Fußball
Xavi wird Nationaltrainer der Niederlande: Endlich beweist ein Verband auch mal Mut! Ein Kommentar
Aktualisiert:
von Kai Esserran Fußball
Fußball: Werbung ohne Ende! Klub mit 1000 Sponsoren auf Trikot
Videoclip • 01:03 Min
Barcelona-Legende Xavi wird neuer Nationaltrainer der Niederlande. Das hatte sich weder abgezeichnet, noch war es zu erwarten. Der Verband KNVB beweist damit endlich Mut. Mut, der anderen Nationen fehlt. Ein Kommentar.
Es ist in Zeiten, in denen "Transferjournalist" ein eigenes Berufsspektrum zu sein geworden scheint, eine echte Rarität, dass Verhandlungen über Wechsel vorab nicht geleaked werden. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel: Völlig aus dem Nichts stellte der niederländische Verband niemand geringeren als Barcelona-Legende Xavi Hernandez als Trainer vor.
Das kommt überraschend, schließlich war der Klub der Bondscoaches in den vergangenen Zyklen eher klein. Louis van Gaal, Ronald Koeman, Dick Advocaat. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind Niederländer und sie alle haben mehrere Amtszeiten hinter sich.
Mit dem Spanier Xavi bricht der KNVB damit mit einer lange zurückreichenden Tradition und beweist Mut. Courage, die dem Verband lange fehlte - und auch anderen immer noch fehlt.
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Niederlande: Xavi trägt das Johan-Cruyff-Gen in sich
Der Weltmeister von 2010 ist der erste ausländische Oranje-Trainer seit 48 Jahren, damals verließ Ernst Happel den niederländischen Verband, nachdem er die Elftal ins WM-Finale 1978 geführt hatte.
Lange Zeit sträubte man sich beim Verband gegen einen ausländischen Trainer, dort wird Tradition ohnehin groß geschrieben. Das 4-3-3-System ist quasi als Klausel im Arbeitsvertrag fixiert. Lange gaben sich immer wieder die selben Trainer die Klinke in die Hand, doch das ist jetzt vorbei - endlich, möchte man sagen!
Zumal Xavi dank seiner Karriere, die er gänzlich beim FC Barcelona verbrachte, den niederländischen Fußball indirekt bereits bestens kennt. Viele Jahre stand er unter den Fittichen der Legende Johan Cruyff, der das Leitbild des holländischen und auch katalanischen Fußballs bis heute prägt. "Ich fühle mich dem niederländischen Fußball sehr verbunden", sagte der ehemalige Mittelfeld-Regisseur einst.
Die Verpflichtung ist also durchaus sinnvoll. Xavi könnte so etwas wie der niederländischste Ausländer sein, den man jenseits des deutschen Rhein- und Emslands finden kann. Zudem besitzt er als ehemaliger Weltklasse-Spieler eine natürliche Autorität. Jemand wie Xavi muss niemandem mehr beweisen, dass er weiß, wovon er redet.
Mut, diese Entscheidung zu treffen, gehört aber zweifelsohne dazu.
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Niederlande zieht durch, was Italien sich nicht traut
Ein ähnliches Problem, wie Oranje lange hatte, zieht sich auch durch den italienischen Verband. Gefühlt wechseln sich auch dort die gleichen vier Trainer stets ab. Antonio Conte, Luciano Spalletti, Gennaro Gattuso, sie alle scheiterten. Jetzt soll es - erneut - Roberto Mancini richten. Der ist zum zweiten Mal in fünf Jahren im Amt. Welcher Logik soll das folgen?
Freilich, auch Pep Guardiola war im Gespräch, sagte jedoch ab. Aber wenn ein Guardiola verfügbar ist, wäre man ja völlig umnachtet, sich nicht wenigstens um ihn zu bemühen. Abseits des Spaniers las man jedoch nur von weiteren Italienischen Ex-Stars, die für den Posten in Frage kamen, darunter Andrea Pirlo sowie die Serie A-Trainer Daniele De Rossi (Genua CFC) und Fabio Grosso (AC Florenz).
Ein etwas "unbekannterer" Trainer, der dann auch noch kein Italiener ist? Bloß nicht.
Man wünscht sich als neutraler Beobachter beinahe schon, dass Xavi als Niederlande-Trainer erfolgreich sein wird. Dass das Neue, was der Verband probiert, doch auch mal funktionieren mag.
Aus deutscher Sicht dann gerne aber erst ab dem zweiten Spiel.
Auch interessant: FC Barcelona wie früher der FC Bayern München: Der "Lewandowski-Effekt" droht auch in Spanien Und: Harry Kane: Ein, zwei Schritte fehlen noch zum Legenden-Status
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