Bundesliga
FC Bayern München: Bara Sapoko Ndiaye als Ersatz für Leon Goretzka: Reicht das für den FCB?
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball Bundesliga
FC Bayern - Tom Bischof verrät: Auf dieser Position bin ich eingeplant
Videoclip • 01:01 Min
Bara Sapoko Ndiaye steht vor einem Transfer zum FC Bayern – und soll dort eine wichtige Rolle einnehmen. Kann er das Mittelfeld des FCB besser machen?
Das Mittelfeld des FC Bayern hat sich auf exakt einer Position verändert: Leon Goretzka hat den Rekordmeister verlassen, sein Vertrag lief aus.
Damit werden rund 2.350 Minuten aus der vergangenen Saison in der Schaltzentrale des FCB frei. Spielzeit, die Tom Bischof auffangen soll. Der 21-Jährige war in der abgelaufenen Spielzeit nominell der vierte Mann und wird nun auf die Goretzka-Position vorrücken.
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Wer dafür die Nummer vier wird, war lange unklar. Immer mehr zeichnet sich nun ab, dass Bara Sapoko Ndiaye die Chance bekommt. In der Vorbereitung ist er bisher stark eingebunden, der Wechsel soll bald vollzogen werden, wie die Verantwortlichen bestätigten. Er könnte der ganz große Gewinner des Sommers werden.
Aber wie risikoreich ist es für den FC Bayern, Goretzka nicht mit Erfahrung zu ersetzen? Und ist Ndiaye bereit für diesen großen Schritt?
FC Bayern ersetzt Goretzka mit kleiner statt großer Lösung
Er kommt von den Gambinos Stars aus Gambia. Die dortige Fußballakademie kooperiert mit Red & Gold Football, dem Joint Venture der Bayern und des Los Angeles FC. Bereits im vergangenen halben Jahr war Ndiaye an den FCB verliehen.
Gegen Ende der Saison setzte Vincent Kompany den Senegalesen immer wieder ein, unter anderem durfte er 80 Minuten beim wilden 4:3-Sieg der Münchner in Mainz spielen. Sein Level? Trotz dieser Einsätze nur schwer einzuschätzen. Genau das macht den Schritt der Bayern so mutig.
Goretzka hat als Spielertyp nicht mehr so gut ins System gepasst. Gerade in Ballbesitz fehlten ihm Qualitäten, die für Kompanys Fußball sehr wichtig sind: Ballsicherheit, hohe Aktivität und gutes Freilaufverhalten, aber auch die Fähigkeit, unter Druck gute Entscheidungen zu treffen. Der Abgang war folgerichtig, zumal Goretzka viel Geld verdient hat.
Nicht wenige hatten aber erwartet, dass die enorme Erfahrung des 31-Jährigen mit einem gestandenen Profi ersetzt wird. Das ist nun nicht der Fall.
Bara Sapoko Ndiaye: Großes Potenzial
Ein Grund dafür ist die Qualität von Ndiaye. Der 18-Jährige ist sehr aktiv und fordert die Bälle, statt auf seine Einbindung zu warten. Bemerkenswert ist dabei, wie reif und abgeklärt sein Spiel bereits ist. Ndiaye trifft sichere Entscheidungen und zeigte in seinen wenigen Einsätzen, dass er ein Spiel gut lesen kann.
Oft denkt er bereits zwei Schritte voraus, was ihm dabei hilft, sich in richtige Positionen zu bringen. Beispielsweise, wenn er nicht der direkte Passempfänger ist, sich aber schon in Position als Anspielstation für denjenigen bringt, der den Ball erhalten wird. Er macht wenige große Fehler und das ist in einem Ballbesitzsystem viel wert.
Auch technisch hat der Nationalspieler etwas zu bieten. Ob kurze Dribblings oder eine gute Ballkontrolle, Ndiaye ist schon jetzt ein grundsolider Mittelfeldspieler. Aber reicht grundsolide?
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Wo Ndiaye noch besser werden kann
Manchmal sind seine Entscheidungen zu risikoarm, wodurch das Spieltempo verschleppt wird. Und auch gegen den Ball waren seine Auftritte bisher wechselhaft. Ndiaye ist, und das überrascht bei seinem Alter kaum, keine Sofortlösung fürs Mittelfeld. Keiner, der das Team vom ersten Spiel an besser machen wird.
Aber er ist eine smarte Perspektivlösung. Denn der zweite Grund dafür, dass kein weiterer Spieler kam, ist eben Bischof. Der eigentliche Goretzka-Ersatz.
Die Entscheidung für Ndiaye ist letztlich auch ein Vertrauensbeweis für den ehemaligen Hoffenheimer, der bereits über jahrelange Bundesliga-Erfahrung verfügt und jetzt den nächsten Entwicklungsschritt gehen soll. Jeder große oder halbgroße Transfer hätte es ihm erschwert, in dieser Saison Spielzeit im zentralen Mittelfeld zu bekommen.
Die Optionen waren deshalb eigentlich klar: Soll Bischof die Spielzeit von Goretzka übernehmen, kann entweder nur ein Talent nachrücken oder man holt einen älteren Spieler, der die Rolle als klare Nummer vier akzeptiert.
Ndiaye als Beleg für die veränderte Kaderpolitik
Letzteres wäre aber wohl kaum ein großer Mehrwert für den FC Bayern gewesen. Mit Noel Aseko, Ndiaye und weiteren Talenten hatten die Münchner zudem eine große Auswahl. Die Wahl für Ndiaye ist auch eine für einen Spieler, dem Kompany zu vertrauen scheint und der mit seinem fehlerarmen Spiel gut reinpasst.
An der vierten Position kann er sich in Ruhe und nahezu ohne Druck entwickeln. Dass die Bayern mit Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic und eben Bischof keine Notwendigkeit gesehen haben, nachzulegen, ist nachvollziehbar. Erreichen alle ihr Potenzial und Niveau, wird kaum jemand nach einem weiteren erfahrenen Spieler rufen.
Ein gewisses Risiko gibt es natürlich dennoch, dass man auf dieser Position etwas zu jung aufgestellt ist. Zwar bringen Bischof und Pavlovic bereits einiges an Erfahrung mit, aber eben nicht in der Gewichtsklasse von Kimmich.
Andererseits ist die Vorgehensweise mit Ndiaye genau das, was die Bayern in der jüngeren Vergangenheit zu wenig getan haben: Jungen Spielern eine echte Chance geben, statt sie in Kaderpositionen einzuplanen, wo sie keine Spielzeit bekommen.
Das Risiko bei Ndiaye ist überschaubar. Im schlimmsten Fall spielt er keine gute Saison und sein Platz wird frei für weitere Talente oder es springt jemand von einer anderen Position ein – Konrad Laimer, Ismael Saibari, Jamal Musiala, Nathaniel Brown und einige mehr haben bereits Erfahrungen in dieser Rolle.
Im besten Fall nutzt Ndiaye seine Chance und steigert seinen Marktwert um ein Vielfaches. Viel zu verlieren haben die Beteiligten also nicht.
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