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DFB-Team - 44 Profis, ambitionierte Ziele: Wie wird der Fußball unter Jürgen Klopp aussehen?

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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DFB-Team: Ebnoutalib verplappert sich - Klopp nimmts mit Humor

Videoclip • 02:15 Min


Jürgen Klopp hat einen großen Pool an Spielern für das DFB-Team nominiert. Aber wie wird seine taktische Ausrichtung aussehen?

Kaum ein deutscher Trainer hat den Fußball hierzulande in den vergangen knapp 20 Jahren so geprägt wie Jürgen Klopp. Im Ausland wird die Bundesliga nicht selten als "Pressingliga" umschrieben.

Grund dafür ist, dass das Gegenpressing hier über viele, viele Jahre als bester Spielmacher galt. Eine Beschreibung, die von Klopp höchstpersönlich kommt.

Als "besten Spielmacher der Welt" bezeichnete er einst das Gegenpressing, das in seinem System schon immer eine zentrale Rolle einnahm. Mit "Vollgasfußball" überrannte er als Trainer von Borussia Dortmund Anfang der 2010er Jahre den FC Bayern München und schockte den Rekordmeister mit einigen nationalen Titelgewinnen.

Beim FC Liverpool setzte er seine Erfolgsgeschichte nach einigen Startschwierigkeiten fort und gewann unter anderem die Champions League. Klopp stieg auf zum großen Kontrahenten und Rivalen von Pep Guardiola und somit zu einem der besten Trainer der Welt.

Immer mit im Gepäck: seine besondere Art des Fußballs, die sich über die Jahre weiterentwickelt hat und nun auch beim DFB-Team für Erfolg sorgen soll. Doch wie könnte das konkret aussehen?

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Führt der Pressingansatz zu Veränderungen im Angriff?

Vorarbeit hat Julian Nagelsmann durchaus geleistet. Nationalmannschaften lassen sich nur schwer vergleichen, aber an den Metriken, die Rückschlüsse auf das Pressing zulassen, lässt sich ablesen, dass der Ex-Bundestrainer in aller Regel eine aggressive und hohe Defensivarbeit einforderte.

Im Schnitt erlaubte das DFB-Team seinen Gegnern unter Nagelsmann laut "Wyscout" nur weniger als zehn Pässe in deren Hälfte, ehe eine Defensivaktion erfolgte. Zum Vergleich: Der FC Bayern kam in der Saison 2025/26 ebenfalls auf knapp unter zehn. Der FC Barcelona, unter Hansi Flick eines der aggressivsten Pressingteams, kam auf knapp mehr als acht.

Für Deutschland wird die aggressive Pressingarbeit unter Klopp also keine ganz große Umstellung sein. Die Frage wird eher sein, wie der 59-Jährige es besser umsetzt als Nagelsmann. Denn gerade bei der WM war es eines der großen Probleme, dass die Offensivspieler allesamt keine herausragenden Pressingspieler waren.

Nagelsmann setzte auf Florian Wirtz, Jamal Musiala, Leroy Sane und Kai Havertz. Feine Techniker, gute Kombinationsspieler, aber gegen den Ball mit überschaubaren Fähigkeiten. Sind die Zeiten der feinen Kombinierer jetzt vorbei? Vermutlich nicht gänzlich.

Klopp hat mit Chris Führich, Said El Mala oder Serge Gnabry aber die eine oder andere Alternative im Kader, die sich eher über wuchtiges und aggressives Spiel definiert – eine gute Mischung aus beiden Welten wäre vorstellbar.

Jürgen Klopp beim DFB: 4-3-3 oder 4-2-3-1?

Auch im Spiel mit dem Ball wird es spannend. Gerade der Blick ins Mittelfeld lohnt sich hier. In den vergangenen Jahren setzte Klopp in aller Regel auf ein 4-3-3. Deutschland ist eher im 4-2-3-1 unterwegs gewesen – oder mit Dreierkette, aber die ist unter Klopp nicht zu erwarten.

Spielertypen hätte der Bundestrainer ausreichend für ein 4-3-3. Aleksandar Pavlovic bringt das perfekte Profil als Ankersechser mit, Joshua Kimmich, Felix Nmecha, Tom Bischof oder Nadiem Amiri sind spielstarke Achter mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken. Nur wohin dann mit Wirtz und Musiala, die beide als die großen Hoffnungsträger der Zukunft gelten?

