Bundesliga
Borussia Dortmund weiter oben auf - Warum der BVB von Niko Kovac so erfolgreich ist - und vielleicht bald nicht mehr
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
BVB: So will Niko Kovac Erling Haaland stoppen
Videoclip • 03:14 Min
Niko Kovac und der BVB sind gemeinsam erfolgreich. ran zeigt, warum die Taktik des Trainers bisher funktioniert – und wo die Herausforderungen der Zukunft liegen.
Von Justin Kraft
Niko Kovac hat es schon wieder getan. Fußballerisch lief es gegen Eintracht Frankfurt im Pokal lange zäh, aber im Elfmeterschießen setzte sich der BVB schließlich durch.
Ähnliches Bild am Freitagabend in Augsburg. Ein kurioses, ein Duseltor von Serhou Guirassy, aber das Ergebnis zählt.
Kritik am Spielstil der Schwarzgelben gibt es hier und da immer wieder mal. Unspektakulär, wenig attraktiv, teilweise doch sehr abhängig von Glücksmomenten, die sich wohl kaum über eine ganze Saison konstant ergeben werden.
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Andererseits ist die Defensive von Borussia Dortmund so stabil wie schon lange nicht mehr. Selbst wenn offensiv wenig geht, ist es schwer geworden, diesen BVB zu schlagen. Genau genommen gelang das in den letzten 25 Pflichtspielen nur zwei Klubs: Real Madrid bei der Klub-WM und dem FC Bayern vor Kurzem.
RB Leipzig, Juventus Turin, St. Pauli, Fluminense und wiederum der FC Bayern schafften ein Unentschieden. Hinzu kommen beeindruckende 18 Siege. "Kovac-Ball" funktioniert also – zumindest im Moment.
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ran zeigt, warum Dortmund derzeit so gute Ergebnisse einfährt – und warum es bald schwerer werden könnte, genau das so konstant wie bisher zu tun.
Wie Niko Kovac den BVB stabilisiert hat
Der wichtigste Faktor für den Erfolg ist die Defensive des BVB. In der Bundesliga stellen sie mit nur sechs Gegentoren hinter dem FC Bayern die beste Abwehr. Auch bei den erwarteten Gegentoren stehen sie derzeit auf dem zweiten Platz. Laut "FBref" wären acht Treffer der Gegner erwartbar gewesen. Nur die Münchner haben mit 5,6 einen geringeren Wert.
Dortmund hat zudem nur 78 Abschlüsse anderer Teams zugelassen. Hinter Bayern (67) ebenfalls der Bestwert. Taktisch setzt Kovac klar auf eine Dreierkette. Weil der Kader in den vergangenen Wochen nicht allzu viele Optionen in der Innenverteidigung hergab, musste der Trainer improvisieren.
Ramy Bensebaini, eigentlich Außenverteidiger, absolvierte in dieser Saison viele Minuten als linker Halbverteidiger. Dabei präsentierte er sich vor allem in der Defensivarbeit so solide, dass er auch nach der Rückkehr von Nico Schlotterbeck weiterhin in der Startelf stand. Der wiederum agierte in der zentralen Position der Abwehrkette. Halbrechts ist Waldemar Anton eine Konstante geworden.
Auch auf den Flügelverteidigerpositionen setzt Kovac auf gelernte Defensivspieler. Rechts spielt meist Julian Ryerson, links Daniel Svensson. Interessant: Unter den vier Spielern mit den meisten Minuten befinden sich Anton, Svensson und Bensebaini. Schlotterbeck hat nach seiner Rückkehr schon 680 Minuten absolviert.
Das Trainerteam setzt hier auf Konstanz und darauf, dass die Abwehr in einen Rhythmus kommt. Viel rotiert wird in diesem Bereich nicht. Einige Trainer rotieren ungern im Zentrum, weil sie dort mit einer stabilen Achse arbeiten wollen. Kovac tendiert eher dazu, im Mittelfeldzentrum und im Angriff zu rotieren, weniger aber auf den für sein "U" wichtigsten Positionen.
Das Kovac-U macht Borussia Dortmund stark
Das was? Das "Kovac-U" ist eine Beschreibung der taktischen Ausrichtung, die anschaulich machen soll, wo der Ball in seinem System in der Regel am häufigsten hingespielt wird. Es gibt statistische Grafiken, die auswerten, welche Spieler untereinander die meisten Pässe spielen. So entsteht ein Passnetzwerk.
Darin lassen sich die Durchschnittsposition des jeweiligen Spielers ebenso ablesen wie die am häufigsten gewählten Passwege. Spielt Anton beispielsweise den Ball 20-mal zu Ryerson, aber nur zweimal zu Felix Nmecha, ist der Pfeil zu Ryerson deutlich dicker. So kann man aus dieser Grafik gut ablesen, wie ein Team sein Spiel aufbaut.
Viele Ballbesitzmannschaften wählen im Aufbau Wege durch die Halbräume oder durchs Zentrum, weil sie das flexibler macht. Die Idee dahinter: Die Formation des Gegners zieht sich zusammen, weil sich die Spieler auf die Spielfeldmitte konzentrieren müssen und so entsteht Raum auf den Flügeln, auf die man nach der Eröffnung verlagern kann.
Bundesliga-Transfergerüchte: Kim rückt in den Fokus des FC Chelsea

