Champions League
FC Bayern München vs. Paris Saint-Germain: Darum schoss der PSG-Torhüter seine Abstöße absichtlich ins Aus
Veröffentlicht:
von Daniel Kuglerran Fußball
FC Bayern: Kane ratlos nach Schiri-Entscheidungen - "just crazy"
Videoclip • 04:33 Min
Im Halbfinal-Rückspiel der "Königsklasse" gegen den FC Bayern München schießt PSG-Torhüter Matvei Safonov reihenweise Abstöße ins Seitenaus. Dahinter steckt aber kein Unvermögen, sondern ein wirksamer taktischer Kniff.
Während Manuel Neuer den FC Bayern München im Halbfinal-Rückspiel der Champions League (1:1) mit zahlreichen starken Paraden überhaupt im Spiel hielt, sorgte das Torhüterspiel von Matvei Safonov für Verwunderung.
Bei Abstößen wirkte es, als würde dem Schlussmann von Paris Saint-Germain die Qualität für das höchste Niveau in der "Königsklasse" fehlen.
Insgesamt brachte der 27-Jährige von 13 Abstößen nur zwei zum Mitspieler. Sieben davon flogen direkt ins Seitenaus - zum Teil so deutlich neben das Spielfeld, als hätte der Russe dorthin gezielt.
Entsprechend verheerend waren seine Statistiken. Safonovs Passquote kam somit auf gerade einmal 21,2 Prozent - ein historisch schlechter Wert.
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FC Bayern vs. PSG: Torhüter Matvei Safonov mit historisch schlechter Passquote
Laut "Kicker" war dies der schwächste Wert eines über 90 Minuten eingesetzten Spielers in einem Champions-League-Spiel seit knapp viereinhalb Jahren. Damals kam Torhüter Geronimo Rulli für den FC Villarreal gegen Atalanta Bergamo auf 19,5 Prozent Passquote.
Ein gewaltiger Unterschied zu Neuer auf der Gegenseite, der auf 70 Prozent kam. Auch mit Blick auf seinen Durchschnitt in dieser "Königsklassen"-Saison von 55 Prozent Passquote fiel Safonov massiv ab.
Von den Rängen in der Allianz Arena erntete der Goalie dafür hämischen Applaus. Es machte den Eindruck, als wäre hier ein technisch arg limitierter Torhüter am Werk.
Man sollte meinen, PSG hätte einen gewaltigen Fehler begangen, vor der Saison Star-Torhüter Gianluigi Donnarumma keinen neuen teuren Vertrag zu geben und stattdessen neben Neuzugang Lucas Chevalier auf den bei Weitem nicht so erfahrenen Safonov zu setzen, der 2024 für 20 Millionen Euro von FK Krasnodar nach Paris wechselte.
Doch dem war aber nicht so.
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Paris Saint-Germain: Trainer Luis Enrique mit zahlreichen taktischen Tricks
PSG-Trainer Luis Enrique lieferte an diesem Abend eine taktische Meisterleistung ab - und das auf allen Ebenen. Neben seiner taktischen Umstellung auf eine äußerst stabile Defensive mit gefährlichen Kontern statt des offenen Offensivspektakels wie im Hinspiel setzte der Spanier den FC Bayern vor arge Probleme.
Und das war nur die Spitze des Eisberges. Denn das Taktik-Mastermind, der während der Saison gerne auch mal eine Halbzeit für die bessere Übersicht wie beim Rugby üblich von der Tribüne aus verfolgt, hatte noch deutlich mehr taktische Tricks und Kniffe im Gepäck.
So praktiziert PSG einige Maßnahmen, um den Zufallsfaktor zu reduzieren und Chancen für den Gegner möglichst zu minimieren. Etwa auch bei Anstößen. Deutlich wurde dies zum Beginn der zweiten Halbzeit im Rückspiel gegen die Bayern. Anstatt die zweite Hälfte mit Ballbesitz zu beginnen, drosch Mittelfeldspieler Vitinha das Spielgerät umgehend tief in der Münchner Hälfte ins Seitenaus. Je näher dieser Ball zur Eckfahne des Gegners geht, umso besser.
