diese Differenzen nicht nur im menschlichen Bereich. Auch in der Kaderplanung. Kehl soll einen "aggressiven Kurs" gefordert haben, um den FC Bayern München national zu attackieren. Ricken sah das kritisch und bekam vereinsintern Unterstützung.
Dass Schlotterbeck die angepeilte Einigung so scharf dementiert, auf Kehl verweist und Book aus der Schussbahn nimmt ("haben natürlich telefoniert, mehr aber nicht"), zeigt, dass wohl auch die Kabine davon betroffen ist.
BVB: Watzke-Nachfolge legte Chaos-Grundstein
Der Ricken-Kehl-Machtkampf zieht Unruhe nach sich. Es droht im schlimmsten Falle sogar den Verlust von Spielern. Oder es muss teuer nachverhandelt werden.
BVB-Fans sind vielleicht genervt vom Hick-Hack und Wechseltheater ihres eigentlich designierten Kapitäns. Doch dieser reagiert nur auf plötzliche Veränderungen auf der Führungsebene und spricht diese erfrischend ehrlich öffentlich an.
Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die BVB-Führung. Book darf das jetzt zum Start ausbaden. Dieser muss aufräumen, was vorher chaotisch war.
Und das Chaos startete schon im April 2024. Ricken wurde Nachfolger von Hans-Joachim Watzke, obwohl Kehl in der Hierarchie die logische Lösung gewesen wäre. Dieser sagte öffentlich, er sei "ein Stück weit enttäuscht". Immerhin war er vorher Rickens Vorgesetzter.
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BVB-Slogan: "Selbstliebe", statt "Echte Liebe"!
Dieser Rollentausch konnte nur schiefgehen. Ricken holte sogar Sven Mislintat als Technischen Direktor zurück - und entmachtete Kehl so weiter. Das eskalierte so sehr, dass Mislintat nach zwei Transferperioden wieder gehen musste.
Der BVB leidet unter der konfusen Vereinsführung. Und nach der Entlassung Kehls richtet sich spätestens jetzt das kritische Auge auf Ricken, der mit seinen Entscheidungen wichtige Spieler vergraulen könnte.
Die Hoffnung auf Ruhe lautet: Book. Er muss Gespräche aufnehmen und Sicherheit vermitteln. Wie glaubwürdig ein erstmal fremdes Gesicht auf die Spieler ist, wird sich zeigen.
Das Schlotterbeck-Interview verrät: beim BVB herrschte zuletzt keine "Echte Liebe". Nur Eigeninteresse. Beziehungsweise: Selbstliebe. Wenn man das positiv verkaufen möchte.
Und warum sollte ein Spieler da anders agieren, als der Chef?
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