3. Liga
3. Liga - Markus Schwabl im ran-Interview zu 1860 München: "Dafür gibt es seit 30 Jahren keine Erklärung"
Aktualisiert:
von Andreas Reinersran Fußball
3. Liga oder Camp Nou? Fans verspotten Barca-Kurve
Videoclip • 01:18 Min
Graues Mittelfeld? Oder doch Aufstieg? Was kann 1860 München wirklich? Wir haben uns mit Markus Schwabl über die aktuelle Mannschaft, aber auch die Eigenheiten des speziellen Klubs unterhalten.
Das Interview führte Andreas Reiners
1860 München ist immer für eine Überraschung gut.
Das kann im Erfolgsfall sehr positiv sein. Doch umgekehrt ist auch der negative Effekt nicht zu unterschätzen, wenn es mal nicht läuft.
Auch in dieser Saison sind die "Löwen" eine Wundertüte. Erst zuletzt erwachten nach seiner Positivserie die Aufstiegsträume, ehe es in Duisburg eine empfindliche Niederlage setzte.
Trotzdem: Fünf Punkte Rückstand sind es nach dem 30. Spieltag auf den Relegationsplatz, sechs Zähler auf den Zweiten. Was also kann 1860 München wirklich?
"Wenn du in dieser Liga fünf Spiele in Folge gewinnst, dann hast du grundsätzlich die Qualität, aufzusteigen. Aber: Wenn du es wirklich schaffen willst, gehört da mehr dazu", sagt der frühere Löwe Markus Schwabl.
Der Experte und Sportdirektor der SpVgg Unterhaching hat mit ran über das Phänomen 1860 gesprochen - und die Chancen auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Die nächsten Livestreams
Bald verfügbarDienstag, 31.03. 17:30 • Fussball
U21 EM-Qualifikation: Griechenland-Deutschland im Livestream
165 Min
Bald verfügbarDienstag, 31.03. 17:30 • Fussball
U21 EM-Qualifikation: Griechenland-Deutschland im Livestream
165 Min
Bald verfügbarDienstag, 31.03. 19:15 • Eishockey
DEL-Playoffs: Viertelfinale, 4. Spieltag im Livestream
165 Min
Bald verfügbarDienstag, 31.03. 19:15 • Eishockey
DEL-Playoffs: Viertelfinale, 4. Spieltag im Livestream
165 Min
1860-Pleite in Duisburg: Natürlich ein Nackenschlag
ran: Herr Schwabl, 1860 hatte zuletzt eine Serie gestartet, jetzt gab es die Niederlage in Duisburg. Wie bitter ist die?
Markus Schwabl: Maximal bitter. Vor allem, wenn man sich anschaut, wie sie zustande gekommen ist und in welcher Situation man war. Nach sechs Spielen mit fünf Siegen tut so eine Niederlage natürlich richtig weh.
ran: Was sagt diese Niederlage über die Mannschaft aus?
Schwabl: Das würde ich gar nicht überbewerten. Wenn du fünf Spiele gewinnst und danach gegen Wiesbaden unentschieden spielst, dann ist das erst mal eine gute Phase. Und in Duisburg zu spielen, ist ohnehin alles andere als einfach. Ich finde auch nicht, dass die Mannschaft ein schlechtes Spiel gemacht hat – im Gegenteil. Am Ende ist es eine Szene kurz vor Schluss, ein Moment der Unaufmerksamkeit, und plötzlich steht es 1:2. Und dann entsteht sofort wieder das Gefühl, als wäre es das gewesen - so wie es rund um 60 schnell passiert.
ran: Welche Folgen hat diese Niederlage denn für 1860?
Schwabl: Ich glaube schon, dass das etwas mit einer Mannschaft und auch mit dem ganzen Verein macht. Du warst gerade dabei, in einen Flow zu kommen, eigentlich zum perfekten Zeitpunkt der Saison. Und dann ist so ein Spiel natürlich ein Nackenschlag. Gerade auch, weil Duisburg zuletzt nicht in Bestform war und etwas strauchelte. Ein Sieg dort wäre ein echtes Ausrufezeichen gewesen. Trotzdem: Ich glaube nicht, dass das die Mannschaft komplett aus der Bahn wirft. Aber es tut erstmal weh, ja.
ran: Es ist eine Saison mit Höhen und Tiefen. Wo steht 1860 wirklich?
