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Europa League

Kommentar: Freiburg-Niederlage ist trotzdem ein Sieg für den Fußball

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

ran Fußball

Europa League: Fans leiden mit! "Freiburg wird gekocht"

Videoclip • 02:10 Min


Der SC Freiburg hat das Finale der Europa League chancenlos mit 0:3 gegen Aston Villa verloren. Dass das Team aus Süddeutschland es aber überhaupt dorthin geschafft hat, ist ein Sieg für den gesamten Fußball. Ein Kommentar.

Von Gianluca Fraccalvieri

Zunächst werden natürlich die negativen Emotionen überwiegen. Die Freiburger standen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in einem internationalen Finale und – wie es sich für einen Profisportler gehört – wollten sie dies natürlich aber auch gewinnen.

Von Beginn an war aber deutlich, dass Aston Villa einfach eine Klasse zu groß war. Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Sie haben sich in den vergangenen Jahren für hunderte Millionen Euro ein Team zusammengekauft, das zu den stärksten Englands gehört und ganz klar das qualitativ beste der EL-Saison war. Alleine die Marktwerte der "Villains" übersteigen die der Breisgauer um ein Vielfaches.

Dagegen ist der SC ein klarer Gegensatz. Er setzt auf Jugendarbeit, Kontinuität und Beschaulichkeit. Ein 40+-Millionen-Transfer oder ein neuer Star-Trainer an der Seitenlinie, wie es bei Villa Gang und Gäbe ist, ist in Freiburg nicht möglich – aber auch nicht gewollt.

Stattdessen haben die Freiburger eindrucksvoll gezeigt, wie weit man es mit Teamgeist und Einsatz auf dem internationalen Parkett schaffen kann. Nicht umsonst haben die Fans in Istanbul beim Stand von 0:3 pausenlos Lieder für ihren SC skandiert. Für den Verein, der nach allen Regeln des Fußballs eigentlich nichts in einem internationalen Finale zu suchen, sich seinen Platz dort aber dennoch redlich verdient hat.

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SC Freiburg trotzt den reichen Klubs

Über Jahrzehnte waren die Freiburger schließlich nur ein Fahrstuhlklub ohne internationale Ambitionen, der Jahr für Jahr gehofft hat, nicht wieder in die 2. Liga abzusteigen.

Sie hatten nie einen großen Etat, einen großen Sponsor oder ein Eigengewächs, das für eine Riesensumme ins Ausland gewechselt ist. Stattdessen setzt der SC auf Bescheidenheit, Kontinuität und clevere Entscheidungen. Sie haben eine der besten Jugendschmieden der Liga, lassen ihre Eigengewächse so viel spielen wie kein anderer Bundesligaklub und wirtschaften hervorragend.

In einer Welt, in der Scheich-Millionen PSG und Manchester City formen, Red Bull RB Leipzig aus der Viertklassigkeit in die Champions League katapultiert und der Saudi-Staatsfonds Newcastle United kauft, ist der SC schlichtweg ein Alien.

SC Freiburg stand verdient im Finale

Ihre bekanntesten Spieler sind Matthias Ginter und Vincenzo Grifo, kaum ein Spieler aus der Startelf des EL-Finales würde bei einem Top-Klub starten. Nicht die Einzelspieler machen im Breisgau den Erfolg aus, sondern die Summe der Einzelteile.

Das hat sich auch in dieser EL-Saison gezeigt. Durch die Gruppenphase sind sie relativ souverän durchgekommen, genau wie durch die K.o.-Spiele. Ja, das Rückspiel gegen Braga war knapp, von Elfmeterschießen oder einem Weiterkommen durch ein Last-Minute-Drama waren sie aber stets weit entfernt.

Auch wenn das Finale eine deutliche Angelegenheit war, hat sich das Team ordentlich verkauft. Letztendlich muss man sagen, dass die Freiburger völlig verdient im Finale standen und sich stolz Zweitplatzierte nennen dürfen.

Grund dafür ist auch die gestiegene Qualität des Kaders. Durch die regelmäßige Teilnahme an der Europa League ist Freiburg kein Verein mehr, dessen beste Spieler nach einer guten Saison sofort verschwinden, sondern gerne in der südlichsten Großstadt Deutschlands bleiben. Freiburg ist ein schönes Städtchen, hat respektvolle Fans, wird von niemandem gehasst und bietet auch sportlich super Voraussetzungen.

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SC Freiburg: Julian Schuster führt Streichs Werk fort

Im Zentrum dessen steht natürlich Trainer Julian Schuster. Nach dem Abgang von Christian Streich war der langjährige SC-Kapitän die einzige logische Nachfolge für den Altmeister und hat dessen Philosophie einfach weitergeführt.

Mit neun Spielern des aktuellen Kaders stand er dabei selbst auf dem Platz, hat in den Jugendabteilungen gelernt und wurde von Streich Stück für Stück an die Aufgaben als Cheftrainer herangeführt, ehe er bereit war, seinen Mentor zu beerben. Er kennt und lebt den gesamten Verein, was man in jeder Sekunde merkt.

Dass jemand ohne vorherige Erfahrung als Cheftrainer an einen solchen Job kommt, ist im wilden Trainerkarussell der europäischen Top-Klubs schon außergewöhnlich. Dass er es dann schafft, seinen Herzensverein in seiner zweiten Saison in das zweihöchste europäische Finale zu führen, ist ein Sieg für den Fußball und ein Beweis dafür, dass es in der heutigen Fußballwelt, die immer schneller, lauter und profitabler werden muss, auch ganz anders geht.

Daran ändert auch die Niederlage in Istanbul nicht das Geringste.

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