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Champions League

FC Bayern: Deswegen klappt die Integration von Jugendspielern unter Vincent Kompany so gut

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

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Videoclip • 01:57 Min


Das Rückspiel des FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale gegen Atalanta gleicht einem Spaziergang. Einem, der Trainer Vincent Kompany erlaubt, weiter am Kader der Zukunft zu werkeln.

Für den FC Bayern München war der Mittwochabend ein sehr entspannter. Das Duell mit Atalanta war bereits vor dem Rückspiel so gut wie entschieden, in der Allianz Arena spazierte der deutsche Rekordmeister zu einem 4:1-Sieg. Macht 10:1 in Addition gegen Atalanta.

Eine Machtdemonstration gegen die Italiener und zwar eine mit Signalwirkung an den nächsten Gegner in der Champions League: Real Madrid. Doch Signale schickte Trainer Vincent Kompany nicht nur an die europäische Konkurrenz.

Auch die eigene Jugend darf beim FCB unter ihm weiterhin so sehr forschen wie unter kaum einem anderen Trainer zuvor. Sieben Campus-Spielern verhalf er bereits vor diesem Spiel zu ihrem Pflichtspieldebüt bei den Profis. Zuletzt waren es Maycon Cardozo, Felipe Chavez und David Santos.

Auch Cassiano Kiala, Wisdom Mike, Adam Aznou und natürlich Lennart Karl feierten ihr Debüt beim FC Bayern unter dem Belgier. Gegen Atalanta kamen nun zwei weitere junge Spieler hinzu: Deniz Ofli und Filip Pavic.

Sicherlich spielten die Umstände mit dem hohen Hinspielsieg und einigen Ausfällen eine große Rolle. Doch Kompany nutzt jede sich ihm bietende Gelegenheit, um am Kader der Zukunft zu werkeln und zu schrauben.

Vincent Kompany gibt der Jugend des FC Bayern eine Chance

Unter ihm gibt es Chancen, die andere Trainer tendenziell eher verwehrt haben. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass der Campus so viele starke Talente produziert wie noch nie. Die Jahrgänge in den letzten drei bis vier Jahren waren deutlich breiter aufgestellt als jene zuvor.

Das zeigt sich auch daran, wer noch alles verliehen ist oder bereits abgegeben wurde und woanders Profierfahrungen sammelt. Noel Aseko beispielsweise wird höchstwahrscheinlich bald von Hannover 96 zurückkehren und könnte dann im Mittelfeld um regelmäßige Einsatzzeit kämpfen. Jonathan Asp Jensen, Arijon Ibrahimovic, Javier Fernandez, Max Schmitt und einige weitere Spieler sind ebenfalls bei anderen Klubs unterwegs.

Nicht alle von ihnen werden es beim FC Bayern schaffen. Das ist allein statistisch äußerst unwahrscheinlich. Aber die Chancen, es in den gut bezahlten Profifußball zu schaffen, stehen gut. Und das liegt unter anderem daran, dass der Campus nach nun bald zehn Jahren Bestehen Früchte trägt. Weil in den vergangenen Monaten und Jahren Personal eingestellt wurde, das die Talente richtig fördert und wertschätzt.

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FC Bayern: Die Balance aus kurzfristigem Erfolg und langfristiger Planung

Dazu zählt eben auch Kompany. Der Kader des FC Bayern ist streng genommen eine "Win now"-Mannschaft. Das Durchschnittsalter aller Spieler mit mindestens 100 Pflichtspielminuten liegt in dieser Saison bei knapp 27 Jahren. Die Achse des Teams ist mit Manuel Neuer (39), Jonathan Tah (30), Joshua Kimmich (31), Luis Diaz (29) und Harry Kane (32) in einem Alter, in dem nicht mehr allzu viel Zeit für große Titel ist.

Und genau das ist mit "win now" gemeint. Eigentlich geht es für diese Spieler darum, die Champions-League-Trophäe so schnell wie möglich nochmal oder erstmals zu gewinnen. Jede nächste Saison kann eine zu spät für sie sein.

