NBA
NBA - Orlando Magic vor der Offseason: Trainer weg - aber das kann noch nicht alles sein
Veröffentlicht:
von Ole Frerksran NBA Basketball
NBA-Star im Liebes-Zoff: Rap-Queen erhebt schwere Vorwürfe
Videoclip • 01:35 Min
Die Orlando Magic haben kurz nach ihrem Ausscheiden aus den Playoffs ihren Head Coach Jamahl Mosley entlassen. Der Schritt überraschte nicht, auch wenn sich das Team gegen Detroit zuvor sehr achtbar verkauft hatte. Trotzdem fehlt den Magic wohl nicht nur ein neuer Übungsleiter, um endlich die nächste Stufe ihrer Entwicklung zu erreichen.
Von Sieg zu Niederlage ist es manchmal nicht weit, vom potenziell historischen Upset zum historischen Kollaps ebenso wenig. Jobsicherheit vs. Entlassung? Gleiches Thema. Wobei wir natürlich nie wissen werden, ob ein Sieg aus den letzten drei Spielen zwischen Orlando und Detroit Jamahl Mosleys Job tatsächlich gerettet hätte.
Ob ein Team, das in dem Fall trotz enttäuschender Saison auf einmal den First-Seed der Conference eliminiert hätte, ein "weiter so!" seitens der Franchise vernommen hätte, wenn nicht beispielsweise – und das ist nun mal tatsächlich passiert – in der zweiten Hälfte von Game 6 ein 24-Punkte-Vorsprung vertändelt worden wäre, mit der offensiv schlechtesten Halbzeit der NBA-Geschichte. Wäre das alles auch passiert, wenn Franz Wagner die letzten drei Spiele der Serie nicht verletzungsbedingt allesamt verpasst hätte?
Es ist unerheblich: Die Magic sind raus, trotz ihrer 3-1-Führung gegen die Pistons. Und Mosley ist weg, wie bereits vor dem Beginn der Postseason von vielen Seiten spekuliert wurde. Seither hatte sich zwar manches geändert – aber offensichtlich nicht genug. Was automatisch zur Frage führt, ob ein Trainerwechsel denn nun wirklich alles war, was dieser Franchise gefehlt hat.
Keine Demontage geplant
Jeff Weltman hat dies in gewisser Weise bereits bejaht: Der Team-Präsident sagte im Zuge der Mosley-Entlassung, er wolle das Team nicht "demontieren", verwies mehrfach darauf, wie gut die Mannschaft bisweilen ausgesehen habe, wenn denn mal alle Spieler gesund waren. Auch in der Postseason.
"Was passiert ist, ist, dass wir mit 3-1 gegen das beste Team im Osten geführt haben, und dann hat sich Franz verletzt. Es hat die Serie verändert", sagte Weltman: "Wenn gesund, waren wir ein Top-5-Team defensiv und Top 10 in der Offense. Wir haben manches von dem gesehen, was wir sehen wollten. Deswegen möchte ich nicht alles einreißen wegen der Art und Weise, wie die Saison geendet ist, vor allem wegen einer Halbzeit."
Einerseits ist das eine verständliche Perspektive. Die geplante Starting Five der Magic um Wagner, Jalen Suggs, Neuzugang Desmond Bane, Paolo Banchero und Wendell Carter Jr. absolvierte in der Regular Season bloß 19 Spiele, was zur enttäuschenden Gesamtbilanz (45-37) einiges beitrug. Das Net-Rating dieser Fünf betrug +11,6, das deutet an, dass andernfalls tatsächlich mehr drin gewesen wäre.
Gegen Detroit war das nicht anders. Hier betrug das Net-Rating dieser Fünf sogar +14,7, mit Wagner wirkten die Magic balancierter und dabei nicht weniger physisch imposant als Detroit. Es ist gut möglich, dass sie die Serie mit dem Berliner im Lineup tatsächlich gewonnen hätten, zumal er auch gegen Pistons-Star Cade Cunningham die beste Defensiv-Option darstellte.
Mehr Videos zur NBA
Zu wenig Plan
Andererseits macht es sich Weltman zu einfach damit, die Probleme des Teams allesamt auf Verletzungen zu schieben. Und auf Mosley. Der in seiner fünften Saison tatsächlich nicht den besten Job machte: Nie fand das Team Konstanz, die in den Vorjahren so elitäre Defense war nur selten zu sehen, von Rang 2 rauschte man ins Mittelmaß herab.
