Bundesliga
Relegation 2026: Wolfsburg und Essen gehen zu Recht leer aus - Kommentar
Aktualisiert:
von Kai Esser2. Bundesliga
Rot-Weiss Essen - Müsel über Mega-Chance: "Kann es mir nicht erklären"
Videoclip • 03:17 Min
Die Relegation ist unter Fans höchst umstritten. Oft heißt es, der Sieger hätte es "unverdient" noch geschafft. In diesem Jahr ist jedoch klar: Beide Sieger haben sich eben jenen redlich verdient. Ein Kommentar.
Es gibt eigentlich kein Thema, das unter Fans so umstritten ist, wie die Relegationsspiele zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga sowie 2. Bundesliga und 3. Liga.
"Unfair" sei es, dass der Tabellensechzehnte nochmal eine Chance bekommt. "Verdient" habe es der Tabellendritte, den Aufstieg zu feiern. Doch ist das wirklich so einfach?
Obwohl sich in einem Fall der klassentiefere und in einem Fall der klassenhöhere Verein durchgesetzt hat, ist in beiden Fällen festzuhalten: Die Ausgänge der Spiele sind verdient - und gerecht.
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Relegation: Essen hat den Aufstieg nicht verdient, Wolfsburg nicht den Klassenerhalt
Dabei muss man sich nur die individuellen Saisons einmal anschauen. Rot-Weiss Essen ist als drittplatzierter Drittligist gescheitert. Aber hatte es RWE wirklich verdient? Und wenn ja, an welchen Kriterien macht man das fest?
Die Essener haben im Laufe ihrer Saison 66 Gegentore kassiert. Abgesehen von den vier Absteigern, die teilweise Klassenunterschiede zum Rest der Liga offenbarten, waren nur drei Teams defensiv schwächer. Ist das eine Aufsteiger-Bilanz?
Zudem verloren sie im Schlussspurt gegen den 1. FC Saarbrücken (1:2) und holten sich eine krachende Pleite beim VfB Stuttgart II ab (1:6). Lediglich ein glückliches (!) Standardtor (!) nach Ping-Pong (!) in der Nachspielzeit (!) des letzten Spieltags (!) bei einem der besagten Absteiger Ulm (!) sorgte für Platz drei der Essener.
Die SpVgg Greuther Fürth dagegen war nur einen präziseren Abschluss auf ein leeres Tor gegen Fortuna Düsseldorf davon entfernt, 15. zu werden und sich die Relegation komplett zu sparen. Wäre der Klassenerhalt dann verdienter? Wo ist die Grenze?
Genau so übrigens der VfL Wolfsburg. Die Wölfe standen ab Spieltag sechs in der unteren Tabellenhälfte, ab Spieltag 21 durchgehend auf einem der letzten vier Plätze. Das alles, während der SC Paderborn nach dem 8. Spieltag nur einmal nicht in den Top 4 der Tabelle war. In beiden Duellen wurde der richtige Sieger gefunden.

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Relegation unfair? Erklärung geht in die Psychologie
Ist die Relegation also wirklich "unfair"? In gewissem Maße: ja. Denn es treten zwei Kader gegeneinander an, die für unterschiedliche Ligen und mit unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen zusammengestellt wurden.
Allerdings gibt es auch eine psychologische Erklärung: Der sogenannte Endowment-Effekt beschreibt die Tendenz, etwas als wertvoller zu empfinden, sobald man es zu besitzen glaubt.
Genau das passiert hier: Es fühlt sich für viele an, als hätte man dem Drittplatzierten etwas weggenommen - nämlich einen sicheren Aufstiegsplatz. Wer hat entschieden, dass drei Klubs einen Aufstieg beziehungsweise Abstieg "verdient" haben? Das war eine simple Festlegung, die im Jahr 2009 wieder geändert wurde.
Die Relegation ist dazu da, um genau diese Präzedenzfälle besser auseinanderhalten zu können. Nicht immer haben es drei Klubs verdient, auf- oder abzusteigen. Manchmal sind es nur zwei, manchmal vielleicht sogar vier. Ob sich beispielsweise der SV Werder Bremen den Klassenerhalt "verdient" hat oder es einfach nur drei schlechtere Vereine gab, sei einmal als offene Frage dahingestellt.
Die Relegation ist sicher kein perfektes System - aber das waren drei fixe Auf- und Absteiger auch nicht.
Und dieses Jahr, mit zwei verschiedenen Ausgängen, die beide vollkommen verdient sind, ist der beste Beweis dafür.
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