Bundesliga
Bundesliga: Dzenan Pejcinovic vom VfB Stuttgart im exklusiven Interview: "Bin großer Fan von Harry Kane"
Aktualisiert:
von Bent MildnerDzenan Pejcinovic wechselte in diesem Sommer für 25 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart. Im exklusiven ran-Interview spricht er über seinen Wechsel, seine Zukunft beim DFB und mehr.
Wirklich viel Druck macht sich Dzenan Pejcinovic nicht wegen seiner hohen Ablösesumme. Im Sommer wechselte der 21-Jährige vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart – für stolze 25 Millionen Euro.
Der Stürmer war in der vergangenen Saison einer der wenigen Lichtblicke in einer schwachen Wolfsburger Mannschaft. Jetzt will er seinen endgültigen Durchbruch in der Bundesliga schaffen.
Ein Top-Talent des FC Bayern könnte es in dieser Saison schwer haben
Dzenan Pejcinovic: Traum-Einstand nach Transfer und bald einer für Jürgen Klopp?
Im exklusiven Interview mit ran spricht Pejcinovic vor dem Bundesligastart beim FC Bayern München (ab 19:50 Uhr live in SAT.1 und auf Joyn) über seinen Transfersommer, die Gründe für den VfB-Wechsel, die Champions League, seine ersten Wochen in Stuttgart und einiges mehr.
Dzenan Pejcinovic: Kein Druck durch die 25 Millionen Euro?
ran: Interview mit dem 25-Millionen-Mann. Wie klingt das für Sie?
Dzenan Pejcinovic: Nicht wirklich anders als davor. Die Ablöse war zwar hoch, aber das ist jetzt keine Sache, mit der ich mich beschäftige. Ich bin froh, hier zu sein. Ich weiß, dass der VfB mir mit der Summe ein riesiges Vertrauen ausgesprochen hat. Ich habe es letzte Woche gesagt: Ich probiere es einfach zurückzugeben und bin komplett dankbar für die Chance.
ran: Erzeugt es trotzdem ein bisschen Druck?
Pejcinovic: Nein. Ich mache mir selber Druck, wenn ich anfange, Dinge unnötig zu zerdenken. Ich muss auf dem Platz funktionieren. Ich muss der Mannschaft helfen. Deswegen blende ich solche Sachen aus.
ran: Der Wechsel war eine lange Hängepartie. Es war frühzeitig bekannt, dass Sie sich mit dem VfB möglichst schnell geeinigt haben. Die Vereine haben sich erst spät geeinigt. Wie schwierig war das für Sie?
Pejcinovic: Es war ein positives Zeichen für mich, dass wir uns beide schon so früh zueinander bekannt haben. Als Spieler bist du dann immer in einer schwierigen Situation, wobei ich die Situation gut angenommen habe. Ich habe für mich gearbeitet, ich habe im Training Gas gegeben, die Testspiele gemacht beim VfL Wolfsburg. Ich bin auch froh und dankbar, dass die mich da so gut aufgenommen und mich in der Situation verstanden haben.
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Pejcinovic über Champions League: "Davon träumt man als kleines Kind"
ran: Warum der Wechsel zum VfB?
Pejcinovic: Ich habe die Chance, Champions League zu spielen. Ich habe den VfB auch in der Bundesliga verfolgt und man hat gesehen, was für eine Qualität in der Mannschaft steckt mit dem Trainer. Ich möchte den nächsten Step gehen und möchte weiterkommen in meiner Karriere. Deswegen war eigentlich früh klar für mich, dass ich hier richtig bin. Es macht mir unglaublich viel Spaß in den ersten Wochen.
ran: Sie haben gerade die Champions League als einen der Gründe angesprochen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie daran denken: In ein paar Wochen ist es soweit, erstes Champions-League-Spiel?
Pejcinovic: Davon träumt man als kleines Kind. Es ist eine riesige Vorfreude da, dass ich das jetzt verwirklichen kann. Wir schauen uns gemeinsam die Auslosung an und dann werden wir von Spiel zu Spiel schauen, wie wir abschneiden.
ran: Ist die Gänsehaut für die erste Hymne schon vorprogrammiert?