Nagelsmann parkte sie immer mal wieder auf den Flügeln. Dort konnten sie ihre Stärken nur bedingt einbringen. Unter Klopp könnte es dahingehend aber einen weiteren Versuch geben. Der einstige BVB-Coach mag hohe und breite Außenverteidiger. Das würde es den Flügelspielern ermöglichen weit ins Zentrum einzurücken. Drei spielstarke Mittelfeldspieler plus Wirtz und Musiala? Das schreit nach einer guten Basis für Spielkontrolle.

Klopp wird zu Unrecht als reiner Gegenpressing-Trainer verschrien. Gerade in seiner Zeit in England hat er Liverpool zu einer sehr guten Ballbesitzmannschaft entwickelt, die gegen statische und tiefe Abwehrketten gute Lösungen entwickeln konnte. Es ist zu erwarten, dass er auch mit der Nationalmannschaft nach der richtigen Mischung aus Pressingkönnern und Technikern suchen wird.

Nur eher im 4-3-3 oder im 4-2-3-1 mit einer echten Zehn? Beide Systeme hat er im Repertoire.

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Die Problemstellen des Kaders

Mit zweieinhalb Problempositionen wird jedoch auch Klopp zu kämpfen haben. Rechts hinten wird der Platz durch die Kimmich-Versetzung ins Mittelfeld frei. Nominiert hat er Philipp Treu (SC Freiburg), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart), Ridle Baku (RB Leipzig) und mit kleinen Abstrichen Max Rosenfelder (SC Freiburg), der eigentlich Innenverteidiger ist, aber auch schon rechts hinten verteidigt hat und Felix Keidel (SV Elversberg), der eigentlich auf der Sechs zu Hause ist, aber auch beide Außenbahnen defensiv bespieln kann.

Baku und Vagnoman sind die gestandenen Namen. Auch Treu ist vielen bereits ein Begriff, da er seit einigen Jahren auf gutem Niveau spielt. Ein Länderspiel absolvierte er aber noch nicht. Die Profile sind sich allesamt recht ähnlich und passen gut zum breiten, offensiven Außenverteidiger, den es unter Klopp vermutlich geben wird.

Auf der Neun wird Klopp neben drei bekannten Gesichtern auch den Frankfurter Younes Ebnoutalib testen. Der 23-Jährige ist groß, athletisch und für seine Statur ziemlich schnell. Klopp ist kein Fan von zu vielen Flanken und wird auf flaches Kombinationsspiel setzen, aber Ebnoutalib ist jemand, der die richtigen Lücken in der Abwehr belaufen und anschließend Tore erzielen kann.

Eine halbe Problemposition ist die auf der linken Defensivbahn. Eigentlich ist Nathaniel Brown hier die prädestinierte Lösung, aber der Bayern-Profi mag es, nach innen zu ziehen. Wird Klopp hier eine Rolle für ihn hinbekommen? In Liverpool ermöglichte er Trent Alexander-Arnold viele Freiheiten. Das Problem könnte im DFB-Team aber sein, dass der Linksaußen Wirtz oder Musiala heißt und selbst nach innen ziehen möchte.

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Diesen Nagelsmann-Fehler muss Klopp vermeiden

Klopp wird hier und da also tüfteln müssen. Aber wie sagte er selbst so schön? Er will auf das schauen, was Deutschland hat und weniger auf das, was man nicht hat. Allein die vielen neuen Gesichter versprechen frischen Wind.

Womöglich wird es dem einen oder anderen gelingen, das Vorspielen für eine dauerhafte Rolle im Kader zu nutzen. Für den Moment konnte Klopp mit seinen zwei Kadern für eine kleine Aufbruchstimmung sorgen. Allerdings konnte Nagelsmann das einst auch.

Dessen Problem war es, dass er mit den Änderungen, Anpassungen und Tests nie so wirklich aufgehört hat. Teilweise erzwungen durch Verletzungen und Rücktritte, teilweise aber auch selbst initiiert.

Es ist der richtige Weg von Klopp, gerade jetzt Raum zu schaffen für Debütanten und Anpassungen. Seine große Herausforderung wird es aber sein, schnellstmöglich die richtigen Spieler für seine taktischen Ideen zu finden und die Rotation im Kader spätestens im Jahr vor der EM 2028 klein zu halten.

Aber wenn sich einer genau damit auskennt, dann wohl der Mann, der den deutschen Fußball der Moderne geprägt hat wie kaum ein anderer.

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