Noch problematischer jedoch war die fehlende Weiterentwicklung offensiv – teilweise auch die Planlosigkeit. Vor der Saison war Bane geholt worden, um das Spacing-Problem zu adressieren, und der Ex-Grizzly schlug durchaus ein (20,1 PPG, 39,1% Dreier). Das reichte jedoch nicht, zumal die Magic ihm während der Saison bloß 5,2 Abschlüsse von draußen pro Spiel verschafften, viel zu wenig eigentlich für einen Shooter seiner Klasse.
Zu oft blieb Orlandos Offense so statisch und vorhersehbar wie in den Vorjahren. Das grausigste Beispiel dafür war die zweite Hälfte von Game 6, in der Orlando 19 (!!!) Punkte auflegte, aber es war mitnichten das einzige. Ohne Wagner auf dem Court legten die Magic in der Serie gegen Detroit 99 Punkte pro 100 Ballbesitze auf.
Selbst mit guter Defense lassen sich mit solch einer offensiven Inkompetenz keine Playoff-Spiele gewinnen. Es ist legitim, hier über einen neuen Ansatz nachzudenken, also einen neuen Coach. Es ist aber ebenso legitim und auch notwendig, den Kader kritisch zu hinterfragen, die Arbeit von Weltman selbst.
Nur einer wirft verlässlich
Physis, Athletik und Defense wurden bei der Konstruktion der Magic recht offensichtlich priorisiert, in dieser Hinsicht macht der gesunden Version des Teams tatsächlich auch kaum jemand etwas vor. Was jedoch schmerzlich fehlt, auf fast allen Positionen (mit Ausnahme Banes), ist Shooting. Und (offensive) Spielintelligenz und Ballhandling, insbesondere im Backcourt.
Suggs ist ein großartiger Verteidiger und an guten Tagen auch als Shooter gefährlich, diese sind jedoch seit 23/24 (als er 39,7% von draußen traf) beständig weniger geworden und waren gegen Detroit non-existent. Als nomineller Point Guard ist er überdies ein zu wilder Decision-Maker, nicht in der Lage dazu, dem Team Ruhe oder Struktur zu geben.
Anthony Black bringt als sein primärer Backup viele dieser Probleme ebenfalls mit, genau wie die Verletzungsanfälligkeit. Der Versuch Weltmans, in der Offseason mit Tyus Jones einen erfahrenen Floor General als Ergänzung ins Team zu holen, scheiterte krachend. Was mit dazu führte, dass Bane mehr am Ball eingesetzt werden musste statt als Off-Ball-Shooter, wozu er eigentlich ja primär ins Team geholt wurde.
Das Hauptproblem bleibt
Die anderen "Point Guard"-Lösungen in Orlando sind die beiden Star-Forwards – wobei hier zwischen Banchero und Wagner große Unterschiede bestehen, gerade in Sachen Dynamik und Spieltempo. Was beide eint, ist die Fähigkeit, mit physischen Drives Richtung Korb zu gehen und dort entweder abzuschließen oder freie Schützen in den Ecken zu finden.
Selten profitieren sie dabei jedoch voneinander – weil beide selbst keine verlässlichen Schützen sind. Was sie mit beinahe dem gesamten restlichen Kader eint, in dem der zum Teil ebenfalls schwankende Tristan da Silva noch einen Lichtblick darstellte (37,4% von draußen): Als Team legten die Magic die viertschlechteste Dreierquote der Liga auf. Immerhin, im Vorjahr war es noch die schlechteste. Der Bane-Effekt, quasi, aber das ist eben immer noch schlecht.
Das Thema Shooting streift fast alle strukturellen Probleme, die Orlando als Offensiv-Team hat. Es begrenzt die Spielräume für Wagner und Banchero bei dem, was sie am besten können. Es führt auch dazu, dass die beiden besten Spieler des Teams offensiv nur bedingt kompatibel sind – wie es die On/Off-Zahlen nun schon seit Jahren andeuten:
- Magic seit 2024 mit Banchero, ohne Wagner auf dem Court: -3,1 Net-Rating
- mit Banchero und Wagner auf dem Court: +1,9 Net-Rating