Pejcinovic: Ich will mir darüber noch gar nicht so viel Gedanken machen. Ich möchte das einfach auf mich zukommen lassen, aufsaugen und dann meine Leistung oder unsere Leistung abrufen.
Pejcinovic neu beim VfB Stuttgart: "Alles sehr piano"
ran: Jetzt sind Sie etwas mehr als zwei Wochen in Stuttgart. Wie wurden Sie aufgenommen, wer hat Sie unter die Fittiche genommen?
Pejcinovic: Da gab es nicht die eine Person. Da waren alle irgendwie mit drin. Das hat mir natürlich auch den Start einfach gemacht. Ich kannte ein paar Gesichter schon. Man spielt gegen einige, man ist mit einigen in der U21 und deswegen hatte ich nicht das Gefühl, dass ich als neuer Spieler weit entfernt von der Mannschaft bin.
ran: Gab es denn vorab schon mal Gespräche mit den Kollegen, was Sie hier in Stuttgart erwartet, was Sebastian Hoeneß für ein Trainer ist, was der Verein für eine Strahlkraft auch hier in der Region hat?
Pejcinovic: Ich wusste das von alleine. Ich wollte jetzt auch nicht so viel herumfragen und das Thema groß machen. Für mich war klar, dass ich mir ein eigenes Bild machen möchte und dann die Situation so annehme, wie sie ist. Ich bin super happy, wie die Wochen jetzt verlaufen sind. Das ist schon mal ein guter Anfang.
ran: Stürmer beim VfB, da kommt einem auch Deniz Undav immer in den Kopf. Sie sind der zweitteuerste Vereinstransfer nach ihm. Kam da ein Spruch, als Sie angekommen sind?
Pejcinovic: Jeder weiß, dass ich für eine gewisse Summe gekommen bin. Aber es ist jetzt nicht so, dass man sich da was anhören muss. Ich bin froh, wenn man das einfach ausblendet und wenn man sich aufs Sportliche konzentriert und mich da bewertet. Von daher finde ich, war das noch alles sehr piano.
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Pejcinovic ist "großer Fan von Harry Kane"
ran: Ist Deniz Undav so ein Spielertyp, an dem Sie sich auch so ein bisschen orientieren? So einer, der als Mentor für Sie dienen kann?
Pejcinovic: Ich orientiere mich an vielen Spielern. Ich orientiere mich vor allem an den Spielern, mit denen ich auf dem Platz stehe. Ich möchte jeden Einzelnen verstehen, wie er arbeitet, wie er läuft. Ich glaube, die Abläufe auf dem Platz sind das Wichtigste. Aber klar, wir hatten jetzt zusammen ein Testspiel in Fulham, jetzt in Rostock, und dann kriegst du auch die gewissen Abläufe.
ran: Gibt es eine Eigenschaft von Deniz Undav, die Sie gerne hätten?
Pejcinovic: Jeder weiß, dass er mit einer der besten Stürmer der Liga ist. Man sieht seine Torquote. Ich schaue mir auch gewisse Dinge ab im Training, wie er das macht im Spiel, weil ich da auch mal hinkommen und viele Tore für den Verein schießen möchte.
ran: Haben Sie generell ein Vorbild als Stürmer?
Pejcinovic: Ich bin ein großer Fan von Harry Kane. Er überzeugt mich in jedem Bereich, sowohl offensiv als auch defensiv und das schon seit seiner Tottenham-Zeit. Von daher ist das klar mein Lieblingsspieler, an dem ich mich orientiere.
Pejcinovic "mit Vorfreude" ins Duell mit dem FC Bayern
ran: Dann ist das am Freitag für Sie als Münchner wohl ein ganz besonderes Spiel.
