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Fußball-WM

Italien verpasst drei Weltmeisterschaften in Folge: Eine Chronik des Schreckens

Aktualisiert:

von Luis Woppmann

ran Fußball

WM-Quali: Italien "hat Fußball verlernt" - Netzreaktionen zum WM-Aus

Videoclip • 01:34 Min


Italien scheitert zum dritten Mal in Folge an der Qualifikation für die WM-Endrunde. Wie konnte es nach dem Sieg beim Turnier 2006 so weit kommen?

Es ist das Jahr 2006. Im WM-Endspiel in Deutschland am 9. Juli gewann Italien gegen Frankreich und krönte sich nach 1934, 1938 und 1982 das vierte Mal zum Weltmeister.

Doch womit damals keiner gerechnet hätte, ist, dass dieses Spiel das letzte KO-Spiel bei einer Weltmeisterschaft sein würde, das die Squadra Azzurra bis frühestens 2030 bestreiten wird.

2010 und 2014 scheiterte das Team jeweils in der Vorrunde - 2018, 2022 und 2026 verfehlte die Mannschaft die Qualifikation.

Dazu kommt, dass man sich im Vorfeld über den Sieg von Bosnien und Herzegowina gegen Wales gefreut hatte, im Glauben, dass man dadurch den leichteren Quali-Gegner bekommen hatte.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass die einst große Fußballnation mittlerweile ganz unten angekommen ist?

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EM 2008 - Aus im Viertelfinale

Bei der EM in Österreich und der Schweiz erwischten die Italiener mit den Niederlanden, Frankreich und Rumänien die wohl schwerste Gruppe. Dennoch konnte man sich am letzten Spieltag  durch ein 2:0 Sieg gegen Frankreich als Gruppenzweiter für die KO-Runde qualifizieren.

Im Viertelfinale scheiterte die Mannschaft rund um Luca Toni, Daniele De Rossi und Gianluca Zambrotta allerdings mit 4:2 gegen Spanien. Vor allem die Gelbsperre von Mittelfeldstratege Andrea Pirlo fiel bei der Squadra Azzurra stark ins Gewicht.

Spanien beendete durch den Sieg seinen "Viertelfinal-Fluch". Die spanische Mannschaft war zuvor bereits am 22. Juni der Jahre 1986, 1996 und 2002 im Viertelfinale nach Elfmeterschießen aus Welt- und Europameisterschaftsturnieren ausgeschieden und nach 24 Jahren wieder in ein Halbfinale eingezogen. Am Ende gewannen sie das Turnier mit einem 1:0 Sieg im Finale gegen Deutschland.

WM 2010 - Aus in der Gruppenphase

Italien qualifizierte sich souverän als Gruppenerster in ihrer Qualifikationsgruppe für die WM in Südafrika. Doch bereits die Vorbereitung für das Turnier ließ erste Zweifel aufkommen: Von fünf Spielen konnte man lediglich eines gewinnen.

Die italienische Nationalmannschaft landete in Gruppe F mit Paraguay, der Slowakei und Neuseeland. Eine mehr als machbare Gruppe, die für die Squadra Azzurra aber zum Albtraum werden sollte.

Gegen Paraguay und Neuseeland spielte man jeweils 1:1 - im letzten Gruppenspiel war für alle Mannschaften noch alles offen. Italien musste nur gegen die Slowakei gewinnen, um in die KO-Runde einzusehen. Allerdings verlor man das Spiel mit 2:3 und schied als Gruppenletzter aus.

Damit war man nach den Franzosen, die auch als Gruppenletzter ausschieden und zudem durch einen Boykott gegen ihren Trainer Raymond Domenech auffielen, die größte Enttäuschung des Turniers. Als Konsequenz beendete Kapitän und Rekordspieler Fabio Cannavaro nach 136 Einsätzen seine Nationalmannschaftskarriere.

EM 2012 - Aus im Finale

Die Squadra Azzurra qualifizierte sich ungeschlagen und mit nur zwei Gegentoren für die EM in Polen und der Ukraine. Vor dem Turnier folgten allerdings gegen Uruguay, die USA und Russland drei Niederlagen in Folge.

Zudem wurden kurz vor dem Start der Europameisterschaft viele Details aus einem Wettskandal im italienischen Fußball bekannt, sodass kurz vor der Abreise ins EM-Quartier Polizei im Trainingslager eintraf.

