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DFB-Pokal - Hat Deutschland ein Schiedsrichter-Problem? Urs Meier legt den Finger in die Wunde

Aktualisiert:

von Justin Kraft

ran Fußball

Deniz Undavs harte Kritik an Schiri: "Mag den eh nicht!"

Videoclip • 01:28 Min


Experte Urs Meier spricht exklusiv mit ran über eine Schlüsselszene im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Stuttgart und Freiburg, Undavs Aussagen über Tobias Welz und ein strukturelles Schiedsrichter-Problem in Deutschland.

Kurz nach dem Anpfiff der Verlängerung jubelte der SC Freiburg. Lucas Höler hatte gerade das 2:1 für den Sport-Club erzielt. Ein Tor, das die Breisgauer ins Finale hätte bringen können.

Doch Schiedsrichter Tobias Welz entschied auf Offensivfoul. Kurz vor dem Treffer ging VfB-Verteidiger Jeff Chabot zu Boden. Welz pfiff den Angriff ab und das Tor wurde annulliert. Höler selbst sprach bei "Sky" anschließend von einer "Frechheit".

Der DFB meldete sich am Tag darauf zu Wort und räumte in Person von Marco Fritz (Leiter Regelauslegung Evaluation in der DFB Schiri GmbH) ein: "Mit den Fernsehbildern wäre es jedoch deutlich besser gewesen, das Duell als robusten, aber regelkonformen Zweikampf zu bewerten, die Partie weiterlaufen zu lassen und das unmittelbar folgende Tor von Höler zu geben."

Ein Ablauf, den sich auch Schiedsrichter-Experte Urs Meier gewünscht hätte. "Das ist ein normaler Zweikampf, den man laufen lassen sollte", sagt der Schweizer im Gespräch mit ran: "Das ist ein Körpereinsatz, der im Fußball vollkommen normal ist und es wäre besser gewesen, das Tor zu geben."

Zwar komme es immer auch auf die Linie des Schiedsrichters an, doch hier sei der Kontakt zu wenig für einen Foulpfiff.

Hat Deutschland ein Schiedsrichter-Problem?

Generell löste die Fehlentscheidung abermals Debatten über das deutsche Schiedsrichterwesen aus. "Es ist Unruhe, es ist Bewegung in der ganzen Schiedsrichterei", urteilt auch Meier: "Es gibt zu wenig klare Strukturen, dass die Professionalisierung, die ich schon lange fordere, noch nicht abgeschlossen ist. Dadurch ist Unruhe im System."

Ohne Klarheit gebe es "immer Raum für Spekulationen", so der ehemalige Top-Schiedsrichter: "Schiedsrichter sollten ruhig arbeiten können, aber es gibt zu viele Diskussionen."

Die gab es auch über die Aussagen von Deniz Undav. Der Stuttgarter hatte hinterher erklärt, dass er mit der Spielleitung von Welz unzufrieden gewesen wäre und er ihn eh nicht mögen würde. Eine unclevere Aussage?

"Man sollte das nicht überbewerten", findet Meier: "Es ist normal, dass es solche Schwierigkeiten gibt." Aus Schiedsrichterperspektive sei es jetzt aber wichtig, jetzt "nicht voreingenommen" zu sein: "Wenn du das nächste Mal auf Undav triffst, darf nichts hängen bleiben. Du musst das immer wieder auf Null stellen."

Gelinge das nicht, müsse man Konsequenzen ziehen: "Ansonsten musst du den Schritt gehen, dass du einen Verein gar nicht mehr pfeifst. Du musst immer wieder über der Sache stehen."

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"Ohne Vorurteile": Wie Schiedsrichter mit Spielern umgehen, die ihnen Probleme machen

Für die Unparteiischen gebe es solche Situationen nämlich auch. "Es geht da weniger um Mögen", erklärt Meier, der betont, dass Sympathien in diesem Beruf möglichst ausgeblendet werden sollten: "Es ist schon so, dass man mit gewissen Spielern mehr Probleme hat oder immer wieder Probleme mit dem gleichen Spieler hat und dass es einfach nicht passt, man den Spieler immer wieder verwarnen muss."

Als Schiedsrichter frage man sich dann: "Wie schaffe ich es beim nächsten Mal, dass ich den nicht wieder verwarnen muss und weniger Probleme mit ihm habe?" In vielen Fällen gelinge das nicht und die Schwierigkeiten sind wiederkehrend.

"Es geht immer darum, was man machen kann, damit man den Spieler beim nächsten Mal besser packen kann", so Meier, der zahlreiche Einsätze auf den größten internationalen Bühnen des Fußballs hatte: "Man muss ohne Vorurteile in das Spiel gehen."

Dem SC Freiburg hilft all das jetzt nicht mehr viel. Der große Jubel über das vermeintliche 2:1 verstummte schnell und verwandelte sich binnen weniger Minuten in große Enttäuschung.

Am 23. Mai stehen sich in Berlin der FC Bayern und der VfB Stuttgart im Finale des DFB-Pokals gegenüber. Freiburg hat immerhin noch die Europa League. Dort treffen sie im Halbfinale auf Braga.

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