Pejcinovic: Was soll ich sagen? Damals als kleines Kind in der Allianz Arena als damaliger Bayern-Spieler und jetzt sowohl mit Wolfsburg als auch mit Stuttgart in der Allianz Arena spielen zu dürfen, ist natürlich für mich ein großes Highlight. Und ich würde sagen, ich gehe eher mit Vorfreude ran als mit Respekt.
ran: Wie viele Ticketanfragen haben Sie aus dem familiären Bereich und von Freunden bekommen?
Pejcinovic: Schon einige, aber da bin ich auch noch dabei, dass ich erst mal meine Familie unterbringe und dann, wenn es geht, ein paar Freunde reinkriege.
ran: Haben Sie als Münchner Junge, der in Giesing geboren ist, in Sechzig-Bettwäsche oder in Bayern-Bettwäsche geschlafen?
Pejcinovic: Ich war näher am Sechziger-Stadion dran. Aber als kleines Kind hat das Herz schon immer für Bayern geschlagen. Der Wechsel in die Bayern-Jugend war ein Highlight. Deswegen würde ich schon sagen, dass ich eher als kleiner Bayern-Fan aufgewachsen bin.
Pejcinovic über Abstieg mit dem VfL Wolfsburg: "Richtig hart"
ran: Dann gab es 2017 den Wechsel nach Augsburg. Warum haben Sie die Bayern-Jugend verlassen?
Pejcinovic: Bei mir hieß es damals, dass es nicht reicht. Ich hatte persönlich schon die Meinung, dass ich eine gute Saison in der damaligen U12 gespielt habe. Für mich war die Enttäuschung erst mal groß, aber es ging auch weiter. Der FC Augsburg hat mich überzeugt. Das war dann auch eine schöne Zeit, da. Ich habe fünf Jahre beim FCA verbracht, mich dort weiterentwickelt.
ran: In Wolfsburg haben Sie Ihre ersten Bundesliga-Minuten bekommen, sind in Düsseldorf gewesen, zweite Liga und dann letztes Jahr der Durchbruch mit acht Toren in der Bundesliga. Wie beschreiben Sie Ihre Entwicklung in den letzten Jahren?
Pejcinovic: Für mich war die Nationalmannschaft in meiner jungen Karriere ein wichtiger Schritt, weil ich in den Nationalmannschaften immer wieder das Vertrauen bekomme. Man versucht sich auch im Profibereich weiterzuentwickeln, früher anzukommen. Die letzte Saison war für mich persönlich gut, aber wenn ich ehrlich bin, war die Hinrunde nicht meine stärkste Seite, weil ich mich erst finden musste. Ich bin froh über den Reifeprozess, dass ich weiß, wie ich mit Rückschlägen umgehe, auch wenn man mal fünf, sechs, sieben Spiele nicht trifft.
ran: Unabhängig von den acht Toren: Der VfL Wolfsburg ist letztes Jahr abgestiegen. Sie haben in der Relegation getroffen. War das vielleicht trotzdem für Sie die schwierigste Zeit in Ihrer Karriere?
Pejcinovic: Absolut. Jeder weiß, dass ich einer bin, der für die Mannschaft arbeitet, der für den Verein alles gibt. Und der Abstieg war natürlich richtig hart. Ich hatte ein gutes Gefühl vorm Paderborn-Spiel. Es gehört leider zum Fußball dazu. Eine unglückliche Rote Karte, die es dann schwerer macht. Aber insgesamt muss man einfach sagen, dass das nicht die beste Saison vom VfL Wolfsburg war. Ich habe alles dafür getan und bis zum Ende gekämpft, um nicht abzusteigen.
Pejcinovic bald beim DFB-Team? "Noch kein Kontakt" mit Klopp
ran: Sie hatten im Sommer Zeit, das zu verdauen. Sicherlich haben Sie auch WM geschaut. Wie haben Sie auf das Abschneiden der deutschen Mannschaft geblickt oder generell auf dieses Turnier?
