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Bundesliga

Union Berlin: Marie-Louise Eta hat sich eine Chance als Bundesliga-Trainerin sportlich verdient! Ein Kommentar

Aktualisiert:

von Kai Esser

ran Fußball Bundesliga

Erste Bundesliga-Trainerin spaltet Fans: "Meine Fußball-Welt ist erschüttert"

Videoclip • 02:32 Min


Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga. Dieses Novum hat eindrucksvoll hervorgebracht, wieso der Kampf für Gleichberechtigung noch immer wichtig ist. Dabei hat sie sich die Chance redlich verdient.

"Das ist einfach nur peinlich."

Horst Heldt stand der Ekel ins Gesicht geschrieben, als er auf einer Pressekonferenz auf die Social-Media-Kommentare zur Einstellung von Marie-Louise Eta als Cheftrainerin der Herrenmannschaft des 1. FC Union Berlin angesprochen wurde.

Teilweise zogen toxische Kommentare durch die sozialen Medien. Einige gaben, teils mit Klarnamen, zum Besten, dass man doch lieber "10:0 gegen Heidenheim verliert, als gegen eine Frau". Da ist das Wort "peinlich" eigentlich schon zu wenig.

Vor allem, wenn man sich mal anschaut, dass Eta mehr als qualifiziert für diese Aufgabe ist.

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Marie-Louise Eta: Sportlich über jeden Zweifel erhaben

Trotz ihrer jungen 34 Jahre hat die gebürtige Dresdnerin bereits eine Menge Erfahrung gesammelt. Als Spielerin lief sie 112-Mal in der Bundesliga auf, gewann die Champions League mit Turbine Potsdam und durchlief die Jugend-Nationalmannschaften des DFB.

Und als Trainerin? Nicht nur war sie erfolgreich als Co-Trainerin der U15, U17 und U19 des DFB, sondern auch im Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen und später bei Union Berlin. Zuletzt führte sie die U19 von Union in die A-Liga, gewann in der Vorrunde zwölf der 14 Spiele, darunter beide Partien gegen den Stadtrivalen und die eigentlich höher eingeschätzte Akademie von Hertha BSC.

Zusätzlich agierte sie bereits in der Männer-Bundesliga als Co-Trainerin von Nenad Bjelica und Interimstrainer Marco Grote. Auch, wenn sie "nur" 25 Spiele die Assistentin bei den "Eisernen" war - sie kennt damit einen Großteil der Mannschaft.

Sie ist quasi die Idealbesetzung. Doch warum wird ihr Engagement trotzdem von vielen Kommentatoren so kritisch gesehen? Der Grund ist einfach.

Sie ist eine Frau.

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Union Berlin - Fall Eta zeigt: Die Gesellschaft ist weit weg von Gleichheit

Man stelle sich nur einmal vor, ein 34-Jähriger Mann mit vergleichbarer Vita würde die Nachfolge von Steffen Baumgart antreten. Nicht Marie-Louise, sondern Mario-Luis.

Niemand würde die Benennung in Frage stellen. Sicher, ergibt es Sinn, Steffen Baumgart nach einer Vertragsverlängerung Anfang des Jahres mit einem halbwegs komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze freizustellen? Das ist durchaus diskussionswürdig - steht aber auf einem ganz anderen Blatt.

Wäre Eta ein Mann, dann gäbe es keine Diskussionen. Es gäbe eher Applaus, dass nicht die üblichen Verdächtigen wie Friedhelm Funkel, Markus Gisdol oder andere mit etlichen Feuerwehr-Missionen auf dem Buckel mit der Aufgabe betraut werden, sondern ein frisches und neues Talent mit einer potentiell rosigen Zukunft.

Stattdessen fühlen sich Männer, die sich in ihrem Ego angegriffen sehen, dazu berufen, süffisante und pseudo-lustige Bemerkungen in sozialen Medien zu machen, die jeglicher sportlicher Grundlage entbehren.

Es zeigt nur, wie weit entfernt die Gesellschaft - auch in Deutschland - aktuell von der Gleichheit der Geschlechter ist. Davon, Rollenbilder in Frage zu stellen und infolgedessen irgendwann aufzubrechen.

Damit es irgendwann flächendeckend Realität werden kann, macht Eta nun einen riesigen und wichtigen Schritt. Und dafür kann man ihr nur Glück wünschen.

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