Schwabl: Wenn man rein die Qualität auf dem Papier nimmt, gehört 1860 definitiv nach oben. Das Problem ist eher die Konstanz. Diese Schwankungen ziehen sich durch die ganze Saison. Was auffällt: Sie gewinnen auch Spiele, in denen sie nicht unbedingt die bessere Mannschaft sind. Bestes Beispiel war das Spiel gegen Rostock – das musst du eigentlich nicht gewinnen, aber sie haben es gezogen. Und genau das ist in der 3. Liga entscheidend. Wenn du mal in einen Lauf kommst, bist du sofort wieder oben dran. Trotzdem ist die Mannschaft schwer einzuordnen. Für mich fehlt vorne ein Stück Durchschlagskraft. Im Vergleich zu den anderen Top-Teams schießen sie zu wenig Tore. Defensiv stehen sie ordentlich, das ist die Basis. Aber die Konkurrenz hat einfach mehr Offensivpower und dadurch am Ende auch mehr Punkte.
ran: Ist das Team wirklich aufstiegsreif?
Schwabl: Wenn du in dieser Liga fünf Spiele in Folge gewinnst, dann hast du grundsätzlich die Qualität, aufzusteigen. Aber: Wenn du es wirklich schaffen willst, gehört da mehr dazu. Wenn ich mir zum Beispiel Osnabrück anschaue – die spielen extrem effizient. Kaum Gegentore, viele enge Siege, mal ein 1:0, mal ein 2:1. Das ist dieses "abgezockte", was in dieser Liga extrem wichtig ist. Und genau das sehe ich bei vielen Mannschaften – auch bei 1860 – nicht konstant genug. Deshalb ist die Frage gar nicht so leicht zu beantworten. In der 3. Liga entscheidet oft der Lauf, und den hatte 1860 zuletzt.
ran: Ist es am Ende vor allem die Offensive, die 1860 fehlt oder steckt noch mehr dahinter?
Schwabl: Diese einfache Formel gibt es ja immer: starke Defensive plus ein Stürmer mit 20, 25 Toren, dann steigst du auf. Bei 1860 ist es eher gleichmäßig verteilt. Vielleicht fehlt dazu auch die absolute Dominanz im Spiel. Wenn du dir die Saison anschaust, gibt es nur wenige Teams, die Spiele wirklich komplett kontrollieren. Verl über beinahe die ganze Saison oder zeitweise Cottbus – aber ansonsten ist das in dieser Liga selten. Deshalb ist es auch so schwer zu greifen, woran es konkret liegt. Ein Muster zieht sich aber durch: Immer wenn 1860 oben dran ist und es richtig ernst wird, kommt dieser Dämpfer. Das war früher schon so – und das war jetzt in Duisburg wieder der Fall. So ist es jetzt wieder ein kleiner Rückschlag – aber in dieser Liga ist trotzdem noch alles drin.
Markus Schwabl über das "gewohnte Leid" bei 1860 München
ran: Inwiefern ist das typisch 1860?
Schwabl: Du bist auf einem guten Weg, arbeitest dich nach oben, bist plötzlich voll drin im Rennen – und genau dann kommen diese Spiele, die du nicht gewinnst. Und damit ist die Euphorie sofort wieder weg. Das ist dieses "gewohnte Leid" bei 1860: Wenn es richtig ernst wird, fehlt oft der letzte Schritt. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Aber auch im Umfeld merkst du das extrem: Entweder totale Euphorie oder komplette Ernüchterung. Dazwischen gibt es wenig. Und genau das macht den Verein ja auch aus.
ran: Sie kennen das schon länger …
Schwabl: Ich habe mit 1860 seit meiner Kindheit zu tun, seit ich drei Jahre alt bin. Mein Vater war ja damals als Kapitän selbst involviert. Ich habe selbst bei 60 gespielt und hatte in einem Jahr vier Trainer. Dieser Verein kommt einfach nie wirklich zur Ruhe. Das Umfeld ist emotional, ungeduldig und erwartet viel. Es läuft alles, man hat das Gefühl, jetzt geht’s nach oben und dann passiert irgendetwas völlig Unvorhergesehenes. Das ist typisch 1860. Und dafür gibt es seit 30 Jahren keine Erklärung.
ran: Ist diese extreme Stimmungslage eher hinderlich?