Pejcinovic: Die Erwartungen waren wahrscheinlich groß von vielen, da Deutschland zuletzt nicht super abgeschnitten hat. Aber es ist schwer, wenn es dann nicht läuft und man als Favorit gegen eine kleine Nation verliert. Da sind die Augen dann größer. Aber ich glaube, bis zur nächsten EM kann man sich gut vorbereiten. Es gab ja jetzt auch einen Trainerwechsel und deswegen muss man da auch Schritt für Schritt schauen.
ran: Sie sprechen den Trainerwechsel an, Jürgen Klopp ist jetzt da. Es ist schon durch die Medien durchgesickert, dass Sie einer der Namen sind, der auf seiner Liste steht. Gab es schon Kontakt? Haben Sie davon auch gehört?
Pejcinovic: Wir hatten noch keinen Kontakt. Ich muss auch sagen, dass das noch nicht wirklich Thema bei mir ist, weil ich gerade einfach nur auf den VfB Stuttgart fokussiert bin. Ich würde mich freuen, wenn es passiert, demnächst oder in der nächsten Länderspielpause. Aber klar ist auch: Wir haben jetzt erst mal ein wichtiges Spiel. Dann kommt die Champions-League-Auslosung, dann in Köln, und dann werden wir sehen, was passiert. Aber ich bin auch aktuell U21-Nationalspieler und da haben wir auch noch wichtige Quali-Spiele.
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ran: Aber Jürgen Klopp als Trainer, als Mensch, wie nehmen Sie den wahr aus Spielersicht?
Pejcinovic: Ich habe jetzt Liverpool nicht so krass verfolgt, aber ich weiß, dass er sehr erfolgreich war, sehr pressingbezogenes Spiel hatte und ich finde es gut. Mir gefällt es. Es will jeder wissen, was er mit Deutschland plant, aber das weiß ich auch noch nicht. Das muss er entscheiden.
Pejcinovic über möglichen Verbandswechsel: "Das ist für mich klar"
ran: Sie haben die U21 angesprochen, haben gesagt, Sie sind U21-Spieler. Hat man jetzt mit dem Wechsel auch Rücksprache mit Antonio Di Salvo, ob dieser Wechsel Sinn macht?
Pejcinovic: Also ich habe erst mal von vielen Seiten des DFB gehört, dass dieser Wechsel Sinn macht. Ich meine, es wird immer Leute geben, die sagen, dass das keinen Sinn macht. Aber Antonio Di Salvo hat mir auch gesagt, dass das der richtige Schritt ist. Das Ziel ist, Spielminuten zu sammeln und sich zu etablieren. Ich bin auch dankbar, dass ich in der Nationalmannschaft immer wieder das Vertrauen bekommen habe, gerade von den Trainern.
ran: Sie haben in der U15 noch für Montenegro gespielt, danach sämtliche Nationalmannschaften für Deutschland durchlaufen. Ist ein Verbandswechsel kein Thema für Sie?
Pejcinovic: Nein. Das ist für mich klar. Ich habe die ganze Jugend für Deutschland gespielt. Ich möchte für Deutschland spielen. Deswegen war das auch kein Gedanke oder ist kein Gedanke von mir.
ran: Sie haben in Albanien damals beim Debüt für die U23 getroffen. Bei der U21 haben Sie auch direkt getroffen, letztes Jahr im Pokal mit Wolfsburg einen Dreierpack gemacht, dieses Jahr in Rostock direkt dreifach getroffen. Warum sind Sie bei Debüts so treffsicher?
Pejcinovic: Ich weiß es auch nicht. Ich gehe in den ersten Spielen immer erst mit den Abläufen, um die reinzukriegen. Es ist schon lustig, dass mir das ganz gut gelungen ist in den ersten Spielen. Ich beschwere mich nicht.
ran: Warum wird es Ihnen am Freitag wieder gelingen?
Pejcinovic: Wir gehen dieses Spiel wie jedes andere an. Ich glaube, wir wissen auch, dass Bayern die größte Mannschaft in Deutschland ist, und ich sage, wir brauchen eine gewisse Demut, müssen aber auch zeigen, was wir können. Wir müssen 90 Minuten eklig sein und dann werden wir sehen, was rauskommt.
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