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SC Freiburg im Finale der Europa League: Keine Chance gegen Aston Villa – und wie sie die trotzdem nutzen können

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

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Videoclip • 01:07 Min


Der SC Freiburg ist auf dem Papier der klare Außenseiter, wenn es am Mittwochabend (ab 21:00 im Liveticker) im Finale der Europa League gegen Aston Villa geht. Eine ihrer größten Stärken könnte das Spiel in beide Richtungen kippen.

Von Justin Kraft

Vier. So viele Spieler braucht es von Aston Villa, um bereits über den Marktwert vom gesamten Kader des SC Freiburg zu kommen – zumindest laut der Plattform "transfermarkt.de". Morgan Rogers (80 Millionen Euro), Amadou Onana (45 Millionen Euro), Boubacar Kamara und Ezri Konsa (jeweils 40 Millionen Euro) sind zusammen demnach 205 Millionen Euro wert.

Der aktuell wertvollste Spieler des Sport-Clubs ist Johan Manzambi mit 35 Millionen Euro. Die Breisgauer kommen mit ihrem Kader insgesamt auf 191 Millionen Euro. Nun sind diese Zahlen vor allem eines: abstrakt. Natürlich entscheidet keine Internetplattform über den Wert von Spielern.

Und doch sind sie mehr als eine Spielerei. Dass die Plattform auch von Profis regelmäßig als erste Orientierung genutzt wird, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass in England deutlich mehr Geld fließt, als man im Breisgau zählen könnte.

Weil Eintracht Frankfurt im vergangenen Sommer Ritsu Doan für 21 Millionen Euro kaufte, konnte sich der Sportclub sein bisher teuerstes Transferfenster auf der Ausgabenseite leisten: 32,7 Millionen Euro zahlten sie für fünf Spieler. In den vergangenen fünf Jahren gab Freiburg 87,45 Millionen Euro für neue Spieler aus.

Nun treffen sie im Finale der Europa League am Mittwochabend (ab 21:00 im Liveticker) also auf Aston Villa, die im selben Zeitraum 639 Millionen Euro an Ablösesummen gezahlt haben – mehr als siebenmal so viel wie der SC Freiburg. Auch wenn Geld noch keine Garantie auf Tore ist: Die Verhältnisse für dieses Finale sind klar verteilt.

Ein Spiel nach dem Geschmack von Unai Emery?

Taktisch gibt es sicher viele Schlüssel, die dieses Finale entscheiden könnten. Einer aber dürfte aus Sicht der Freiburger besonders entscheidend sein: Wie gut bekommen sie ihr eigenes Pressing aufgezogen? Mit 54,2 Prozent hat Aston Villa laut "WhoScored" durchschnittlich den sechsthöchsten Ballbesitzwert aller Teams dieser Europa-League-Saison.

Unter Emery ist es Teil der Identität, das gegnerische Pressing zu locken und sich dann mit den vielen technisch starken Spielern mutig durchzukombinieren. Gerade weil die Qualität des Teams so groß ist, funktioniert diese Herangehensweise oft sehr gut. Mit den Freiburgern kommt nun ein Gegner, der ihnen zumindest den Gefallen tun wird, sich nicht hinten reinzustellen.

Laut der Scoutingplattform "Wyscout" lässt der Sportclub durchschnittlich nur 9,88 Pässe des Gegners in dessen ersten 60 Prozent des Spielfelds zu, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Ein niedriger Wert spricht für eine hohe Aggressivität im Spiel gegen den Ball. Nur fünf Teams haben in der Europa League einen niedrigeren Wert als Freiburg. Der VfB Stuttgart steht mit 7,83 auf dem ersten Platz.

Aston Villa hat mit 11,91 einen eher durchschnittlichen Wert. Ihr Pressing ist sehr variabel. Mal laufen sie höher an, mal sortieren sie sich etwas tiefer. Gegen Freiburg werden sie versuchen, vor allem aus dem eigenen Ballbesitz heraus zu punkten. Besonders aufpassen müssen Julian Schuster und sein Team auf die Schaltzentrale.

Vor mehr als einem Jahr kamen die Bayern in den Genuss der Spielstärke von Aston Villa. Immer wieder gelang es ihnen, das hohe FCB-Pressing über das Zentrum zu überspielen. Bis heute ist das ein Kernaspekt des Emery-Fußballs: Spieler aus der Mitte herauslocken und die dort entstehenden Räume dann mit Tempo bespielen.

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Der SC Freiburg muss in seine Stärken vertrauen

Verstecken muss sich Freiburg deshalb aber nicht. Gerade in der Europa League haben sie mehrfach bewiesen, dass sie ihr aggressives Spiel gegen den Ball durchziehen und damit Gegner verschiedener Qualität vor große Herausforderungen stellen können. Denn auch wenn Aston Villa sich grundsätzlich darüber freuen dürfte, einen mitspielenden Gegner zu bekommen, so darf sich der SC auf einen Gegner freuen, der gern ins Risiko geht.

"Schuster, bleib bei deinem Leisten", möchte man dem Trainer des Bundesligisten zurufen. Denn Freiburg ist gut darin, es Teams schwer zu machen, die spielerische Lösungen forcieren. Gelingt ihnen das auch gegen die Engländer, winken ihnen mehrere gute Umschaltsituationen.

Nicht so gut lief es in der Vergangenheit für die Freiburger, wenn sie zu sehr ins Grübeln kamen. Wenn sie das Gefühl hätten, sie können etwas verlieren, statt sich bewusst zu machen, dass sie nur gewinnen können. Denn verliert Freiburg dieses Finale, dann mag es zwar eine Chance gewesen sein, die vermutlich so schnell nicht wiederkehrt. Doch es wäre angesichts der Verhältnisse beider Klubs der Normalzustand.

Oder, um es in einer beliebten Phrase anders auszudrücken: Eigentlich hat Freiburg keine Chance, aber genau diese können sie nutzen. In einer mindestens leichten Außenseiterrolle fühlen sich die Breisgauer in der Regel wohl. Dort können sie sich hauptsächlich darauf fokussieren, das Spiel mit Aggressivität möglichst offen zu gestalten.

Es wird für Freiburg darum gehen, die Unterschiede zumindest in den 90 oder 120 Minuten bestmöglich zu reduzieren. Dass sie das können, steht außer Frage. Und trotzdem muss am Mittwochabend einiges dafür zusammenkommen.

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