Schwabl: Das haben viele Traditionsvereine. Förderlich ist es aber eher nicht. Du hast einfach permanent Druck von außen, von Fans, von Medien, von allen. Dieses "mal in Ruhe arbeiten" gibt es kaum. Auf der anderen Seite: Wenn du in einen Lauf kommst, kann genau diese Wucht dich auch tragen. Dann ist sofort wieder eine riesige Energie da, die dich pushen kann. Aber genau das kippt auch schnell ins Gegenteil. Denn dieser Push wird genauso schnell zum Druck, und der ist für eine Mannschaft dann extrem zu spüren. Es ist beides, Fluch und Segen zugleich.
ran: Von Präsident Gernot Mang stammt der Spruch: "Ihr habt fünf Spiele nacheinander gewonnen, im Jahr 2026 nur ein Spiel verloren. Und jetzt sagt mir mal, warum sollten wir die letzten neun Spiele nicht auch gewinnen? Das sind Gegner, die sind machbar". Dann gab es die Niederlage in Duisburg. Helfen diese Ansagen oder sorgen Sie nur unnötig für Druck?
Schwabl: Ich glaube nicht, dass das in der Mannschaft groß etwas auslöst. Die Spieler interessiert das in der Regel wenig, was von außen gesagt wird. Grundsätzlich finde ich es auch legitim, so etwas zu sagen. Wenn du fünf Spiele in Folge gewonnen hast, kannst du auch selbstbewusst auftreten und sagen: Warum sollen wir nicht auch die nächsten gewinnen? Gerade in der 3. Liga ist das keine unrealistische Aussage: Du kannst hier jedes Spiel gewinnen, aber eben auch jedes verlieren. Aber klar: Wenn du danach verlierst, wird dir so ein Zitat natürlich sofort wieder vorgehalten. Dann heißt es: "Da hat einer von neun Siegen gesprochen, und prompt verlieren sie das nächste Spiel." Das ist dann wieder typisch für das Umfeld und die mediale Dynamik rund um Traditionsvereine.
ran: Welche Figur gibt der Präsident aktuell ab? Wie bewerten Sie sein Auftreten und seine Amtszeit?
Schwabl: Du kannst dich als Verantwortlicher bei 1860 nicht jedes Jahr hinstellen und sagen: "Mal schauen, was passiert", dafür waren auch die Transfers in diesem Sommer zu namhaft. Der Anspruch ist ja klar: Eigentlich musst du mit diesem Klub nach oben. Natürlich bewegst du dich damit immer auf dünnem Eis. Wenn du dich weit rauslehnst, bekommst du bei Rückschlägen sofort Gegenwind.
Mehr Fußball-Videos:
1860 München: Aufstieg ein Muss?
ran: Muss 1860 aufsteigen?
Schwabl: Ich glaube, mit Blick auf die Erwartungshaltung und die finanziellen Rahmenbedingungen gilt das grundsätzlich für viele Vereine in der 3. Liga. Auf Dauer ist diese Liga für viele Klubs wirtschaftlich kaum tragfähig, bei 1860 gleich fünfmal nicht. Deshalb würde ich schon sagen: Ja, dieser Klub muss bald mal aufsteigen.
ran: Wie bewerten Sie das Restprogramm, gerade mit Blick auf direkte Duelle gegen Konkurrenten wie Cottbus und Verl?
Schwabl: Wenn du den Anspruch hast, wirklich noch oben anzugreifen, dann musst du diese Spiele gewinnen, gerade die direkten Duelle. Und wenn man sich das restliche Programm anschaut: Da sind einige Gegner dabei, für die es tabellarisch um nicht mehr allzu viel geht. Von den verbleibenden Spielen musst du, wenn du ernsthaft noch oben rein willst, sechs oder sieben gewinnen. Da brauchen wir uns nichts vormachen.
ran: Wer steigt am Ende auf?
Schwabl: Osnabrück wird für mich hochgehen, relativ klar. Ich glaube auch, dass Verl noch eine Rolle im Kampf um den Relegationsplatz spielen kann. Und dahinter ist es offen. Cottbus schwächelt gerade ein bisschen, Essen kommt wieder stark rein und ist aktuell Zweiter. Rostock wirkt auch wieder sehr stabil. Da ist viel Bewegung drin. Aber: 1860 sehe ich im Moment nicht als Top-Favoriten in diesem Feld.
ran: Was braucht diese Mannschaft, um sich für die Zukunft besser aufzustellen?