Minjae Kim (FC Bayern)
Der FC Chelsea beschäftigt sich laut Bayern-Insider Christian Falk mit einer möglichen Verpflichtung von Abwehr-Star Minjae Kim. Zwar liege noch kein konkretes Angebot vor, jedoch haben die "Blues" angeklopft. Der FC Bayern würde sich demnach ab 30 bis 40 Millionen Euro gesprächsbereit zeigen. Auch Tottenham, AC Mailand und Inter Mailand seien am Südkoreaner interessiert, ...RHR-Foto

Minjae Kim (FC Bayern)
...noch deutet aber nichts konkret auf einen Abschied hin. Laut Falk ist Kim auch ohne Stammplatz mit seiner Rolle in München zufrieden. Die Bayern schätzen den Innenverteidiger als starken ersten Backup, selbst wenn dieser dafür ein sehr deftiges Gehalt bezieht. Stand jetzt habe Kim nicht die Absicht, die Bosse über einen Wechselwunsch zu informieren.Marco Canoniero

Yan Diomande (RB Leipzig)
Leipzig-Youngster Yan Diomande zählt zu den großen Entdeckungen der Saison. Dies hat offenbar auch Manchester United festgestellt, die laut der spanischen Zeitung "Sport" Interesse am 19-Jährigen haben sollen. Demnach hätte der Flügelspieler die ManUnited-Bosse mit seiner "Schnelligkeit und Dribbelfähigkeit" beeindruckt. Allerdings läuft sein Vertrag bei RB bis Sommer 2030, sodass die mögliche Ablöse sehr hoch ausfallen dürfte.AFP/SID/RONNY HARTMANN

Victor Osimhen (Galatasaray Istanbul)
Victor Osimhen steht nun wohl doch auf dem Zettel des FC Bayern. Der Rekordmeister prüft laut "FussballTransfers", ob ein Transfer des nigerianischen Torjägers möglich sein könnte. Osimhen wurde dem FC Bayern bereits im Winter angeboten, allerdings lehnte Max Eberl einen Transfer damals noch ab. Nun beschäftigen sich die Münchner Verantwortlichen erneut mit dem Angreifer. Auch Osimhen selbst kann sich einen Wechsel nach München offenbar gut vorstellen. Neben dem FC Bayern zeigen allerdings auch andere Klubs Interesse - darunter mehrere Vereine aus Saudi-Arabien.IMAGO/Buzzi

Luka Vuskovic (Hamburger SV)
Kann der HSV Innenverteidiger Luka Vuskovic halten? "Ich bin Überzeugungstäter. Natürlich glaube ich auch fußballromantisch an Dinge, die schwer vorzustellen sind", sagte Hamburgs Trainer Merlin Polzin der "Bild". Der Kroate ist von Tottenham Hotspur ausgeliehen und liegt bei einem Marktwert von 40 Millionen Euro. Dabei wähnt sich Polzin mit einem Trumpf in der Hand. "Wir wissen auch, was im November passiert..." Dabei spielt Polzin auf das Comeback von Lukas Bruder Mario Vuskovic nach Doping-Sperre an.IMAGO/HMB-Media

Said El Mala (1. FC Köln)
Köln-Juwel Said El Mala steht bei einigen Klubs auf dem Zettel, einer wirbt aber wohl besonders intensiv um die Dienste des 19-Jährigen: Brighton & Hove Albion mit Trainer Fabian Hürzeler. Laut "Sky" plant der Premier-League-Klub im kommenden Sommer einen weiteren Vorstoß. Schon in den vergangenen beiden Transferfenstern hat der Klub demnach erfolglos wegen eines möglichen Transfers angefragt. Sein Vertrag in Köln läuft noch bis 2030.IMAGO/Revierfoto

Rocco Reitz (Borussia Mönchengladbach)
Borussia Mönchengladbach könnte im Sommer 2026 wohl Rocco Reitz verlieren. Laut "Sky" soll RB Leipzig großes Interesse am 23-Jährigen haben. Dem Bericht nach hat Reitz in seinem Kontrakt offenbar eine Ausstiegsklausel in Höhe von 28 Millionen Euro. Zudem gibt es wohl auch weitere Interessenten wie Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Brighton & Hove Albion. Reitz' Vertrag bei den "Fohlen" läuft noch bis Sommer 2028.2025 Getty Images