Die Logik dahinter ist genial: Durch den freiwilligen Ballverlust hat die Enrique-Truppe ausreichend Zeit, um mit allen Linien aufzurücken, in der gegnerischen Hälfte direkt hoch zu pressen und die Optionen des Gegners einzuschränken. Die andere Mannschaft wiederum ist in Sachen Entfaltung und Reichweite beim Einwurf arg limitiert.
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Somit wird für Perfektionist Enrique aus einer womöglich gefährlichen Spielsituation in der eigenen Hälfte binnen Sekunden eine potenziell gefährliche Szene in der Offensive durch Ballgewinn in Strafraumnähe. Diesen Trick wandte PSG bei wichtigen Spielen bereits in der vergangenen CL-Saison regelmäßig an.
Ähnlich risikominimierend und stattdessen das Offensivspiel belebend gehen die Franzosen auch häufig bei eigenen Einwürfen vor. Statt kurz auf den sich anbietenden Mitspieler zu werfen, wird stattdessen immer wieder weit über dessen Haupt geworfen und der sich dadurch öffnende Rückraum addressiert.
Dort befinden sich häufig passstarke Mittelfeldspieler wie Joao Neves und Vitinha, die daraufhin mit öffnenden Pässen die Offensive in Szene setzen. Statt potenzieller Gefahr fürs eigene Tor durch mögliche Ballverluste aus kürzerer Distanz wird das eigene überfallartige Tempo in Umschaltsituationen geschickt in Szene gesetzt.
Safonovs vermeintlich fatale Abstöße dürfen nach dem Bayern-Rückspiel ebenfalls zum Arsenal der Enrique'schen Trickkiste gezählt werden.
Paris Saint-Germain: Abstoß-Taktik limitiert große Bayern-Stärke
Der Großteil der Safonov-Abstöße lief nach dem gleichen Muster ab. Mit dem rechten Fuß beförderte der Torhüter den Ball fast ausschließlich auf die linke Seite, ganz weit in Richtung Seitenaus oder sogar deutlich darüber hinaus. Zwölf der 13 Abstöße wurden nach dieser Maßgabe ausgeführt.
Warum ausgerechnet diese Seite? Weil beim FC Bayern auf Rechtsaußen - also auf der linken Seite von Paris aus gesehen - Michael Olise für Furore sorgt. Bekommen die Bayern auf ihrer rechten Seite einen Einwurf, schränkt dies jedoch die offenen Räume auf der Seite und damit auch den Platz für Olise und seine Mitspieler zur Entfaltung durch die personelle Überladung der Seite ein.
Würde Safonov den Ball etwa auf die eigene rechte Seite schlagen - die linke Offensivseite der Bayern -, wäre die Olise-Seite gegenüber mit Gegenspielern dadurch unterbesetzt. Die Bayern könnten folglich eine ihrer größten Stärken ausspielen und den brandgefährlichen Flügelspieler durch eine einfache Seitenverlagerung in Szene setzen, der nun ordentlich Raum vor sich und weniger Gegenspieler gegen sich hat.
Diese Taktik wurde umso wichtiger, da Linksverteidiger Nuno Mendes bereits früh in der Partie die Gelbe Karte gesehen hatte. Paris verhinderte durch den Abstoß-Trick gerade in der zweiten Halbzeit mögliche Eins-gegen-Eins-Situationen des akut platzverweisgefährdeten Spielers gegen Olise.
Im Netz ging das ungewöhnliche und gleichweg kuriose Kabinettstück wenig später viral.
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Ein Meisterstück von Enrique, für das er und sein Schlussmann auf den ersten und auch zweiten Blick zunächst verlacht wurden.
Aber eben auch ein weiteres raffiniertes Detail im PSG-Spiel, das exemplarisch dafür steht, wie die brandgefährliche Bayern-Offensive im Rückspiel zur Verzweiflung gebracht und bei nur einem Tor gehalten wurde.
Auch interessant: FC Bayern: Zu früher "Robbery"-Vergleich und ein My zu unsauber
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