Schwabl: Grundsätzlich brauchst du immer einen Stürmer, der dir 20 bis 25 Tore garantiert. Ich glaube aber, dass 1860 diese Qualität im Kader hat. Spieler wie Sigurd Haugen oder Patrick Hobsch sind grundsätzlich in der Lage, solche Zahlen zu liefern. Der entscheidende Punkt ist eher die Spielidee. Aktuell wird viel über Tempo gespielt. Das kommt manchen Spielertypen entgegen, anderen weniger. Ein klassischer Strafraumstürmer wie Hobsch profitiert davon zum Beispiel nicht optimal. Da hängt also viel davon ab, wie der Trainer spielen lassen will. Wenn du eine klare Spielidee hast und die konsequent durchziehst, kannst du gezielter Spieler dafür holen, anstatt jedes Jahr alles umzubauen. Defensiv steht die Mannschaft inzwischen stabiler, gerade im Vergleich zum Saisonbeginn. Und im Kader steckt grundsätzlich enorme Klasse. Die größere Herausforderung ist, die vorhandene Qualität konstant auf den Platz zu bringen, Woche für Woche.
ran: Wie bewerten Sie die Arbeit des Trainers Markus Kauczinski, gerade nach dieser Entwicklung vom schwierigen Start hin zu einer starken Phase?
Schwabl: Ich fand schon damals, dass er eine Top-Lösung ist. Was ihn auszeichnet, ist seine Gelassenheit. Er hat eine gesunde Distanz zum Umfeld, und das ist bei einem Verein wie 1860 extrem wichtig. Er lässt sich nicht von der ganzen Folklore verrückt machen, bleibt ruhig und trifft klare Entscheidungen. Und das ist wichtig: Er schreckt auch vor unbequemen Entscheidungen nicht zurück. Das ist bei großen Traditionsvereinen in meinen Augen von enormer Bedeutung. Nur weil jemand lange im Klub ist oder eine besondere Verbindung hat, heißt das nicht automatisch, dass er immer spielt.
1860 München für die Zukunft "nicht schlecht aufgestellt"
ran: Wie ist der Klub insgesamt aufgestellt, auch mit Blick auf die Zukunft?
Schwabl: Einzelne Personalentscheidungen wirken sinnvoll. Gerade in der sportlichen Leitung bei Manfred Paula sehe ich Erfahrung und eine gewisse Ausstrahlung – das ist wichtig in so einem Umfeld. Ich glaube, dass der Verein aktuell nicht schlecht aufgestellt ist. Der entscheidende Punkt wird aber sein, ob man es schafft, auf Kontinuität zu setzen. Bei 1860 neigt man schnell dazu, Schnellschüsse zu tätigen.
ran: Woher kommt diese ständige Unruhe bei 1860?
Schwabl: In solchen Vereinen hast du ja fast immer unterschiedliche Lager. Da gibt es die Traditionalisten unter den Fans, die am Grünwalder Stadion hängen und sagen: Wir wollen dort bleiben. Die denken oft weniger darüber nach, was vor allem infrastrukturell nötig wäre, falls es wieder nach oben geht – also z.B. ob das Stadion überhaupt zweitligatauglich ist. Gleichzeitig lebt bei vielen noch die Vergangenheit. Die Erinnerung daran, dass 1860 damals nah dran war an der Champions League und in der Bundesliga spielte. Da will man wieder hin.
ran: Hohe Ziele sind ja erstmal nicht schlecht …
Schwabl: Aber du musst eben auch den Status quo betrachten: Wo steht der Klub aktuell? Und was braucht es, um diesen Weg überhaupt wieder gehen zu können? Genau da wird es schwierig, wenn du mehrere Lager hast. Das hat man ja über Jahre gesehen mit dem e.V. und der KGaA, die oft nicht in dieselbe Richtung gearbeitet, sondern sich gegenseitig blockiert haben. Dazu kommt Hasan Ismaik, der in Giesing kein unumstrittener Faktor ist. Wenn du diese unterschiedlichen Interessen nicht zusammenführst, wirst du langfristig keinen Erfolg haben. Denn auch das gehört zur Wahrheit: Ismaik hat viel Geld in den Klub gesteckt und erwartet natürlich auch, dass sich das irgendwann auszahlt. Auf der anderen Seite stehen Fans, die diese Rolle kritisch sehen. Genau diese Spannungen musst du moderieren.
ran: Es wirkt, als habe sich das im Moment beruhigt …
Schwabl: Die großen öffentlichen Konflikte sind weniger geworden. Früher hat man ja teilweise nur noch gegeneinander gearbeitet. Aktuell hat man eher das Gefühl, dass das nicht mehr die dominierenden Themen sind. Und genau das wäre entscheidend: Wenn es gelingt, in allen Bereichen einen gewissen Konsens zu finden, würde das dem Verein enorm helfen.
ran: Wie groß ist die Gefahr, dass die Stimmung wieder kippt?