Es wurden Vorwürfe gegenüber Domenico Criscito erhoben, welcher daraufhin von Prandelli aus dem Kader gestrichen wurde. Auch Leonardo Bonucci und Gianluigi Buffon standen unter Verdacht. Nach Abschluss der Ermittlungen erwiesen sich alle Anschuldigungen als haltlos.

Italien beendete seine Gruppe C mit Spanien, Kroatien und Irland als Zweiter und zog so ins Viertelfinale ein. Nach einem 4:2 Sieg im Elfmeterschießen gegen England besiegte die Squadra Azzurra die DFB-Elf im Halbfinale mit 2:1 - einem Doppelpack von Mario Balotelli sei Dank.

Im Finale bekam man allerdings von Spanien die Grenzen aufgezeigt und ging mit 4:0 unter. Dennoch werteten die Italiener das Turnier als Erfolg, da sie trotz Wettskandal und einer verkorksten Vorbereitung die schlechte WM vor zwei Jahren hatten vergessen machen können und überzeugenden, offensiven Fußball gespielt hatten.

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WM 2014 - Aus in der Gruppenphase

Italien qualifizierte sich mit sechs Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Dänen direkt für die WM-Endrunde in Brasilien. Vor der WM gab es im März 2014 eine 0:1-Niederlage gegen Spanien, ein torloses Unentschieden gegen Irland und ein enttäuschendes 1:1 gegen Luxemburg.

In Gruppe D hießen die Gegner Costa Rica, Uruguay und England. Im Favoritenduell am ersten Spieltag konnte man mit 2:1 gegen England gewinnen. Damit war man im Grunde genommen mit einem Bein im Viertelfinale. Es sollte aber anders kommen.

Im zweiten Spiel verlor man mit 0:1 gegen Costa Rica. Dadurch waren die Mittelamerikaner vorzeitig qualifiziert, während die Engländer bereits ausgeschieden waren. Im letzten Gruppenspiel hätte die Squadra Azzurra einfach nur nicht gegen Uruguay verlieren dürfen, um weiterzukommen.

Nach einem 0:0 zur Halbzeit wurde Claudio Marchisio im zweiten Durchgang vom Platz gestellt, während der legendäre Schulterbiss von Luis Suárez gegen Giorgio Chiellini ohne Konsequenzen blieb. Diego Godín erzielte in der 81. Minute den Siegtreffer für Uruguay und Italien schied nach 2010 zum zweiten Mal nach der Gruppenphase aus.

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EM 2016 - Aus im Viertelfinale

Die italienische Mannschaft schloss ihre Qualifikationsgruppe ungeschlagen als Erster ab und qualifizierte sich direkt für die EM-Endrunde in Frankreich. Dort wurde die Squadra Azzurra gemeinsam mit Belgien, Schweden und Irland der Gruppe E zugelost.

In der Gruppenphase gewann man die Spiele gegen Belgien und Schweden, weswegen man am dritten Spieltag bereits als Gruppensieger feststand. Mit einer B-Elf verlor man dann gegen Irland.

Im Achtelfinale trafen die Italiener auf Spanien und konnten sich mit einem 2:0-Sieg durchsetzen. Im Viertelfinale traf die Squadra Azzurra auf Deutschland und schied in einem nervenzerreißenden Elfmeterschießen schlussendlich mit 5:6 aus.

Es war das erste Mal, dass eine italienische Nationalmannschaft bei einem großen Turnier gegen eine deutsche Nationalelf verlor.

WM 2018 - Aus in den Playoffs

Mit einem Unentschieden im Spitzenspiel gegen Spanien und fünf Siegen in sechs Spielen bis Juni 2017 war Italien punktgleich mit Spanien Tabellenzweiter in der Qualifikationsgruppe. Wegen einer Niederlage im Rückspiel gegen die Spanier wurde Italien, das die restlichen drei Spiele allesamt gewann, Zweiter und musste in die Playoff-Spiele, in denen es jeweils ein Hin- und Rückspiel gab.

Dort trafen sie auf Schweden. Das Hinspiel in Solna endete mit einer 0:1-Niederlage, im Rückspiel in Mailand kam Italien nicht über ein torloses Unentschieden hinaus und verpasste somit zum ersten Mal seit 1958 eine WM-Endrunde.

