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FC Bayern München: Bald Europas Musterschule? Wiesinger hat am Campus einen klaren Auftrag

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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FC Bayern - Fans mit radikaler WM-Forderung: Urbig rein, Musiala raus!

Videoclip • 02:02 Min


Michael Wiesinger hat am 1. Mai seine Arbeit als Sportlicher Leiter am Campus des FC Bayern angetreten. Seine Ausgangslage könnte kaum besser sein – aber die Ziele sind mehr als ambitioniert.

Von Justin Kraft

Der FC Bayern München zählt seit den 2010er Jahren zu den erfolgreichsten und größten Klubs im europäischen Elitefußball. Für seine Nachwuchsarbeit gilt das allerdings noch nicht.

Als der Campus im Sommer 2017 in Betrieb genommen wurde, war die Hoffnung groß, dass die nächsten Elite-Eigengewächs wie Thomas Müller, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger nicht sehr lange auf sich warten lassen.

Es dauerte aber eine Weile, ehe die Früchte von den Umstrukturierungen geerntet werden konnten. In den letzten Jahren schafften es aber viele Bayern-Talente in den Profifußball und in die Top-5-Ligen Europas.

In dieser Saison jedoch hat man bei der eigenen Profimannschaft die Planungen für den Kader etwas verändert – und es so ermöglicht, dass Trainer Vincent Kompany zahlreichen Talenten die Chance geben konnte, bei den Profis zu debütieren und sich zu präsentieren. Was wie ein großer Umbruch in der Herangehensweise wirkt, ist jedoch fragil.

Genau hier setzt auch die aktuelle Umstrukturierung am Campus an. Mit Michael Wiesinger übernimmt ein neuer Sportlicher Leiter. Einerseits ist seine Ausgangslage so gut wie bei keinem seiner Vorgänger. Andererseits wird er jetzt an hohen, teils vielleicht sogar unrealistischen Ansprüchen gemessen.

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FC Bayern will FC Barcelona offenbar in Nachwuchsarbeit den Rang ablaufen

Laut der "Abendzeitung" sei es das Ziel des Rekordmeisters, das Nachwuchsleistungszentrum zum besten in Europa zu machen und damit etwa die berühmte "La Masia" des FC Barcelona in den Schatten zu stellen. Wie das gelingen soll, wird im Bericht jedoch nicht erwähnt.

Und generell ist unklar, ob es sich dabei nur um das für den FC Bayern typische Streben nach dem Bestmöglichen handelt, oder ob es mit klaren Vorgaben verknüpft ist. Fakt ist, dass Wiesinger in einer Zeit übernimmt, in der viele Jahrgänge beim FCB so stark sind wie schon lange nicht mehr.

Dass viele Nachwuchsspieler bereits im Dunstkreis der Profis sind, indem sie regelmäßig dort trainieren oder sogar eingesetzt werden, ist bezeichnend dafür. Es spricht für die Qualität der Jugendarbeit in München, dass ehemalige Jugendspieler wie Angelo Stiller, Kenan Yildiz, Paul Wanner, Malik Tillman und viele weitere bei in Europa angesehenen Klubs bereits wichtige Rollen spielen.

Im Kader der Münchner wiederum stehen derzeit mit Aleksandar Pavlovic, Josip Stanisic und Lennart Karl drei Spieler, die eine relevante Zeit am Campus verbracht haben, bevor sie ihr Debüt beim FCB feierten. Jamal Musiala ist derweil ein Scoutingerfolg.

Gleichzeitig gab es an der Ingolstädter Straße zuletzt jedoch große Fluktuation im personellen Bereich. Das betraf nicht nur Markus Weinzierl als Wiesinger-Vorgänger, sondern auch den Scoutingbereich und einige Trainerpositionen.

Es fehlte die Kontinuität im Arbeiten und damit verbunden auch eine wirklich klare Linie. Viele Erfolgsgeschichten basierten weniger auf systematischen Strukturen, sondern eher auf individuellen und schlecht reproduzierbaren Abläufen. Man könnte hier auch das Wort Zufall verwenden.

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FC Bayern: Lennart Karl ist nicht nur ein Positivbeispiel

Karl ist eine dieser Erfolgsgeschichten, die aktuell als Sinnbild der vermeintlichen Kursänderung verkauft wird. Im vergangenen Sommer war vollkommen unklar, wie es mit ihm weitergehen würde. In München fehlten ihm und seinem Berater Michael Ballack die klare Perspektive.

