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NFL: "Verwirrendste Wahl des Draft" - US-Experten kritisieren Klein-Pick der Texans
Veröffentlicht:
von Luis WoppmannNFL
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Videoclip • 01:27 Min
Die Auswahl von Marlin Klein ist ein großer Moment für Football‑Deutschland. In den USA sieht man die Verpflichtung des Tight End allerdings deutlich kritischer. Aber wie gut passt das Talent zu den Houston Texans und wie stehen seine Chancen auf Einsatzzeit in der NFL?
Es war eine der größten Überraschungen im diesjährigen Draft: Die Houston Texans wählten Marlin Klein bereits mit dem 59. Pick in Runde zwei aus - und das, obwohl er von vielen Experten eher als Dritt- oder Viertrundenpick gesehen wurde.
Damit wird der Kölner der am dritthöchsten gedraftete deutsche NFL-Spieler nach Björn Werner (Pick 24) und Sebastian Vollmer (Pick 58). Auf Skill-Positionen gab es bisher noch kein deutsches Talent, das seinen Namen früher hören durfte. In den USA sehen viele Draft-Experten die frühe Auswahl des 23-Jährigen allerdings äußerst kritisch.
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"Die bislang verwirrendste Wahl des gesamten Drafts" - Draft-Experten zerreißen Klein-Pick
Jared Koch, Texans-Reporter bei "Sports Illustrated", gab dem Pick beispielsweise eine C-Note. Dabei schrieb er: "Er ist nicht ganz so spektakulär wie einige andere potenzielle Tight Ends, die im Passspiel vielleicht einen größeren Eindruck hinterlassen würden. Allerdings deckt er einen großen Bedarf, den Houston in den frühen bis mittleren Runden des Drafts unbedingt decken wollte."
Und weiter: "Gleichzeitig steht außer Frage, dass es ziemlich überraschend ist, Kleins Namen vor einigen anderen großen Namen auf dieser Position zu sehen, und das lässt die Entscheidung, ihn mit einem Pick unter den Top 60 zu holen, etwas übertrieben wirken." Laut Koch wäre es sinnvoller gewesen, Klein im Bereich der 80er- und 90er-Picks auszuwählen.
Auch Brent Sobleski, NFL-Reporter für "Bleacher Report", kritisierte die Auswahl: "Ähnlich wie ihr Divisionsrivale (Jaguars-Pick für Nate Boerkircher, Anm. d. Red.) drei Picks zuvor haben sich die Houston Texans bei der Wahl eines Tight-End-Talents etwas voreilig verhalten. Allerdings ist diese Wahl sinnvoller, da Klein mehr Potenzial bietet, da er erst spät zum Football gekommen ist." Dennoch gab er dem Pick eine D-Note.
Mel Kiper Jr., Draft-Analyst für "ESPN", fand noch deutlichere Worte: "Ehrlich gesagt war diese Wahl noch schlechter als die von Boerkircher. Er war nicht einmal unter meinen Top 150 und schaffte es gerade so unter die Top 10 meiner Tight-End-Liste. Klein hat es noch nicht wirklich auf die Reihe bekommen und muss an seiner Kraft in Zweikampfsituationen sowie am Blocken arbeiten."
Mike Renner, Draft-Analyst für "CBS Sports", ging sogar noch einen Schritt weiter. Er bewertete die Auswahl des Deutschen mit der Note D- und als schlechteste der zweiten Runde. Dazu schrieb er: "Die bislang verwirrendste Wahl des gesamten Drafts. Die Texans haben nicht nur eine ganze Reihe kürzlich gedrafteter Tight Ends in ihrem Kader, sondern auch Dalton Schultz und den kürzlich unter Vertrag genommenen Foster Moreau."
Und weiter: "Klein mag zwar aufgrund seiner Football-Neulingsrolle ein wenig faszinierend sein, aber er ist etwas zu steif, um als vielversprechender Route-Runner zu gelten."
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NFL: Wie stehen Kleins Chancen bei den Houston Texans?
Viele Scouts und Experten loben vor allem Kleins Blockingarbeit im Run Game. Die amerikanische Webseite "Pro Football Focus", die NFL- und NCAA-Division-I-Spieler analysiert, bewertete den Tight End mit einem Pass-Blocking-Wert von 77.3 über 75 Spielzüge hinweg. Damit befindet er sich im guten bzw. überdurchschnittlichen Bereich.
Gerade diese Stärke hat wohl auch dazu geführt, dass die Texans so früh zugeschlagen haben: Die Offensive Line erlebte in der Offseason einige Veränderungen, um C.J. Stroud in Zukunft besser zu beschützen. Unter anderem kamen dabei Tackle Braden Smith und Guard Wyatt Teller nach Houston. Klein soll zukünftig wohl helfen, die neu formierte O-Line beim Blocken zu unterstützen.
Einige Medien schätzen den 23-Jährigen zudem als deutlich besseren Passempfänger ein, als es seine College-Stats vermuten lassen. Der Draft-Experte Dane Brugler von "The Athletic" hob Klein beispielsweise als großen Passempfänger mit großer Spannweite hervor, der geschmeidig an Geschwindigkeit gewinne und dank seiner Schnelligkeit auf engem Raum sauber aus der Deckung ausbrechen könne.
Bei den Texans wird in der kommenden Saison Schultz auf der Position des Tight Ends starten. Der 29-Jährige geht in seine vierte Saison in Houston und verbuchte in der abgelaufenen Spielzeit 777 Receiving Yards sowie drei Touchdowns. Von ihm kann Klein viel lernen, nicht zuletzt, weil er selbst oft mit Schultz verglichen wurde, der ebenfalls dafür bekannt ist, ein verlässlicher Blocker im Run Game zu sein.
Hinter dem Starter wird der Deutsche mit Cade Stover, Brevin Jordan und dem neu verpflichteten Moreau um die Rolle des Backups konkurrieren. Die Tiefe auf der Tight-End-Position wurde im Vorfeld des Drafts als klare Schwachstelle im Kader der Franchise ausgemacht, auch wegen der Verletzungsanfälligkeit der bisherigen Spieler auf der Position.
Jordan riss sich im August vergangenen Jahres das Kreuzband und fiel dadurch für die gesamte Saison aus. Im diesjährigen Playoff-Spiel gegen die New England Patriots verletzte sich erst Schultz an der Wade, ehe auch Stover mit einer Knieverletzung vom Feld musste.
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