Unvergessen bleibt dabei der Moment, als Italien im Rückspiel ein Tor brauchte und Trainer Gian Piero Ventura Daniele De Rossi einwechseln wollte. Dieser reagierte wütend und deutete auf Lorenzo Insigne, der in der Saison 2016/17 wettbewerbsübergreifend auf 32 Scorerpunkte kam, im Rückspiel aber nicht zum Einsatz kam.

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EM 2021 - Turniersieg

Nach sieben von zehn Spieltagen stand fest, dass Italien bereits für die EM qualifiziert war. Insgesamt gewann die Squadra Azzurra alle zehn Spiele und dominierte die Gruppe mit einer Tordifferenz von 37-4. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die EM ins Jahr 2021 verschoben.

Doch die italienische Nationalmannschaft ließ sich davon nicht beirren, verlor bis zum Turnierstart kein einziges Spiel und gewann alle drei Gruppenspiele gegen die Schweiz, Wales und die Türkei. Im Achtelfinale bezwang man Österreich nach Verlängerung mit 2:1, im Viertefinale wiederholte man das Ergebnis gegen Belgien, dieses Mal allerdings in der regulären Spielzeit.

Im Halbfinale gewann man nach Elfmeterschießen mit 4:2 gegen Spanien, ehe man auch im Finale ins Elfmeterschießen musste und dieses mit 3:2 gegen England gewann. Damit krönte sich das Team nach dem EM-Sieg 1968 im eigenen Land zum zweiten Mal zum Europameister.

WM 2022 - Aus in den Playoffs

Die Qualifikation für die WM in Katar startete bereits vor der EM. Als amtierender Europameister musste die Squadra Azzurra nach vier Unentschieden und Siegen als Gruppenzweiter hinter der Schweiz in die Playoffs.

Dort schied man bereits im Halbfinale in Palermo durch ein spätes Tor in der Nachspielzeit gegen Nordmazedonien aus, wodurch man die WM-Endrunde zum zweiten Mal in Folge verpasste.

EM 2024 - Aus im Achtelfinale

Bei der EM-Qualifikation landete man auf Platz zwei hinter England. Allerdings war Italien punktgleich mit der Ukraine und konnte sich nach einem 0:0 im direkten Duell am letzten Spieltag nur durch die bessere Tordifferenz vor dem Ausscheiden retten.

In der EM gewann man das Auftaktspiel mit 2:1 gegen Albanien, verlor aber mit 1:0 gegen Spanien. Im letzten Spiel gegen Kroatien ging es somit um den zweiten Platz. Die Kroaten gingen durch Luka Modric mit 1:0 in Führung und hielten dieses Ergebnis bis in die letzte Minute des Spiels.

In aller letzter Sekunde traf der eingewechselte Mattia Zaccagni allerdings zum 1:1 Ausgleich und verhalf der Squadra Azzurra somit ins Achtelfinale. Mit drei Punkten wären die Italiener aufgrund ihrer negativen Tordifferenz auch nicht als Gruppendritter weitergekommen.

Im Achtelfinale verlor man gegen die Schweiz und schied damit enttäuschend als amtierender Europameister aus.

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WM 2026 - Aus in den Playoffs

Und damit sind wir im Hier und Jetzt angekommen. Nachdem man die beiden direkten Duelle gegen Norwegen mit 3:0 und 1:4 verloren hatte, musste Italien im Kampf um ein WM-Ticket erneut in die Playoff-Runde.

Im Hinspiel konnte man nach anfänglichen Schwierigkeiten mit 2:0 gegen Nordirland gewinnen. Und auch im Finale sah es über weite Strecken der Halbzeit gut aus. Italien führte früh mit 1:0, bis Bastoni in der 41. Minute wegen einer Notbremse mit Rot vom Platz flog.

Im weiteren Verlauf kippte die Partei, wobei Moise Kean in der Mitte der zweiten Halbzeit das 2:0 vergab. Also kam es, wie es kommen musste: Bosnien und Herzegowina glich spät aus, gewann das Elfmeterschießen und Italien scheiterte zum dritten Mal in Folge in den Playoffs zur WM.

Auch interessant: WM 2026: Alle Teilnehmer und Gruppen - Wer ist dabei? Wer hat sich nicht qualifiziert?

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