Schwabl: Wir haben in der Vergangenheit oft genug gesehen, dass es manchmal nur einen Auslöser braucht. Gerade wenn es ruhig ist und sportlich läuft, reicht oft schon ein Thema, und plötzlich ist wieder Chaos da. Das kann sehr schnell gehen.
ran: Kommt man aus diesem Kreislauf überhaupt raus?
Schwabl: Das ist extrem schwierig. Wenn so ein Thema hochkocht, musst du es sauber moderieren, und das ist nicht einfach, weil du oft gar nicht genau weißt, wo es herkommt und wie es sich entwickelt. Die Balance zwischen den verschiedenen Gruppen zu finden, ist die größte Herausforderung.
ran: Was müsste sich grundsätzlich ändern, damit es bei 1860 langfristig stabiler wird?
Schwabl: Die Unruhe und die hohen Erwartungen wirst du bei so einem Verein nie komplett abstellen können. Das gehört einfach dazu. Ein passendes Bild ist: Es geht nicht darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, sondern den größten Schaden zu verhindern. Der Schlüssel liegt darin, die verschiedenen Parteien zusammenzubringen. Wenn Vereinsseite und Investor an einem Strang ziehen, hat das direkte Auswirkungen auf den sportlichen Erfolg. Es gibt ein gutes Beispiel.
ran: Welches?
Schwabl: Die Phase unter Michael Köllner. Damals hat er es als Trainer über einen längeren Zeitraum geschafft, das intern zu moderieren, die Parteien zusammenzubringen, es gab kaum öffentliche Konflikte und die Mannschaft war sportlich sehr nah am Aufstieg. Die Spieler bekommen diese Unruhe vielleicht nicht jeden Tag direkt mit, aber das Umfeld schon. Und diese Stimmung überträgt sich irgendwann. Wenn es im Hintergrund ständig brodelt, bleibt das nicht folgenlos.
1860 München: Maximale Power, enorme Fanbase
ran: Viele jüngere Fans kennen die großen Zeiten nur noch aus Erzählungen. Wie viel Power hat dieser Klub noch, wenn er wieder nach oben kommt?
Schwabl: Maximale Power. Allein die Fanbase ist enorm. Wenn 1860 aufsteigt, fahren auswärts Tausende Fans mit und das eigene Stadion ist sowieso immer voll. Dazu kommt die Stadt: In vielen Vierteln ist München eben doch blau geprägt. Wenn du da wieder sportlichen Erfolg reinbringst, kannst du in München etwas Brutales entfachen. Das Potenzial ist riesig, deshalb spricht man ja seit Jahren vom "schlafenden Riesen". Diesen Riesen zu wecken, ist der schwierige Teil. Das geht nicht über ein paar gewonnene Spiele, dafür brauchst du deutlich mehr.
ran: Wie war das zu Ihrer Zeit?
Schwabl: Wenn ich an meine Zeit zurückdenke – volle Stadien, alles in Blau, eine Atmosphäre, die du so selten erlebst. Das zeigt ja, welches Potenzial da vorhanden ist. Und das Entscheidende: Die Fans sind immer da. Egal, wie es läuft. Selbst wenn der Verein sportlich weiter abrutschen würde, würden die Leute trotzdem kommen. Das sind extrem leidensfähige Fans, die diesem Klub bedingungslos treu bleiben. Dieser Verein macht etwas mit den Menschen. Wenn du einmal 60er bist, dann bleibt das oft über Generationen hinweg. Wenn du diese Energie irgendwann wieder bündeln kannst, wird es richtig interessant.
ran: Wo sehen Sie den Klub in drei bis fünf Jahren?
Schwabl: Das ist kaum seriös zu beantworten. Bei 1860 kann es in einem Jahr gegen den Abstieg gehen und im nächsten plötzlich wieder um den Aufstieg. Diese Schwankungen machen es extrem schwer, eine klare Prognose abzugeben.
Mehr Fußball-News

Deutschland vs. Ghana live auf Joyn
Länderspiel: Deutschland vs. Ghana heute live: Das DFB-Spiel im Free-TV, kostenlosen Joyn-Stream und Ticker

Regionalliga Nordost
Anti RB! Dieser Beschluss hat es in sich

Fußball
Verliert der DFB seinen Top-Torjäger?

Fußball
Trotz Top-Zahlen: Auf ihn verzichtet Nagelsmann weiterhin

Bundesliga
Offiziell: FCB-Star muss im Sommer gehen

VAR in der Premier League: Fans wünschen sich Abschaffung



