- Anzeige -

Bundesliga

Pierre Littbarski über den Wolfsburg-Abstieg: "Mit Funkel wären sich noch in der Bundesliga"

Veröffentlicht:

von Oliver Jensen

ran Fußball Bundesliga

VfL Wolfsburg - Kabinenstimmung nach Abstieg: "Tränen fließen"

Videoclip • 01:41 Min


Der frühere Nationalspieler Pierre Littbarski war 13 Jahre in unterschiedlichen Funktionen für den VfL Wolfsburg tätig. Im Interview mit ran nennt er die Gründe für den Abstieg, kritisiert Dieter Hecking und die angeblichen Pläne.

Pierre Littbarski hat die schwierige Saison des VfL Wolfsburg interessiert verfolgt. Der 66-Jährige war zwischen 2010 und 2012 als Co-Trainer und Interimstrainer aktiv, ehe er später als Chefscout (2012 bis 2018) und Klubrepräsentant (2018 bis 2023) für die "Wölfe" tätig war.

Im Interview mit ran spricht Littbarski über den Abstieg des VfL Wolfsburg, die Personalie Dieter Hecking und die schwierige Mission Wiederaufstieg.

ran.de: Herr Littbarski, war der Abstieg des VfL Wolfsburg verdient? Oder können Sie nachvollziehen, wenn einige Wolfsburger die erste Gelbe Karte von Joakim Mæhle kritisieren, die dann kurz darauf zu Gelbrot führte? Im Elf-gegen-Elf wäre die Relegation womöglich anders ausgegangen…

Pierre Littbarski: Ich bin gar kein Freund von dieser Rumheulerei. Der VfL hat es erst in der Saison verbockt und dann haben wir es noch einmal mit Hecking in der Relegation verbockt. Die Mannschaft hatte genug Möglichkeiten. Wenn ich so eine schlaffe Einstellung habe, dann gibt es natürlich immer irgendwelche Entschuldigungen – aber das ist ja nicht die Wahrheit.

ran.de: Was ist die Wahrheit?

Littbarski: Die haben ja auch im ersten Spiel – das war wirklich ein grausames Spiel – nichts gezeigt. Wenn du so teure Spieler hast, dann musst du im ersten Spiel einfach etwas anderes zeigen. Stattdessen haben sich die Paderborner das Stück für Stück verdient. Und Wolfsburg hat es seit Wochen nicht hinbekommen, den Negativtrend zu stoppen. Ich habe ja schon im März gesagt: Hecking kann das auch gar nicht, weil er es ja schon in Bochum nicht geschafft hat. Er ist kein Feuerwehrmann. Die hätten sich besser Friedhelm Funkel geholt, dann wären sie noch in der ersten Liga.

- Anzeige -
- Anzeige -

"Null Struktur, ein Mischmasch, kein Zusammenspiel"

ran.de: Das heißt, Hecking ist eher ein Trainer, der eine gewisse Vorbereitungszeit mit einer Mannschaft braucht?

Littbarski: Der Dieter ist ein sehr netter Mensch – aber im Abstiegskampf kannst du nicht nett sein. Du kannst nicht alle mitnehmen. Du musst dann vielleicht den einen oder anderen auch über die Klinge springen lassen. Und du brauchst auch das entsprechende Know-how. Es gibt Trainer, diese klassischen Feuerwehrleute. Die beschäftigen sich intensiv mit den Vereinen und wissen genau: Wie ist die Stimmung? Wen kann ich gebrauchen, wen nicht? Und da gab es eben auch ein paar Personalien, die nicht so richtig gefruchtet haben – nehmen wir Amoura zum Beispiel. Da stellt sich die Frage: Muss man über den eigenen Schatten springen oder alles erst moralisch abarbeiten? Es geht doch nur darum, die Mannschaft in der Liga zu halten. Das haben sie aus mehreren Gründen nicht geschafft.

ran.de: Sie sprechen den Stürmer Amoura an, der nach einem angeblichen Trainingszoff am 33. Spieltag gegen Bayern München aus dem Kader gestrichen wurde und auch am letzten Spieltag gegen St. Pauli sowie in den Relegationsspielen gegen Paderborn nur spät eingewechselt wurde. Wäre es besser gewesen, alles dem Ziel Klassenerhalt unterzuordnen?

