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Olympia 2026: Dezentralisierung, Chaos und das Märchen von der Nachhaltigkeit - ein Kommentar
Aktualisiert:
von ran.de/Philipp Kubießaran Olympia
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Videoclip • 03:36 Min
Milano Cortina 2026 liefert Weltklassesport vor atemberaubender Kulisse. Doch wer den Blick von den Pisten abwendet, erblickt ein anderes Bild: Endlose Buskolonnen, leere Shuttles und fehlendes Olympia-Gefühl. Klingt nicht schön, was sich in den Dolomiten abgespielt hat, ist aber wahrscheinlich die Zukunft der Winterspiele - ein Kommentar.
Von den Olympischen Spielen in Milano Cortina berichtet Philipp Kubießa
Auf den Strecken von und nach Cortina rollen als Shuttles genutzte Reisebusse halb leer durch die Dolomiten.
Die Straßen von und nach Antholz sind hingegen proppenvoll. Busse, Autos, aufgereiht wie an einer Perlenschnur. 20.000 Menschen müssen irgendwie in das schmale Tal rein und wieder raus kommen.
Beim normalen Biathlon-Weltcup funktioniert die An- und Abreise in Antholz Jahr für Jahr reibungslos. Warum versagt das System bei Olympia? Weil offenbar niemand auf lokale Spezialisten gehört hat, die wissen, wie diese Pässe und Orte funktionieren.
Olympia 2026: Dezentralisierung als Fluch und Segen
Wer Winterspiele in den Alpen haben will, muss mit Dezentralisierung leben – das ist geografische Realität. Die Spiele waren auf rund 22.000 Quadratkilometer verteilt, 2030 in den französischen Alpen wird es noch weiträumiger.
Orte wie Predazzo, Tesero, Livigno und Bormio liegen jedoch schlicht zu weit ab vom Schuss. Die Anreise ist beschwerlich, die Tribünen bei Abendwettbewerben sind teils dünn besetzt.
Das IOC verweist auf 1,27 Millionen verkaufte Tickets – doch leere Sitze erzählen eine andere Geschichte.
IOC-Präsidentin lobt Nachhaltigkeit – die Realität sieht anders aus
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry unterstreicht in ihrem Olympia-Fazit ausdrücklich die Nachhaltigkeit dieser Spiele. Doch genau das ist schwer nachzuvollziehen.
Hunderte Busse fahren zwischen den Wettkampforten hin und her, teils mit einer Handvoll Passagiere. Das ist kein nachhaltiges Mobilitätskonzept – das ist ein CO2-Desaster mit olympischen Ringen drauf.
Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Leere Reisebusse auf Bergstraßen sind das Gegenteil davon.
Athleten vermissen das olympische Flair
Dazu kommt Kritik aus dem Athletenlager: Die einzelnen Cluster versprühen kein olympisches Flair. Statt des besonderen Moments, der Olympia von jedem anderen Wettkampf unterscheidet, fühlen sich Bormio und Antholz für viele Aktive an wie ein langer, medienschwerer Weltcup.
DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier hatte im Vorfeld sogar von „Spielen zweiter Klasse” gesprochen. Dabei hat Cortina 2021 mit der alpinen Ski-WM bewiesen, dass Großereignisse in den Dolomiten funktionieren können.
Das Potenzial war vorhanden – es wurde nur nicht konsequent genutzt.
Hört auf die Experten vor Ort
Immer wieder wird für Winterspiele ein Rotationsprinzip mit festen Austragungsorten diskutiert – das wäre ehrlicher als Nachhaltigkeitsversprechen, die sich im Stau hinter leeren Bussen auflösen.
Olympia in den Alpen bleibt eine gute Idee.
Aber nur, wenn man auf jene hört, die die Orte, die Pässe und die Menschenströme kennen – und aufhört, Buskolonnen als grüne Erfolgsstory zu vermarkten.
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