Fußball
WM 2026 - Pierre Littbarski zum DFB-Team: "Habe keine Mannschaft gesehen, die besser war als Deutschland"
Aktualisiert:
von Christian Stüweran Fußball
DFB-Team: Sane-Kritik? Joshua Kimmich wird deutlich
Videoclip • 01:47 Min
Der Weltmeister von 1990 spricht im ran-Interview über die Leistung der deutschen Offensive gegen Curaçao. Littbarski äußert sich auch zur Joker-Rolle von Deniz Undav und erklärt, worauf es bei einer WM ankommt.
Pierre Littbarski ist ein echter WM-Experte. Bei den Weltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko schaffte er es mit der deutschen Nationalmannschaft bis ins Finale, bei der WM 1990 gewann er mit dem DFB-Team den Titel.
Das aktuell laufende Turnier in den USA, Kanada und Mexiko verfolgt "Litti" intensiv. Von der Leistung der deutschen Mannschaft beim 7:1 gegen Curaçao war die Legende des 1. FC Köln angetan.
Im exklusiven Interview mit ran analysiert der 66-Jährige die Leistung der deutschen Offensive. Littbarski spricht dabei über die Rollen von Leroy Sané und Deniz Undav.
ran: Pierre Littbarski, der 7:1-Sieg gegen Curaçao im ersten Gruppenspiel der WM war überzeugend. Wie hat Ihnen die Offensive des DFB-Teams gefallen?
Pierre Littbarski: Sehr gut. Ich habe in dem Spiel Sachen gesehen, die ich sehr lange so nicht gesehen habe. Das hat mich sehr erfreut. Speziell, dass unsere Mannschaft viele verschiedene Lösungen gefunden hat. Dass nicht nur eintönig auf eine Angriffsart gesetzt wurde. Besonders die Kombinationen durch die Mitte, diese Dreierkombinationen wie vor dem Führungstor durch Felix Nmecha – das war schon klasse!
ran: Die sieben Tore wurden von sechs verschiedenen Spielern erzielt. Könnte diese Torgefährlichkeit von verschiedenen Positionen zur großen Stärke der Nationalmannschaft bei dieser WM werden?
Littbarski: Auf alle Fälle. Wir sind viel schwieriger auszurechnen. Lange Zeit war es ja so, dass sich die gegnerischen Abwehrspieler sehr stark auf Florian Wirtz konzentrieren konnten. Und jetzt sind die beiden Spieler auf der Sechser- und Achter-Position torgefährlich geworden. Das gab es – mit Ausnahme von Leon Goretzka – sehr selten in den letzten Jahren. Das eröffnet Mannschaft und Trainer völlig neue Möglichkeiten. Die gegnerischen Abwehrspieler müssen jetzt auch auf die Spieler aus der zweiten Reihe aufpassen. Das fand ich super interessant.
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Littbarski: Hier hat das DFB-Team noch Verbesserungsbedarf
ran: Trotz der sieben Tore: Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?
Littbarski: Ich würde nicht sagen, dass es Verbesserungsbedarf gibt. Ich finde, die Mannschaft sollte genau so weiterspielen. Ich bin immer ein Kritiker von Leroy Sané gewesen, aber gegen Curaçao fand ich auch ihn gut. Er hat seine Torchancen gehabt. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn er ein Erfolgserlebnis gehabt hätte. Wir haben auch noch gute Spieler in der Hinterhand. Man könnte zum Beispiel probieren, mit Jamie Leweling über die rechte Seite noch mehr hinter die Abwehr zu kommen. Aber insgesamt gibt es keinen Grund, viel zu ändern.
ran: Sie haben vor der WM die Nominierung von Leroy Sané und die Nichtnominierung des Kölners Saïd El Mala kritisiert. Hat Sané aus Ihrer Sicht nun seine Nominierung gerechtfertigt?
Littbarski: Was heißt gerechtfertigt? Ich bewerte immer nur das, was die Spieler zuletzt gezeigt haben. Vor der WM fand ich, dass Sané nicht so gut gespielt hat - und jetzt hat er gut gespielt. Das gibt dem Trainer recht. Und wir freuen uns am Ende alle, wenn wir erfolgreich sind. Das war eine Leistung von Sané, auf die man aufbauen kann.
Natürlich hört kein Spieler gerne, dass er ein sehr guter Joker ist.
ran: Deniz Undav hat nach seiner Einwechslung eine sehr gute Leistung gezeigt, ein Tor erzielt und zwei Treffer vorbereitet. Drängt er in die Startelf oder ist die Rolle als Joker perfekt für ihn?
Littbarski: Natürlich hört kein Spieler gerne, dass er ein sehr guter Joker ist. Aber ich glaube einfach, dass wir jetzt in dieser Konstellation sehr gut aufgestellt sind. Jamal Musiala findet langsam seinen Rhythmus, links spielt Wirtz und rechts Sané, dazu vorne drin mit Kai Havertz ein sehr eckiger, unbequemer Spieler. Diese Spieler würde ich in der Startelf lassen. Dahinter haben wir dann mit Undav und Nick Woltemade zwei gute Waffen, das gibt dem Bundestrainer Möglichkeiten.
ran: André Schürrle stand bei der WM 2014 nie in der Startelf, hatte mit seinen Toren und Vorlagen aber großen Anteil am Titelgewinn. Was zeigt, wie wichtig ein starker Joker wie Undav bei einer WM werden kann…
Littbarski: Absolut. Der Junge hat einfach einen Lauf. Das wissen die Gegner auch. Je schwieriger die Spiele werden, desto wichtiger wird es, Alternativen zu haben. Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft bei dieser WM acht Spiele haben wird. Und dann kommt es natürlich immer mal zu Formschwankungen bei Spielern. Deshalb ist es wichtig, eine Startelf zu haben – aber eben auch Leute dahinter, die auf dem gleichen Level sind.
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DFB-Team: Littbarski über die Elfenbeinküste
ran: Nun steht am Samstag das zweite Spiel gegen die Elfenbeinküste an. Könnte es Sinn machen, für diese Partie auf die Wucht von Woltemade zu setzen?
Littbarski: Nein, in der Offensive mache ich mir keine Sorgen. Aber die Elfenbeinküste hat mit Yan Diomande und Elye Wahi zwei flinke Stürmer im Team. Und die können insgesamt ein bisschen besser Fußball spielen als Curaçao. Das wird ein ganz anderes Spiel, da muss man vor allem im Umschaltspiel aufpassen. Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah sind nicht super schnell, die haben andere Stärken. Aber Nathaniel Brown ist sehr schnell und Joshua Kimmich steht mit seiner Erfahrung immer richtig. Die Außenverteidiger müssen gegen die schnellen Stürmer der Elfenbeinküste mithelfen.
ran: Sie standen mit der deutschen Mannschaft 1982 und 1986 im WM-Finale und haben 1990 den Titel geholt. Was braucht es, um bei so einem langen Turnier wie in den USA so weit zu kommen?
Littbarski: Einen langen Atem. Man muss die Stimmung hochhalten. Es gibt immer kleine Unstimmigkeiten, die gab es bei uns auch. Dann muss man schauen, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert. Außerdem muss man die Daumen drücken, dass sich niemand verletzt. Eine Verletzung bringt immer Unruhe rein und der Trainer ist gezwungen, umzustellen. Das sind die Kriterien, die wichtig sind.
ran: Denken Sie, die deutsche Mannschaft kann es diesmal wieder so weit im Turnier schaffen?
Littbarski: Ich habe an den ersten Spieltagen jedes Spiel gesehen und ich habe dabei keine Mannschaft gesehen, die besser war als Deutschland. Frankreich war beim 3:1-Sieg gegen Senegal noch einen Tick stärker. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken.
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