Erst sehr spät im Transferfenster entstand exakt diese aus dem öffentlich nachvollziehbaren Dissens zwischen Sportvorstand Max Eberl und dem Aufsichtsrat rund um Uli Hoeneß. Weil einige Wunschspieler nicht kamen, war der Kader offensiv so dünn besetzt, dass Karl eine echte Chance bekam.

Nun wird Wiesinger keinen direkten Einfluss auf die Kaderplanung der Profis haben. Aber will er am Campus erfolgreich sein, muss er Wege finden, solche Fälle zu vermeiden. Karl war nicht der erste junge Spieler in den vergangenen Jahren, bei dem kurz vor Vertragsende Unsicherheit über einen Verbleib herrschte.

Die Schnittstelle zwischen Campus und Profis war in der Vergangenheit ein Teil des Problems. Hier muss Wiesinger ansetzen und Lösungen finden, die in München nicht allzu leicht zu finden sind. Denn natürlich ist der Sprung aus dem Jugendbereich zu den Profis deutlich größer als an anderen Standorten.

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FC Bayern: Michael Wiesinger soll Kontinuität an den Campus bringen

Ein weiterer wichtiger Punkt auf seiner To-Do-Liste wird es sein, die Trainerpositionen systematischer zu besetzen. Immer wieder gab es in der jüngeren Vergangenheit den Fall, dass Trainer am Campus ergebnisorientierten Fußball spielen ließen statt auf das zu setzen, was den Klub eigentlich auszeichnet: Dominanz und Offensive.

Sicherlich spielte dabei auch eine Rolle, dass bei den Profis die Trainerentscheidungen über die Jahre inkonsistent waren. Von Defensivtrainer Niko Kovac über Pragmatiker Thomas Tuchel bis hin zu Kompany. Wiesinger kann keine übergeordnete Philosophie verfolgen, wenn es diese im Detail gar nicht gibt.

Er kann aber dazu beitragen, indem er am Campus für einen roten Faden sorgt und damit bestimmte Spielertypen fördert, die dem aktuellen FC Bayern gut zu Gesicht stehen. Indem er Trainer einstellt, die eine ähnliche Idee vom Fußball haben. Es liest sich zwar immer gut, wenn eine Jugendmannschaft Erfolge feiert. Viel wichtiger ist in diesem Bereich aber die individuelle Entwicklung.

Der FCB hat deutlich mehr davon, wenn in fünf Jahren drei Spieler für seine Profis entwickelt werden können, als von jedem Titelgewinn der Campus-Mannschaften. Auch wenn großes Talent oft mit Erfolgen einhergeht, sollte die individuelle Förderung im Fokus stehen.

Die Fluktuation im Trainerbereich wird der neue Campus-Chef hingegen kaum aufhalten können. Gerade Jugendtrainer sind immer auf dem Sprung und suchen nach dem nächsten Entwicklungsschritt. Laut "Abendzeitung" waren Wiesingers Vorgänger oft zu überrascht von Abgängen. Auch hier wird der neue Sportliche Leiter gefordert sein.

FC Bayern: Die Erwartungshaltung an den Campus ist nochmal gestiegen

Wiesingers Aufgabe ist gewaltig. Er soll strukturieren, wo in den letzten Jahren wenig strukturiert wurde. Einige Fäden dafür liegen durch den teils zufällig entstandenen Erfolg der Profis bereits offen herum. Zufällig deshalb, weil so mancher Transfer so nicht geplant war. Allen voran der von Trainer Kompany.

Zumindest am Campus ist es jetzt an Wiesinger, aus manchem Zufall eine Nachhaltigkeit abzuleiten und das Münchner Nachwuchsleistungszentrum in die Zukunft zu lenken.

Und auch wenn seine Ausgangsposition hervorragend ist, schürt gerade die aktuelle Saison Erwartungen. Diesen muss Wiesinger erstmal gerecht werden. Denn auch wenn der FC Bayern mit seiner Profimannschaft wieder zur Elite Europas gehört: Der Campus hat noch einen Weg zu gehen, ehe er sich mit den Nachwuchsleistungszentren messen kann, die in Europa den Ton angeben.

Vor allem aber kann er ein Mittel sein, um gerade mit den Profis die Stellung zu halten, die man sich unter Kompany in der Champions League wieder erarbeitet hat.

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