- kein Banchero, kein Wagner auf dem Court: -2,6 Net-Rating
- mit Wagner, ohne Banchero auf dem Court: +8,3 Net-Rating
Was unterschiedlich interpretierbar ist. Sieht die gemeinsame Offense so schlecht aus, weil die umgebenden Spieler nicht werfen können, und wäre das Problem dadurch lösbar, dass anstelle von Suggs oder Carter Top-Schützen neben ihnen spielen? Oder ist es das Duo selbst, wäre es sinnvoller für Orlando, sich für einen zu entscheiden und den anderen für besser passende Spieler abzugeben? Brauchen die Magic kleine Tweaks oder einen Blockbuster, um als Team weiterzukommen?
Kommende Sport-Livestreams auf Joyn
Bald verfügbarSamstag, 09.05. 10:42 • Radsport
Giro d’Italia hier im Livestream
348 Min
Bald verfügbarSamstag, 09.05. 10:42 • Radsport
Giro d’Italia hier im Livestream
348 Min
Die Luxussteuer winkt
Jede Option sollte im Sommer zumindest diskutiert werden. Zumal die Magic das Zeitfenster hinter sich haben, in dem sie abwarten können. Den Luxus eines günstigen Kaders mit etlichen Rookie-Verträgen haben sie nicht mehr.
Mit Bancheros neuem Vertrag haben die Magic Stand jetzt vier Spieler für 26/27 unter Vertrag, die mindestens 32 Millionen Dollar pro Jahr verdienen (Wagner, Banchero, Bane und Suggs) - das sind die meisten aller Teams. Black ist ein Extension-Kandidat und dürfte vermutlich auch nicht weniger fordern als den Vertrag, den Suggs bekommen hat.
Stand jetzt wäre Orlando ein Luxussteuer-Team in der kommenden Saison, nur knapp vier Millionen Dollar vom Second Apron entfernt – was Moritz Wagner beispielsweise noch nicht einschließt, der als Unrestricted Free Agent in die Offseason geht. Es ist völlig unklar, wie Orlando mit ihm verfährt, nachdem ihn Mosley zuletzt kaum noch berücksichtigte.
Vor seinem Kreuzbandriss im Dezember 2024 war Wagner einer der wertvollsten Bankspieler der Liga und Teil einer Bank, die generell oft zu den größten Stärken des Teams zählte. Nach seinem Comeback kam er individuell noch nicht wieder auf dieses Level (6,9 Punkte bei 42,6%), als Team erzielten die Magic die fünftwenigsten Bank-Punkte der Liga.
Orlando hat zwar etwas Spielraum dank des ungarantierten Vertrags von Jonathan Isaac, der seinerseits komplett aus der Rotation flog – selbst ohne diesen Deal läuft man aber Gefahr, eins der teuersten Teams der Liga zu werden, wenn kein Großverdiener abgegeben wird. Was wenig Sinn ergäbe bei einem Team, das noch nie eine Playoff-Runde gewinnen konnte.
Weshalb es verständlich ist, dass Banchero am Sonntag nach dem Aus seines Teams eine ambivalente Antwort gab, als er danach gefragt wurde, ob das Team für den nächsten Schritt genug habe. "Ich kann das nicht wirklich beantworten. Ich möchte Ja sagen, aber wir haben noch nie die erste Runde überstanden. Wenn man also nach den letzten drei Jahren geht, lautet die Antwort Nein. Aber die nette Antwort wäre Ja. Ich kann aber nicht ehrlich sagen, dass wir gut genug sind, um die Finals oder die Ost-Finals zu erreichen, weil wir über die letzten Jahre immer das gleiche Resultat eingefahren haben. Das ist also die Antwort", sagte der 23-Jährige.
Eine faire Antwort. Die Magic stehen vor einem Sommer, in dem unterm Strich alles auf dem Prüfstand stehen muss. Nicht nur der Coach.
Mehr NBA-News
NBA
NBA-Playoffs live: Runde zwei in vollem Gange - alle Infos zu Terminen, Spielplan und TV-Übertragungen

NBA
NBA: Nächste Pleite für Schröder und Cleveland

NBA
Brunson entscheidet engstes Playoff-Spiel seit 13 Jahren

NBA
NBA-Playoffs: OKC überragt, Cavs verlieren

NBA
NBA-Playoffs: Knicks dominieren 76ers - Spurs verlieren

NBA
Mavs legen sich fest - Nachfolger von Harrison steht fest