Littbarski: Das sind alles Spekulationen. Ich bin ein Mensch: Ich will das Spiel gewinnen. Es gibt Trainer, die überlegen erst: Wie kommt das bei der Mannschaft an? Jetzt sind alle traurig. Aber wer weiß: Vielleicht hätte Amoura genau in dem Moment das entscheidende Ding gemacht.

ran.de: Dennoch bleibt die Frage, warum so eine teuer zusammengestellte Mannschaft nicht funktioniert hat…

Littbarski: Es stimmte hinten und vorne nicht. Das fing ja schon bei den Trainern davor an, die innerhalb der Mannschaft nichts hingekriegt haben. Null Struktur, ein Mischmasch, kein Zusammenspiel. Diese Spiele anzuschauen, war eine Qual. Für die Fans tut es mir natürlich leid. Die waren so perplex, dass sie sich nicht einmal mehr richtig aufgeregt haben.

Die nächsten Livestreams auf Joyn

  • Bald verfügbar

    Heute, 14:30 Uhr • Fussball

    DFB-PK 14:30 Uhr LIVE mit Nagelsmann und Völler

    Verfügbar auf Joyn

    60 Min

    Bald verfügbar

    Heute, 14:30 Uhr • Fussball

    DFB-PK 14:30 Uhr LIVE mit Nagelsmann und Völler

    Verfügbar auf Joyn

    60 Min

  • Bald verfügbar

    Heute, 15:00 Uhr • Radsport

    Giro d’Italia hier im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    135 Min

    Bald verfügbar

    Heute, 15:00 Uhr • Radsport

    Giro d’Italia hier im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    135 Min


Hecking als Geschäftsführer? "Ich kann darüber nur lachen"

ran.de: Sie kennen den Verein und die Stadt Wolfsburg. Welche Folgen wird dieser Abstieg haben?

Littbarski: Wolfsburg ist ja seit 1997 in der Bundesliga gewesen. Der Abstieg ist hochdramatisch. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch eine Chance, jetzt aufzuwachen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man sortiert alles aus, was teuer werden kann. Die Spieler haben ihren Marktwert ja nicht unbedingt gesteigert. Oder man packt die Leute bei der Ehre und beim Geldbeutel. Wenn sie immer ihr Trikot küssen, dann sollen sie jetzt auch für weniger Geld spielen. Dann wird man sehen, wie sehr sie den Verein wirklich lieben, und ob diese sogenannten Top-Leute überhaupt bleiben wollen.

ran.de: Was halten Sie von der Idee, dass Hecking dem Verein in anderer Funktion erhalten bleibt, etwa als Geschäftsführer?

Littbarski: Ich kann darüber nur lachen. Es hat ja schon in Nürnberg mit ihm nicht geklappt. Und jetzt will man ihn wieder installieren? Ich weiß nicht, was die Beweggründe sind. Vielleicht kennen sich Diego Benaglio und Hecking gut, vielleicht ist es auch, weil Dieter so nett ist. Aber ich glaube, da ist ein rigoroser Neuanfang angebracht.

Wiederaufstieg muss Pflicht sein

ran.de: Glauben Sie, dass Volkswagen weiterhin so hinter dem Verein steht, dass der Wiederaufstieg realistisch ist?

Littbarski: VW hat ja schon gesagt, dass sie den Verein auch in der zweiten Liga unterstützen werden. Das finde ich gut. Natürlich werden die finanziellen Mittel geringer sein, aber es wird immer noch ein Top-Etat in der 2. Liga sein. Dann muss der Wiederaufstieg eigentlich Pflicht sein.

ran.de: Wie hoch könnte das Zuschauerinteresse in der 2. Liga in Wolfsburg sein? Selbst in der Bundesliga waren nur fünf der 17 Heimspiele ausverkauft...

Littbarski: Du hast jetzt zumindest drei Derbys: Hannover, Braunschweig und St. Pauli. Das sind interessante Spiele, Hertha vielleicht auch noch. Aber ansonsten kann es schon etwas trister werden. Das hängt stark davon ab, wie die Mannschaft startet, ob sie direkt reinkommt, ob das Konzept greift und ob Trainer und sportliche Führung akzeptiert werden. Es muss glaubwürdig sein und Qualität haben. Die zweite Liga ist nicht die erste Liga. Du brauchst Spieler, die diese Liga kennen. Schau dir an, wie Teams wie Elversberg oder Paderborn aufgestiegen sind: mit richtig gutem Fußball und jungen Leuten. Oder Schalke mit enormem Teamspirit. Das sind die entscheidenden Faktoren: Teamgeist, hungrige junge Spieler, dazu erfahrene Kräfte. Diesen Spagat hinzubekommen, ist schwierig. Und dafür brauchst du einen echten Fachmann.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken