attentat in paris am 13.11.2015
Terror-Anschläge von Paris 2015 - Matthias Opdenhövel über die Horror-Nacht: "Der schlimmste Tag in meinem Leben"
Aktualisiert:
von Martin Volkmar
Bild: Getty / Imago
Zehn Jahre nach den Terror-Anschlägen von Paris berichtet ran-Moderator Matthias Opdenhövel, wie er die dramatischen Ereignisse hautnah miterleben musste.
Von Martin Volkmar
Es war einer der schlimmsten Tage in der Geschichte Frankreichs – und für die Menschen mittendrin ein absoluter Horror.
Am Donnerstag jähren sich zum zehnten Mal die brutalen Anschläge vom 13. November 2015 in Paris, bei denen auch die deutsche Nationalmannschaft im Visier der islamistischen Terroristen stand.
Insgesamt starben in dieser Abtraumnacht an mehreren Orten der französischen Hauptstadt 130 Menschen, mehr als 350 wurden verletzt.
Es hätte noch viel schlimmer kommen können, wenn es die drei Selbstmord-Attentäter am Stade de France wie geplant beim Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Frankreich (0:2) in die vollbesetzte Arena geschafft hätten.
Ihr Vorhaben scheiterte, sie zündeten ihre Sprengsätze draußen und rissen einen Unbeteiligten mit in den Tod.
Die Menschen im Stadion hörten nur die drei höllisch lauten Explosionen und blieben danach fast die ganze Nacht in großer Unsicherheit, ob sie weiter in Lebensgefahr schwebten oder nicht.
Ganz nah dran am Spielfeldrand war Matthias Opdenhövel als Moderator der in der "ARD" live übertragenen Partie.
Im Interview mit ran schildert der 55-Jährige, der seit 2021 wieder für ProSiebenSat.1 arbeitet, seine erschütternden Erlebnisse in diesen dramatischen Stunden.
Das Wichtigste in Kürze
Matthias Opdenhövel über die Wucht der Bomben in Paris
ran: Wie präsent ist der 13. November 2015 noch in Deiner Erinnerung?
Matthias Opdenhövel: Ich hatte ihn lange Zeit erfolgreich verdrängt. Aber jetzt zum zehnten Jahrestag und wegen der vielen Dokus und Interviews ist dieses Ereignis leider gerade wieder sehr präsent.
ran: Hattest Du vor dem Spiel nach der Bombendrohung im deutschen Hotel irgendwie schon ein komisches Gefühl?
Opdenhövel: Die Bombendrohung am Vormittag des Spiels war aufwühlend, aber nicht so beunruhigend, dass wir alle mit größter Sorge ins Stadion gefahren sind. So etwas ist ja bei Großveranstaltungen leider nicht zum ersten Mal passiert und in allen Fällen hatte es sich immer als Fehlalarm rausgestellt. Dieses Mal leider nicht.
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ran: Ab wann hast Du gemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Opdenhövel: Schon die erste Explosion war von der Wucht und Lautstärke so extrem, dass mir klar war: Das ist kein Böller. Die Zweite war nochmal heftiger und unter mir am Spielfeldrand hat der Boden vibriert. Danach lief es mir eiskalt den Rücken runter und ich wusste, hier passiert gerade was Schlimmes.
ran: Ab wann wusstest Du, dass es sich um einen Bombenanschlag handelte und wie hast Du reagiert?
Opdenhövel: Wir wussten im Stadion lange Zeit am wenigsten. Die Polizei hatte recht schnell das Mobilnetz abgeschaltet, damit die Attentäter nicht mehr miteinander kommunizieren konnten. Ich fragte immer wieder auf dem Ü-Wagen nach, ob wir hier wirklich weitersenden sollten. Jeder in Deutschland hatte zu der Zeit schon mehr Information als wir vor Ort im Auge des Terrors.
Opdenhövel: "Ich habe nur noch funktioniert"
ran: Live-Kommentator Tom Bartels hat laut eigener Aussage am ganzen Körper gezittert – wie ging es Dir?
Opdenhövel: Ich habe nur noch funktioniert und mein Körper war quasi eine Hülle. Aber ich habe mich immer wieder dagegen gewehrt, im Nachlauf weiter sinnlos über Fußball zu sprechen. Der "Spiegel" hat den Mitschnitt meiner Kommunikation in seiner aktuellen Ausgabe ja genau wiedergegeben: "Ist das Euer Ernst, dass wir weitersenden sollen? Das ist keine gute Entscheidung!" Wir wurden quasi gezwungen weiterzusenden, weil die "ARD" kein Alternativprogramm hatte und die Nachrichten wegen Wochenendschicht nicht ausreichend besetzt waren. Wie es Tom Bartels im "Spiegel"-Interview sagte: "Wir fühlten uns vom Sender sehr allein gelassen."
ran: Hattest Du danach noch Kontakt zur deutschen Mannschaft?
Opdenhövel: Die ganze Zeit. Die Kabine war ja direkt neben unserem kleinen Sendestudio. Jogi Löw kam zum Interview, Oliver Bierhoff, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Henrik Große Lefert. Nur die Spieler sollten und wollten nicht sprechen. Aber während die anderen Spielzusammenfassungen liefen, kamen sie rein und fragten uns, ob wir neue Informationen haben. Allen stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Und die Angst.
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ran: Wie ging es nach dem Spiel weiter?
Opdenhövel: Wir wurde noch sehr, sehr lange auf dem Sender gelassen und irgendwann hatten sie jemanden in Hamburg in der "Tagesschau" gefunden, die dann die weitere Berichterstattung übernahmen. Da war es aber schon fast zwei Uhr nachts. Unser Experte Mehmet Scholl hatte sich schon viel früher aus dem Programm verabschiedet. Er hat das nervlich einfach nicht mehr ausgehalten. Ich konnte es ihm nicht verdenken.
Opdenhövel: Über alle Ampeln "zum Hotel gerast"
ran: Wie bist Du nach Hause gekommen?
Opdenhövel: Wir haben uns irgendwann zu unserem Auto auf einem menschenleeren Parkplatz geschlichen. Ohne zu wissen, ob noch Attentäter frei rumlaufen würden. Dann sind wir ohne irgendeine Ampel zu beachten zum Hotel gerast. Wir konnten es nicht riskieren anzuhalten, weil wir nicht wussten, ob wir das dann überleben würden.
ran: Wie denkst Du heute im Rückblick über diese Nacht des Terrors?
Opdenhövel: Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Aber ich bin sehr froh, dass ich überhaupt noch eins habe!
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