Jeremy Monga (Leicester City)
Beim englischen Zweitligisten sorgt der erst 16-jährige Jeremy Monga für Aufsehen. Entsprechend sind schon einige Topklubs auf den Teenager aufmerksam geworden. Laut "Teamtalk" gehören auch der FC Bayern und Borussia Dortmund zu den Interessenten an Monga. Demnach sollen auch beide Klubs schon Gespräche mit dem Offensivspieler geführt haben, ...2025 Getty Images

Jeremy Monga (Leicester City)
... der aufgrund der Statuten aber erst im Jahr 2027 nach Deutschland wechseln dürfte. Die Konkurrenz im Werben um den Engländer ist aber wohl riesig. Juventus Turin, Real Madrid und PSG haben wohl ebenfalls schon Kontakt zu Monga aufgenommen, auch die englischen Topklubs Liverpool und Tottenham seien hinter dem Toptalent her, heißt es.2025 Getty Images

Julian Ryerson (Borussia Dortmund)
Landet ein BVB-Stammspieler beim FC Barcelona? Wie "Sky" berichtet, hat Barca offenbar ein Auge auf Julian Ryerson geworfen. Der Norweger soll demnach ein günstiger Ersatz für Jules Kounde sein, der in Katalonien vor dem Abgang steht. Erste Gespräche sollen demnach bereits stattgefunden haben. Ob der BVB einem Abgang jedoch zustimmen würde, ist offen.2025 Getty Images
Kovac tickt da anders. Obwohl Dortmund durchschnittlich 56,9 Prozent Ballbesitz hat, spielen sie mit dem Ball oft sehr vorhersehbar. In der Regel geht der Ball in der Dreierkette überwiegend quer und irgendwann wird er die Flügel entlang nach vorn gespielt oder ein langer Ball auf Serhou Guirassy geschlagen.
Doch Kovac denkt den Ballbesitz nicht vorrangig aus der Perspektive heraus, möglichst viele Tore schießen zu müssen. Er will möglichst viele Tore verhindern. Die Idee hinter seiner Ballbesitzstrategie ist: Hinten maximal sicher, vorne richtet es die individuelle Klasse. Und so sehen die Passnetzwerke auch aus. Die folgenden sechs Beispiele von "BetweenThePosts" aus den Spielen gegen Heidenheim, Wolfsburg, Leipzig, Köln, Bilbao und Kopenhagen zeigen das "Kovac-U" eindrucksvoll.
Quelle: BetweenThePosts
Bild: BetweenThePosts
Warum aber ist diese Strategie defensiv so stabil? Der BVB meidet im Passspiel das Risiko. Am gefährlichsten werden Teams, wenn sie im Zentrum kombinieren können. Durch die U-Struktur bildet Dortmund eine Art Kessel, der in alle Spielrichtungen defensiv gut abgesichert ist.
Wie lange geht das offensiv noch gut?
Das offensichtliche Problem dahinter ist die bisweilen sehr harmlose Offensive des BVB. 15 Treffer sind nur der siebtbeste Wert in der Bundesliga. 14,5 Expected Goals sind immerhin Platz sechs. Die Schwarzgelben haben allerdings erst 111 Schüsse abgegeben.
Und das, obwohl Dortmund in der Liga bis vor Kurzem überwiegend gegen Teams spielte, die in der unteren Tabellenhälfte positioniert sind. Die Ergebnisse gegen stärkere Teams sind hingegen wenig überzeugend. Gegen St. Pauli, Juventus und Leipzig reichte es nur zu einem Unentschieden. Gegen Frankfurt stand es nach 120 Minuten ebenfalls 1:1. In München verlor man trotz guter zweiter Halbzeit und auch gegen Köln war es bis zum Ende der Partie spannend.
Kovac selbst ist mit der Spielweise trotz der Ergebnisse aber nicht vollends zufrieden. "Unser Anspruch ist es, viel besser Fußball zu spielen und mehr Chancen zu krieren", sagte er vor dem Champions-League-Kracher bei Manchester City am Mittwoch (ab 21:00 Uhr im Liveticker).
Der BVB kommt in den bisherigen 14 Pflichtspielen nur zweimal auf mehr als zwei Expected Goals. In der Regel erspielen sie sich also nicht sehr viele hochwertige Chancen. An dieser Stelle befindet sich der Knackpunkt für die aktuelle Saison.
Und gewissermaßen auch der Knackpunkt für Kovac. Es gelang ihm schon bei einigen Klubs, in den ersten Monaten erfolgreich zu sein. Meist stolperte er über eine fußballerische Weiterentwicklung der Offensive.
Ob dem BVB dasselbe Schicksal droht, bleibt abzuwarten.
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