Dazu passt auch die Transferpolitik von Max Eberl, der mit Tah und Diaz eben zwei Spieler für die Achse des Teams holte, die den Klub nicht über sehr viele Jahre hinweg prägen werden, sondern sofort eine Verstärkung darstellen.

Gleichzeitig läuft in diese kurzfristige Planung aber auch die für die Zukunft. Und hier hat der Campus an Bedeutung gewonnen. Im vergangenen Sommer gaben die Bayern einen Kaderplatz an Karl, statt noch einen weiteren Spieler teuer einzukaufen. Ob das wirklich so geplant war, darf angesichts der vielen Gerüchte bezweifelt werden.

Aber sie haben es letztlich getan und wurden dafür mit starken Leistungen des mittlerweile 18-Jährigen belohnt. Auch die Transfers von Jonas Urbig (22) und Tom Bischof (20) sowie das Vertrauen, das sie von Kompany erhalten, unterstreichen die Zukunftsplanungen, die bereits in vollem Gange sind. Jamal Musiala (23), Aleksandar Pavlovic (21) und auch Michael Olise (24) komplettieren eine Gruppe an jungen Spielern, die bald eine neue Achse bilden könnten.

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Weitere Debüts gegen Atalanta unterstreichen den Weg

Exakt diese Mischung macht den FC Bayern so stark. Wobei hier vor allem der Trainer hervorgehoben werden muss, der es schafft, den Spielern Halt, Selbstvertrauen und Sicherheit zu geben. Kompany setzt die Campus-Talente und Spieler wie Urbig oder Bischof nicht nur ein, er fördert sie mit seiner Art und Weise, wie er sie führt und weiterentwickelt.

Das unterscheidet ihn sehr von einigen Vorgängern. Und es zeigt jungen Spielern am Campus, dass sie eine Perspektive haben. Dass es sich lohnt, sich tagtäglich reinzuhängen und für diese Chance zu arbeiten. Ofli ist dafür das beste Beispiel. Der 18-Jährige zählt nicht zu den Spielern am Campus, die das größte Talent haben.

Der Linksverteidiger kann etwaige Defizite aber mit seiner Einstellung kompensieren – vergleichbar mit Josip Stanisic, der jetzt schon eine bemerkenswerte Karriere hingelegt hat. Gegen Atalanta wurde Ofli dafür belohnt, gewann kurz nach seiner Einwechslung einen Zweikampf an der Außenlinie und leitete so das 3:0 ein.

Ein vermeintlich dünner Kader hat nur dann seine Legitimität, wenn dahinter nicht nur Phrasen stehen. Oft genug hat der FC Bayern in der Vergangenheit den einen oder anderen Nicht-Transfer damit gerechtfertigt, dass man so schließlich Platz für junge Spieler habe. Im Zweifelsfall stand dann aber doch wieder ein halbverletzter Vollprofi auf dem Rasen statt dem jungen Talent ein paar Minuten zu schenken.

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FC Bayern: Bessere Verhandlungsposition mit jungen Spielern

In dieser Saison ist das anders. Kompany und letztlich auch Eberl füllen ihre Sommerworte zum dünnen Kader mit Leben. Das ist gut für den Campus, dessen Arbeit damit belohnt wird. Es ist gut für die Spieler, die wie zuletzt Chavez (1. FC Köln) oder Adam Aznou (FC Everton) ihre Chance bekommen, sich auf einem hohen Level zu beweisen. Was sie wiederum daraus machen, unterscheidet sich natürlich von Spieler zu Spieler.

Vor allem aber ist es gut für den FC Bayern insgesamt, weil er damit Argumente liefert, wenn junge Spieler in Verhandlungen nach Perspektiven fragen. Die internationale Konkurrenz spielt finanziell teils in einer anderen Liga. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig Top-Talente an sich binden zu können. Je mehr von ihnen eine gute Karriere hinlegen, desto besser für zukünftige Verhandlungen.

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