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Fußball

FC Schalke 04 in der Krise: Noch ist Ruhe - aber wann folgt der Sturm?

Veröffentlicht:

von Christoph Gailer

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Videoclip • 01:23 Min


Aufsteiger Schalke 04 steckt nur Monate nach der umjubelten Bundesliga-Rückkehr in einer sportlichen Schieflage. Von einer Krise wollen die Verantwortlichen zwar nichts wissen, viele Fakten sind aber alarmierend.

"Oh, wie ist das schön" und "nie mehr 2. Liga, nie mehr, nie mehr" schallte es am 2. Mai 2026 durch die Schalker Veltins-Arena.

Kurz zuvor ertönte der erlösende Abpfiff beim 1:0-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf, der den vorzeitigen Bundesliga-Aufstieg der Gelsenkirchener besiegelte.

Ein knappes halbes Jahr später ist von der Aufstiegs-Euphorie rund um die Königsblauen kaum noch etwas übrig, denn der Bundesliga-Rückkehrer steckt bereits früh in der Saison 2026/27 in einer echten Krise - obwohl die Verantwortlichen diese weg- bzw. kleinzureden versuchen.

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Sportdirektor Mulder: "Was ist eine Krise?"

"Es war klar, dass schwere Phasen kommen würden. Darauf sind wir vorbereitet. Krise - das ist so ein Klischeewort. Was ist eine Krise?“, sagte S04-Sportdirektor Youri Mulder bei der "Bild" nach dem enttäuschenden Aus im DFB-Pokal zuletzt beim Zweitligisten Dynamo Dresden (0:2).

Auch Kapitän Kenan Karaman war bemüht, das "K"-Wort kleinzureden. "Krise würde ich nicht sagen, weil wir noch ganz am Anfang sind. Aber natürlich gibt es Punkte, in denen wir deutlich besser werden müssen", erklärte der Aufstiegsheld in Dresden.

"Wir können solche Situationen auf Schalke. Ich weiß noch ganz genau, wie es vor 16 Monaten auf Schalke war. Es war alles in Schutt und Trümmern, wir haben aber den Mut nicht verloren“, sagte Trainer Miron Muslic. Noch ist auch das für seine Emotionalität bekannte Schalker Publikum ruhig, doch auch den eingefleischten S04-Anhängern dürften die Problemzonen im Team nicht entgangen sein - zu deutlich zeigen die Zahlen diese auf.

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Alarmierende Zahlen: Ungefährlich vor dem Tor, schlampig im Passspiel

Besonders auffällig ist natürlich die Torarmut der Schalker. S04 stellt mit nur vier Toren die ligaweit schwächste Offensive. Laut "bundesliga.com" haben die Königsblauen mit 67 Abschlüssen auch die wenigsten Torschüsse in der Bundesliga nach sieben Spieltagen.

Stürmertore sucht man bislang vergebens, stattdessen trafen mit Maximilian Wöber, Robin Gosens und Adrian Gantenbein immerhin schon drei Verteidiger - allerdings eben nur je ein Mal. In den zurückliegenden fünf Pflichtspielen sprang für die Schalke ein jämmerlicher Treffer heraus.

Ein weiteres Kernproblem der Muslic-Elf ist das Spiel mit dem Ball, das ist nämlich zu ungenau und schlampig, wie die Zahlen beweisen. Genau in diese Kerbe schlug zuletzt auch Karaman nach dem DFB-Pokal-Aus in Dresden. "Wir haben mit Ball nicht die Lösungen gefunden, waren zu schlampig teilweise, um gefährliche Aktionen nach vorn zu kreieren“, sagte der 32-Jährige.

Mit nur 40 Prozent hat Schalke ohnehin schon den geringsten Ballbesitz-Anteil aller Klubs und dann aber auch noch gleich die schlechteste Passquote mit nur 72,9. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist der FC Bayern mit einer imposanten Passquote von 89,6 Prozent.

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Neuzugänge noch kein Faktor, Verletzungspech schlägt zu

Dass Schalke als Aufsteiger nicht unbedingt viel Ballbesitz haben würde, ist noch einigermaßen erwartbar gewesen. Aber mit dem ohnehin wenigen Ballbesitz dann auch noch die schwächste Passquote aller Teams aufzuweisen, ist erneut ein alarmierender Fakt. Denn auch für das von Muslic praktizierte Pressing und Umschaltspiel braucht es nach Balleroberungen eben sauber zu Ende gespielte Angriffe – und die fehlen größtenteils.

Für fleißig arbeitende Spieler hat man in der Kaderplanung hingegen definitiv gesorgt, dafür stehen etwa die im Sommer verpflichteten Hee-Chan Hwang (von Wolverhampton) und Junior Adamu (aus Freiburg). Die beiden Offensivkräfte sind bislang aber in Sachen Torgefahr noch kein Faktor. Moussa Sylla fiel zuletzt wegen einer Beinverletzung aus und so lag die Last des Toreschießens zuletzt wieder mal beim 40-jährigen Edin Dzeko.

Doch nicht nur bei den Stürmern schlug das Verletzungspech zu, auch Robin Gosens, Maximilian Wöber, Soufiane El-Faouzi und Ron Schallenberg waren zuletzt nicht einsatzfähig und sind es teilweise noch für längere Zeit nicht. Dennoch zeigen sich die Schalker zumindest nach außen hin weiterhin mental gefestigt. "Wir haben genügend Führungsspieler auf dem Platz. Da müssen wir uns selbst die richtigen Fragen stellen", sagte Routinier Karaman zuletzt.

Was macht Schalke nun Hoffnung auf die Trendwende?

Ein Faustpfand im Abstiegskampf sind natürlich die Heimspiele vor 62.000 enthusiastischen Fans auf Schalke. Und genau die wird das Team demnächst auch brauchen, denn vor Weihnachten gastieren in der Veltins Arena mit RB Leipzig, dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund noch drei Champions-League-Teilnehmer. Kurz vor Weihnachten kommt es dann zum voraussichtlichen Kellerduell gegen das aktuelle Schlusslicht Borussia Mönchengladbach.

Da scheint doch vielleicht auswärts die Chance auf die sportliche Trendwende größer zu sein, bei Gegnern wie Hoffenheim, Paderborn und dem Hamburger SV. Zumal S04 den bislang einzigen Bundesliga-Sieg der Saison auch in der Fremde mit dem 3:1 bei Union Berlin einfuhr.

Einen Hoffnungsschimmer stellt auch die durchaus sattelfeste Abwehr dar, die im Gegensatz zur Offensive zu den bislang sichersten Defensivreihen der Liga zählt (sieben Gegentore, nur Dortmund und die Bayern kassierten weniger). Beleg dafür sind schon drei Schalke-Spiele ohne Gegentor. Bezeichnend allerdings auch: S04 gewann keine der Partien, weil auch vorne immer die Null stand.

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